M 159 Samstag, den 18. Juli 1895.
» Die Hauptbestimmungen des Jagdscheingesetzes.
(Nach den übereinstimmenden Beschlüssen des Abgeordnetenhauses und Herrenhauses.)
§ 1. Wer die Jagd ausübt, muß einen auf feinen Namen lautenden Jagdschein bei sich führen. Zuständig für die Ertheilung des Jagdscheines ist der Landrath (Oberamtmann), in Stadtkreisen die Ortspolizeibehörde desjenigen Kreises, in welchem der den Jagdschein Rachfuchende einen Wohnsitz hat oder zur Ausübung der Jagd berechtigt ist.
Personen, welche weder Angehörige eines deutschen Bundesstaates sind, noch in Preußen einen Wohnsitz haben, kann der Jagdschein gegen die Bürgschaft einer Person, welche in Preußen einen Wohnsitz hat, ertheilt werden. Die Ertheilung erfolgt durch die für den Bürgen gemäß Absatz 1 zuständige Behörde. Der Bürge hastet für die Geldstrafen, welche auf Grund dieses Gesetzes oder wegen Übertretung sonstiger jagdpolizeilicher Vorschriften gegen den Jagdfcheinempfänger verhängt werden, sowie für die Unterfuchungskosten.
§ 2. Eines Jagdscheines bedarf es nicht:
1. zum Ausnehmen von Kiebitz- oder Möveneiern,
2. zu Treiber- und ähnlichen bei der Jagdausübung geleisteten Hilfsdiensten,
3. zur Ausübung der Jagd im Auftrage oder auf Ermächtigung der Anfsichts- oder Jagdpolizeibehörde in den gesetzlich vorgesehenen Fällen. Der Auftrag oder die Ermächtigung vertritt die Stelle des Jagdscheines.
.§ 3. Der Jagdschein gilt für den ganzen Umfang der Monarchie. Er wird in der Regel auf öin Jahr ausgestellt (Jahresjagdschein); Personen, welche die Jagd nur vorübergehend ausüden wollen, kann jedoch ein auf drei aufeinanderfolgende Tage giltiger Jagd- fchein (Tagesjagdschein) ausgestellt werden.
§ 4. Für den Jahresjagdfchein ist eine Abgabe von 15 Mark, für den Tagesjagdschein von 3 Mark zu entrichten. Personen, welche weder Angehörige eines Deutschen Bundesstaates sind, noch in Preußen einen Wohnsitz oder Grundbesitz haben, müssen eine erhöhte Abgabe für den Jahresjagdfchein von 40 Mark, für den Tagesjagdfchein von 6 Mark entrichten.
Neben der Jagdfcheinabgabe werden Ausfertigungsoder Stempelgebühren nicht erhoben.
Gegen Entrichtung von 1 Mark kann eine Doppelausfertigung des Jagdscheins gewährt werden.
Die Jagdfcheinabgabe fließt zur Kreiskommunalkasse, in den Stadtkreisen zur Gemeindekasse, in den Hohenzollern'schen Landen zur Amtskommunalkasse. Ueber die Verwendung der eingegangenen Beträge hat die Vertretung des betreffenden Kommunalverbandes zu beschließen.
§ 5. Von der Entrichtung der Jagdscheinabgabe sind befreit:
Die auf Grund des § 23 des Forstdiebstahlgesetzes vom 15. April 1878 (G.-S. S. 222) beeidigten, sowie diejenigen Personen, welche sich in der für den Staatsforstdienst vorgeschriebenen Ausbildung befinden. Der unentgeltlich ertheilte Jagdschein genügt nicht, um die Jagd auf eigenem oder gepachtetem Grund und Boden oder auf solchen Grundstücken auszuüben, auf welchen von dem Jagdscheininhaber außerhalb seines Dienstbezirkes die Jagd gepachtet worden ist.
Die Unentgeltlichkeit ist auf dem Jagdfcheine zu vermerken.
17] K. Um Gut und Klnt.
Roman aus den napoleonischen Kriegen.
Bon M. Benno.
Da wurde es auf einmal still. Ein Dutzend bayerische Dragoner kamen von der Straße herüber auf den Schießplatz zu. Der Förster Schleicher befand sich bei ihnen. Sie trugen nur ihre Schleppfäbel, Schleicher dagegen hatte feine Flinte bei sich. Lärmend drängten sie sich in die Trinkbude ein, wo für sie fofort ein Tisch geräumt wurde. Sie waren an diesem mit dem Förster allein. Die Soldaten erhielten das verlangte Getränk, und ohne sich um die finsteren Blicke der Tyroler zu bekümmern, leerten sie einen Krug um den andern. Der Förster trank nur mäßig, dagegen beobachtete er scharf, was nicht nur in der Bude felbst, sondern überhaupt auf dem ganzen Schießplätze vorging. Wiederholt zuckten Blitze aus feinen verschleierten Augen, wenn Poldi an dem Tischchen erschien, welches Stasi und Angela gewählt hatten, und wenn er sehen mußte, welch' herzliches Verhältniß zwischen dem Burschen, der Tochter Hofer's und dem Fräulein bestand.
Eine Stunde um die andere verging. Die Fest
stimmung hatte jene Grenze erreicht, bereit Überschreitung nicht selten störende Zwischenfälle herbeiführt.
Da brachen die Schützen außerhalb der Bude in ein weithin schallendes Jubelgeschrei aus. Sie blickten alle nach einem Punkte; ein Bursche war an einem der Budenpfeiler emporgeklettert und hatte das österreichische Banner auf dem Firste aufgepflanzt.
Andreas Hofer kam in diesem Augenblicke gegen den Schießplatz heran. Er sah, was geschehen war, der Ausdruck mächtiger Bestürzung erschien auf seinem Gesichte. Die österreichische Fahne und bayerische Soldaten in seinem Hause; rasch eilte er vor.
„Wahnsinnige," schalt er, „wollt ihr uns denn verderben? Augenblicklich die Fahne hinweg!" Er sah Poldl und gab ihm einen Wink. „Schnell," raunte er ihm zu, „schaff' das Banner auf die Seite, ehe es zu spät ist."
Der Bursche begriff. Behende schwang er sich in die Höhe und hatte nach einigen Sekunden den Giebel erreicht.
Während die singenden und johlenden Dragoner von dem Zwischenfalle nichts bemertt hatten, war dem Förster nicht das Geringste entgangen. Er eilte hinaus und sah den Kaiseradler über der Bude, den Poldi bis jetzt vergeblich wegzunehmen versucht hatte. Seine Augen phosphoreszirten förmlich in boshaftem Triumphe.
„Ha," schrie er, „das ist doch eine Unverschämtheit, die ihresgleichen nicht kennt. Holla, Dragoner, heraus! Da könnt ihr sehen, wie man uns verhöhnt. Ueber unseren Köpfen pflanzen die rebellischen Bauern die österreichische Fahne aus." Einer der Dragoner nach dem andern erschien im Freien. Sie sahen das Banner und brüllten förmlich vor Zorn. Dieser legte sich auch nicht, als es Poldl endlich gelang, die Fahne frei zu bekommen und als diefe auf den Boden herabfiel.
Wie wilde Thiere stürzten sich die Bayern auf sie. Sie wurde in hundert Fetzen zerrissen und mit Füßen getreten, so daß man kaum mehr eine Spur von ihr sah. Nun fielen die Soldaten über Poldl her, der indessen wieder abwärts geklettert war. Sie wären auch vielleicht mit ihm bös umgesprungen, aber der kräfttge Bursche hielt sich die Angreifer durch wuchtige Hiebe vom Leibe. Die Dragoner stießen in ihrem Grimme alle möglichen Schimpfworte und Drohungen aus.
„Dieser Schuft hat die Fahne aufgesteckt," wütheten sie, „er soll es büßen. Wir wollen ihn lehren, wie man mit Rebellen und Berräthern umgeht."
Andreas Hofer trat vor. „Halt, ihr Leute," rief er den Soldaten zu, „ihr seid im Unrecht. Leopold Wallner hat die Fahne nicht aufgehißt, er entfernte sie vielmehr in meinem Auftrage. Wer die Unbesonnenheit beging, weiß ich nicht."
Bis zu einem gewissen Grade hatten die Soldaten, welche Hofer persönlich kannten, vor diesem Manne Respekt. Sie stutzten und schauten auf ihren Unteroffizier, der sich neben Schleicher seitwärts aufgestellt hatte.
Dieser schüttelte heftig den Kopf. „Larifari," gab er mit verächtlicher Miene zurück, „der Burfche wurde in flagranti ertappt. Er muß auch die Folgen tragen oder Denjenigen bezeichnen, welcher uns diesen Schimpf angethan hat."
Poldl richtete sich hoch auf. „Ich brauche keinen Andern," rief er. „Was Vater Andreas fügte, ist wahr, denn in seinem ganzen Leben kam noch keine Lüge aus feinem Munde. Mich aber reut es nun fast, daß ich euch den stolzen Kaiferadler preisgab."
Der Zwischenfall hatte indesfen die meisten Schützen in die Nähe gelockt. In einem weiten Kreise schlossen sie den Platz ein, auf dem die Scene sich abfpielte. Durch das Gedränge waren der Unteroffizier und Schleicher in die Nähe Poldl's gekommen, der unerschrocken den Soldaten gegenüberstand.
„Ihr werdet Euch doch von diesem frechen Burschen nicht foppen lasien," flüsterte der Förster dem Ersteren zu, aber so laut, daß es jeder der Umstehenden verstand, „diesem boshaften und nichtswürdigen Kerl."
Poldl wechselte die Farbe. Er schnellte auf, und im nächsten Augenblicke flog eine Faust in das Gesicht 'des Beamten, daß das Blut aus dessen Nase hervor- fchoß. Zu spät hatte Hofer ihn zu hindern versucht. Die Bayern brachen in ein Wuthgeheul aus. Sie zogen blank, aber auch die Tiroler nahmen ihre Stutzen zur Hand. Es war ein kritischer Augenblick. Ein Funke noch, und die Flamme loderte verheerend empor. Die Bayern mußten begreifen, daß sie bei der ungeheueren Ueberzahl der bewaffneten Tiroler, wenn es zu einem Kampfe kam, verloren waren, aber dennoch ließ ihre Ehre das Nachgeben nicht zu, das sah auch Hofer ein. Sein Gerechtigkeitsgefühl drängte jede andere Empfindung zurück.
Er trat einen Schritt vor. „Seid doch vernünftig,
Zeitung.
22. Jahrgang
Ihr Leute all' miteinander", mahnte er mit weithin fchallender Stimme, „und laßt Euch zu keiner Thal hinreißen, die nachher das ganze Land büßen muß. Es ist gefehlt worden von unserer Seite, und wen» die Dragoner eine Sühne verlangen, so sind sie in ihrem Rechte. Sie sollen auch ihre Genugthuung haben, aber zu weit gehen dürfen sie nicht. Soldaten! Ich wiederhole noch einmal, daß Leopold Wallner unschuldig ist. Wir sprechen unser Bedauern über daS Vorgck>mmene aus. Ich meine, damit könnt Ihr zufrieden fein. Der Herr Förster hat den Burfche» durch feine Schimpfworte gereizt."
Das Mienenspiel der Dragoner ließ erlernten, daß sie der Annahme dieses Vorschlages nicht abgeneigt waren. Der Unteroffizier aber, dem Schleicher abermals ein paar Worte ins Ohr geraunt hatte, antwortete mit einem entschiedenen „Nein".
Die Angst Hofer's wuchs. Er fah die blinkende» Säbel in den Händen der Dragoner und die drohenden Stutzen ringsum. Er mußte daS Aeußerste verhüten um jeden Preis. „In Gottes Namen denn," lenkte er ein und legte feine Hand auf Poldl's Schulter», „nimm's halt auf Dich! Du bist ja unfchuldig, was sich Herausstellen muß. Wir können vorerst nichts tijun und dürfen nichts wagen, was Unheil über das ganze Land bringt."
Eine auftegende Scene hatte sich indeffen auch in der Bude an dem Tischchen abgespielt, an welchem sich mit Stasi Angela befand. Durch das entstandene Gedränge war es diefen unmöglich gemacht worden, de» Platz zu verlassen und zu sehen, was draußen vorging. Sie hörten nur das zornige Geschrei der Soldaten und nachher die Stimme Hofer's. Aus dem von Letzterem Gefügten sande» sie zum Theil de» Grund des Getümmels heraus, die Hauptsache aber, daß es sich um Poldl handelte, wußten sie immer noch nicht. Da drängte sich mit erhitztem Gesicht eine Freundin Stasi's heran. „Stasie, Stasi," keuchte diese, „um Gottes Barmherzigkeit willen, die Bayem sind mit Deinem Poldl im Streit. Sie wollen ih» fortnehmen." In geflügelter Hast erzählte sie daS Geschehene.
Stasi brach vor Entsetzen fast zusammen. Mit einem schweren Seufzer sank sie auf ihren Sitz. Große Thränen quollen aus ihren Augen. Plötzlich jedoch schnellte sie wieder empor. Sie schlang ihre Arme um den Hals Angela's. „Rette ihn, Schwester," flüsterte sie, „rette ihn. Wenn er in die Gewalt der Bayem fällt, sehe ich ihn in diesem Leben nicht mehr."
Ein trübes Lächeln glitt über Angela's Züge. Sie streichelte Stasi's wieder glühend roth gewordene Wangen. „Ich werde ihn retten, liebes Kind'" tröstete sie, „gib Dich nur zufrieden; doch vorerst kann ich nichts thun. Diesen Soldaten gegenüber bin ich machtlos. Er soll sich gutwillig fügen. Seine Haft dauert nicht lange."
Fast mit Gewalt bahnte sie sich einen Weg durch die Menge. Stasi folgte ihr. Die Mädchen kamen in dem Augenblicke in das Innere des Ringes, als Hofer seine Landsleute zum Auseinandergehen aufforderte und der größte Theil derselben, wenn auch mit augenscheinlichem Widerwillen, diesem Wunsche entsprach.
Stasi warf sich an den Hals des Burschen. „Du böser Bua," flüsterte sie unter Thränen, „warum beachtest Du meine Warnung nicht. Du hast Dir de» Förster zum Todfeind gemacht."
Angela reichte Poldl die Hand. „So geht es," sagte sie lächelnd, „wenn man so heißblütig ist. D» wirst eben nun ein bischen geduldig fein muffen, doch um den Kopf kommst Du nicht."
Der Bursche befand sich zwar immer noch in begreiflicher Aufregung; aber dennoch war er gefaßt. Sein Mienenfpiel verrieth sogar einen übermüthigm Trotz. „Ich danke Dir recht schön, liebes Fräulein," hielt er entgegen, „fürchten thu' ich mich nicht. Ge- freffen haben die Bayern halt noch keinen Tiroler! Auch mich fressen sie nicht."
„Vorwärts!" kommandirte der Unterossizier, welcher die Worte Poldl's gehört hatte, und biß grimmig auf seinen Schnurrbart, „wir werden Dich schon zahm machen, Bürschlein, verlaß Dich daraus."
' (Fortsetzung folgt)
Vermischtes.
* Mr. Gladstone reist nie Sonntags. Das brachte ihn eines Tages in eine heikle Lage. Die Königin lud ihn ein, bei ihr im Windsor-Palais zu speisen, und ließ ihm auch ein Zimmer für die Nacht einräumen. Es war die Nacht vom Sonnabend auf den Sonntag. Da die Einladung nicht auf den Sonntag ausgedehnt war, blieb Gladstone nichts übrig als das Schloß zu verlassen und sich bei dem Decan Wellesley zu Gaste zu laden. Die Königin hörte davon und richtete es von dann ab stets so ein, daß der „große alte Mann" auch — über den Sonntag bleiben konnte.