Jti. 172
Momag, den 29. Juli 1895
22. Jahramp
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mit Unterhaltungs-Keilage „Sterne und Klumen".
es
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Kreve des hl. Vaters an die belgischen Bischöfe über die soziale Frage.
Den ehrwürdigen Brüdern PetruS Lambertus der hl. römischen Kirche Kardinal Goossens, Erzbischof von
Mecheln, und den übrigen Bischöfen Belgiens
Leo P. P. XIII.
Ehrwürdige Brüder! Gruß und apostol. Segen!
Bewogen durch Unsere innige Liebe zu eurer Nation und auf die Bitten mehrerer Landsleute hin wenden Wir in einer wichtigen Angelegenheit den Katholiken Belgiens unsere vorzügliche Sorge zu. Ihr wisset wohl, worauf Wir abzielen: es ist die soziale Frage, die unter ihnen etwas heftig behandelt wurde und in solchem Grade die Gemüther erregt, daß sie von Uns Erleichterung und Heilung zu heischen scheint. Die schon an sich schwierige Sache ist bei euch mit vermehrten Schwierigkeiten verbunden; dennoch haben Wir Uns nicht geweigert, an sie heranzutreten, zumal sie mit der Religion und dem nothwendigen Dienste Unseres Amtes in Zusammenhang steht. Haben Wir es doch schon ftüher für gut befunden, auf diesen Zweig der Wissenschaft die Grundsätze der christlichen Weisheit, den modernen Sitten angepaßt, in Anwendung zu bringen, und mit Freude erinnern Wir uns der reichen Saat von Gütern, die daraus für die Einzelnen, wie für die Gemeinwesen hervorgegangen ist, und hoffen, daß sie sich von Tag zu Tag mehren werde. Auch unter den belgischen Katholiken, die sich von Anfang an mit großem Eifer auf diese Wissenschaft verlegten, haben sie Früchte gebracht, aber doch nicht in dem Grade, daß sie den gerechten Erwartungen entsprächen, die man bei einem so geeigneten Lande und Volke hegen mußte. Was dem im Wege stand, ist ja zur Genüge bekannt; sie haben, möglicherweise in der besten Absicht, der eine dies, der andere jenes System, in Theorie und Praxis, aufgestellt und halten sich daran; infolge dessen entspricht weder der Erfolg der aufgewandten Mühe, noch bliebe die volle Einigkeit der Katholiken erhalten Dies Beispiel von Zwietracht unter den belgischen Katholiken, so neu und so ungünstig begonnen, geht Uns gar nah; hatten sie doch bisher stets eine so glückliche und fruchtbringende Thätigkeit an den Tag gelegt. Es sei da nur, um nicht weiter zurückzugreifen, an die Schulfrage erinnert. Da in derselben eine, be- wundernswerthe Uebereinstimmung des Wollens und ein edles und thatkräftiges Streben die Katholiken aller Stände mit einander verband, so hatte, gerade durch diese Einigkeit, die Sache Erfolg, zur Ehre der Religion und zum Heile der Jugend.
Bei eurer Klugheit, ehrwürdige Brüder, seht ihr ja wohl selbst ein, auf waS für gefährliche Irrwege sowohl im öffentlichen wie im privaten Leben eure Heerden zu gerathen drohen, wenn die Geister so nach verschiedenen Richtungen auseinandergehen, ihr seht ein, wie dringend es nöthig ist, zur Heilung des Uebelszu
291 K> Um Gut und Kirrt.
Roman aus den napoleonischen Kriegen.
Von M. Benno.
In athemloser Hast war Elise Wallner zum Garten hinausgespruugen und nach dem von einem Gebirgsausläufer herabwinkenden Schlosse geeilt. Nach einer Viertelstunde hatte sie das Hofthor erreicht. Dort lagen einige bayerische Soldaten in sorgloser Ruhe auf den Bänken, andere schauten, aus kurzen Pfeifen rauchend oder ein Lied vor sich hinsummend, zu den Fenstern des ihnen einqeräumten Sckloßflügels heraus. Mit flüchtigem Gruße schritt das Mädchen an den achtungsvoll Platz machenden Männern vorüber, durcheilte den Hos und hatte nach wenigen Minuten, über die Treppen und Korridore hinfliegend, eine Thür erreicht, welche sie öffnete und eintrat.
Eine Matrone saß am Nähtische. Diese schaute durch ihre runden Brillengläser in augenscheinlicher Ueberraschung aut das Mädchen mit den erglühten Wangen. „Du bist's, Else," sagte sie, „waS führt denn Dich in solcher Eile zu unS?"
Elise schöpfte Athem. „Wo ist der Herr Hauptmann?" fragte sie dann hastig.
Die alte Frau lächelte. Sie antwortete nicht gleich. Da trat das Mädchen einen Schritt vor. „Um Gotteswillen, Base, schnell, schnell, sag' mir, wo der Offizier ist!"
schreiten. Ta Wir auch sehr wohl wissen, welch' glühender Eifer für die Wiederherstellung und Festigung der Einigkeit euch erfüllt, so fordern Wir euch in erster Linie zu diesem so heiligen, für einen Bischof so ehrenvollen Werke auf: der Erfolg kann demselben um so weniger fehlen bei der großen Ehrfurcht, die man dort zu Lande verdientermaßen eurer Würde entgegenbringt. Wir halten es deswegen für daS Beste und legen eS euch warm an's Herz, daß ihr möglichst bald zu einer gemeinsamen Berathung zusammentretet. In derselben könnt ihr ja eure Ansichten austauschen, ihr könnt die Ursache und Größe des UebelS nach allen Richtungen hin gründlich erforschen und euch über beffere Maßregeln zum Zwecke der Beilegung verständigen. Diese Angelegenheit erweist sich nämlich bei richtiger Betrachtung nicht als so einfach. Wenn sie sich auch auf die äußeren Güter bezieht, so bezieht sie sich doch in erster Linie auf Religion und Moral, außerdem hängt sie aber auch mit der bürgerlichen Gesetzgebung zusammen, um schließlich im weitesten Sinne die Rechte und Pflichten aller Stände zu berühren. Wenn wir nun weiterhin die evangelischen Grundsätze der Gerechtigkeit und Liebe, welche Wir angezogen haben, auf die Sache selbst und den Gebrauch des Lebens anwenden, so kommen nothwendiger Weise vielfache Verhältnisse privater Natur in Betracht. Dazu treten dann noch die speziell für Belgien eigenthümlichen Verhältnisse von Handwerk und Industrie, von Arbeitgebern und Arbeitern.
Es sind das, ehrwürdige Brüder, gewiß Dinge von großer Wichtigkeit und Schwierigkeit, in denen sich eure Einsicht und euer Eifer bethätigen möge. Aber auch an Unseren Rathschlägen soll es euch in der gegenwärtigen Lage nicht fehlen. So werdet ihr nach Abhaltung jener Versammlung mit weniger Mühe und mehr Sicherheit in euren einzelnen Diözesen die den Personen und Orten angemessenen Heil- und Be- schwichtigungSmittel beschließen. Diese selbst aber werdet ihr, unter Beihilse geeigneter Laien, so gestalten müssen, daß sie einen möglichst großen Werth haben für alle Katholiken der ganzen Nation zugleich; so daß also die Aktion der Katholiken, aus denselben Anfängen hervorgegangen und soweit immer möglich auf denselben Wegen fortgeführt, durchweg als einzige sich darbiete und aus diese Weise durch Würde und Kraft sich auszeichne sowie durch die Fülle prattischer Erfolge. Freilich wird dies nicht nach Wunsch gelingen, wenn nicht die Katholiken — und darauf legen Wir besondern Nachdruck — unter Hintansetzung ihrer Privatmeinungen und Privatinteressen ihr ausschließliches Streben und energisches Wollen auf die Dinge richten, die von offenbarstem Nutzen für das Gemeinwohl sind. Auf solche Weise wird die Religion zu Ehren kommen und die ihr innewohnende, so wunderbar heilsame Kraft auch im bürgerlichen Leben, im privaten sowohl wie im öffentlichen, zur Wirksamkeit gelangen, damit, indem die öffentliche Autorität und die Freiheit im christlichen
Nun erkannte die Frau die Angst Elsens und wurde auch unruhig „Was gibt es denn?" forschte sie, „Du bist ja ganz außer Dir? Der Herr Hauptmann ist in seinem Zimmer."
„So rufe ihn," drängte das Mädchen, „ich muß ihm sagen, daß er in der größten Gefahr schwebt. Der Ausstand bricht los. Der Amtmann und zwei Gerichtsdiener wurden drunten von den Bauern bereits gefangen genommen, und ihr nächstes Ziel ist natürlich dieses Schloß. Sie sind ihrer mehrere Hundert. Hermann kann mit seiner Handvoll Leute nichts gegen sie ausrichten. Er soll die Flucht ergreifen, so lange es noch Zeit ist."
Die Frau hatte die Farbe gewechselt. Rasch erhob sie sich und verschwand durch eine Seitenthüre, unter deren Rahmen gleich nachher ein schmucker Offizier von etwa dreißig Jahren erschien. Als er Elise sah, wurde sein von der Sonne gebräuntes Gesicht von einem Strahl hoher Freude verklärt. Mit ausqebreiteten Armen eilte er auf sie zu. Er küßte sie aus die reine Stirne und zog sie innig an sich.
Einen Augenblick duldete das Mädchen diese Liebkosung, dann aber riß sie sich los. „Du mußt ohne Verzug fort, Hermann," stieß sie hastig hervor. „In der nächsten Viertelstunde schon wird Weißenftein von den Tirolern gestürmt. Das ganze Landl erhebt sich und die Oesterreicher marschiren gegen die Grenze heran."
Sinne ausgesöhnt sind, das Königreich, von Zwiespalt und Aufruhr unberührt, in ruhiger Sicherheit dastehe, daß die nützlichen Staatseinrichtungen, vor allem aber die Schulen der Heranwachsenden Jugend, weitere Fortschritte machen; daß Handel und Kunst gehoben werden, vor allem durch die Thätigkeit der Vereinigungen, deren es bei euch ja so verschiedene zu verschiedenem Zweck gibt und deren weitere Vermehrung unter Leitung und Begünstigung der Religion wünschenswerth erscheint.
(Schluß folgt.)
Deutsches Reich.
Berlin, 27. Juli.
* Der Kaiser hat, wie die Münchener ,Neuest. Nachr.' mittheilen, an den kommandirenden General des ersten bayerischen Armeekorps, Prinz Arnulf von Bayern, die Einladung ergehen lassen, den Anfangs September bei Stettin stattfind»'nden Kaiser- Manövern beizuwohnen. — Verschiedene Blätter stellen allerlei Konjekturen über den Inhalt eines Handschreibens an, das Kaiser Wilhelm II. an den Zaren gerichtet hat. Wie von zuverlässiger Seite mitgetheilt wird, ist nur zutreffend, daß ein solches Handschreiben abgegangen ist; alle Angaben über dessen Inhalt beruhen aber lediglich auf willkürlichen Kombinattonen.
* Die.Köln. Z.' bringt folgende sehr verständliche offiziöse Notiz aus Berlin: „In auswärtigen (leider auch inländischen) Blättern wird seit einiger Zeit mit einer gewissen Hartnäckigkeit die Meldung wiederholt, der Kaiser beabsichtige, im Herbste dem it a l ieni sch en Hose einen Besuch abzustatten. Da über die Zeit- eintheilung des Kaisers bereits ganz endgiltige Anordnungen getroffen sind, in diesen eine Reise nach Italien aber in keiner Weise in Aussicht genommen ist, so beruht die Meldung auf Erfindung." Die Aufdringlichkeit gewisser Leute muß hiernach allmählich wohl etwas gar zu stark geworden sein; denn der obige Wink ist sehr deutlich.
* Heber den „Patriotismus" des Großkapitals hebt die ,Magdeb. Zig.' in einer geschichtlichen Erinnerung an die Kriegsanleihe, welche vor 25 Jahren von 120 Millionen Thalern zur Kriegsführung von den verbündeten Regierungen des norddeutschen Bundes gefordert wurde, hervor, daß die großen Bankhäuser keinen Finger gerührt haben, als es galt, für die Vertheidigung des Vaterlandes die nöthigen Geldmittel aufzubringen. Bis zum 4. August waren nur 3 Millionen gezeichnet; erst später kam eine größere, aber immer noch verhältnißmäßig geringe Summe zusammen. Die ,Magdeb. Ztg.' bemerkt: Die großen Finanziers waren an diesem Resultate so gut wie ganz unschuldig, und nur weil alle Schichten der Bevölkerung, namentlich die kleinen Sparer, trendig an dem patriotischen Werke sich betheiligten, floß überhaupt Geld in die Reichskasse. Gezeichnet wurden in Berlin
Betroffen war der Offizier zusammengezuckt. Er bekam jedoch seine Fassung gleich wieder zurück. Ein Lächeln spielte sogar um seinen Mund. „Du sähest wohl Gespenster, mein liebes Kind," sagte er, „oder es hat Dich Jemand zum Besten gehabt. Die Bauern sollten es wagen ..."
Das Mädchen rang die Hände. Thränen brachen aus ihren Augen hervor. „Um Gotteswillen, so glaube mir doch," flehte sie, „es ist Alles wahr!"
Sie erzählte, was sie drunten in Windisch-Matrey gesehen und gehört hatte, und bewirkte dadurch, daß der Offizier an die drohende Gefahr zu glauben begann. Nicht Angst und Schrecken waren es jedoch, welche dadurch in ihm geweckt wurden, sondern ein anderes Gefühl.
Er erglühte vor Zorn. „Die Pflichtvergessenen," rief er, „die Verblendeten! Mit Gewalt rennen sie in ihr Verderben! Sie sollen nur kommen! Ich werde ihnen zeigen, daß' ich meine Pflichten besser kenne, als sie!"
Elise brach auf's Neue in Thränen aus. Sie warf sich vor dem Hauptmann aus die Kniee und hob die gefalteten Hände zu ihm empor. „Um aller Heiligen willen beschwöre ich Dich," flehte sie, „gib Dein Leben nicht vermessentlich preis. Du kannst mit Deinen Leuten nicht siegen. Wenn Du freiwillig abziehst, wird der Vater dafür sorgen, daß man Euch nicht verfolgt, wenn