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Freitag, den 5. Juli 1895
22. Jahrgang
cituiig
mit Unterhattrrngs-KriLage Sterne und Klumen".
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x Zur Aachener Heiligthumsfahrt.
i.
Nach Aachen, der alten Kaiserstadt, richtet sich in diesen Tagen, wo die Siebenzahl im Kreisläufe der Jahre wiederum vollendet ist, das katholische deutsche Gemüth, um bei den theuren Reliquien den Tribut der Ehrfurcht niederzulegen, um beim reichen Strom der dort sich ergießenden Gnade Muth und Kraft zu unerschütterlicher Treue und Begeisterung zu schöpfen zu den heiligen Pflichten, die, nach Gottes Rathschluß die schwere Zeit unfern schwachen Schultern anvertraut hat.
Das Herz geschwellt von dem Gefühle freudigen Stolzes, nahen wir uns der Pfalz des großen Kaifers Karl, dem unser liebes deutsches Vaterland seines Glaubens, wie des Reiches Macht und Herrlichkeit an erster Stelle verdankt.
Ueberwältigs stockt des Pilgrims Fuß, der die wunderbar schöne Kaiserkapelle, das hochemporstrebende, kuppelgekrönte Bauwerk betritt, das vom ersten deutschen Kaiser (796) begonnen, elf Jahrhunderte lang den Zeitensturm an sich vorüberbrausen ließ, um den fernesten Geschlechtern noch Kunde zu geben vom alten, theuren katholischen Glauben!
Hier zwingt die Andacht unwillkürlich das Knie zur Erde, zu dem Steine, mit der Inschrift: Carolo magno, der die Gruft deckt, in der Karl der Große geruht, bis Otto III. im Jahre 1000 das Grab öffnen ließ. Hier drängt es uns, den Zoll heißen Dankes zu entrichten der hohen Vorsehung, welche durch der Jahrhunderte Gefahren und Noch des hl. Glaubensfunkens im deutschen Lande erhalten und uns gewürdigt hat, des großen Karl Söhne und Erben zu sein.
Zum sogenannten Hochmünster steigen wir die Stufen hinan, und unser Blick heftet an dem altehrwürdigen Marmorsessel, der Karl einst im Grabe als Ruhestatt gedient, auf dem so viele deuffche Könige des Reiches Krone und Scepter erhielten. Zurück gleitet des Geistes Auge über eine weite große Zeit deutscher Herrlichkeit, die von dieser Stelle ihren Ausgang und ihren Glanz genommen. Gibt es in den weiten deutschen Gauen wohl eine so gottgeweihte Stelle, wo das deutsche Herz in heißerer Inbrunst Gebete zum segnenden Himmel auffchicken könnte für unseres lieben deutschen Vaterlandes Wohlfahrt?
Doch nicht zu lange darf des Pilgers Schritt bei jenen denkwürdigen Stätten weilen, wiewohl jeder Stein ihm der Vergangenheit hoheitsvolle Thaten vor- füb', en möchte.
Noch einen kurzen Gang dürfen wir indessen nicht
10] a Wm Gut und Ktut.
Roman aus den napoleonischen Kriegen. Bon M. Benno.
Die Drei schauten sich verständnißvoll an. Speckbacher stand, als die äußere Thür in's Schloß gefallen war, auf.
„Diesem Fuchs," flüsterte er, „traue ich nicht über die Straße hinüber. Ich möchte wetten, daß ihn irgend eine Schelmerei hergeführt hat."
Er verließ die Stube, öffnete behutsam die Außen- chür und spähte in's Dunkel hinaus. Nichts Verdächtiges zeigte sich hier. Dagegen vernahm er deutlich die kräftigen Tritte des Jägers, welcher, wie er annahm, den Weg über dem Jauffen nach der andern Seite des Berges, seinem im Walde liegenden Forsthause, ein- schlug.
Er kehrte wieder in das Gastzimmer zurück. „Wir müssen sehr vorsichtig fein," mahnte er hier. „Wer ein echter Tyroler ist, ließe sich freilich lieber das Blut abzapfen, als daß er zum Verräiher würde. Aber Schurken gibt es eben überall, und Manchen von den Unserigen schon haben die Bayern und Franzosen verdorben. Ich will es gerade nicht behaupten, aber ich fürchte, daß auch unser Kommerz-Agent Hans Graff unter diese Sorte von Menschen gezählt werden muß."
unterlassen ins hohe Chor (1413 geweiht), wo Kaiser Otto III. feine letzte Ruhestätte gefunden und die in ihrer kunstreichen Schnitzarbeit wie dem Edelstein- Reichthum einzige Evangelienkanzel Aufftellung gefunden. Kaiser Heinrich II., der Heilige, war es, der das Aachener Münster mit diesem Kunstschatze in glaubensfrohem Sinne bereicherte. Dürfen wir hier das Gebet unterdrücken, daß aus den lichten Himmelshöhen der starke heilige Kaiser huldvoll heruieder- schauen und beim Throne des Allerhöchsten es erwirken möge, daß sein einst im einigen Glauben so starkes und deshalb so großes Deutschland wiederum einig im heiligen einzig wahren Evangelium werde?
Wir kommen zur Heiligthumskammer (ungarische Kapelle), die schwere Thür knarrt in ihren Angeln, sie ihut sich auf und schier geblendet zuckt das Auge zusammen bei all der Pracht, welche der Jahrhunderte opferfreudige Liebe hier unserm Herrgott und seinen lieben Heiligen gewidmet hat.
Den Rahmen des uns erlaubten Raumes würde es weit überschreiten, wollten wir in eine auch nur ganze kurze Würdigung der einzelnen hier angesammelten Reliquienschätze und ihrer Behälter, die jeder für sich ein hervorragendes Kunstwerk repräsentiren, eingehen.
Wir wenden uns zunächst dem Marienschrein zu, enthält er doch die kostbaren Heiligthümer, die in diesen Tagen uns zur alten Kaiserstadt führen. Der in Silber getriebene, mit 1200 Edelsteinen seltener Art verzierte Reliquienbehälter hat die Form eines Kreuzes, zu beiden Seiten finden wir die zwölf Apostel, an den vier Enden den Heiland, die Muttergottes, Karl den Großen und Leo III., der das Münster weihte. Es ist ein Meisterwerk allerersten Ranges aus der Hand des vortrefflichen Wibert (1238), dem Aachen so manche Zierde verdankt. Von gleicher Schönheit und des gleichen frommen Meisters Werk ist sodann der Karlsschrein, in dem seit dem Jahre 1215 des mächtigen Kaisers Gebeine ruhen. Rings an den Seiten finden wir sitzend die Statuen der 16 deutschen Könige, welche seit Karl dem Großen bis zur Bergung der Reliquien zu Aachen gekrönt worden waren. Es fesseln unser Interesse sodann ganz besonders die silbervergoldete Kaiser Karl-Büste, gekrönt mit der Krone Richard von Cornwall's und der von Ludwig XI. von Frankreich geschenkte schwere Armreliquiar. Ueber den Inhalt dieser beiden Karlsbehälter klärt uns der Dichter wie folgt auf:
„Dies ist das Haupt, das einst die Krone trug, Dies ist der Arm, der stark wie Wetter schlug!"
Noch einen Blick werfen wir auf die schöne St. Petrnsstatue, welche in der Hand ein Glied ans der Kerkerkette hält, noch eine kurze andachtsvolle Bewunderung der gothischen Reliquienkapelle mit hervorragenden Stücken der Leidenswerkzeuge unseres Heilandes, dann müssen wir unsere Aufmerksamkeit andern Vorgängen widmen.
Mit ungläubigen Mienen schauten Hofer und Wallner auf den Sprecher.
„HansGraff," riefen sie, „derTheresienkreuzritter? Das ist ja gar nicht möglich, Joseph."
„Ritter hin, Ritter her," hielt Speckbacher ruhig entgegen. „Das würde den alten Geizhals schwerlich hindern, ein Schurke zu sein. Aber, wie gesagt, etwas Positives weiß ich bis heute noch nicht. Es fiel mir nur auf, daß er in den letzten Wochen so viel Pulver und Blei aufgekauft und aus dem Lande geschafft hat. Der Handel gehört freilich zu feinem Geschäft."
In diesem Augenblicke erschien Gertrud und flüsterte ihrem Gatten einige Worte in's Ohr.
„Ihr entschuldigt," wandte dieser sich an die Gäste, „ein Geschäft ruft mich."
Wallner und Speckbacher erhoben sich auch. „Es ist spät," sagte Letzterer, „und wir haben weit heim. Auch find wir vorerst ja fertig. Gib Botschaft, Andrä, wenn Du etwas Näheres weißt."
Sie gingen. Hofer aber folgt seinem Weibe in die oberen Gelasse hinauf.
* *
Während die braven Tyroler hier den heiligen Eid sür's Vaterland schworen und pochenden Herzen die zu erwartenden Dinge besprachen, nahm die geheimniß- volle Unterredung Napoleon's mit dem von Speckbacher
Deutsches Reich«
Berlin, 4. Juli.
* Der Kaiser gedenkt den ganzen Juli auf der „Hohenzollern" an der schwedischen Küste zuzubringen. Anfang August will er in Cowes eintreffen, wo in Gegenwatt der Königin Viktoria die hervorragendsten englischen Segel-Regatten abgehalten werden.
* Der Eröffnungsfeierlichkeit des Reichsgerichtes in Leipzig werden der Kaiser und der König von Sachsen beiwohnen. Die Einladungen dazu gehen vom Reiche aus. Der Kaiser wird sich nur wenige Stunden in Leipzig aufhatten. Ein größeres Festessen seitens des Rathes ist nicht geplant. Weitere Bundesfürsten werden an der Feier wohl njcht Theil nehmen.
* Das Befinden des Fürsten Bismarck scheint trotz aller Ableugnungen in der That in letzter Zeit wenig befriedigend zu sein. Am Freitag wurde er von den Schülern der obern Klassen des Gymnasiums von Seehausen (Altmark) begrüßt, welche mit dem Direktor an der Spitze einen Ausflug nach Friedrichsruh unternommen hatten. Der Fürst lehnte den Vortrag von Gedichten und Liedern, auf den die Schüler vorbereitet waren, freundlich ab: „Ich freue mich, die Bekanntschaft zu machen, kann aber nicht lange stehen, bin krank und sehr matt." Er stellte allerhand Fragen, bann machte er wieder Bemerkungen über seinen Gesundheitszustand. „Es ist so warm," sagte er, „daß man einen Regenrock nicht vertragen kann; ich darf ihn aber nicht ablegen, darf nicht naß werden, habe nervöses Gesichts- reißen, und das ist bei nassem Wetter sehr schlimm . .. Ich danke Ihnen für Ihre Begrüßung — ein matter und müder alter Mann, der das Leben hinter sich und nichts mehr von der Welt zu erwarten hat."
* Nach der ,Nordd. Allg. Ztg.' ist der Gesandte im Haag Graf Rantzau (der Schwiegersohn Bis- marcks)auf seinen Antrag zur Disposition gestellt worden. Zu seinem Nachfolger sei der Gesandte in Kopenhagen v. d. Brinken in Aussicht genommen. — Im .Reichsanzeiger' wird die Ernennung des Legationssekretärs Prinzen v. Thurn und TaxiS zum Ministerresidenten inLuxemburg amtlich bekanntgegeben.
* Der Reichstagspräsident Freiherr v. Buol- B er en berg hat die Reichstagsmitglieder zur Enthüllung -es Windihorst-Denkmals in Meppen am 16. Juli eingeladen. Die ,Nat.-Ztg.' ist dadurch in eine Wnth versetzt worden, in der sie uns nur komisch Vorkommen kann. Es genügt für uns, daß der Wuth- auSbruch des nationalliberalen KulturkämpferblatteS nur aufs Neue den Aerger dieser Gesellschaft über ihre Dummheit vom 23. März beweist. Damit ist für uns das Interesse an dem Gezeter des Blattes erhöht. — UebrigenS würden sich nationalliberale Abgeordnete auch seltsam ausnehmen bei der Feier in Meppen; sie mögen wegbleiben, das kann uns nur recht sein.
durchschauten Graff in den Tuilerien gleichfalls ihren Fottgang.
„Stecken Sie diesen Ring an," gebot der Kaiser, „und machen Sie von demselben, wenn es nothwendig werden sollte, Gebrauch. Er enthält eine geheime Kraft, die jeder französische und bayerische Offizier kennt und in dessen Bedeutung auch unsere Spezial-Kommissare, namentlich in dem rebellischen Tyrol, eingeweiht sind. Bedürfen Sie zur Ausführung Ihrer Pläne militärischer Hilfe, so brauchen Sie nur diesen Ring vorzuzeigen und es werden Ihnen Truppen in genügender Anzahl zur Verfügung gestellt. In einer schwachen Stunde habe ich diesen Talisman allerdings auch jener Dame verliehen, aber mit Ihren Instruktionen und dem gleichen Rinz halten Sie leicht deren allenfallsige Gegenzüge in Schach. Sie hat zwar einen Hellen Kopf und ist" ein wagehalsiges Persönchen, aber Weib bleibt sie doch. Eine- sage ich Ihnen, diese Vollmacht gilt nur für den vorliegenden Fall. Sie werden sich hüten, etwa für andere oder eigene Interessen damit Mißbrauch zu treiben. Sie spielten um Ihren Kopf. Dagegen erhalten Sie, wenn Alles nach Wunsch ausgeführt ist, nochmals die gleiche Summe, welche Ihnen hiermit zur Verfügung gestellt sei."
Der Kaiser schob dem Konsul das Geld hin. „ES l sind 40,000 Franken," sagte er, „davon behalten Sie