JVl 156
ALittwoch, den 10. Juli 1895
22. Jabraan--
mit Unterhaltungs-Krilage „Sterne und Slnmen"
Lr<<tzn«t täglich Sonn- und Sdertoat ausgenommen. — Vierteljährlicher »bonnemeiHpteti ohne Bringerlohn und Bestellgeld m Fulda und enltoärt« t Werf 50 Bfmnt,. Ix,träte kosten die einspaltige Garmond,eile oder deren Raum 15 Vf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
KinLcrdung
zur
42. Krina!-vnfnmlmg der finttjolito Sklltlchlmids in Mache«.
Deutsche Katholiken!
Nahezu 20 Jahre sind verflossen, seitdem zuletzt die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in München getagt hat. Längst war von der katholischen Einwohnerschaft unserer Stadt der Wunsch gehegt worden, wiederum katholische Männer auS ganz Deutschland bei sich versammelt zu sehen, um sich mit ihnen in erneuter feierlicher Kundgabe katholischer Gesinnung zu vereinigen und zu gemeinsamer Förderung katholischer Bestrebungen auf den wichtigsten Gebieten deS häuslichen und öffentlichen Lebens zu verbinden. Der Beschluß der Kölner Generalversammlung vom August vorigen JahreS, den nächsten Katholikentag in München abzuhalten, konnte daher nur die lebhafteste Zustimmung finden und freudige Begeisterung wachrufen.
Mit Gottes Gnade und unter dem Schutze der allerseligsten Jungfrau Maria, der Patrona Bavariae, wird die 42. Genei alversammlung der Katholiken Deutschlands in den Tagen vom 25. bis 29. August dieses Jahres hierselbst stattfinden. Das unterzeichnete Komitee hat mit Zustimmung des Hochwürdigsten Herrn Erzbischofs, unter Mitwirkung des hochwürdigen Klerus und im Einverständnisse mit dem Kommissar der Generalversammlungen, Sr. Durchlaucht dem Fürsten Karl zu Löwenstein, die vorbereitenden Arbeiten begonnen. Daß seine Bemühungen erfolgreich fein werden, dafür bürgt uns vor allem die durch Jahrhunderte bewährte treue Anhänglichkeit unferer altehrwürdigen Stadt an die katholische Kirche und die zu keiner Zeit in der Bevölkerung erloschene Begeisterung für unfern heiligen Glauben, aber nicht minder auch, neben der stets bewährten Gastlichkeit der Bewohner Münchens das einträchtige, auf gegenseitiger Achtung beruhende Zusammenleben mit den Angehörigen anderer Konfessionen.
An die Katholiken Deutschlands ergeht daher jetzt unsere Einladung. Kommen Sie in jenen Tagen auS ollen Gauen des großen Vaterlandes zahlreich zu unS. Schon von weitem werden Sie die hochragenden Thürme des Liebfrauendomes begrüßen; mit den Denkmälern einer frommen Vergangenheit wetteifern die Schöpfungen der Neuzeit, welche der christliche Sinn edler Fürsten und opferwilliger Bürger entstehen ließ; zahlreich sind die Werke, welche erfinderische Arbeit und eine den höchsten Zielen nachstrebende Kunst ge- schoffen haben. Unter uns weilend, werden Sie in Mü.ichen eine Heimstätte des gemächlichen, aber auch des idealen Lebens kennen lernen.
14] K Ilm Gut und tHttt
Roman aus den napoleonischen Kriegen.
Von M. Benno.
8.
„Das wäre ja ein köstlicher Zufall, wenn die von Dir gegebene Beschreibung richtig ist und meine Ver- muthung zutrifft. Und ich glaube wirklich, daß dies der Fall ist. Also dunkle Locken, ein feines Gesichtchen von schönstem Oval, große Augen voll Feuer, kurzum ein weibliches Wesen, wie der phantasiereichste Maler es nicht reizender Herstellen kann."
Diese Worte richtete der Konsul HanS Graff an den Förster Georg Schleicher, mit dem er langsam durch einen üppigen Tannenschlag schritt.
Schleicher stieß ein meckerndes Lachen hervor. „Du schwärmst ja förmlich für diesen Engel," bemerkte er, „der allerdings Deine Lobsprüche verdient. Ob er aber schlank ist und die übrigen von Dir angeführten Eigenschaften besitzt, weiß ich nicht und habe sie auch fchwerlich genannt, denn als ich das Fräulein beobachtete, saß sie aufrecht im Bette, so daß ich nur die obere Parüe ihres Körpers zu sehen bekam. In Bezug darauf stimmt meine Schilderung genau. Auch ich bin fest überzeugt, daß ich die Dame schon früher einmal iah. Wahrfcheinlich in meiner früheren Stellung in München bei MontgelaS."
Und so sehen wir mit Zuversicht dem herannahenden deutschen Katholikentage in München entgegen: er wird unter Ihrer Mitwirkung die Hoffnungen erfüllen, welche wir auf ihn setzen; er wird nicht zurückstehen hinter jenen großen Versammlungen, welche das katholische Deutschland seit einer langen Reihe von Jahren veranstaltet hat; auch er wird abgehalten werden zur Ehre Gottes, zum Ruhme der von ihm gestifteten Kirche und zur Pflege des Friedens in der so schwer bedrängten bürgerlichen Gesellschaft.
München, den 8. Juli 1895.
Das Mal-Komitee MrDorbereitungÄer 42. Eeueral- Dersammlung Ser Katholiken Deatschlaads.
Ehrenpräsidium:
Dr. Ludwig Freiherr von Malsen, Excellenz, Oberstkämmerer, Großkanzler des St. Georgs- RitterordenS.
Dr. L. Kronast, Dompropst, päpstlicher Hausprälat, Generalvikar. Joseph Radspieler, Privatier, bürgerlicher Magistratsrath.
Präsidium:
1. Konrad Graf von Preyfing-Lichtenegg- Moos, erblicher Reichsrath.
2. Joseph Egid Geiger, Kvnigl. Oberlandes- Gerichtsrath, Landtagsabgeordneter.
2. Georg Leib, Baumeister, Mitglied des Gemeinde- Kollegiums.
]-[ Die internationale Lage erscheint zur Zeit weniger befriedigend, als sie sich noch vor einigen Wochen darstellte. Eine Trübung des politischen Horizonts ist unstreittg eingetreten, und der neue Minister der auswärtigen Angelegenheiten der österreichisch-ungarischen Monarchie würde heute wohl kaum in seiner Antrittsrede in der Delegation so zuversichtlich erklären, es stehe „kein Wölkchen am politischen Himmel".
Die ostasiatischen Angelegenheiten haben sich verwickelt und verhäkelt. Frankreich hat angeblich für seine Betheiligung am ostasiatischen Dreibund ein richtiges Zugeständniß in Tonking erlangt: eine Grenzregelung am Mekong, die ihm den offenen Zugang zu Südckina eröffnen nnd denselben gleichzeitig den Engländern, die von Birma aus demselben Ziele zustreben, verschließen würde. Darüber große Aufregung in der englischen Presfe, die von der Thatkrast des neuen Ministeriums Salisbury Abwehr dieser Gefahr erwartet. Durch die mit Rußlands Hilfe aufzunehmende chinesische Anleihe ist die ganze ostasiattsche Angelegenheit weit verwickelter geworden, als sie es ursprünglich zu sein schien. Dem Anschein nach bereitet sich Rußland vor, um seine Stellung in Asien end- giltig zu befestigen, mit Japan, welches als mächtiger Gegner auf einmal ihm eMgegentrftt, einen enticheiden-
Beide waren an eine Stelle gekommen, wo mitten irn Walde ein Bildstöcklein stand. Ein fchmaler Schemel war vor demfelben angebracht. Ohne dem aus Holz geschnitzten Heiligenbilde, dos auf einem Postament befestigt war, eine Beachtung zu fchenken oder die Inschrift zu lesen, welche dasfelbe auf einem Täfelchen auf der Brust trug, ließ Graff sich auf den Betfchemel nieder und der Förster setzte sich neben ihn.
„Es wird Angela sein, die reiche Gräfin v. Hay- nald," fuhr Ersterer fort, „ich zweifle nicht mehr. Das stimmt auch mit der Annahme eines Andern, welcher letzthin gelegentlich des schönen Dämchens Erwähnung gethan hat. Es stimmt ferner mit den Gewohnheiten der Dame, die in der Regel oft tagelang mit oder ohne Begleitung auf den Bergen umherstreift. Es ist ein wahres Glück, daß Dein wahnsinniger Streich keine fchlimmeren Folgen gehabt hat. Du bist ein hitzköpfiger Narr! Muß man denn gleich auf die Leute schießen, wenn sie etwas treiben, was uns nicht gefällt! Du würdest wahrscheinlich verschiedenes Unangenehme erfahren, käme Dein Stücklein heraus."
Der Förster biß sich auf die Lippen. „Es weiß aber kein Mensch etwas davon, als Du," versicherte et, „dem ich mich anvertraut habe, weil ich überzeugt bin, daß Du mich nicht in Verlegenheit bringst, und noch ein Zweiter, dem der Mund bereits mit einer Hand voll Guldenstücke gestopft ist."
den Kampf auSzufechten. Japan rüstet ebenfalls, nachdem die maßgebenden Petersburger und Moskauer Blätter ganz offen erklären, auch unter dem Protektorate deS Zaren könne das Königreich Korea weiter bestehen. Uebereinstimmend wird behauptet, daß die Rüstungen im Osten sich mehren. Das russische Geschwader des Süllen Ozeans wird vermehrt und Truppen werden mehr als je nach Asien geworfen. Ein Zusammenstoß zwischen dem mächüg aufstrebenden Japan und Rußland, welches durch Japan seine ost- asiaüsche Weltpolitik durchkreuzt sieht, erscheint auf die Dauer unvermeidlich.
Bedenklich ist auch die Lage in der Türk ei. AuS der armenischen Angelegenheit kann sich allerlei entwickeln/ und wenn man den Berichten aus Mazedonien glauben wollte, so stände man dort vor sehr ernsten Ereignissen. — Aber der eigentliche Grund deS jetzigen allgemeinen Mißbehagens liegt anderSwo: er liegt in der Verkündigung der franz.-russischen Allianz, die auf alle Fälle, so skeptisch man über das Bestehen eines förmlichen VerttageS denken mag. doch ein sicheres Zeichen ist, daß Zar Nikolaus seine Poliük auf ein enges Zusammengehen mit der französischen Republik einzurichten ganz entschlossen ist. Es liegt ferner in der Aufklärung, welche die Kieler Feste über die wahren Gesinnungen des französischen Volkes gebracht haben. Die Dinge stehen in dieser Beziehung offenbar bedeutend schlimmer, als man in den letzten Jahren ziemlich allgemein angenommen hatte.
Vor kurzem standen im Organ des Fürsten Bismarck, in den „Hamb. Nachrichten.", Warnungen, die Situation und besonders unser Verhältniß zu Frankreich nicht zu optimistisch aufzufassen. „Die Franzosen — hieß es da — verfolgen uns gegenüber die nämliche Taktik wie die Sozialdemokraten: sie warten unter mehr ober weniger geschicktem Verbergen ihrer wahren Absichten so lange, bis sie sich auf Grund von Bündnissen, einer vortheilhaften europäischen Constellation, der Ueberlegenheit der militärischen Bewaffnung oder anderer Ursachen stark genug fühlen und die Gelegenheit, über uns herzufallen, ihnen günstig zu fein scheint. Ueder diese Sachlage wollen wir uns doch durch keine [Sieter»] Feststimmung täuschen lassen, sondern wie früher die Augen offen und unfer Pulver trocken halten." In der That haben die Erörterungen der französischen Presse über die Kieler Feier ein formidables Unisono in dieser Beziehung zu Tage gefördert. Vielleicht das Bezeichnenste war es, daß die ftanzösi- fchen Sozialdemokraten die Führung in dem chauvi- nistischen Ansturm übernahmen, wohl nicht mit großer Begeisterung, aber gezwungen durch die Rücksicht auf die Stimmung ihrer Wähler. Gerade die unteren Schichten des französischen Volkes sind am meisten für die Revanch e, und es wäre Verblendung, wenn man dieses wichtigste Moment außer Acht lassen wollte. Der französische KriegS- minister hat dieser Tage in einer Rede zur Zuruck-
„Ein Zweiter?" fragte Graff sichtlich betroffen.
„Es hat keinen Werth," warf Schleicher gleich- müthig hin. „Der auSgehauste Zöltbauer Raffl lungerte an jenem Morgen im Walde und war Zeuge von dem, was geschah. Er ist ein großer Hallunke; aber verrathen wird er mich nicht."
Graff war ein paar Mal mit der Hand über das Gesicht gefahren. „Ich kenne den Burschen nicht näher," sagte er, „habe aber schon Manches von ihm gehört, was ihn wenig empfiehlt. Traue ihm nicht allzu viel zu; denn noch einmal, Du kämest, wenn die Sache ruchbar würde, in eine ganz fatale Patsche hinein. Nun, man würde dann natürlich auch wieder sehen, wie man einem guten Freunde hinaushilft. Ueberdies ist die Kleine wieder munter, was ihr Kapitalstreich gegenüber den, französischen Soldaten beweist. Sie gehorchten ihr wirklich sofort?"
„Ich war selbst Zeuge," erklärte Schleicher, „denn zwar nicht, um das Geschwätz des Pfaffen zu hören, fondern aus einem anderen Grunde habe ich die Kirche besucht. Hochstetten war, als sie vor ihm erschien, wie niedergedonnert. Der Lieutenant aber befahl augenblicklich den Rückzug. Und doch hatte die Dame nur ein paar Worte gesprochen und ihre Hand in die Höhe gehoben, an deren Finger ich einen Ring blitzen sah."
Schmunzelnd richtete Graff die Augen auf feine Hand, an welcher sich auch ein derartiges Kleinod be-