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Montag, den 8. Juli 1895
22. Jahrgang
mazedonische Frage bald gelöst. Aber es scheint wirf:
* Der Kaiser ist am SamStag Mittag in Stockholm
thätigkeit und Ausbeutungssucht der Beamten zu leiden. Wenn die türkische Regierung sich entschließen könnte,
Sehr tief läßt auch folgende Notiz der .Kreuzztg.' „Wie wir hören, hat Frhr. v. Hammerstein, um bei der Führung seines Prozesses gegen die ,Kl. Presse' und das ,Kl. Journal' nach keiner Richtung hin gebunden zu sein, bis auf weitere« seinen Austritt aus der deutsch-konservativen Fraktion des Reichstages und der konservativen Frattion des Abgeordnetenhauses erklärt." Diese Notiz kann nur so verstanden werden: Entweder ist Herr v. Hammer st eingenöthigt worden, auszutteten, oder aber er rechnet damit, daß bei dem Prozesse auch konservative Abgeordnete von ihm angegriffen und bloß gestellt werden müssen, und entzieht sich deshalb vorher der fraktionellen Gemeinschaft mit ihnen, um „nach keiner Richtung hm gebunden zu sein". Vielleicht ist beides der Fall, jedenfalls aber würde die letztere Erklärung den von der ,Kl. Pr.' seinerzeit gemachten Andeutungen entsprechen und seltsame Enthüllungen in Aussicht stellen.
Da wurde die Thür behutsam geöffnet und Stasi erschien. Sie war festlich gekleidet und ttug ein Buch in der Hand. Angela richtete sich auf. Sie zog das Mädchen an sich und preßte mit einem herzlichen Morgengruße ihre Lippen auf dessen Mund.
„Du bist schon zum Kirchgang gerüstet," sagte ste dann mit einem raschen Blicke auf Stasi's schmuckes Gewand. „ „ , x
Ja", entgegnete diese, „man muß heute frühzeitig eintteffen, sonst gibt es keinen Platz mehr. Pater Bernardus aus dem aufgelösten Benedlktmerstrste Marienberg hält heute Predigt und Amt. Da kommen die Leute stundenweit her. Ich freue mich recht kindlich darauf. Der Pater ist ein gar gelehrter und frommer Herr. Und wie er Tirol liebt. Man bot ihm eine Staatspfarre an. Aber er wollte lieber darben und blieb dem Landl treu. Ich werde recht andächtig sein, und bete auch für Dich, liebes Fräulem!"
Ein feuchter Strahl brach aus Angelas Augen hervor. Sie nahm das Köpfchen des Naturkindes zwischen ihre zarten Hände, küßte abermals den schwellenden Mund und schaute dann tief in dre prächtigen Augen Stasi's hinein. „Du bist ein gutes, em herziges Kind," flüsterte sie, „ich habe Dich so gerne, wie eine Schwester! Wir wollen auch Schwestern sein, gelt Stasi?"
das böse Gewissen hatte Sie wahrscheinlich in die Nähe des Opfers getrieben. Soeben wohnte ich wieder einem interessanten Schauspiele bei: ich sah Sie auf dem Baume vor dem Zimmer, das die Verwundete beherbergt. Natürlich hat blos ein Zufall mich in die Nähe geführt. — Wollen Sie nun auch jetzt noch behaupten, Herr Förster, daß ich ein Lügner bin, oder geben Sie zu, daß der Valentin Raffel durchaus nicht so dumm ist, wie er aussieht." , . r.^
Schleicher hatte, wie der Mann sprach, in sichtlicher Aufregung an seinem Schnurrbart genagt. Ein paar Mal war die Hand unwillkürlich nach der Flinte gefahren. Er zog sie jedoch jedes Mal wieder zurück. „Folge mir", sagte er endlich kurz, „ich begreife, daß ich mich mit Dir einigen muß. Du willst Schweigegeld und sollst es auch haben, Du bist ein geriebener Bursche, vielleicht kann ich Dich auch sonst brauchen, es soll Dein Schaden nicht sein.'" Raffel schloß sich, behaglich schmunzelnd, dem Förster an. Sie verschwanden im Dunkel der Nacht.
7.
Ein schüchterner Sonnenstrahl stahl sich zwischen den Vorhängen des Zimmers hindurch, in welchem Angela v. Haynald in ihrem Bette lag. Sie wachte. Träumerisch hingen ihre Blicke an der Decke, welche mit etlichen Engels- und Heiligenfiguren bemalt war.
Deutsches Reich.
Berlin, 6. Juli.
blick über die Verhältnisse in Mazedonien zu geben, welche die aufftändische Bewegung gezeittgt haben. , ------------ - - - ■ - tn
Mazedonien ist ein vegehrenswertheS und darum mit diesem verrotteten System ZU brechen, so wäre die auch vielbegehrtes Land. Nach Norden hin durch hohe mazedonische Frage bald gelost. Aber es scheint wirk- Gebirge geschützt, nachSüden hin offen, durch mehrere lich, daß unter dem Halbmond eine geoidnete Flüsse (Wardar, Struma und Karasu) gut bewässert, Regierung und em vernünftiger Fortschritt an der Küste mit ausgezeichneten Häfen versehen, bietet I überhaupt unmöglich ist.
Mazedonien sowohl für Ackerbau und Viehzucht, wie für Handel und Gewerbe die günsttgsten Vorbedingungen. Seine Bevölkerung wird sehr verschieden geschätzt, sie dürfte sich auf 2—2*/2 Millionen Seelen belaufen. Mindestens zur Hälfte wird sie durch christliche Bulgaren gebildet und von der andern Halste sind etwa i ^naettoffen DaS Wolff'sche Bureau meldet von dort: zwei DrittelMuhamedaner (Türken undPom , Uhr Mittags ankerte die Kaiseryacht Hohen-
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Geistlichkeit war nämlich ausschließlich griechisch, die I fteritidifte bearüßt während die Kapelle der türkische Regierung hielt streng hierauf und Schattete ^^n^Lewgarde die deutsche Nattonalhymne spielte, auch nur die griechische Sprache beim isottesownste, l ®a;ter x;e SKront der Ehrenwache abae-
und die griechischen Popen bemühten sich zum Danke $ , . , in Begleitung des Königs nach
dasür, alle freieren Bestrebungen im Volke mederzu- s-hrttten ha e, W erm
Auch di. -Smilch-u K°.h°l.<-» Z‘r$Z,8enb“utf*abBraltoiiform9
unter diesem Regiment s ch w er zu lelden. Stam I Sronvrinz war in der Uniform seines Dragoner- bulow gelang es, Bresche in dieses System zu reißen, Der^Kronp z Derflinger (NeumärkischeS) Nr. 3, indem er den Sultan dazu vermochte, einige bulgarische I 9. _ , . x„„isxher Ulanenuniform erschienen.
Bisthümer in Mazedonien einzurichien und mazedonische Prinz Karl,in- veuycyer ^anenunisom Schulen zu gestatten. Die Serben und Griechen waren Der Präsident des Relchspatentamts v. Koenm natürlich^ sehr wenig erbaut von diesem Entgegenkommen ist am SamStag EM.Herzschlage erlegem Im
gegen die Bulgaren. Sie alle gedenken ja, dermaleinst ,Reichsanzeiger' wird ihm em ehrender Nachruf
die Erbschaft der Türken in Mazedonien anzutteten. gewidmet. .
Die Bulgaren als stärkster Bestandtheil der mazedoni- * Abg. Dr. Kropalschek schreibt der .Bolksztg. . scheu Bevölkerung wären aber jedenfalls „die Nächsten es sei nicht wahr, daß er am Dienstag m die Redaktion
dazu". Eine Theilung Mazedoniens, an die man der ,Kr euzztg. wleder eingetreten sei, er gehöre
auf dem Berliner Kongresse anfangs dachte, ist aber der Redaktton auch jetzt noch nicht an. DaS
nicht durchführbar, theilS wegen deS geographischen „noch nicht" beweist aber, daß n wiederemtreten,
Charakters des Landes, theils deshalb, weil die ver- folglich Herr v. Hammerstein ausschelden wird- ,
schiedenen nationalen Bestandtheile nicht so in sich ge- fntnpnhp 9?Dtn ber SieUMta"
schlossen« Gebiete, wie es dazu nothwendig wäre, für | blicken: sich allein bewohnen.
Trotz dieser nationalen Gegensätze und Sonderbestrebungen hätte es mit einer Aufrollung der mazedonischen Frage noch gute Wege, wenn nicht die Großmächte, die schon auf dem Berliner Kongreß die Türkei zu dem Versprechen,Verwaltungsreformen wie in Armenien so auch in Mazedonien einzuführen, genöthigt haben, durch die Unzufriedenheit der Mazedonier über das Ausbleiben dieser Reformen moralisch gezwungen würden, die Türkei an ihr Versprechen zu erinnern und dessen endliche Einlösung zu fordern. Das Räuberunwesen, die Neigung der Beamten und Richter zu Erpressungen — ohne „Bakschisch", d. h. Trinkgeld findet man weder Schutz bei der Polizei noch Hilfe beim Richter! — sind heute noch gerade so im Schwange wie vor Olims Zeiten. Und besonders die christliche Bevölkerung hat schwer unter der Gewalt-
Die Wirren in Mazedonien.
Die einander widersprechenden Nachrichten, die theils über die bulgarische, theils über die türkische Hauptstadt aus Mazedonien zu unS gelangen, lassen noch immer nicht klar erkennen, wie eigentlich die Dinge dort augenblicklich stehen. Den offiziösen Beschwichtigungsnoten ist allerdings kein Glauben zu schenken, aber man kann sich auch auf die privaten Meldungen nicht verlassen. Diese sind auch alle ;e nach dem nationalen Parteistandpunkte ihrer Urheber stark gefärbt undtheilweisewohl ganz erfunden. Besonders die Meldungen der serbischen und einiger unruhiger bulgarischer Blätter sind mit großer Vorsicht aufzunehmen, da diese wahrscheinlich nut Absicht übertreiben, um die Angelegenheit dadurch in rascheren Fluß zu bringen und einen Druck der europäischen Großmächte auf die Türkei herbeizuführen.
Wenn man nun mit all' dieser gebotenen Vorsicht die verschiedenen Nachrichten prüft, so läßt sich als höchst wahrscheinlich nur das Folgende bezeichnen: die Erbitterung der mazedonischen Bevölkerung darüber, daß die Türkei ihrer im Berliner Verttage festgesetzten Verpflichtung, ihr verrottetes Verwaltungssystem in Mazedonien zeitgemäß umzugestalten, hat in Verbindung mit den nationalen Bestrebungen der verschiedenen Bevölkerungselemente in letzter Zeit einen solchen Grad erreicht, daß es an mehreren Stellen zu offenem Aufruhr gegen die türkische Herrschaft gekommen ist. Die mazedonischen Komitee'- in Bulgarien versichern, von Gewaltthaten und Aufftänden ihren Landsleuten abqerathen zu haben, diese seien aber Nicht langer mehr zu zügeln gewesen. Die türkische Regierung alaubt aber oder gibt wenigstens vor zu glauben, gerade die mazedonischen Komitee'S in Bulgarien hätten den Aufftand herbeigeführt, und verlangte deshalb von der bulgarischen Regierung bte Auf- lö?ung der Komitee's. Die bulgarische Regierung lehnte diese Forderung ab, weil die Komitee's sich nichts zu schulden hätten kommen lassen, was nach dem bulgarischen Vereinsgesetz ihre Auflösung rechtfertigen könnte. Auch scheint sie ihrerseits neue Forderungen im Interesse der mazedonischen Bulgaren, sowie das Verlangen nach Entschädigung für den neulichen Einbruch türkischer Grenzsoldaten in bulgarisches Gebiet an die türkische Regierung gerichtet zu haben. Die Antwort der letzteren ist nicht bekannt geworden; die bulgarischen Offiziösen haben die Antwort allerdings als „befriedigend" bezeichnet, aber wenn dem wirklich so wäre, würden sie doch wohl kaum verschweigen, was die Türkei denn eigentlich geantwortet hat.
Was über die Bedeutung, den Umfang und die Ausbreitung der aufständischen Bewegung selbst g meldet wird, ist durchweg unsicher und unzuverlässig. Es wird aber zum Verständniß der weiteren Ent- - ickelung der mazedonischen Angelegenheit, wie dieselbe h verlaufen möge, sich empfehlen, einen kurzen Ueber-
'->( & Wm Gut und Klut.
lioman aus den napoleonischen Kriegen.
Bon M. Benno.
„Lügner, elender Verleumder, was faselst Du da?" k achte der Förster.
Raffel machte sich von dem Griffe frei. „Erhitzen Sie sich nicht, Herr Förster," entgegnete er ruhig. „Ich werde ja schweigen, wenn Sie gescheidt sind, aber wahr bleibt meine Behauptung dennoch. Kaum zehn Schritte von Ihnen entfernt, hatte ich mich an jenem Morgen in einen Busch gelagert. Ich verhielt mich mäuschenstill da die Begegnung eines armen Burschen mit Ihnen im Walde bekanntlich selten vergnüglich ab- läusi; aber ich beobachtete Sie. Ich erkannte Ihren Zorn und begriff bald, worin der Grund desselben bestand; ich sah ferner, wie Sie die Flinte anlegten, hörte den Schuß krachen und vernahm auch den Schrei, den die getroffene Dame auöstieß. Sie versteckten sic i vor dem nach dem Schützen suchenden Poldl in einem Buscb, und ich folgte Ihrem Beifpiele; der junge Wallner ist bekanntlich ein Bursche, dem man in solchen Affairen am besten aus dem Wege geht. Nachher machten Sie sich aus dem Staube, ich aber blieb Zeuge von Allem, was weiter geschah; ich begab mich auch nach St. Martin hinunter, und da traf ich Sie wieder;
FlildllcrMZkitlllig
mit Unterhaltungs-Kerlage „Sterne und Klumrn"._________________