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mit Untrrhaltnnss-KeUa-r „Sterne und Klumrn«.________________

facbe bleibt, daß nach wie vor die Ueberführung von I Grund und Boden in Gemeineigenthum als letztes Endziel gefordert wird.

Der Abg. v. Vollmar hat wegen Krankheit an den letzten Verhandlungen der Agrarkommission nicht theü- nehmen können. Man wird also erst in Breslau hören, wie er über den Entwurs und über dessen Inter­pretation durch seinen Genossen Bebel denkt. Vollmar hat im vorigen Jahre auf dem Frankfurter Parteitag das Landprogramm der französischen Sozialisten ver­treten, wonach es eine gebieterische Pflicht des Sozia­lismus sein soll, „die selbständig arbeitenden Bauern im Besitze ihrer Landstückchen zu erhalten gegenüber dem FiSkus, dem Wucher und den Eingriffen der neu­erstandenen großen Grundherren". Die Partei habe von Anfang an einen Unterschied gemacht zwischen dem individuellen Eigenthum des von dem Produzenten selbst angewandten Arbeitsmittels und dem kapitalistrten Eigenthum einer Handvoll Müssiger. Weit davon ent­fernt, den Bauer enteignen zu wollen, wolle der Kollektivismus ihn von Lasten aller Art befreien. Um diesen noch unausgeglichenen Gegensatz zwischen der Vollmar'schen und der Beoel'schen Richtung wird sich in nächster Zeit der Kampf wesentlich drehen. Bebel will in erster Linie die Landarbeiter gewinnen, den „proletarischen Klassenkamps" auch auf'S Land tragen, Vollmar hofft die Kleinbauern ebenfalls gewinnen zu können, indem ihnen ihr Besitz an Pro­duktionsmitteln qerantirt und für sie zugleich der ge­nossenschaftliche Betrieb mit Staatskredit vorgeschlagen wird. Zunächst werden aber die Breslauer Verhand- I hingen abzuwarten sein.__

Hast Du auch schon von dem Gerüchte gehört," fuhr" er dann fort, „das von den einfältigen Bauern natürlich geglaubt wird und auf nichts Geringeres hinzielt, als eine Kriegserklärung Oesterreichs an Napoleon und den Einmarsch einer kaiserlichen Armee in Tirol. Ha, ha, ha," stieß er geringschätzig hervor, „die ausgehausten Oesterreicher einem Napoleon die Stirne bieten! Wie man nur einen solchen Unsinn breit

Aqil's Lippen hatten bei den letzten Worten des Kommissars merklich gebebt. Er preßte jedoch die Zähne darauf und wußte sich so zu beherrschen, daß auch nicht eine Linie seines Gesichtes bekundete, was in seinem ^"^Jch^°habe^ davon gehört," erklärte er trocken, hncfi "

" Du glaubst natürlich auch nicht daran," fiel ihm Hofstetten ins> Wort, „denn Du bist ein geriebener Bursche der die Verhältnisse kennt. Vorerst lege ich der Sache nicht den geringsten Werth bei. Sollten sich jedoch die Köpfe der Bauern etwa da und dort durch das dumme Gefchwätz erhitzen lassen, dann wird man ihnen zeigen, wer Herr im Lande ist. Es kann nichts schaden, wenn Du ein Bischen die Augen und Ohren aufmachst. Halte mich auf dem Laufenden, und ich will dann dafür sorgen, daß Dir und Deinen Leuten

welchen Posten oder vielleicht genauer gesagt, welche« Oberpräsidium Herr v. Boetticher erhalten sollte. Er selbst war darauf vorbereitet. Man darf thatsüchlich an» nehmen, daß die Veränderung unterblieben ist, weil unmittelbar vorher Fürst Bismarck wieder einmal die bekannten Angriffe gegen den verhaßten Klebeminister richtete. Er hat damit wirklich, wenn es auch seine Organe zu leugnen suchen, die gegenwärtige Stellung des Herrn von Boetticher befestigt, was in den be­kannten Vertrauenskundgebungen anläßlich der Kieler Feier auch zum Ausdruck kam.

* Anläßlich des 25jährigen Jubiläums der großen Tage deS Jahres 1870 erscheinen jetzt eine nicht geringe Anzahl von Schriften auf dem Büchermärkte, welche jene glorreichen Gedenktage feiern. Auch den Schulen werden alte und neue Bücher, die den Gegenstand be­handeln, zur Vertheilung an Schüler angeboten. An und für sich ist dagegen nichts zu erinnern, aber die Mahnung ist am Platze, daß Lehrer und Ettern sich den Inhalt der empfohlenen Bücher genau ansehen, wenn sie' dieselben anschaffen. So wurde dieser Tage I dem Leiter einer katholischen Schule ein Lebensbild des Kaisers Wilhelm I. von Ernst Scherenberg zuge- schickt, welches für katholische Schulen durchaus

I ungeeignet ist. Darin heißt es: Nach 1870 ent­stand ein Kampf „mit den nach Verkündigung deS Unfehlbarkeitsdogmas in'S Maßlofe wachsenden Herr­schaftsansprüchen des von dem streitbaren Pius IX. besetzten päpstlichen Stuhles und der von diesem gegen das protestantische neue Kaiserthum (!) in's Feld ge­führten ultramontanen Partei, welcher sich die unzu­friedenen welfischen, polnischen und elsässisch - protest- lerischen Elemente und vielfach auch die Sozialdemo­kraten anschloffen." Ueber den Brief deS Papstes an den Kaiser Wilhelm vom 7. August 1873 wird gesagt: „Ein Sturm der Entrüstung, nicht nur in allen prote­stantischen Gauen Deutschlands, nein, auch in den

I Herzen aller nicht zum verstockten Ultra mott» taniSmuS gehörigen national denkenden deutschen Katholiken erhob sich." In einem bann mitgetfjeilten Gedichte wird von den Ultramontanen gesagt, ihr Schild sei die Lüge, ihr Schwert der Fluch. Auf die Frage, wem der Kulturkamp f gatt, wird geantroorte mit‘einem Gedichte, in welchem es heißt:

Wem gilt unser Krieg? Nicht dem stillen Gebet, Das den Segen der Liebe vom Himmel erfleht, Gleichviel wie die Lippe es flüstert — Doch dem Priesterhaß und dem Dogmenzwang, Der die Seele des Volkes vergiftend durchdrang Und den Frieden des Hauses umdüstert.

Vor Allem aber galt der damalige „nothgedrun- gene" Krieg denjenigen,

Die im Dunkeln ihr schleicht, zu verderblichem Bund Eure Fäden und Maschen zu schürzen;

Die nimmermehr deutsch ihr gedacht und gefühlt. Die mit Welschen ihr äugelt, nnt Welschen ihr fühlt, Unser Reich und den Kaiser zu stürzen.

Diese prosaischen und poetischen Ergüsse zeigen I deutlich genug, wie vorsichtig katholische Lehrer und Ettern bei der Auswahl patriotischer Schriften sem müssen.

“> ß Um Gut imd K>«1.

Roman au8 den napoleonischen Kriegen.

Bon M. Benno.

In diesem Augenblicke wurde die Seitenthüre wieder geöffnet, unter deren Rahmen Hofstetten trat. Er schaute gleichgittig in die große WirthSstube heraus. Auf einmal belebte sich sein Minenspiel. Er winkte dem Wirth und sprach einige Worte mit ihm, dann wa er sich wieder zurück. Ersterer begab sich an den Tisch wo sich Agil befand, und theitte diesem nut, daß der Kommissar ihn zu sprechen verlange.

Der Zigeuner erhob sich und folgte diesem Ruse. Hofstetten stand in der Mitte des nicht großen Ge­maches. Er maß den eintretenden Zigeuner mit einem forschenden Blick. „

ES ist mir angenehm, Dich zu treffen, begann er "und zwar um so mehr, als Du Dich seit längerer «eit" nicht bei mir eingestellt hast. Vor ein paar Stunden ersuhr ich die schlimme Geschichte, welche in Tannenberg und an der Zillerbrücke pasfirt ist, sowie daß Du mit Deinen Leuten an der Befreiung der beiden Mädchen Theil nahmst. Erstatte mir genauen Bericht." ,. _ . , , ,

Agil erzählte. Von seiner Sendung aber sprach er kein Wort.

„Und wer soll der eigentliche Urheber sein?" forschte Hofstetten weiter. „Tu kommst unter die Leute und hörst, was gesprochen wird. Hat man keinen Ver- j ^Der Zigeuner räusperte sich. ,.Es ist erwiesen," erklärte er, „daß das Komplott von dem Förster Schleicher und der entflohenen Zofe Salome Gerstel ausginq, die man, wie die Gräfin Tannenberg er­wartet, nach Gebühr für ihren Frevel bestrafen wird. Ein anderer Name wurde bis jetzt von Niemandem

Hochstetten lachte. „Nun ja," warf er leicht hin, „wir wollen ja sehen; aber am Ende war die ganze Geschichte doch nur ein schlechter Spaß und Ihr dürst froh sein, wenn man Euch nicht dafür, daß Ihr den Dragonern so übel mit'pieltet, beim Kragen nimmt. Es wird deshalb Euer eigener Vortheil sein, wenn Ihr von der Sache möglichst wenig Aufhebens macht. Ist Fräulein Haynald im Schlosses

„Sie war dort," entgegnete Agil, „hat dasselbe aber, so viel ich weiß, heute mit der Tochter Hofer S verlassen, welche in das WirthShauS „am Sand" zu­rückgekehrt ist."

Der Kommissar drückte seine Brauen tief auf die Augen herab. Em Gr danke beschäftigte ihn. Er sprach denselben nicht aus. •

)-( Ueber den sozialdemokratischen Agrarprogramm-Entwnrs, der den nächsten Parteitag in Breslau beschäftigen soll, wird jetzt in der Presse viel hin und hergeredet, nament­lich seitdem auch der .Vorwärts' begonnen hat, in einer Artikelreihe den Entwurf zu erläutern. ES verlohnt 1 sich aber nicht, jetzt näher aus die Sache einzugehen, weil man eS nur mit dem Entwurf eines Entwurfes zu thun hat. Wir erwähnten schon, daß die Mitglieder der sozialdem. Agrarkommission, die vor dem Breslauer Parteitage erst noch einmal zur endgültigen Festsetzung I des Entwurfs zusammen kommen wollen, sich ausdrück­lich freie Hand" Vorbehalten haben. Das wird heute I in einem der Programm-Artikel des ,Vorwärts' be- I (tätigt, in welchem es von den Arbeiten der Kommission heißt: „Schließlich kam man überein, daß alle Mit­glieder für ihre Stellungnahme, sei es zu Einzelheiten, sei es zum Ganzen, auf dem Parteitag fteie Hand be­bakten sollen, weil Alle der Ansicht waren, mchts Voll­kommenes geschaffen zu haben." An anderer Stelle wird sogar gesagt, es werde die Lkritik m der Partei­presse und in den Versammlungen und die Verhand­lung auf dem Parteitag ergeben, daß auch verschiedene Aenderungen materieller Art nothwendig feien. Aus diesen Gründen verzichtet der .Vorwärts' auf eine Polemik mit den Parteiblättern, die wie der .Sozial­demokrat' den Entwurf theilweise recht absprechend beurtheilt haben. „ . ]

- AuS den bisherigen zwei Artikeln des .Vorwärts, bie A. B. unterzeichnet sind, also wohl Herrn August Bebel selbst zum Verfasser haben, ist m der Haupt­sache nur das Bestreben ersichtlich, fort und fort zu betonen, daß der Entwurf „keine Konzefftou am Prmzip mache. Der prinzipielle (erste) Therl des Programms fei unangetastet geblieben. Nach tote vor werde als Ziel die Verwandlung deS kapitalistifchen Privatergen- thumS an Produktionsmitteln, also auch deS Grund und Bodens, in gesellschaftliches Eigenthum gefordert. Die Aufnahme von Agrarreformen in den zweiten Theil des Programm-, der die Forderungen an den Gegenwartstaat enthält, fei aber eine unabweisbare Nothwendigkeit geworden, „um sowohl unseren Agita­toren wie unseren Vertretern in der Presse, in den Gemeinde- und Landesvertretungen und im Reichstage eine Richtschnur für ihr Handeln zu geben." Aber die aufgefteHten Forderungen seien keineswegs sozia­listisch und sie würden nur aus idealen Erwägungen gestellt, weil daS Bürgerthum aus Furcht vor der Sozialdemokratie diese Forderungen, die eigentlich von ihm gestellt werden müßten, im Stich lasse. Man habe die Forderungen so formulirt, daß die bürgerlichen Parteien ihnen nicht zuftimmen würden, aus Angst vor Den Wirkungen und Konsequenzen rc. Au« diesen ge­schraubten Sätzen folgt blvs das Eine, daß man, um einer bestimmten Richtung innerhalb der Partei ent» qeqenzukommen, etwas in „Bauernfang" machen will. Nützt es nichts, so schadet es auch nichts. Die Haupt-

Deutjches Reich.

Berlin, 24. Juli.

* Von der Nordlandsreife des Kaisers wird gemeldet, daß, da die Reise nach Bergholm und Hel- sinqborg aufgegeben ist, erst morgen (Donnerstag) Abend von Hernösand direkt nach Saßnitz in See gegangen wird. Das Wetter wechselt. — Der deutsche Militar- Attacko in Bern, Oberftlieutenant v. Seckendorf, überreichte der Familie des verstorbenen Bundesrathes Schenk die von der Kaiserin übersandte Wrdmvngs- schleife mit den unterhalb der Krone gestickten Initialen der Kaiserin. Der offiziöse „Bund" bemerkt hierzu, es bedürfe keiner Versicherung, daß dieser Akt zum Herzen des ganzen Schweizervolkes spreche. — Dem Kultus­minister Dr. Bosse ist ein Erholungs - Urlaub vom 24. Juli bis zum 31. August bewilligt worden, den er in Vorarlberg zu verleben gedenkt. Die Vertretung des Ministers wird der Unterstaatssekretär Dr. v. Wey­rauch übernehmen.

* Der Rücktritt des Staatssekretärs v. Boetticher von seinem Amte soll der .Franks. Ztg.' zufolge nach der Feier der Eröffnung des Nord OstseekanalS allen Ernstes beabsichtigt und eigentlich eine fest beschlossene Sache gewesen sein: Es handelte sich nur noch darum,