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Mittwoch, den 24. Juli 1895
22. Jchrgaug
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mit Unterhaltungs-Heilage „Sterne und Kinmeu"
(die 8. Jacobi MDCCCXCV)
Ergo ave, dilecte!
G.
Dona recludens.
Gratulabundis celebretur anno, Dum fidus pastor vigilansque semper Hane dioecesin Bonifatianam
Rite gubernat. —
Cur plebem multam, feminas virosque Prole cum laeta, ad peragenda sacra Hic vides iunctam superas in auras
Mittere voces ?
Kaiser und dem Präsidenten der südafrikanischen Republik Krüger, welcher sich bei der feierlichen Eröffnung der Deloagobai-Eisenbahn an Bord des deutschen Kriegsschiffs „Condor" in der Deloagobai befand, wird als ein Glied in der Kette der freundschaftlichen Beziehungen betrachtet, welche zwischen der Burenrepublik und dem deutschen Reich bestihen. Unsere Sympathien für die Buren stützen sich nicht nur auf handelspolitische Erwägungen, sondern auch auf deutschkoloniale. Das Bestreben der englischen großafrikanischen Partei in der Kapkolonie, deren Stichwort „vom Kap bis zum Nil" ist, ganz Südafrika unter englischen Einfluß zu bringen, dürfte sich über kurz oder lang auch in unseren südwestafrikanischen Kolonien geltend machen. In der Kapkolonie ist die Ansicht vorherrschend, daß wir uns auf die Dauer doch nicht in Südafrika würben halten können, und die Gefahr scheint allerdings vorzuliegen, daß unser Schutzgebiet zu sehr nach der Kapkolonie hm gravitirt, wenn es uns nicht gelingt, uns ganz unabhängig zu stellen. .
Unsere natürlichen Verbündeten m diesem Bestreben sind die staatlich organisirten Buren, welche gegen das Ueberwuchern des englischen Einflusses mit aller Macht sich wehren. Der Aufschwung Südafrikas hat sich in den letzten Jahren dank der Entdeckung und Ausbeutung der Diamanten- und Goldlager in einem Tempo vollzogen, das stark an die Licht- und Schattenseiten einer erst vor wenigen Jahren entschwundenen amerikanischen Zeit oder an gewisse Vorgänge in Australien erinnert.
Die Nachricht, daß auch in Deutsch-Ostafrika im Hinterlande von Tanga in Flüssen Schwemmgold gefunden worden sei, ist jedenfalls mit Vorsicht aufzunehmen. Dagegen scheint sich die Nachricht von Kohlenfunden zu bestätigen. Es würde dies für die wirthschastliche Entwickelung unserer Kolonie von weittragender Bedeutung sein.
Splenduit mitra baculo'que pnmum et Jam gregi fido dedit almam ovanti Mente devota benedictionem
Luce Jacobi.
Haec dies anno est redeunte festa, Qua novus claram cathedram sacramque Occupans pastor pius et verendus
Splenduit auro,
Quid crepant Fuldae cameris ab altis Mane campanae sonitus ? Quid aede in Hac cathedrali chorus eruditus
Carmina cantat?
Protinus nobis pater usque largam Copiam sparsit meritorum amandus. — Illa fortunata dies piorum
Cordibus omni
* Man wird sich erinnern, daß vor einiger Zeit die Rede davon war, der Herzog von Cumberland beabsichtige, seinem älteren Sohne, dem Prinzen Georg Wilhelm, als Erben des braunschweigischen Thrones, auf deutschem Boden eine nationale deutsche Erziehung geben zu lassen. Es wurde damals auch eine höhere Lehranstalt Dresdens genannt, die der junge Prinz beziehen sollte. Jetzt sagt man, wie der Magd. Ztg.' aus Braunschweig geschrieben wird, mit großer Bestimmtheit, Prinz Georg Wilhelm werde binnen kürzester Frist das Gymnasium in Lübeck und dann eine deutsche Universität beziehen. Prinz Georg Wilhelm ist geboren am 28. Oktober 1880, steht also jetzt im fünfzehnten Lebensjahre; in drei Jahren würde er mündig sein. Der Prinz besitzt noch vier Geschwister, eine ältere Schwester, sowie zwei jüngere Schwestern und einen jüngeren Bruder.
* Gegen das Eindringen von „Umstnrzbestreb- nugev" in die Armee wird jetzt von den Militärbehörden mit besonderer Schärfe vorgegangen. Wie ein Berichterstatter der ,Volksztg.' von betheiligter Seite erfährt, wird den Reservisten, welche zur Uebung eingezogen werden, vor ihrer Einkleidung jetzt ein besonderer Korpsbefehl vorgelesen, in welchem auf die immer häufiger werdenden Versuche, revolutionären und sozialdemokratischen Lehren Eingang in die Armee zu verschaffen, hingewiesen und dagegen die schwerste Strafe angedroht wird. Und zwar hat darnach jeder, der durch revolutionäre oder sozialdemokratische Reden oder Ausrufe, durch Singen derartiger Lieder oder bergt sich als Anhänger der bezeichneten Lehren zu erkennen gibt, sowie auch ferner, wer revolutionäre oder sozialdemokratische Schriften in die Kasernen oder sonstige militärische Diensträume jeder Art einschmuggelt, sie dort verbreitet oder liest, je nach der Schwere des Falles die unnachsichtliche Bestrafung nach Kriegs- oder Standrecht zu gewärtigen.
* Vom Allgem. deutschen Haudwerkerbunde ist privatim ebenfalls eine Studienkommission nach Oesterreich geschickt worden, um die Wirkung der dortigen Handwerkergesetzgebung — die übrigens vor einer Revision steht — zu studiren. Die Handwerkerkommission soll eine Ergänzung der regierungsseitigen Erhebungen liefern, denen man anscheinend in den Kreisen des Allgem. deutschen Handwerkerbundes mit einigem Mißtrauen begegnet. Als Grund für die Sonderuntersuchung wird angeführt, daß der vorjährige Berliner Handwerkertag gewünscht habe, daß an der österreichischen Enquete sich auch bewährte Kenner und Vertrauensmänner des Handwerks betheiligen möchten. Da diesem Wunsche seitens der Regierung keine Folge gegeben worden, habe man die Ergänzung für noth- wendig gehalten. Hoffentlich werden die Wahrnehmungen der beiden Studienkommissionen bald mitgetheilt. Dann erscheint es aber mit den Erhebungen und Worten genug. Thaten sind nun die Hauptsache.
Cur preces edunt, pia vota fundunt? — Dant Deo laudes; celebrant, quod ante Annum abbinc praesul Bonifati amatus Sede resedit.
Deutsches Reich.
Berlin, 23 Juli.
* Der Kaiser wird, wie aus London gemeldet wird, mit dem Prinzen von Wales am 3. August der Eröffnung des großen Trockendocks in Southampton beiwohnen Das Dock ist das größte der Welt, es ist 700 Fuß lang und kann durch eine eigenthümliche Konstruktion noch um ein Bedeutendes verlängert werden. Kaiser Wilhelm selbst soll gewünscht haben, daß die Eröffnung in seiner Anwesenheit stattfinde. Von Southampton wird der Kaiser sich nach Solent und von da am 10. August nach Lowther Castle in Westmore- land begeben, wo er vier oder fünf Tage lang Gast des Earls von LonSdale sein wird. — Das Befinden der Kaiserin schreitet, wie die ,Post' hört, langsam der Besserung entgegen. Vorläufig ist noch der 1. August als Tag der Abreise nach Saßmtz festgesetzt, doch ist es nicht unmöglich, daß das Datum abermals wird hinausgeschoben werden müssen.
[] Afrikanisches.
Während im Nordwesten Afrikas die verrotteten Zustände in Marokko Deutschland zu einer Flottendemonstration nöthigen, um Genugthuung für die Ermordung zweier Deutscher zu verlangen, zieht sich im nordöstlichen Afrika, am rothen Meer, ein Gewölk zusammen, das ernste Gefahren in sich bergen kann. König Menelik von Abessynien, dessen Land unter dem Protektorat Italiens steht, soll sich Italien gegenüber eines Vertragsbruchs fchuldig gemacht haben. In dem 1889 zwischen Abessynien und Italien abgeschlossenen Friedensvertrag war bestimmt worden, daß die auswärtige Vertretung Abessyniens nur durch Italien stattzufinden "habe. Im Widerspruch hiermit soll nun aber in St. Petersburg eine ständige abessynische und am Hofe des Königs Menelik eine ständige russische Gesandtschaft errichtet werden. Die Vermuthung, daß die angeblich von russischen Privatleuten ausgehenden „geistlichen und wissenschaftlichen" Missionen nach Abessynien einen politischen Hintergrund hatten, erscheint dadurch vollauf bestätigt. Der russische Doppeladler will auch in Afrika seine Krallen zeigen, zumal hier sein Interesse mit dem Frankreichs zusammenfällt, das die Begründung der italienischen Kolonie Massaua am rothen Meere stets mit scheelen Blicken verfolgt hat.
Nimmt man noch die ägyptische Frage hinzu, so ergibt sich eine Gesammtlage, bereit Ernst nicht anzuzweifeln ist. Den russisch -ftanzösischen Interessen stehen bie Interessen Italiens und Englands gegenüber und der kritische Punkt liegt darin, daß Italien den Treubruch des „Königs der Könige Aethiopiens^, hinter dem Rußland und Frankreich stehen, unmöglich stillschweigend über sich ergehen lassen kann. Es verlautet denn auch, daß von Neapel aus in den letzten Wochen viel Munition und Kriegsmaterial nach Massaua abgegangen ist; man will in der Kolonie für alle Eventualitäten gerüstet sein. Die Italiener sehen hinter allem Unliebsamen, daS ihnen in Afrika zustößt, den bösen Einfluß der Franzosen und der Russen. Der neuerliche freundschaftliche Empfang der adessynischen Abordnung in Petersburg dürfte den Italienern erst recht zu denken geben.
Angesichts des Hervortretens des französischrussischen Zusammengehens auch in Aftlka und namentlich angesichts der Bemühungen Frankreichs, die ägyptische Frage nach allen Richtungen hin wieder zum Gegenstände von internationalen Berathungen zu machen, ist es erklärlich, wenn die Solidarität der Interessen Italiens und Englands in Afrika hervorgehoben wird und daß das italienische von Kiel kommende Geschwader unter Führung des Herzogs von Genua in England besonders feierlich empfangen wurde. Es verlautet denn auch, daß demnächst ein neues Abkommen zwischen England und Italien über die im Sudan nach Abessynien hin zusammenstoßenden Gebiete zu Staude kommen werde.
Der Austausch von Telegrammen zwischen unserem
Deus redemptor Usque Te salvum validumque servet, Ut diu intersis populo petenda
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