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Dienstag, den 30. Juli 1895

22. Jahrgang

uldaerMZeituiiß

mit Unterhaltrrngs-Keilage „Sterne und Klnmen".

..... „nh »„„rtnn, nuSaenommen — Vierteliäbrlicher Abonnementsvreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

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Breve des hl. Vaters an die belgischen Bischöfe über die soziale Frage.

(Schluß.)

Nicht in letzter Linie muß man aber dahin streben, daß Alle mit der schuldigen Ehrfurcht den weisen Plänen GotteS sich fügen, der eS so bestimmt hat, daß in der menschlichen Gesellschaft eine gewisfe Verschieden­heit der Stände bestehe, aber auch durch freundschaft­liches Hand in Hand gehen eine gewisfe Gleichheit: so sollen denn einmal die Arbeiter in keiner Weise der Achtung und Zuversicht zu ihren Arbeitgebern er­mangeln; diese hinwiederum sollen es in keinem Punkte an der Liebe, Güte und Fürsorge für Jene fehlen lassen. Auf diesen Puntten beruht vorzugsweise das gemeinsame Wohl, das ihr erstreben solltet: es leiten sich daraus wirksame Trostesmittel her für dieses irdische Leben, und für das himmlische Leben werden Verdienste erworben. Wenn die Katholiken die Grund­sätze der christlichen Weisheit mit größerem Eifer und Liebe umfassen und durch ihr Beispiel zu bekräftigen streben, wird auch leichter das Ziel erreicht werden, das Wir erhoffen, daß nämlich diejenigen, welche, durch Vorurtheile oder Scheingründe irregeleitet, vom geraden und rechten Wege abgeirrt sind, wieder zur Besinnung kommen und auf's Neue sich unter den Schutz und die Führung der Kirche begeben.

Jeder Katholik, der die Religion und das Vater­land in gleicher Weise liebt, wird gern und freudig die Entscheidungen eurer Klugheit vernehmen und sich denselben willig fügen, in der festen Ueberzeugung, daß es die beste Förderung der Sache fein wird, wenn ihre Entwickelung allmählich vor sich geht, und daß dies wahrhaft zur Festigung der Verhältnisie führen und viel höheren Nutzen stiften werde. Weit die von Uns schmerzlich empfundenen Schäden so schwerer Natur sind, daß sie einen Aufschub in der Anwendung der Heilmittel nicht gestatten, sind Wir der Meinung, daß inzwischen das Werk mit der Beschwichtigung der Ge- müther begonnen werden muß. Darum wünschen Wir, ehrwürdige Brüder, daß ihr in Unserem Namen die Katholiken anfeuert und ermahnt, fchon jetzt sich aller Streitigkeiten und erregten Debatten über dergleichen Dinge, sei eS in Versammlungen oder in Zeitungen und ähnlichen Schriften, vor Allem aber gegenseitiger Angriffe, völlig zu enthalten, und nicht dem Urtheil der rechtmäßigen Behörde vorzugreifen. Dann aber sollen sich Alle einmüthig und brüderlich bemühen, ihre Thätigkeit und Umsicht zur Erreichung des erwünschten Zieles mit der eurigen zu vereinen, und zwar soll der Klerus, dessen Pflicht es ist, sich allen neuen Lehr­meinungen gegenüber vorsichtig zu verhalten, damit vorangehen, die Gemüther durch die Religion zu be­sänftigen und zu gewinnen und über die Pflichten des christlichen Bürgers mahnend zu belehren.

Das ruhmreiche belgische Volk umfassen Wir schon längst in besonderer Liebe und Sorge; hinwiederum

30] <0, Um Gut und glitt.

Roman aus den napoleonischen Kriegen.

Bon M. Benno.

Indessen hatte sich der ganze Saal mit Schützen gefüllt. Diese drangen gegen das stark zusammen­geschmolzene Häuflein der Soldaten vor, an deren Spitze sich der Hauptmann gestellt hatte. Dieser focht wie ein Löwe. Er drängte minutenlang die Angreifer, welche auf Wallner's Befehl nicht mehr schoßen, zurück, aber auf einmal brach sein Degen entzwei und wehrlos stand er da. Schon hatte ein Bauer seinen Stutzen zum Schlage erhoben, da drängte sich eine weibliche Gestalt durch den Schwarm, und in der nächsten Se­kunde schlang Elise Wallner schützend ihren Arm um den Bedrohten.

„Seid Ihr denn Mörder?" kreischte sie, „zurück oder Ihr müßt mich mit todtschlagen. Bevor ich ihn tobten lasse, sterbe ich mit ihm!"

Im höchsten Grade betroffen hatte Anton Wallner auf die unerwartete Scene geblickt. Ein Blitz zorniger Ueberrafchung zuckte aus seinen Augen und die Sttrn- ader schwoll an. Doch diese Wallung ging rasch vor­über und der düstere Schatten verschwand aus seinem Gesichte.

Da tönte eine dumpfe Stimme aus der Menge heraus. „Warum hat er den Tollkühnen gespielt?

hat dieses Volk selbst, in dessen Seele der Glaube der Vorfahren noch warm erglüht, zahlreiche Beweife von Gehorsam und Liebe dargebracht. Zweifellos werden Unsere katholischen Söhne jene Ermahnungen und Be­fehle, mit denen Wir ihr Gemüth zu festigen beliebten, in derselben Gesinnung annehmen nnd auf's Gewissen­hafteste befolgen. Denn sie werden es gewiß nicht dahin kommen lassen, daß entsprechend ihrem langjäh­rigen Rufe der Eintracht irgendwann der Schein er­weckt werde, als ob sie selbst leichtsinnig durch ihre Zwietracht die gegenwärtige öffentliche Stellung der Religion im Lande, wie sie sich ähnlich mehr als ein Volk wünscht, beeinträchtigt und erschüttert hätten. Vielmehr sollen sie in engster Einttacht alle Kraft und Einsicht einsetzen im Kampfe gegen die Verderblichkeit des Sozialismus, von dem offenbar die größten Nebel und Schäden drohen. Hört jener doch niemals auf, Religion und Staatswesen auf's Aergste zu unter­wühlen; täglich bestrebt er sich, menschliche und gött­liche Rechte gleichmäßig zu verwirren und die Wohl- thaten der evangelischen Weisheit zu vernichten. Auf diese große Kalamität hat Unsere Stimme oft und ernst­lich hingewiesen; genugsam beweisen dies die Vor­schriften und Ermahnungen, wie Wir sie in Unserem Schreiben Herum novarum ertheilt haben. Darauf hin müssen also alle Gutgesinnten ohne Unterschied der Parteien ihren Sinn lenken: daß sie im gesetzlichen Kampfe für die christliche Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe im wahren Sinne die heiligen Rechte Gottes und des Vaterlandes, aus denen das öffentliche Wohl und Glück erblüht, schützen. Billigerweise stützt sich Unser Verttauen und Unsere Hoffnung in dieser Angelegen­heit vornehmlich auf euere Klugheit und Geschicklichkeit; darum erflehen Wir euch die reichen Schätze der gött­lichen Hilfe und ertheilen sowohl euch selbst als auch dem Klerus eines Jeden von euch und dem Volke aus's liebevollste den apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom bei St. Peter am 16. Juli 1895, im 18. Jahre Unseres Pontifikates.

X Charitas.

Wir haben bereits in Nr. 163 der .Fuldaer Zeitung' mitgetheilt, daß in Freiburg im Breisgau sich ein Komitee gebildet hat zu dem Zwecke, um eine Zeitschrift .Charitas' herauszugeben. Ein Entwurf und eine Probenummer liegen jetzt vor. Das Charitas- komitee besteht aus dem Erzb. Hofkaplan Herrn Dr. Lorenz Werthmann als Präsidenten, ferner aus den Herren: Oberamtsrichter Armbruster; Domkapitular Monsgr. R. Behrle; Dr. med. Gasiert; Universitäts­professor Dr. Heiner; Druckereiverwalter R. Hutter; Benefiziat Jsemann; Stadtpfarrer Jung; Pfarrer Dr. Käfer; Buchhalter Kaiser; Domkustos Karcher; Uni­versitätsprofessor Dr. Keppler; Rechtsanwalt Kopf; Ordinariatssekretär Kreuzer; Ordinariatssekretär Meier; Reichs- und Landtags abgeordneter Marbe; Mayer, Wir boten ihm Pardon an; er wollte aber nicht und viele unserer Brüder sind tobt. Äug' um Äug' unb Zahn um Zahn."

„Zahn um Zahn", grollte eS wie als Echo burch die Bauernschaar, welche mit erhobenen Waffen aber­mals vorbrang.

Elise sah es. „Vater, Vater", flehte sie in Tobes- angst, „gieb es nicht zu! Rette Hermann, sonst sterbe ich mit ihm! Du weißt, was er mir ist. Du billigtest zwar meine Wahl nicht, aber Du hast mir doch für bie Zukunft Hoffnung gegeben und ich war zufrieden damit. Warum wollt Ihr mich denn unglücklich machen, Ihr lieben Landsleute?" wandte sie sich an die Schützen; „weil dieser Offizier seine Pflicht gethan hat? Sein General befahl ihm, dieses Schloß bis zum letzten Blutstropfen zu halten, und er handelte als ein braver Soldat. Ihr nehmt es mir übel, daß ich ihm als Tirolerin mein Herz geschenkt habe, aber dafür kann ich halt nicht. Ich bin dennoch eine gute Tirolerin geblieben und ich will in diesem Augenblicke freiwillig auf meine Zukunft an der Seite dieses Mannes, der uns nach seiner Pflicht feindselig sein muß, verzichten, dem Vaterlande zu lieb. Nur schenkt ihm das Leben! Sein Tod nützt Euch nichts. Ich werde auch dafür beweifen, daß ich ein echtes Tirolerkind bin. Ich werde mit Euch in den Kampf ziehen, die Verwundeten pflegen, selbst sterben, wenn eS sein muß, und nicht

Superior der Barmherzigen Schwestern; Redatteur Fr. Meister; Rechtsanwalt Rötttnger; Dompfarrer Schober; Dr. med. Zipp. Die Redaktion wird Dompräbendar Dr. jur. August Bühler führen. Die neue katholische Zeitschrift für Charitas foll die ganze weitverzweigte Thätigkeit der christlichm Nächstenliebe zunächst im atholischen Deutschland in den Bereich ihrer Dar- tellung ziehen. Sie will:

1) die Werke der katholischen Nächstenliebe zur Ehre GotteS, seiner heiligen Kirche und zum Nutzen der Katholiken mehr bekannt machen; sie will ferner

2) eine bessere Organisation dieser Werke anregen, ördern und befestigen;

3) den Wirkungskreis der katholifchm Nächstenliebe erweitern;

4) die der katholischen charitativen Thättgkeit an­haftenden Mängel beseitigen helfen;

5) die staatlichen, gemeindlichen und privaten Humanitären Wohlthätigkeits - Bestrebungen zur Be­ehrung und Anregung der Katholiken sachgemäß dar- tellen;

6) über die Art und Weise des Zusammenwirkens mit den genannten Faktoren belehren;

7) über die soziale und Armengesetzgebung des Deutschen Reiches sowie

8) über die Gesundheitspflege, soweit dieselbe das Gebiet der Charitas berührt, näher unterrichten; sie will endlich

9) die im Dienste der Charitas wirkenden katho­lischen Männer und Frauen in ihrem Wirken bestärken, erheben, vervollkommnen.

Die Zeitschrift wird also belehrende und erbauliche Aufsätze, wissenschaftliche und unmittelbar prakttsche Abhandlungen, statistische Zusammenstellungen und kleinere MiScellen aus den verschiedenen Gebieten der christlichen Charitas in reicher Mannigsaltigkeit bringen.

Das Komitee hat die hochwürdigsten Herren Bischöfe gebeten, je eine geeignete Persönlichkeit ihrer Diözesen bezeichnen zu wollen, welche als Diözesan­referent die Zeitschrift bedienen und als auswärtiges Mitglied dem Charitas-Komitee beitreten würde. Auch an die Vorstände der charitativen kirchlichen Kongre­gationen, Anstalten und Vereine erging das Ersuchen, der „Charitas"-Sache gegenüber sich nicht theilnahmSloS verhalten, sondern dieselbe sowohl durch geeignete Mit­theilungen über ihre Institute und ihr Wirken als auch durch Bezug eines oder mehrerer Exemplare unterstützen zu wollen; denn dar Gedeihen der Zeit­schrift muß ihnen sicherlich sowohl in ihrem eigenen wie im Interesse der heiligen Kirche am Herzen liegen. Am Schluffe der Einführung bemerk das Komitee: „Bevor ein gutes und zugkräftiges Material für eine Reihe von Nummern gesichert ist, werden wir nicht an die Oeffentlichkeit treten. Wir hoffen dies aber fpätestens mit Beginn des nächsten Jahres thun zu können und beabsichtigen von da an Monatsnummern von etwa 16 Seiten in dem vorliegenden Format er» eher heimkehren, bis Tirol wieder frei und Kaiser Franzl unser lieber Herr ist."

Diese mit hoher Begeisterung gegebene Erklärung des jungen Mädchens rief einen vollkommenen Um­schwung in der Stimmung der Schützen hervor. Ein Beifallssturm durchbrauste den Saal. Wallner aber drückte, von Rührung überwältigt, sein Äinb an bie Brust.

Seine unb Elisens Aufmerksamkeit würbe durch ein schmerzliches Stöhnen geweckt. Der Hauptmann Hohenberg hatte bis jetzt seiner Verwundung gar keine Beachtung geschentt und auch von Niemandem sonst war sie bemerkt worden, obgleich das Blut über seine Fußbekleidung auf den Boden quoll. Endlich aber unterlag seine starke Natur doch und er brach zu­sammen. Einer der Soldaten hatte ihm beispriugen wollen, aber er kam zu spät. Händeringend schaute Elise auf den Offizier, der bewußtlos in einer großen Blutlache 'lag. Wallner beugte sich zu ihm hinab unb schaute nach ber Wunde. „Es ist nicht gefährlich," sagte er, „nur ein Streifschuß; der große Blutverlust hat den wackeren Mann der Besinnung beraubt." Er befahl den Soldaten, die indefsen ihre Waffen schweigend bei Seite gelegt hatten, den Verwundeten nach seinem Lager zu tragen, wo er, von der Base unterstützt, die Wunde verband.

Damit war der Kampf beendet. Die Tiroler