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Dtittwoch, den 3. Juli 1895
22. Jahrgang
FilldaerMZeitung
mit Unterhaltung» Heilagr „Sterne nnb Klnmeu".__
Glaubens- und das private Leben der katholischen Be" Dotierung ist durch sie in höchster Weise gefährdet, da sie die Gleichgiltigkeit in religiösen und politischen Dingen vorbereitet und begründet, die direkt zum Abfall und Verrathe führt
Herr Abg. Wasserburg hielt die Schlußrede und schloß nach Ausbringung eines Hochs auf Papst Leo XiII. mit dem Gruße: „Gelobt sei Jesus Christus!" gegen 5 Uhr die Verhandlungen Dann sangen die Tausende unter Begleitung einer Musikkapelle die drei ersten Strophen des Liedes: „Großer Gott, wir loben dich!"
Deutsches Reich.
Berlin, 2. Juli.
* Die Kaiserin hat, wie aus Kiel gemeldet wird, am Montag zum ersten Male wieder das Bett auf einige Zeit verlassen. Am Donnerstag hofft sie die Rückreise nach Potsdam antreten zu können; gleichzeitig würde dann der Kaiser seine Nordlandsreise antreten.
* Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe fahrt am Mittwoch früh über Baden-Baden nach Straßburg zum Besuche der elsaß-lothringischen Gewerbeausstellung und wird sich von dort in einigen Tagen nach A l t- Aussee begeben.
* Ueber das Befinden des Fürsten Btsmarck bringt der ,Hamb. Korresp.' sehr bedenkliche Mit- theilungen, wonach es seit einer Woche „viel zu wünschen übrig" läßt. Der Fürst sei sehr nieder- aeschlagen und nehme nur flüssige Nahrung tu sich. Graf Herbert Bismarck sei in Friedrichsruh eingetroffen. — Bei dem hohen Alter des Fürsten dürste ein solches Unwohlsein jedenfalls nicht leicht genommen werden.
* ueber Bischof Komm, Bismarck nnd Manlenffel erhalten die ,Hamb. Nachr.' ans der Friedrichsrnher Kanzlei folgende Note: _
In einem Briefe, den die Wiener Wochenschrift ,®te Zeit von Herrn Prof. Geffcken veröffentlicht, findet sich u. A. die Bemerkung, daß den früher« Statthalter in Elsaß-Lothrrngen, den Feldmarschall ».Manteuffel, keine Schuld ander wenig glücklichen Ernennung des Herrn Korum zum Bischof von Trier träfe. Das ist im Gegentheil unzweifelhast der Fall; denn da Herr Korum dem Fürsten Bismarck selbst dem Namen nach noch unbekannt war, fragte letzterer bei dem Statthalter an und erhielt darauf ein günstiges Zeugniß für Herrn Korum, insoweit es sich um die Stellung der Geistlichkeit zur Staatsreglerung handele, weil HerrKorum in dieser Richtung die gallikannche Erziehung aeüadt hade und an den steten gouüerne^ mentalen Einfluß gewöhnt sei. Auf dies-. Empfehlung hin lud Fürst Bismarck den Bischof nach Barzm em und fand dort in ihm einen gescheidten und liebenswürdigen Herrn, dessen Grundsätze über die Beziehungen der katholischen Kirche zum Staate, seiner französischen Erziehung entsprechend, einen Anlaß zur Ablehnung seiner Ernennung nicht darboten. Wir theüen daher nicht die Ansicht des Herrn Prof. Geffcken, daß Herr v. Manteuffel bei der Beurtheilung der Ernennung des Herrn Korum ex nexu zu lassen sei; nur die aus Anfrage erfolgte glaubwürdige und kompetente Auskunft des Feldmarschalls bildete die Grundlage für die Ernennung des Bischofs.
Es ist intereffant, nachträglich bescheinigt zu erhalten, daß im Falle des Herrn Bischofs von Trier „die Gewöhnung an den steten gouvernementalen Em- dacht. Und Du bist fein einziges, fein rechtmäßiges Kind?" _ r. .
Durch diese Frage wurde Stasi in augenscheinliche Verwirrung gebracht. „Nein", erwiderte sie nach einer Pause, „es ist noch ein Bube, der kleine Joseph, da, und die leibliche Tochter der Eltern bin ich nicht. >zch wurde ober in diesem Hause geboren und immer gehalten wie das eigene Kind. Da sieh, Fräulein," fugte Stasi treuherzig hinzu und reichte der Dame das Medaillon, „das ist meine Mutter gewesen, die mir als einziges Andenken dieses Bild hinterließ."
Die Kranke hielt das Bild vor ihre Augen; sie wurden feucht. „Meine Ahnung täuschte mich nicht", flüsterte sie wie in Selbstvergessenheit. „Arme Euphemia! Endlich finde ich von Dir eine Spur die Aehnlichkett ist auch zu groß; auf den ersten Blick habe ich Deine Tochter erkannt."
Mit begreiflichem Staunen hatte das Mädchen auf die Worte der Kranken gehört. Sie hätte gerne eine Frage gestellt, aber sie besaß nicht den Muth dazu, als sie ihr Medaillon wieder zurück erhielt und die Kranke, ohne noch etwas Weiteres zu sagen, wie von einer plötzlichen Schwäche befallen, die Augen schloß.
Einige Minuten lang blieb Letztere ruhig liegen, dann wandte sie sich abermals an Stasi.
4. Wir widersetzen unS jeder Beschränkung unserer knapp bemessenen verfassungs- mäßigenFreiheiten. Insbesondere verwerfen wir auf das entschiedenste die Angriffe auf das allgemeine direkte Wahlrecht zum Reichstage. Wenn wir es niemand verwehren können und wollen, seine wie immer geartete Ueberjeugung über diesen Punkt öffentlich zum Ausdruck zu bringen, so dürfen wir doch unser schmerzliches Erstaunen darüber nicht zurückhalten, daß man offen den Bruch der Reichsverfassung als den Weg anpreist, auf welchem diese Ueberjeugung durchgeführt werden kann, ohne daß sich irgend ein zum Schutze der Reichsverfassung berufenes Organ rührt, diesen Anpreisungen entgegenzutreten.
5. In Bezug auf die Schule halten wir unsere alten Forderungen aufrecht. Das Staatsschulmonopol erkennen wir nicht an. Wir verlangen, daß der Kirche und den Eltern die Errichtung von Schulen nicht verwehrt, der ihnen gebührende Einfluß auf das öffentliche Schulwesen nicht beschränkt und die Ordenspersonen von den öffentlichen Schulen nicht ausgeschlossen werden. Mit den Mischschulen können wir uns nicht befreunden und verlangen, daß die Wiederherstellung der Konfessionsschulen gesetzlich ermöglicht und das katholische Schullehrerseminar wieder herge- stellt werde. . c „ ... ..
6 Wir beklagen auf das tiefste das Umsichgreifen der s o z i a l e n K l a s s e n g e g e n s ä tz e sowie den Nothstand, der in weiten Kreisen unserer Gesellschaft herrscht. Die erste Ursache desselben sehen wir in der Gottent- frembunq; die beste Garantie zu einer Umkehr erblicken wir in der Rückkehr der Gesellschaft zu Gott als einzige Grundlage einer segensreichen Ordnung. Wir verlangen deshalb auch im Interesse des sozialen Wohles die Beseitigung aller Schranken, welche der freien Entfaltung und Pflege des christlichen Glaubens und Lebens im Wege stehen. Wir verlangen ferner den weitern Ausbau der Sozialgesetzgebung, allseitigen Schutz für die Arbeit und das Handwerk, umfassende Sorge für Hebung des bedrohlichen landwirtschaftlichen Nothstandes sowie eine gerechte Besteuerung.
7. Auf dem Gebiete des Heeres und der Marine verlangen wir neben eingehender Sorge für das leibliche und sittlich-religiöse Wohl der Soldaten weitgehendste Sparsamkeit und den ernstlichen Versuch, der bis aufs äußerste getriebenen Vermehrung der Kriegsmacht und den daraus entstehenden persönlichen und finanziellen Lasten Einhalt zu gebieten, sowie ein internationales Schiedsgericht zur Beilegung aller Streitfälle zu gründen.
8. Wir erachten es als unbedingte Pflicht jedes Katholiken, die seinen Interessen dienende Presse mit allen Mitteln zu unterstützen und für ihre möglichste Verbreitung zu sorgen, der kirchenfeindlichen Presse dagegen mit ganzer Kraft entgegenzuarbeiten. Immer wieder warnen wir aufs eindringlichste vor der färb- oder parteilosen Presse, den General-Anzeigern, farblosen Kalendern und ähnlichen Schriften. Das öffentliche, das schönen Scene, welche sich zwischen Dir und Deinem Poldl abgespielt hat, der Dir wahrscheinlich bereits gesagt haben wird, daß ich ihm nicht unbekannt bin. Als ich auf Euch zutreten wollte, um Poldl und Dich zu begrüßen, da fiel der Schuß. Du brauchst Dich Deiner Liebe nicht zu schämen," fügte sie, Stast's Hand ergreifend, hinzu, über deren Gesicht sich eine glühende Röthe ergoß, „Ihr seid ein Paar, das von dem lieben Gott selbst zusammengeführt worden ist. Weiß man, wer geschossen hat?"
„Nein", entgegnete Stasi. „Poldl suchte den Schützen, sand jedoch keine Spur."
„Es wird ein Wilderer gewesen sein," meinte die Verwundete, „der, als er das von ihm angerichtete Unheil erkannte, entfloh. Doch jetzt sage mir, wo ich bin und wer der Mann ist, der mir den Verband an- qcIcqI t)Clt ?u
„Bei meinen Eltern", beantwortete Stasi beide Fragen zugleich, „dem Sandwirth Andreas Hofer, den im ganzen Tiroler Lande jedes Kind kennt, und meiner Mutter Gertrud."
Wieder wurden die Zügx der Dame von einem milden Lächeln verklärt. „Auch ich kenne ihn" sagte sie .wenigstens dem Namen nach. So wie er soeben vor mir stand, habe ich mir bin gefeierten Helden ge-
* Der dritte hessische Katholikentag.
Arn Sonntag wurde auf dem Rochusberge bei Bingen der diesjährige hessische Katholikentag abgehalten, zu welchem sich gegen 5000 Personen ein» geftmden hatten. Nachdem Herr Dekan Engelhardt (Bingen) die Versammlung herzlichst begrüßt hatte, wurden Herr Philipp Wasserburg (Mainz) zum Vorsitzenden, Landtags-Abgeordneter Dr. Schmidt (Mainz) und Dekan Engelhardt zu Beisitzern, Rechtsanwalt Dr. Frenney (Mainz) zum Schriftführer ernannt. Dann sprachen unter stürmischem Beifall die Herren Dr. Schmidt über die Presse, Frhr. Dael v. Koeth über landwirthschastliche Kredit- Vereine und Raiffeisen'sche Darlehenskassen, Pfarrer Wassermann (Mainz) über die Schulftage,Rechtsanwalt Dr. Frenney (Mainz) über die Ordensfrage und endlich Pfarrer Forschner (Mainz) über die soziale Frage. Folgende Resolutionen wurden einstimmig angenommen:
1. Der dritte hessische Katholikentag auf dem Rochusberg bei Bingen erklärt aufs neue seine Treue und Anhänglichkeit an den hl. Stuhl. Mit allen Katholiken des Erdkreises verurtheilen wir die politische Gewaltthat, welche den hl. Vater der Tern- torial-Hoheit, der unentbehrlichen Garantie der Unabhängigkeit von jeder irdischen Gewalt, beraubte. Wir proteftiren dagegen als gegen eine Verletzung unserer eigenen Rechte und leben der Zuversicht, daß der gegenwärtige Zustand der Gewalt in Bälde der siegreichen Macht des Rechtes weichen werde.
2. Die Bevormundung der Kirche durch den Staat, wie sie bei uns besteht, ist nicht das von ®ott; der "einzigen Ouelle der Autorität, gewollte Berhälttiiß. Die Kirche ist frei von jeder staatlichen Oberhoheit von Christus gegründet und muß auf dem Gebiete ihrer Angelegenheiten frei bleiben. Wie die theilweise noch sortbesteheuden sogen. Kulturkampfsgesetze, so verwerfen wir auch die ganze Summe der diskretionären Gewalten. Die Kirche ist auf den Felsen Petri gebaut, nicht aus das Wohloder Uebelwollen vorübergehender Ministerien und herrschender Parteien. Wir verlangen als Katholiken die vollständige Freiheit deS katholischen Lebens von jeder staatlichen Bevormundung. ...
3. Insbesondere verwerfen wir die in unferm engem Vaterlande bestehenden Kirchengesetze, die sich durch mißtrauische Härte und ihr Zurückottiben selbst hinter der preußischen Gesetzgebung auszeichnen. Wir beklagen das dürftige Maß der jüngsten Revision des Ordensgesetzes, sowie die gehässige Stellung, welche eine Anzahl Mitglieder der liberalen Pattei demselben gegenüber einzunehmen für gut befunden. Wir werden deshalb in den nächsten Wahlkämpfe», wo wir nicht mit Erfolg eigene Kandidaten aufzustellen vermögen, jeden Kandidaten unterstützen, von dessen Programm und Vergangenheit wir erwarten können, daß er uns helfe, die unwürdige, unser religiöses Leben drückende Fesseln zu brecken.
8] K Um Gut und Klttt.
Roman aus den napoleonischen Kriegen.
Bon M. Benno.
Er verließ das Zimmer, Stasi und die Mutter aber blieben noch bei der Kranken zurück; Letztere trat an das Bett derselben. Die Dame schien sanft zu schlafen, die Athemzüge waren regelmäßig und die Wangen mit einer schwachen Röthe bedeckt. Auch die Mutter entfernte sich. Stasi war mit der Dame allein. Sie setzte sich auf einen Stuhl und schaute träumerisch vor sich hin. In lebhaften Farben stieg das Bild dessen, was sie an diesem Morgen erlebt hatte, vor ihrem Geiste empor. Unwillkürlich spielte sie dabei mit einem Medaillon, das sie in goldener Fassung an einem Halskettchen trug. Plötzlich schrak sie zusammen, sie hatte vom Krankenbette her ihren Namen gehört. Rasch stand sie auf. Die Dame wachte, ein mattes Lächeln spielte um ihren Mund.
„Man hat mir das Sprechen verboten", begann sie, '„aber ich fühle mich so gut, daß diese Vorsicht nicht nothwendig ist. Dagegen befinde ich mich in einer Aufregung, die mich nicht ruhen läßt. Du staunst, daß ich Deinen Namen kenne, es hat einen einfachen Grund: ohne es zu wollen, wurde ich Zeuge der rührend