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14k/ Dienstag, den 2. Juli 1895 22. Jahraang

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Ö Die Grundsteinlegung zur St. Ludwigskirche bei Berlin.

Zur St. Ludwigskirche, die zum Gedächtnisse Ludwig Windthorst's auf dem zu Wilmersdorf bei Berlin gelegenen Straßburger Platze errichtet wird, ist am Samstag, am Feste der hl. Apostelfürsten Petrus und Paulus, feierlich der Grundstein gelegt worden. Der Bau der Kirche war freilich schon vor zwei Jahren begonnen, aber sehr bald wieder wegen Mangels an Mitteln unterbrochen worden. Der Aufruf, der deshalb erneut an Deutschlands Katholiken ge­richtet wurde, hat gezündet, und in kurzer Zeit er­gaben die Sammlungen eine Summe, welche es jetzt ermöglicht, den Bau mit guter Hoffnung, daß die Mittel auch weiter reichlich fließen werden, fortzuführen. Die Grundmauern sind schon fertig (am Chore ist man schon etwas weiter) und lassen den schönen Grundriß des gothischen Baues erkennen, der mit dem Chore genau nach Osten gerichtet ist. Hier, an der Stelle, wo sich später der Hochaltar erheben wird, wurde am Apostel­feste der Grundstein gelegt und von dem fürstbischöf- lichen Delegaten Propst Dr. Jahnel benedizirt.

Der Bauzaun war festlich mit Flaggentuch aus­geschlagen, und von hohen, mit Laubgewinden um­kränzten Flaggenmasten am Eingänge wehten mächtige Fahnen in den päpstlichen und deutschen Farben. Zahl­reiche Fahnen aus dem Festplatze selbst zeigten gleich­falls das Gelbweiß und Schwarzweißroth, sowie die Farben Preußens, Bayerns, Sachsens, Württembergs, Badens und anderer Bundesstaaten, zum Zeichen, daß in allen deutschen Gauen mit unauslöschlicher Dank­barkeit des verewigten Centrumsführers gedacht wird, und Bausteine für die nach seinem hl. Namenspatrone genannte Kirche zusammengetragen werden. Ueber dem Eingänge war die Inschrift angebracht: Per Me reges regnant et legum conditores justa decernunt (durch Mich herrschen die Könige und beschließen die Gesetz­geber, was recht ist), eine Inschrift, die daran ge­mahnte, wie ernst und im Bewußtsein seiner Verant­wortlichkeit vor Gott Windthorst seinen Beruf als Gesetzgeber auffaßte.

An der Feier nahmen natürlich die ehemaligen Kampfgefährten des Verewigten, unsere Abgeord­neten, soweit sie in Berlin anwesend sind, vollzählig kheil; selbst der greise Alterspräsident des Reichstags, „Papa Dieden", hatte trotz-seiner 84 Jahre den stundenweiten Weg aus der inneren Stadt nicht ge­scheut und war einer der ersten am Platze. Auch die Geistlichen Berlins und Charlottenburgs, zu dessen Pfarrgemeinde auch Wilmersdorf und daher auch die neue Kirche gehört, waren, soweit sie nicht durch ihre

7] £ Um Gut und Hlut.

Roman aus den napoleonischen Kriegen.

Von M. Benno.

4.

„Poldl! um Gotteswillen, Poldl!" jammerte Stasi abermals, so daß der Bursche, so schnell ihn seine Füße trugen, dem Platze zustürmte, wo sich das Mädchen befand.

Da bot sich ihm ein unerwarteter Anblick. Neben der Felsenwand lag auf dem Grasboden eine weibliche Gestalt, deren engelgleicher Schönheit sogar durch die Bewußtlosigkeit kaum ein Eintrag gethan wurde. Unter ihrer Schulter quoll ein Blutstrom hervor. Voll Ent­setzen prallte der Bursche zurück.

„Jesus, Maria und Joseph!" stöhnte er, das ist ja die Dame, deren Muth und Entschlossenheit der Zigeuner Agil seine Rettung verdankt. Sie wurde durch die Kugel getroffen. Um Himmelswillen, was fangen wir an?"

Von einem Gedanken durchzuckt, wandte er sich an das Mädchen „Vielleicht ist doch Rettung noch möglich", sagte er, „ich will Wasser holen, sorge Du indessen dafür, daß die Blutung aushört." Er rannte davon; Stasi aber öffnete das Kleid der Ohnmächtigen und fand, daß die Schußwunde sich an der Schulter

Amtspflichten an dem Feiertage verhindert waren, vollzählig erschienen; desgleichen waren alle katholischenBereine durch Abordnungen, darunter 28 mit ihren Fahnen, vertteten. An offiziellen Theil- nehmern wären dann noch zu erwähnen: Die Geheim- räthe Renvers und Brandt aus dem Kultusmini­sterium, der Gemeindevorsteher von Wilmersdorf, der Direktor der Milmersdorfer Terraingesellschaft, die den Platz für den Kirchbau geschenkt hat, und Andere. Diese Herren gehörten auch zu den Unterzeichnern der Urkunde, welche in den Grundstein versentt wurde. Die anderen Unterzeichner sind: Propst Jahnel, Pfarrer Klein­eidam von Charlottenburg, Abg. Frhr. v. Heereman, Abg. Prinz Arenberg und Regierungsbaumeister Menken, der den Plan entworfen hat und den Bau leitet.

Der feierliche Akt vollzog sich in der vorgeschrie­benen Weise. Er begann mit dem von der Kirchlichen Singschule unter Leitung ihres talentvollen Dirigenten C. Thiel ausgeführten Gesänge der Chöre „Also spricht der Herr" von Thiel und „Jubilate Deo“ von Grabert, sowie sämmtlicher Antiphonen. Dann wurde der Grund­stein gelegt und die Hammerschläge vollzogen. Nach der Benediktion des Grundsteines folgte dann der Um­gang um die Grundmauern, die gleichfalls vom Dele­gaten Propst Jahnel benedizirt wurden. Nach der Rück- kehr in den Chorraum hielt der Herr Delegat eine ergreifende Ansprache, stellte den Bau in den besonderen Schutz des hl. Ludwig und der hl. Apostelfürsten und sprach die Hoffnung aus, daß mit Gottes Hilfe, wenn die Mittel auch weiterhin reichlich fließen, der Bau noch im Herbste dieses Jahres fertig dastehen werde. Zugleich dankte der hochw. Redner allen denen, welche durch ihre Beiträge die Inangriffnahme und Weiterführung des Baues ermöglicht, und denen, welche die Begeisterung für dieses erhabene Werk, dieses Denk­mal der Dankbarkeit für unseren Windthorst, durch Wort und Schrift entfacht und genährt haben, insbe­sondere auch den kathol. Zeitschriften und Zeitungen. Es sei bemertt, daß auch die Urkunde aller dieser Förderer des Baues mit dem Ausdrucke wärmster Dankbarkeit gedenkt. Die Feier schloß mit dem von der ganzen Festversammlung gesungenen „Großer Gott, wir loben dich", das die Kapelle des Gardefüfilier- regiments begleitete.

Möge die Hoffnung, daß Deutschlands Katholiken auch weiterhin, ihrer Dankbarkeit und Liebe zu ihrem großen Führer Windthorst enffprechend, mit ihren Almosen den Bau der St. Ludwigskirche fördern werden, sich in reichstem Maße erfüllen! Hier, in der Reichs­hauptstadt, am Sitze der Regierung und auf dem Schauplatze der politischen Kämpfe, soll Freund wie Feind in Stein gethürmt den Beweis stets vor Augen haben, wie dankbar und treu wir unseres Windthorst gedenken und wie groß unsere Begeisterung für die gleichen Ideale und ewigen Ziele ist, für die er selbst so eifrig, so wachsam, so klug und so unermüdlich ge­kämpft hat!

befand. Sie nahm ihre leinene Schürze ab, riß sie in Stteifen und machte, so gut es ging, einen Verband. Der Bursche kam mit Wasser zurück. Man benetzte das Gesicht und die Schläfe der Dame. Diese begann wieder zu athmen und schlug für einen Moment sogar die Augen auf. Sie schloß dieselben jedoch sofort wieder, und auf's Neue lag sie in augenscheinlicher Bewußtlosigkeit.

Stasi weinte bitterlich und auch der Bursche war tief ergriffen.

Rathlos standen die Beiden eine Zeit lang da. Stasi ermannte sich zuerst. „Wir müssen das Fräulein ins Dorf hinabschaffen", entschied sie, „am besten zum Vater, der sich ja auf die Doktorei versteht. Tödtlich scheint die Wunde nicht zu sein. Sie könnte es aber werden, wenn nicht das Nöthige mit ihr geschieht. Hole bei Deinem Vetter drunten ein Fuhrwerk und bringe es hierher. Dann betten wir das arme Fräu­lein darauf und führen es nach St. Martin hinab.

Poldl ließ sich das nicht zweimal sagen. In eiligem Laufe eilte er den Abhang hinab. Stasi kniete neben der Bewußtlosen nieder; sie faltete die Hände und betete. Diese fromme Hebung hielt einigermaßen die Angst in Schach, welche sie um die junge Dame em- fand. Boll innigsten Mitleides ruhten Stasi's Augen auf ihr. Die Bekleidung war ziemlich einfach, aber >

Deutsches Reich.

Berlin, 1. Juli.

* Der Kaiser ist heute Nacht, wie aus Kiel ge­meldet wird, von Travemünde an Bord der „Hohen- zollern" zurückgekehrt. — Die Abreise der kaiser­lichen Prinzen vom Neuen Palais nach Saßnitz ist für den 6. d. M. in Aussicht genommen. Man hofft, daß die Kaiserin im Stande sein werde, gleich- zeittg mit ihren Kindern nach Saßnitz zu reisen. So­bald sie und die Prinzen das Neue Palais verlassen haben, wird das Hoflager im Neuen Palais aufgelöst. Die zur Fortführung der Geschäfte nothwendigen Hof­ämter siedeln dann nach Berlin über, wo sie bis zur Rückkehr der kaiserlichen Familie, Mitte August, ver­bleiben.

* Im ,Reichsanz.' wird die Ernennung des Geh. Oberregierungsraths Dr. jur. Wentzel vom landwirth- schaftlichen Ministerium zum Regierungspräsi­denten in Koblenz amtlich mitgetheilt.

* Premierleutenant v. Wtßrnauv, der Bruder des Gouverneurs v. Wißmann vom 48. Infanterie-Regiment, bisher zurKriegsschule kommandirt, ist zurS chntztruppe nach Ostafrika versetzt worden und reift mit seinem Bruder am 3. Juli dorthin ab.

* Herr v. Kardorff hat sein Reichstagsmandat für W a r t enb er g - O e ls, das von der Wahlprüfungs- kommisston beanstandet war, jetzt offiziell niederge­legt. Er wird sich voraussichtlich wieder um das Mandat bewerben.

* Bei der Stichwahl im Reichstagswahlkreise Kolberg-Köslin ist der bisherige konservative Abg. v. Gerlach dem freisinnigen (Rickert'scher Richtung) 'Benoit unterlegen. Dieser erhielt 9143, der Konservative 7433 Stimmen. Bei der Hauptwahl erhielt Baurath Benoit-Charlottenburg nur 4650, Herr v. Gerlach aber 7101 Stimmen; ferner entfielen auf den Sozialdemokraten Lotz 2418 und den Antisemiten Ahlwardt'scher Richtung Paasch 1582 Stimmen. Danach erscheint es zweifellos, daß nicht nur die Sozialdemokraten, sondern auch die Anti­semiten bei der Stichwahl für den Freisinnigen gestimmt haben. Die ,Krenzztg.' ist natürlich sehr ungehalten über „diese Sorte von Antisemiten", die sich als Hilfs- und Schutztruppe des von ihnen an­geblich wegen seiner Berjudung bekämpften „Liberalis­mus" erwiesen hätten. Die fteikonservative.Post' gibt dagegen hauptsächlich den Konservativen selbst die Schuld, die den Wahlkampf in einer so „agitatorisch- demagogischen" Weise geführt hätten, daß sie die and ren Parteien nur erbittern mußten.

* Herr Miquel hat das neue Stempelstenergesetz noch nicht in Sicherheit. Nach allem, was man hört, plant das Herrenhaus eine Herabsetzung desFidei- kommißstempels bei dieser Gelegenheit. Alsdann müßte der Gesetzentwurf an das Abgeordnetenhaus zurück­kehren. Ob es aber in der Julihitze möglich ist, 218 stempeleifrige Abgeordnete in Berlin zusammenzubringen

von feinem Stoffe. Dunkle Locken umwallten ein un­gemein feines Gesicht von wunderbarer Regelmäßigkeit, um den Hals war ein Perlenkollier geschlungen und ein kostbarer Brillantring von eigenthümlicher Form blitzte an dem Finger der rechten Hand, welche zur Hälfte mit den seinen Spitzen an dem Aermel des Kleides bedeckt war.

Die Unruhe und Auftegung des Mädchens steigerte sich. Sehnsuchtsvoll schaute sie nach der Richtung, aus welcher Poldl mit dem Gefährt kommen mußte. Endlich vernahm sie erst nur schwach, aber immer deutlicher ein monotones Schellengeläute, und nach einer Weile sah sie, wie der breite Kopf eines Stieres austauchte, der vor einen leichten Wagen gespannt war. Poldl befand sich bei dem Gefährte und winkte ihr schon von Weitem durch Hutfchwenken zu. Er fuhr an den Felsen, und mit aller Vorsicht wurde das Fräulein in den Wagen gehoben, auf welchem durch Heu und Decken ein weiches Lager zurecht gemacht worden war. Dabei kehrte auf einige Augenblicke das Bewußtsein der Dame zurück. Sin Seufzer entrang sich ihrem Munde, sie öffnete die Augen und ihr Blick siel auf Stasi, die für eine bequeme Lage sorgend, aus sie niedergebeugt stand.

Die Augen der Dame vergrößetten sich. Der Wiederschein einer grenzenlosen Ueberraschung zeigte