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Samstag, den 20. Juli 1895
22. Jahrgang
FiildiierSZkitllng
mit Unterhaltungs-Krilagr „Sterne und Klnmen".
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△ Die Jahresberichte der preußischen Gewerberäthe für 1894
sind jüngst erschienen und liefern abermals ein reichhaltiges, wenn auch nicht immer erfteuliches Material. Die Lage der Industrie und der Arbeiter ist im vorigen Jahre nicht rosig gewesen. Zwar hat der russische Handelsvertrag namentlich für die Eisenindustrie eine im Allgemeinen bessere Lage gezeitigt, aber die Gesammtlage der Industrie ist eine schwierige geblieben. Lohnherabsetzungen hat es mehrfach gegeben, namentlich da, wo in Folge der verminderten Bestellungen die Arbeitszeit beschränkt wurde. Mehrfach wird von Betriebseinschränkungen und Arbeiterentlassungen berichtet, welche die Arbeitsgelegenheit verminderten und den Verdienst schmälerten. Die verminderten Lohneinnahmen haben zwar einen gewissen Ausgleich in den niedrigen Lebensmittelpreisen gefunden, allein wenn der Arbeiter nichts kaufen kann, dann leiden zugleich andere Produktivstände mit ihm.
In den Fabriken, besonders in der Textil-, Be- kleidungs- und Nahrungsmittel-Industrie, hat die Frauenarbeit abermals zu- und die Männerarbeit abgenommen. Es ist das eine Erscheinung, die auch in anderen Ländern beobachtet wird. Damit geht Hand in Hand eine Abnahme der Beschäftigung jugendlicher Personen in Folge der verschärften Schutzbestimmungen, während schulpflichtige Kinder nunmehr, nachdem die in der Gewerbeordnungsnovelle vorgesehene Ueber- gangszeit Ende März v. I. abgelaufen war, in den Fabriken fast gar nicht mehr beschäftigt werden. Er sank 1894 die Zahl der in Fabriken beschäftigten Kinder von 1306 auf 827, also um 479. Das Verbot der Fabrikarbeit schulpflichtiger Kinder wird also bald seine volle Wirkung erzielt haben. Leider werden schulpflichtige Kinder umsomehr in der Hausindustrie beschäftigt. Die Zahl der jugendlichen Arbeiter ging von 106,141 auf 104,886 zurück, um 1255. Sowohl die gesetzlichen Beschränkungen, wie die Lage der Industrie dürsten dabei mitgewirkt haben. Die Frauenarbeit dagegen stieg. Es waren insbesondere Arbeiterinnen über 16 Jahre in Fabriken beschäftigt: 1893: 278,228, 1894: 287,824, davon unter 21 Jahren 1893: 117,313, 1894: 118,079 + 766, über 21 Jahre 1893: 160,915, 1894: 169,745 8830. Die Frau nimmt also immer größeren Antheil an der industriellen Produktion, ihr Schutz ist darum doppelt berechtigt.
Die Gewerbe-Jnspettoren hatten diesmal besonders die Frage zu beantworten, wie sich der für die Arbeiterinnen eingeführte gesetzliche elfstündige Maximalarbeitstag (an Vorabenden der Sonn- und Festtage 10 Stunden) bewährt habe, ob Lohnausfälle zu verzeichnen seien, Rückwirkungen auf die Männerarbeit 2C. Da ist dann zunächst die erfteuliche That- sache zu konstatiren, daß in den gemischten Betrieben der elfstündige Maximalarbeitstag auch für die Männer in Kraft getreten ist und daß Samstags auch die Männer zugleich mit den Frauen nach 10 Stunden
23] ß Ilm Gut und Kirrt.
Roman aus den napoleonischen Kriegen.
Bon M. Benno.
Die Abschriften waren fertig. Die Boten nahmen sie in Empfang und machten sich sofort auf den Weg.
„Auch ich muß mich verabschieden," erklärte Martin Teimer, „doch vorher nehmt dieses."
Er legte ein Paket auf den Tisch und öffnete eö.
Es enthielt viele tausend Zettel mit den darauf geschriebenen Worten: „'s ist an der Zeit."
„Nehme Jeder eine Handvoll davon," fuhr Teimer fort, „und bringe sie den Frauen und Kindern nach Hause. Diese sollen in der Gegend herumgehen und sie vertheilen. Damit wird unser Zweck am besten erreicht. Und nun lebt wohl insgesammt. Auf Wiedersehen im schönen Innsbruck!"
Er entfernte sich und auch die übrigen Tiroler schickten sich zum Heimgehen an.
Die Gaststube war wenige Minuten später leer und tiefes Schweigen herrschte jetzt in dem Wirthshause „am Sand".
Das Söhnchen des Sandwirthes, die Knechte und Mädchen waren zu Bette gegangen. Nur Hofer selbst war noch auf und bei ihm sein Weib Anna Gertrud.
Feierabend machen. Lohnermäßigungen sind bei Stücklöhnen nicht eingetreten, da die Arbeiterinnen in der kürzeren Arbeitszeit dasselbe Arbeitsquantum leisteten, dagegen sind bei Stundenlöhnen Ausfälle am Lohn zu verzeichnen. Auf Schwierigkeiten stößt die Durchführung der Bestimmung, wonach Arbeiterinnen, welche ein Hauswesen zu besorgen haben, auf ihren Antrag eine anderthalbstündige Mittagspause gewährt werden muß. Derartige Anträge werden anscheinend nicht gern gesehen. Meist wohnen in großen Städten und in den Jndustriecentren die Arbeiterinnen auch zu weit, um während der Mittagspause nach Hause gehen zu können. Verheirathete Arbeiterinnen ziehen außerdem die Heimarbeit der Fabrikarbeit vor. Im Allgemeinen aber bewährt sich der elfftündige, bezw. zehnstündige Maximalarbeitstag.
Der Verkehr zwischen Aufsichtsbeamten und Arbeitern hat im Allgemeinen nicht zugenommen, trotzdem die Gewerbe-Inspektoren Sprechstunden eingerichtet und angezeigt haben, in Berlin selbst im sozialdemokratischen .Vorwärts'. Vielfach klagen die Inspektoren über das Mißtrauen der Arbeiter, lieber die Gewerbegerichte sprechen sich die Berichte durchweg lobend aus. Namentlich wird hervorgehoben, daß der segensreiche Einfluß dieser Gerichte weniger in der Rechtsprechung als im Vergleich vor dem Beginn der eigentlichen Verhandlungen liege. Erschwert wird die Fabrikaufficht durch die Verbindung mit der Kesselrevision, über welche Verbindung manche Inspektoren klagen, weil 65 Prozent der Thätigkeit der Beamten auf die Kesselrevision verwendet werden müsse. Zwar zählt die preußische Fabrikinspektion nach der jetzt durchgeführten Reorganisation einschließlich der Assistenten 174 Beamte, aber zu einer wirksameren Inspektion reicht auch diese Zahl wegen der zeitraubenden Kesselrevisionen nicht auS. Das Ziel, daß jeder Fabrikbetrieb mindestens einmal im Jahre revidirt wird, ist noch immer nicht erreicht.
Deutsches Reich.
Berlin, 19. Juli.
* Der Kaiser hat heute am 25jährigen Gedenktage der französischen Kriegserklärung Kränze an den Särgen weiland des Kaisers Mlhelm I. im Mausoleum zu Charlottmburg und an dem Sarge weiland des Kaisers Friedrich im Mausoleum der Friedenskirche zu Potsdam durch den Generaladjutant v. Hahnke niederlegen lassen. Ferner erfolgte heute Mittag im hiesigen Zeughause die feierliche Schmückung der Fahnen und Standarten der Berliner Garnison mit Eichenlaub gemäß der kaiserlichen Kabinetsordre vom 27. Januar d. I. In Gemäßheit einer Verfügung des Kriegsministers sind an den Fahnenspitzen unter dem eisernen Kreuze je ein Eichenzweig in die am Fahnenschaft befindlichen beiden Oesen eingepflanzt und unten mittels eines goldenen Bandes befestigt worden. Aehnliche Feiern fanden heute in Potsdam und Spandau statt.
♦ Die deutsch-ostafrikauische Schutztruppe besteht
Eine Zeit lang schritt der Hausherr, ohne ein Wort zu sagen, in dem Gemache auf und ab, dann blieb er vor der Gattin stehen und schaute sie liebevoll in das Gesicht.
„Du weißt bereits," begann er, „was heute in unserem Hause vorging. Du bist, ich sehe es, in Unruhe darüber und ich kann es Dir nicht verdenken, weil Du davon Deine Besorgnisse für das Kommende knüpfst. Auch ich habe mich und mein Gewissen gefragt, ob ich recht thue, Weib und Kind in unabsehbare Gefahren zu stürzen, die voraussichtlich durch mein Vorgehen herbeigeführt werden, aber die Liebe zum Vaterlande, zu unserem guten Franzl, trug den Sieg über alle Bedenken davon. Ich werde dem Rufe Tirols folgen! Gut und Blut seien an die Befteiung des Vaterlandes gesetzt!"
Gertrud warf sich weinend an seine Brust. „Andres, mein lieber Andres," schluchzte sie, „ich fürchte, daß uns Schlimmes bevorsteht! Muß es denn sein?"
Hofer preßte die Gattin innig an sich. „Ich sagte Dir ja," entgegnete er, „daß das Vaterland ruft, daß es meinen Arm will, und diesem Rufe zu folgen'ist des Mannes heiligste Pflicht. Vielleicht sind auch unsere Besorgnisse umsonst. Wenn die Bayern und Franzosen merken, wie viel es geschlagen hat, ziehen
nach amtlicher Zusammenstellung jetzt aus 1651 Mann regulärer Truppen. Sie hat gegen das Vorjahr um 200 Mann abgenommen. Auch die irregulären Truppen sind von 216 auf 101 Mann vermindert worden. Die ,Krenzztg.' kündigt angesichts desfen eine Vermehrung der Schutztruppe an, was von der ,Vosf. Ztg.' aber dahin eingeschränkt wird, daß eine Vermehrung über die etatsmäßige Stärke von 1800 Mann nicht beabsichtigt sei.
* Keine neue Tabaksteuer wird dem nächsten Reichstage vorgelegt werden, wenn der offiziöse ,Hamb. Korr.' von den Absichten der Regierung recht unterrichtet ist. Das Blatt meint, bei der Erörterung der finanzpolitischen Unterredung des Grafen Posadowsky mit den süddeutschen Finanzministern hätte die Ver- muthung, daß es sich um eine neue Auflage des Tabaksteuergesetzes handele, dabei außer Betracht bleiben sollen. „Graf Posadowsky hat im Reichstage erklärt, daß die Regierungen an der Auffassung, der Tabak könne mehr bluten, festhalten und daß sie auf eine höhere Besteuerung desselben zurückkommen müßten, wenn die Finanzlage Mehreinnahmen erfordere. Ob das in der nächsten Session der Fall sein wird, kann zur Zeit nicht einmal Graf Posadowsky feststellen. Ueberdies würde eine dritte Wiederholung der Fabrikatsteuer einem und demselben Reichstage gegenüber des Guten doch zu viel sein."
* Die deutscherseits nach Oesterreich entsandten drei Kommissare, Geh. Rath Dr. Sieffert und Assessor Dr. Hofmann aus dem Handelsministerium und Geh. Rath Dr. Wilhelmi aus dem Reichsamt des Innern, welche den Auftrag hatten, die in Oesterreich mit dex Haudwerkergesetzgebuug gemachten Erfahrungen zu studiren, sind wieder hier eingetroffen, nachdem sie in Wien, Brünn, Graz und Salzburg ihre Studien vollendet hatten. Die ,Post' ist in der Lage, über die allgemeinen Gesichtspunkte, die in den Referaten der Kommissare an das preußische Staatsministerium festgelegt werden dürsten, einige Mittheilungen zu machen. Darnach könne nach den gesammelte» Erfahrungen der Wunsch nach Einführung des Befähigungsnachweises nicht unterstützt werden. Dagegen könnten die besonders in Wien über die Fortschritte der Erstarkung des genossenschaftlichen Lebens gemachten Beobachtungen bis zu einem gewissen Grade als Garantien dafür betrachtet werden, daß es auch bei uns keineswegs zu spät sei, die Handwerker auf dem Wege einer Zwangsorganisation zu vereinigen. Das Interesse für die ganze Sache muffe aber bei der Regierung erlahmen, wenn die Handwerker auch jetzt, wo alle maßgebenden Faktoren bereit seien, einen Weg der staatlichen Fürsorge für das Handwerk zu beschreiten, kein dringenderes Verlangen bekundeten, als ihre in absehbarer Zeit unerfüllbar erscheinenden Forderungen (Befähigungsnachweis) den erfüllbaren voranzustellen. Man wird Weiteres abzuwarten haben.
* Angesichts des neuen sozialdemokratischen Agrar- Programms schreibt die ,Nordd. Allgem. Ztg.': „Unsere warnende Andeutung, daß die Richtung, welche
sie sich wahrscheinlich von selber zurück. Doch jetzt, meine Gertrud, ist es für heute genug. Geh' fchlafen, liebes Weib, und bete für mich."
„Du willst noch länger aufbleiben?" fragte die Frau.
„Ja," erklärte er, „es gibt noch Verschiedenes zu thun. Ich werde die Knechte wecken. Wir müssen eine Kuh schlachten und das Blut in die Passer gießen, damit es drunten im Thal als Signal dient. Das Fleisch aber werden wir wohl brauchen können, um die große Zahl von Gästen zu bewirthen, die sich morgen bei uns einsinden werden."
Hofer hatte richtig prophezeit. Als die Sonne majestätisch hinter dem Jauffen emporstieg, war es schon lebendig vor dem Gasthofe „Am Sand." Die Schützen des Paffeyer-Thales strömten aus allen Ort- schasten herbei. Sie kamen von den Bergen herab und aus Thälern; in ihrem Sonntagsstaate, die Hüte mit Rosmarinsträußchen und bunten Bändern geschmückt, langten sie an. Alle waren heiter und guter Dinge, sangen und jodelten, so daß man hätte glauben können, es gehe zu einem Schützenfeste oder zum Tanze. Durch die ernsten Kugelbüchsen aber und die Rufe: „S'ist an der Zeit — der Bayer und Franzose muß aus dem Land — hoch lebe der Kaiser Franzl und unser