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M 143 Dienstag, den 25. Juni 1895 22. JahrgM

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mit Unterhaltung« Krttage ..Kterne und Kinmen".__________________

und

wie als an- dem die

ganz unmöglich, dem Unglücklichen von unten aus so- sofort Hilfe zu bringen. Es half nichts, aus den Hütten Rettungsmittel herbeizuschaffen und wenigstens einen Versuch zu machen, dem armen Manne beizu­springen. Konnte es sich doch nur um wenige Minuten handeln, bis entweder die Kraft des Mannes erlahmte, oder der Busch aus dem Felsen losbrach.

' Wieder hatte der Hängende eine Bewegung gemacht, aber dadurch, wie es schien, die Katastrophe nur be­schleunigt. Mit Entsetzen gewahrten die Mädchen, wie er tiefer sank und wie losgebrochenes Gestein herabkollerte. Einen Augenblick noch, dann — dann!

Sie falteten, aufs Neue in Thränen ausbrechend, die Hände und beteten für die Seele des Armen, der vielleicht schon in der nächsten Sekunde zerschmettert vor ihnen lag.

Da — sprachlos vor sreudrgem Staunen, schauten sie in die Höhe. Auf dem Rande des Felsens tauchte eine dunkle Gestalt auf. Es war eine Frau. Sie ge­wahrte den unten hängenden Mann. Einen Augen­blick stand sie unbeweglich, wie von Schrecken gebannt. Dann verschwand sie. .

Gleich darauf aber senkte sich langsam ein Gegen­stand an der Felswand nieder bis auf den Mann, es war ein Kleidungsstück. Gleichzeitig hörte man von oben herab von einer kräftigen Männerstimme

im nationalen Jnteresfe nicht vergebens gewesen ist. Nach dem Festmahle begab sich der Kaiser vor die Festhalle und hielt einen Cercle ab, während die Musik spielte. Im Hafen begann das großartige Feuerwerk und Illumination. Die Kriegsschiffe prangten im reichsten Lichterglanz und hatten elektrische Glühlichter am Bordrand, an den Masten und Raaen. Fortwährend stiegen Feuerregen und Raketenschwärmer auf; alle Schiffe prangten in glänzendem Lichterschmuck, und die im Feuer bewirkte Wiedergabe ihrer Hauptlimen zauberte wundervolle Feuergebilde und Zeichnungen hervor, die sich in wunderbarer Weise vom Wasser abhoben. Panzer­schiffe, Kreuzer und Kanonenboote, alles erschien in flammendem Lichte, jedes Fahrzeug in seiner Art wreder- qeqeben, jedes aber ein Feuerbild zwischen Luft und Wasser darstellend, an dessen Anblick man sich nicht satt sehen konnte. Dieses herrliche Schauspiel bildete den würdigen Schluß der erhabenen Festtage.

«ttch-int täglich,^ Sonn-^ ”aumni5e ^"seRamen entsprechender

ft Um Gut und Kirrt.

Roman aus den napoleonischen Kriegen.

Von M. Benno.

(Nachdruck verboten.)

1.

„Er fällt, er fällt — er ist verloren — kein Vater­unser lang hält ihn der schwache Strauch!" — So tönte es von den Lippen mehrerer Sennerinnen, welche händeringend am Fuße einer mächtigen, fast glatten Felswand standen, die sich thurmhoch über der Alm in viertelstundenlanger Ausdehnung senkrecht erhob.

Der Gegenstand aber, dem ihre Angstrufe galten, war ein Mann, der hoch oben an dieser Wand, einige Fuß unter dem Rande derselben, zwischen Himmel und Erde schwebte und der sich an einem aus dem Ge­steine hervorgesproßten Busche wilden Hollunders festhielt. ,

Man sah, wie er sich vergeblich abmühte, wieder aufwärts zu kommen. Wenn er den schwachen Halt vollends verlor und herabstürzte, war sein Berderbniß gewiß.

And die Sennerinnen, welche gesehen hatten, wie der junge Mann, wahrscheinlich durch einen Fehlttitt in diese gräßliche Lage gebracht worden roar!, konnten nichts thun, als jammern und klagen, denn es war

Unternehmens, und im verflossenen Jahrhundert ward der Erder- kanal aebaut, der, ein rühmliches Zeugmß für dre Lerstungs- ähiakeit der damaligen Zeit ablegeqd, doch nur für den kleineren Schiffsverkehr bestimmt, den gesteigerten Anforderungen der Jetztzeit nicht zu genügen vermochte. Dem neu begründeten Deutschen Reiche blieb es Vorbehalten, die große Aufgabe einer befriedigenden Lösung entgegeuzuführen. Mein verewigter Herr Großvater, Kaiser Wilhelm's des Großen Maiestat, war es, der in richtiger Erkenntniß der Bedeutung des Kanals sür die Hebung des nationalen Wohlstandes und für die Stärkung un- erer Wehrkraft nicht müde wurde, dem Plane des Baues einer leistungsfähigen Wasserstraße zwischen Nord- und Ostsee Seme ördernde Theilnahme zuzuwenden und die mannigfachen Schwierig­keiten zu beheben, welche sich seiner Ausführung entgegenstellten. Freudiq und vertrauensvoll folgten die verbündeten Regierungen des Reichs nickt minder wie der Reichstag der Kaiserlichen Initiative, und rüstig ging es vor nunmehr acht Jahren an das Werk das mit seiner fortschreitenden Ausführung tn immer höherem Grade das öffentliche Interesse erweckte Was die Technik von dem hervorragenden Standpunkt ihrer Entwickelung heraus hat schaffen können, was an Eifer und Arbeitsfreudlgkeit möglich war, was endlich an Fürsorge für die zahlreichen, an dem Bau betheiligten Arbeiter nach den Grundsätzen der humanen Soztal- politik des Reichs gefordert werden konnte, es ist an diesem Werke geleistet worden; und deshalb darf mit Mir und Meinen hohen Verbündeten das Vaterland des gelungenen Werks sich freuen. Aber nicht nur für die heimischen Jnterefsen haben mir gearbeitet. Der großen Kulturaufgabe des veutschen Volks ent- sprechend, öffnen Wir dem friedlichen Verkehr der Nationen untereiander die Schleusen des Kanals, und zu freMnger Genug- thuuna wird es Uns gereichen, wenn seine sortschreitende Be­nutzung Zeugniß dasür ablegt, daß die Absichten von welchen Wir geleitet worden sind, nicht allein verstanden, sondern auch fruchtbar werden zur Hebung der Wohlfahrt der Völker. Dre ThÄnahme an unserer Feier seitens der Mächte, deren Ver­treter wir unter uns sehen, und deren herrliche Schiffe wir heute bewundert haben, begrüße Ich um so lebhafter ie mehr ^ch darin die volle Würdigung Unserer auf Aufrechterhaltung des Friedens gerichteten Bestrebungen zu erblicken das Recht habe. Deutschland wird auch das heut inaugurirte Werk m den Dienst des Friedens stellen und sich glücklich schätzen wenn der „Kaffer. Wilhelms-Kanal" in diesem Dienste allezeit Unsere fteundschast- lichen Beziehungen zu den übrigen Mächten fördert und be- festigt Ich leere Mein Glas auf das Wohl der Uns befreundeten Souveräne und Mächte. Hurrah! Hurrah! Hurrah

Die Rede deS Kaisers wurde wiederholt durch leb­haften Beifall unterbrochen und allgemein aufgefaßt als bedeutsame Thronrede, gewidmet nicht allein dem deutschen Volke, sondern auch allen Nationen, um Allen über den friedsamen Charakter des großen Werkes keine Zweifel zu lassen. Nach der ,Köln. Ztg.' erklärten

Leute, die offenkundig und eingestanden erbitterte Feinde des deutschen Reiches sind", daß sie nach dieser vom Tone der Ueberzeugung getragenen Rede m ihren vorgefaßten Ansichten stutzig würden und daß es doch wohl angezeigt und nöthig sei, den Kaiser in emem andern Lichte zu betrachten, als wie ihn im Allge­meinen chauvinistische Parteileute darzustellen suchen. Der ganze Eindruck, der sich nach dem Verlauf des Mahles loslöste, war ein durchaus angenehmer, es ist sehr bezeichnend, daß sich sowohl Inländer Ausländer dem nicht entziehen konnten. Länger, wie es sonst wohl geschehen wäre, blieben die in geregtester Feststimmung befindlichen Gäste auf Platze vor der „Niobe"' zurück, und wenn man Unterhaltungen der verschiedenen Gruppen anhörte, so konnte man zu dem Schlüsse kommen, daß die Feier

Um 15. Imi ab

nehmen alle Postanstalten Bestellungen auf die ,Fuldaer Zeitung' für das dritte Vierteljahr 1895 an.

Neu hinzutretende Bezieher erhalten gegen Emfendung der Postquittung für das dritte Vierteljahr 1895 die .Ful­daer Zeitung' bis . ,

Ende Ium kostenfrei

übermittelt. _____________________________

* Der Schlußakt der Kieler Feste.

Nachdem am Freitag Mittag der Schlußstein zur Holtenauer Schleuse in feierlicher Weise gelegt war, fand Nachmittags eine große Flottensch au statt, die bei dem strahlenden Sonnenschein ein Bild von einziger Großartigkeit gewährte. Punkt 3 Uhr war die Kaiser­yacht „Hohenzollern", an deren Bord sich sämmtliche deutsche und fremde Fürstlichkeiten befanden, von der Boje los. In demseben Augenblicke stellten sich die Mannschaften auf den Raaen und auf den Decks der Panzerschiffe in Parade. Auf der „Hohenzollern" stand der Kaiser allein, weithin sichtbar, inAdmirals- unisorm auf der Kommandobrücke und durchfuhr die Reihen sämmtlicher Schiffe, zunächst die in der Außen­förde alsdann die im inneren Hafen. Beim Passtren der „Hohenzollern" grüßten die Mannschaften der ftemden und deutschen Schiffe mit dreimaligem Hurrah unter den Klängen des „Heil Dir im Siegerkranz . Der „Hohenzollern" folgte die „Grille" mit den Bot­schaftern, Ministern und Parlamentsvorständen, dann der Preßdampfer „Prinz Waldemar". Die „Hohen- zollern" legte Nachmittags 4 Uhr wieder an der Boje an. Der Kaiser hatte auf der Kommandobrücke den Admiral Knorr bei sich.

Den Schluß der ganzen Feier bildete dann am Abende das Festessen, welches in Holtenau in der eigens hergestellten der „Niobe" nachgeahmten Festhalle stattfand. Dasselbe nahm einen außerordentlich glänzenden Verlauf. Der Kaiser traf um 8 Uhr ent. Der glänzende Festraum war durch zahlreiche Bogen­lampen oberhalb des Decksegels erleuchtet, wodurch der volle Eindruck erzielt wurde, als ob die Festtafel auf dem Schiffsdeck stattfände. Der Kaiser saß m der Mitte der halbkreisförmigen erhöhten Fürstentafel. Die übrigen Fürstlichkeiten hatten nach der Reihenfolge ihres Ranges Platz genommen. Um fünf große Längs- tafeln gruppirren sich die übrigen geladenen Gäste.

Im Verlaufe des Mahles erhob sich der Kaiser zu folgender Rede: r

' „Mit Freude und Stolz blicke Ich auf diese glanzende Fest­versammlung, und zugleich im Namen Mnner hohen Verbün. beten heiße Ich Sie alle, die Gäste des Reichs kommen. Innigen Dank sprechen Wir aus für die Theilnahme, die Uns bei Vollendung eines Werks geworden, welches, tn Frieden geplant und in Frieden gebaut, heute dem allgemeinen Verkehr übergeben ist. Richt erst in unseren Tagen ist der ®e- danke, die Nord- und Ostsee durch einen großen Kanal zu ver­binden, entstanden: weit zurück bis in das Mittelalter gutem finden wir Vorschläge und Pläne zur Verwirklichung dieses

Deutsches Reich.

Berlin, 22. Juni.

* Die Kaiserin muß wegen erneuten Unwohlseins das Bett hüten. Dieselbe wollte in Folge ihres leidenden Zustandes der feierlichen Eröffnung, des Nordostseekanals überhaupt fern bleiben, entschloß sich aber in letzter Stunde dazu, wenigstens den Kieler Festlichkeiten beizuwohnen. Das Einlaufen der Kaiser­yacht „Hohenzollern" in den Kieler Hafen beobachtete die Kaiserin vom Hotel Bellevue aus, um sich dann später an Bord der „Hohenzollern" zu begeben. Leider haben die Strapazen der Reise auf das Allgemein­befinden der hohen Frau derart ungünstig eingewirkt, daß sie bereits gestern Abend gezwungen war, die „Hohenzollern" zu verlassen und sich nach dem Kieler Schlosse zurückzuziehen. Die Aerzte erklärten, der Zustand sei nicht besorgnißerregend, empfehlen mdeß dringende Ruhe und Schonung.

* Der Minister von Bötticher ist nun auch von Seiten des Reichskanzlers in besonderer Weise ausgezeichnet worden. Bei dem gestrigen Diner. auf dem Dampfer „Kaiser Wilhem II." gab der Reichs­kanzler in einer Rede seiner Freude und Genugthuung darüber Ausdruck, daß der Kaiser in der KabinetS- ordre an den Staats - Sekretär Dr. v. Bötticher das ausgesprochen habe, was auch sein, des Reichskanzlers Herz voll erfülle. Staatssekretär von Bötticher er­widerte gerührt, er sei tief ergriffen von den aner­kennenden Worten feines Chefs und könne nur er­wähnen, daß er, so lange der Kaiser ihn auf seinem Posten zu erhalten wünsche, in treuer Pflichterfüllung auf demselben ausharren werde. Herr von Bötticher schloß mit den Worten, so lange der Kaiser über treue, uneigennützige Beamten verfüge, sei es um Deutsch­land nicht schlecht. (Was man dazu in Friedrichsruh sagen wird, darf mit einer gewissen Spannung er­wartet werden. ,

* Der,Reichs- und StaalSanzelger' veröffentlicht das Gesetz, betreffend die Abänderung des B rannt - den Ruf: „Faß' an, Agil, und halte Dich fest. So Gott will, retten wir Dich."

Der Mann, welcher bis jetzt kernen Laut von sich gegeben, stieß einen Ruf aus. Er ließ vorsichtig den Busch los und griff nach dem Kleide, dieses dehnte sich zwar, daß er noch weiter hinabglitt, aber es hielt. Nun ging es aufwärts.

Mehr und mehr näherte sich der Verunglückte dem Rande des Felsens, den er nach Verfluß weniger Se­kunden erreicht hatte und von ihm entgegengestreckten Armen erfaßt, auch erklomm.

Er war gerettet. Durch wen? Den Sennerinnen kam es wie ein Wunder vor. Da erschien plötzlich eine neue Gestalt. Es war ein junger Bursche m der kleidsamen Tirolertracht. Er schwenfte den Hut und ein fröhlicher Jauchzer schallte zu den vor Staunen immer noch verwirrten Sennerinnen herab. Da loste sich auf einmal der Bann.

„Der Poldl! der Poldl!" riefen die Mädchen und sandten Jubelrufe zu dem jungen Manne hinauf.

„Nun wundert es uns nicht mehr", riefen sie, das konnte aber auch nur er! Kein Anderer hätte es zu Stande gebracht. Aber wer war die Frau?" Diese Frage wurde nun laut. Gesehen hatte sie deutlich jedes der Mädchen, gekannt aber keine.

Letzteres wäre ohne Zweifel auch der Fall gewesen