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Jfä 163 Donnerstag, den 18. Juli 1895 22. Jahrgang

FuldaerMZeitililg

mit Unterhaltungs-Beilage „Kterne und Klnmen".

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X Charitas.

Die katholische Charitas ist sprüchwörtlich geworden. Und an ihrem guten Rufe wird auch der Prozeß Mel- lage nichts ändern. Die ganze Machination, welche sich an den Prozeß knüpfte, hat sich schon jetzt als ein Schlag in'S Wasser erwiesen. Nur Eines ist durch denselben klargestellt worden, daß auch die katholische Charitas noch der Vervollkommnung bedarf; eine Tyatsache, auf welche einsichtige Männer schon seit Jahren hingewiesen haben. So namentlich Landesrath Brandts auf dem ersten praktisch-sozialen Kursus zu M.-Gladbach im Jahre 1892 und neuestens der be­kannte Kapuziner P. Cyprian in seinem Merkchen über die protestantische innere Mission.

Beide auf dem Gebiete der Charitas bewanderte und bewährte Männer reden besonders einer einheit­licheren Organisation und Centralisation der katholischen Charitas das Wort. Es gilt, die zer­streuten Kräfte zu sammeln, eine gegenseitige Fühlung der verschiedenen charitativen Anstalten und Vereine herbeizuführen, um damit den gegenseitigen Austausch der erprobten Erfahrungen und namentlich ein Jnein- andergreifen der verschiedenen Bestrebungen zu ermög­lichen. Es gilt, an die Stelle eines vielfach noch plan­losen Wirkens ein planmäßiges, an Stelle des isolirten Wirkens ein einheitliches Wirken mit vereinten Kräften zu ermöglichen. Und wenn der Prozeß Mellage etwas klargestellt hat, so ist es die Gefahr, welche das isolirte Wirken der Alexianer auf dem kritischsten Gebiete der Charitas mit sich gebracht hat. Das Handeln auf eigene Faust hat zu den beklagenswerihen Mißständen geführt, welche der Prozeß Mellage aufgedeckt hat. Gerade dieser Prozeß ist daher geeignet, die Bestre­bungen zur besseren Organisation und Centralisation der katholischen Charitas, welche in dieser Beziehung den protestantischen und Humanitären Wohlthätigkeits- Bestrebungen nachsteht, wieder in den Vordergrund der Diskussion zu stellen.

Unter diesen Umständen müssen wir ein neues Unter­nehmen mit Freuden begrüßen, nämlich die Gründung einer Zeitschrift .Charitas' als Organ für die Werke der Nächstenliebe im katholischen Deutschland, deren Programm-Nummer soeben von Freiburg in Baden aus, wo der letztjährige praktisch-soziale Kursus statt­fand, versandt wird. Dort hat sich ein Komitee her­vorragender katholischer Männer gebildet, um ein solches Organ in's Leben zu rufen, welches unter Mitwirkung von Fachmännern von Dompräbendar Dr. jur. Aug. Bühler und HofkaplanDr. theol. et phil. Lor. Werth­mann zu Freiburg im Breisgau längstens mit dem neuen Jahre als Monatsschrift herausgegeben werden soll, wenn das Unternehmen die nothwendige Unter­stützung in katholischen Kreisen findet.

Aus Mangel an Unterstützung mußte leider ein erst vor wenigen Jahren von einem einzelnen Priester gegründetes ähnliches Organ ,Der Diener der Barmherzigkeit' wieder eingehen. Das hat die Veranstalter des neuen Planes jedoch nicht abgehalten,

2,] Q Um Gut und glitt.

Roman aus den napoleonischen Kriegen.

Von M. Benno.

Der Widerstand Salome's war beinahe besiegt.

„Wirst Du aber auch Wort halten, Georg?" fragte sie, sich eng an den Förster schmiegend, „wirst Du mich zum Altar führen, wenn das schwere Opfer gebracht ist?"

Ein eigenthümlicher Blitz zuckte aus den Augen Schleicher's auf den Scheitel der Zofe herab, die ihren Kopf an seine Brust gelegt hatte.

„Zweiflerin," schalt er. „Habe ich es Dir nicht schon zehn Mal gesagt? Ich schwöre sogar, wenn Dir damit besser gedient ist."

Salome erwiderte nichts mehr. Sie hielt des Geliebten Hand innig umfangen und schaute träu­merisch vor sich hin.

Auf einmal schrak sie zusammen.

„Himmel," rief sie, „die Gräfin wird mich ver­missen, ich muß fort."

Sie wand sich los.

Auch der Förster erhob sich.

„Also abgemacht," sagte er, „nicht wahr, süße Braut?"

die Lösung derselben Aufgabe auf breiterer Grundlage und mit vermehrten Kräften aufs Neue zu versuchen. Sie bemerken darüber in dem versandten Entwürfe Folgendes:

„Vielleicht würde dieses erstmalige Mißlingen des Planes von seiner Wiederaufnahme uns abgeschreckt haben, wäre nicht die Nothwendigkeit einer solchen Zeitschrift von allen Seiten und zwar auf das aus­drücklichste immer wieder betont worden. So haben wir im Vertrauen auf die heilige Sache und die ideale Gesinnung der Vertreter der Charitas in allen deutschen Landen zur Herausgabe dieser Zeitschrift uns ent­schlossen." Dieses Vertrauen darf nicht getäuscht werden im Hinblick auf die wichtigen Gegenstände, welche in dem neuen Organ behandelt werden sollen. Es sind nach der Programm - Nummer insbesondere folgende:

1. Die Thätigkeit der charitativen Orden und kirch­lichen Anstalten, die auf dem Gebiete der Charitas hervorragend thätigen Heiligen, Ordenspersonen, Männer und Frauen des Laienstandes aus Vergangenheit und Gegenwart;

2. das Wirken der katholischen Vereine: Vincenz-, Elisabethen-, Lehrlings- und Gesellenvereine u. s. w.

3. die Pflege der Armen, Waisen, Kranken, Irren, Idioten, Epileptischen;

4. die Sorge für die Verwahrlosten, Obdachlosen, Arbeitslosen, Gefangenen, entlasfenen Sträflinge und in wilder Ehe lebenden Personen;

5. die Anstalten für stellenlose Dienstmädchen und für gefallene Personen;

6. die Anlage von Klöstern, Armenhäusern, Hospi­tälern und Arbeiterkolonien;

7. die Sorge für Auswanderer, für die katholischen Deutschen im Auslande und in der Diaspora;

8. Die Behandlung der Arbeitsscheuen, Berufs­bettler und Vagabunden.

Wer sollte nicht gern dabei sein, um an der immer vollkommener» Lösung dieser ausgedehnten erhabenen und schwierigen Aufgaben, deren sich die katholische Charitas mit ebenso viel Liebe als Erfolg widmet, mitzuwirken? Der böse Bruder Heinrich darf uns ge­wiß nicht davon abhalten. Stellen wir vielmehr der boshaften Ausbeutung des Prozesses Mellage gegen die katholische Charitas eine Quittung aus durch die Unterstützung der neu zu gründenden Monatsschrift .Charitas'!

Deutsches Reich.

Berlin, 17. Juli.

* Dem verstorbenen Veteranen der Centrumspartei August Reichensperger widmen nicht bloß alle Cen- trumSblätter, sondern auch die größeren Blätter aller politischen Parteien ehrende Nachrufe. Die,Köln. Ztg.' erinnert daran, daß die Stadt Köln dem hervorragen­den Manne in dankbarer Anerkennung seiner hohen Verdienste, wegen seinem warmen Interesse für die Stadt und ihre Entwickelung, besonders um den Fortbau und

„Ja, ich wrll, Dir zulieb, Du böser Mann," ge­lobte die Zofe und eilte davon.

Dieser schaute ihr nach. Er strich seinen Bart. „Endlich !" murmelte er mit boshaftem Grinsen. „Es dauerte lange genug, bis das verliebte Kätzchen herum­gebracht war. Dich heirathen! Sonst nichts! Armes Ding! Du wirst Deine Augen nicht schlecht aufreißen, wenn Du gelegentlich erfährst, daß Du mir die Rechte selber in die Arme gespielt hast."

Er verstummte.

Eine wilde Gier glühte aus seinen Augen und ein grausamer Hohn. „Nun ist Stasi mein," froh­lockte er. „Nun erreiche ich mein Ziel!"

Auch er entfernte sich und schritt dem Schlosse zu.

Mehrere Minuten vergingen.

Feierliche Stille herrschte an dem einsamen Plätzchen. Nur ein Vöglein zwitscherte, das sich auf den Zweig eines Fichtenbäumchens gesetzt hatte.

Plötzlich flog es davon.

Ein schwaches Geräusch hatte das Thierchen ver­scheucht. Dieses war dadurch entstanden, daß eine menschliche Gestalt, welche im Dickicht neben einem Behälter mit einer Anzahl junger Hasen niedergekauert gewesen, sich vom Boden erhob.

die Vollendung des Kölner Domes, das Ehrenbürger­recht verlieh und fährt dann fort: „An der Seite seiner gleich ihm auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit hoch­verdienten Gemahlin, geliebt von seinen Kindern und Enkeln, erfreute sich August Reichensperger einer sel­tenen geistigen Frische, und konnte an seinem Lebens­abend auf ein thaten- und segensreiches Leben zurück­blicken. Politische Gegner hatte er viele, persönlich aber hatte er keinen Feind. Der Sonnenschein, den die Kunst über sein ganzes Leben breitete, hat auch sein ganzes Leben verklärt, das, stets heiter, liebenswürdig und gewinnend, nur Achtung und Ehrfurcht bei allen, die mit ihm in Berührung kamen, hervorrief. Der Name August Reichensperger wird mit der Stadt Köln und der Geschichte des Domes verwoben bleiben, die Bürger­schaft ohne Ansehen der Parteien wird dem hervorragen­den verdienten Manne ein treues Andenken bewahren." Die .Franks. Ztg.' feiert in warmen Worten den „feinsinnigen rheinischen Juristen." den „Richter alten Schlages," der „länger als 40 Jahre des Amtes in der rheinischen Provinz, an der er mit allen Fasern seines Herzens hing, in Ehren gewaltet", den ehr­lichen Kämpen des verfassungsmäßigen Rechtes, und nicht zum mindesten den hervorragenden Politiker der Kulturkampfszeit. Es heißt dann weiter: „In diesem Kampfe stand August Reichensperger in erster Reihe, ein Veteran schon, aber beharrlich, fest und uner­müdlich, wie der Jüngsten einer und zugleich der be­redteste Zeuge für das gute alte Recht, das er mitge­schaffen hatte. Die Natur hatte ihm zu der Gabe der Rede auch das Temperament verliehen, das die wahren Redner macht; vor der Leidenschaftlichkeit, die über das Ziel hinausschießt, bewahrte ihn seine harmonische Bildung und ein hochentwickelter künstlerischer Sinn. Er war kein „Debarter" von der Schärfe eines Windt- horst und der Schlagfertigkeit eines Schorlemer, aber seine Plaidoyers für die Sache, die er vertrat, waren meist glänzend und wurden von keinem andern aus dem Lager des Centrums übertroffen. So hat er ge­kämpft, bis der Sieg errungen war und die Kraft versagte; wie von keinem zweiten konnte man, als er aus dem politischen Leben schied, von ihm sagen, daß er sich das Recht erworben habe, auf seinen Lorbeeren ruhen zu dürfen. Ein Heller Lebensabend war diesem Hellen Geiste beschieden, der Tribut, den andere dem Alter zahlen müssen, schien diesem Greis geschenkt zu sein. Rheinischer Sonnenschein, rheinische Heiterkeit war und blieb das köstliche Gut, das die Heimath ihm zur Mitgift gegeben hatte. So ist er heimgegangen, „wie das Abendroth, wie der Tag in seinen letzten Gluthen," und wenige würdigere Söhne des Rhein­landes werden im Schatten des Riesendomes ruhen. Als Streiter für seines Landes und seines Glaubens Recht, als Ritter der Kunst und als Ehrenbürger der Metropole des Rheinlands wird er der Weihe des Nachruhms theilhaftig sein." Die ,Voss. Ztg.' sagt: „Er war ein eigenartiger Mann von strengem Recht­lichkeitsgefühl und tüchtiger Kraft, die mit ihm zu Grabe getragen wird, und besonders im Rheinland

Behutsam schlüpfte sie auf der anderen Seite ins Freie hinaus — Cajetan Döninger.

Das Gesicht des jungen Mannes war leichenblaß. Seine Lippen zuckten und der Widerschein des Ent­setzens glühte aus seinen Augen. Er schaute sich vor­sichtig um und schlug einen Weg nach dem Schlosse ein, auf dem man ihn von dort aus nicht sah.

Ohne, daß ihm Jemand begegnete, erreichte er sein Zimmer, das auf der Parkseite lag. Er verschloß es und ging dann hastig in dem Raume auf und ab.

„Um's Himmelswillen," sprach er vor sich hin. „Wer hätte daran gedacht. Dieser Schleicher ist ein Teufel in Menschengestalt, ein Ungeheuer, welches das Heiligste mit Füßen tritt. Der Verdacht Poldl's war also doch nicht ohne Grund. Sein Herz ließ ihn die furchtbare Gefahr ahnen, von welcher die Geliebte bedroht ist. Ha, ich durchschaue den ganzen nichts­würdigen Plan. Was Stasi bevorsteht, hörte ich aus dem eigenen Munde des Elenden. Angela aber soll in die Arme eines Anderen gespielt werden, wahr­scheinlich jenes Mächtigen, dessen der schurkische Förster Erwähnung gethan hat. Die Schändlichen sollen sich verrechnen. Ich komme ihnen zuvor." Er dachte nach.

„Soll ich zur Gräfin dringen und sie warnen?"