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Ueilsge jiw Wulftsev Leitung.

M 120 Sonntag, Öen 26. Mai 1895. 22. Jahrgang

M den WM Zmi

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IV* Krwaer Zeitung

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Gin Falschmünzer-Stückchen.

(Schluß.)

So ein Polizeiagent muß sich in alles hineinschicken können und ost mit der allerelendesten Einrichtung vorlieb nehmen, wenn er anders seines Amtes walten will. Das erbärmliche Nachtessen, das man mir um theueres Geld vorsetzte, der essigsaure Wein, den man mir kredenzte, brachte mich also nicht aus der Fassung, aber unwillkürlich fuhr mir der Gedanke durch den Kopf, die Leute wollen dir mit solcher Aufwartung das Dableiben verleiden. Ich aber hielt Stand und suchte bald mein Lager auf, das ich absichtlich keiner näheren Beschreibung unterziehen mag, um Niemand den Appettt zum Essen zu verderben. Je nun, dafür hatte ich wenigstens frische Lust, denn die Hellen Sterne lugten durch die Dachsparren in mein Schlafkabinet herein. Uebrigens war es ja Sommer, und da hatte das Nichts zu sagen.

Das Wirthshaus stand nicht im Dorfe selbst, son­dern eine kleine Strecke abseits, von Moor und Wiesen­grund umgeben. Daher herrschte bald eine tiefe Stille, nur dann und wann unterbrochen von dem Quaken der Frösche und den Lauten der Fledermäuse, die hinter den Fensterläden horsteten; dazu leuchtete der Mond aus tiefblauem Himmel herab. Bor Müdigkeit schlief ich bald ein.

Mitten in die Traumbilder hinein verwob sich ein eigenthümlicher Laut, durch den ich nach einer Stunde wieder erwachte. Was war das? Glich das nicht einem seinen Hämmern, wie wenn einer mit verbundenem Hammer auf einen Amboß schlägt? Gewöhnliche Men­schenkinder hätten dies Geräusch kaum gehört, viel weniger ihm eine Bedeutung beigelegt, aber ein Polizei­agent muß auf sogenannte Kleinigkeiten ein wachsames Auge und Ohr haben, damit ihm nicht der erste Ring zu einer ganzen Kette von Beweisen entgehe. Mein Entschluß war bald gefaßt! in meine Kleider huschen und geräuschlos die Hausstiege hinabschleichen, war das Werk einiger Sekunden.

Im Freien angekommen, sah ich mich nach der Richtung um, aus welcher der verdächtige Ton gehört wurde, und gelangte schließlich an ein alleinstehendes Gebäude, aus dessen verschlossenen Kellerluken mir rother Feuerschein entgegen leuchtete. Behutsam mich nach etwaigen Spähern umsehend, näherte ich mich der Kellerthür und schaute durch die Ritze hindurch. — Guck da! Alle Wetter! Jetzt war ich ein geborgener Mann und konnte sorglos in die Zukunft schauen, denn lch hatte das Falschmünzernest entdeckt. Vor Freude hätte ich laut aufschreien mögen ob meines unverhofften Fundes. Stehen da mehr als ein halbes Dutzend wahre Herkulesgestalten mit angeschwärzten Gesichtern, zurück- gestreiften Hemdärmeln um eine Feueresse herum und schmieden Dollars und halbe Dollars, wie wenn sie chr Lebtag nichts Anderes getrieben hätten. Daß Euch—!

»Was hat Er Saperlöter hier zu thun?" packt mich auf einmal Einer hinten am Kragen und dreht mich hnum wie einen Pfeifenkopf; es war ein abscheulicher, vierschrötiger Lümmel, der vor mir stand und mich mit seinen Adleraugen zu durchbohren suchte.

.»Will mir blos ein wenig die Gegend im Mond­schein ansehen, und da machte ich denn einen Spazier­gang, da ich nicht schlafen konnte."

„So--!“ hieß die höhnende Entgegnung. „Nun,

Io spazier' Er mal da herein, um zu schauen, was es da für Merkwürdigkeiten gibt!"

Der Gauner stieß mich mit einem Ruck in den Keller hinein. Hei, wie da die Kerle zurückfuhren, wie wenn der lebendige Gottseibeiuns unter sie getreten wäre; sie ließen Alle ihre Arbeit liegen. „Was ist das? was ist das?" riefen sie durcheinander.

. »Nen hübschen Fang gemacht! Einen Spion er­wischt!" sagte der Mann, der mich draußen gepackt hatte, und stellte mich der ehrenwerthen Gesellschaft vor.

„Das ist ja der Mensch, der bei mir übernachtet," lagte einer, den ich alsbald als meinen Wirth er­kannte.

Die Männer zogen sich in eine Ecke zurück und hielten etwas wie Kriegsgericht. Ich selbst hatte noch kein Wort gesprochen, sondern überlegte, wie ich mir aus der schlimmen Klemme helfen könne.

„Fremder Mann, möget Ihr sein wer Ihr wollet, — nur die Todten plaudern nicht!"

Ich schwieg.

„Hörst Du? Mach' Deine Rechnung mit dem Himmel ab, wenn Du an einen glaubst!"

Ich verzog keine Miene.

„Willst Du lieber gehängt oder geköpft werden?

Wähle?"

Man denke sich in meine Lage, hier von diesen Hallunken im Geheimen abgeschlachtet zu werden, während Frau und Kinder zu Hause mit Sehnsucht auf mich warteten! Es war mindestens zum Verrückt­werden. Da durchzuckte mich ein Gedanke, der mir wenigstens auch einen leisen Schimmer von Rettung zu bieten schien. Ich fing an überlaut zu lachen, wie wenn ich es seither nu» mühsam verhalten hätte.

Die Falschmünzer sahen einander verwundert an. „Der hat einmal kaltes Blut!" sagte der Eine. „Es wird ihm schon vergehen; der Kerl meint, wir machen Spaß mit ihm," bemerkte ein Anderer.

„Mache jetzt voran, Fremdling, sage Deine Gebete, wir haben keine Zeit zu verlieren."

Ich begann wieder zu lachen.

„Der Mensch ist verrückt!"

„Oder besoffen!" riefen die Galgenstricke durch­einander.

„Ihr macht wohl nur Spaß, Ihr Leutchen!" rief ich endlich und brach das seitherige Stillschweigen, immer noch fort lachend. „Das erlebe ich heute zum ersten Male, daß Kameraden einen Kameraden hängen j wollen. Ha, ha, ha, das gibt mir wieder zu denken auf sechs Wocheu hinaus."

„Einen Kameraden? Ihr unser Kamerad?" „Freilich. Warum denn nicht?"

& ^»Wie heißt Ihr denn eigentlich, wenn man fragen »Habt Ihr denn schon von dem Premier-Münz- meister Willet in New-Jork gehört?"

„Ja, schon oft."

„Nun dann; hier steht er vor Euch, wie er leibt und lebt."

„Was, was?" hieß es in der Runde. „Ihr wäret der Münzmeister John Willet?" '

»Zu dienen, meine Herren!" Dabei verneigte ich mich graziös.

Die Gesellen schienen unschlüssig, aber durch mein keckes, naives Benehmen zerstreute ich ihre Zweifel. An einem Tische im Hintergründe war einer mit der Zusammenpackung der Münzen in Rollen beschäftigt.

„Laßt mal sehen", rief ich, an den Tisch heran­tretend, „was macht Ihr denn eigentlich für Arbeit? .... Pah, pah, das ist Pfuscherei, wenn ich es nicht besser zu Wege brächte, so würde ich mein Handwerk aufftecken."

„Könnt denn Ihr es besser?"

„Ich würde mich heimgeigen lassen, wenn ich solche Waare, wie die Eure, auf den öffentlichen Markt bringen würde", sagte ich, zu dem letzten Sprecher gewendet, mit vornehmem Achselzucken.

„Wir möchten doch Eure vornehme Waare einmal sehen, wenn —"

»Nun denn; guckt einmal her, Ihr Pfuscher!" Damit nahm ich einen Dollar, der mir von der Bank als gefälscht zurückgewiesen, aus meiner Börse, hielt ihn ttiumphirend gegen das Licht und ließ ihn dann herumgehen. „Was meint Ihr von solchem Meister­stücke?" —

Die Münze ging der Reihe nach von Hand zu Hand, und allenthalben setzte es ein ungläubiges Kopf­schütteln ab, Jeder erklärte, das Münzstück sei gar nicht gefälscht, ich wolle sie nur zum Besten haben.

„Beweist es uns, daß es eine falsche Münze ist!" sagte endlich der Hauptsprecher im Namen der Uebngen.

„Ihr Narren! Habt Ihr denn keine Münzwage? Wägt sie selbst!"

Man wog die Münze, und sie ward wirklich zu leicht befunden. Erstaunte Gesichter. „Ach was", meinte Einer, „den Dollar kann er zufällig irgendwo aufge­schnappt haben."

„Nun, so wägt den da!" Und ich ließ den zweiten gefälschten Dollar springen. „Hätte ich nur meine Reisetasche bei mir, ich würde Euch noch ein ganzes Schock zeigen können."

Nun waren alle Zweifel gehoben. „Prächtig! Wunderbar!" hieß es, und man konnte sich nicht satt sehen an den Münzen. Man umringte mich mit allen Zeichen der Geschäftsfreundschast, schüttelte mir die Hände und wünschte sich Glück zu meiner Bekanntschaft.

Ich spielte meine Rolle noch etwa zwei Stunden so vorsichtig als möglich, wie einer, der auf dem Eise läuft. Wollte man mir mit geschäftlichen Fragen und Nachforschungen kommen, so entschuldigte ich mich: I

। „Ach was, lassen wir jetzt das Zeug, ich bin auf einer Erholungsreise und möchte mir einmal gütlich thun. Habt Ihr keinen Schnaps mehr? Meine Kehle ist heute wie eingerostet vor wuchtigem Durst. Die Schnaps­pullen her!"

Wir tranken und sangen und lachten, bis der erste Morgenstrahl zum Kellerladen sich hereinstahl. Ich kehrte alsbald nach Chicago zurück, machte die nöthigen Anzeigen, nahm genügende Mannschaft und ertappte die Bande auf frischer Thal. Was die Kerle für Gesichter machten, als sie mich wieder in der Uniform erblickten, das läßt sich eher denken, als beschreiben. Sie büßten sämmtlich ihr Verbrechen im Zuchthause.

Bei der Justiz hatte ich in Folge meines glücklichen Fanges einen Stein im Brette, und man lohnte mich mit schmeichelhaftem Aufwärtsrücken. Doch Alles dies kommt in keinen Vergleich mit der Freude, die ich | empfand, als ich Frau und Kinder wie ein neuge­schenktes Eigenthum wieder umarmen konnte. Jene zwei falsche Dollars bewahre ich lebenslänglich auf, — sie wären mir kaum um eine Million feil.

Vermischtes.

* Würzburg, 22. Mai. Im Wörl'schen Konkurse wurden bis zur Schlußanmeldung nahezu 500,000 Mark Passiva ange­meldet, denen nur eine äußerst geringe, kaum die Kosten des Konkurses deckende Aktivmasse gegenübersteht.

* Bon den glücklichen Gewinnern des großen Looses der kürzlich beendigten preußischen Klassenlotterie, zumeist kleinen Leuten aus Berlin, weiß ein Berichterstatter allerlei zu er­zählen. Ein Möbelpacker, der ein Zehntel gespielt hat, hat fast die ganze Summe von 42,000 Mk. sicher gelegt und geht nach wie vor seiner Arbeit nach. Dasselbe läßt sich von einem Post- schaffner melden, der ein halbes Zehntel spielte und 21,000 Mk. erhielt. Seit er für seine Verhältnisse ein vermögender Mann geworden ist, hat er noch nicht eine Minute seines Dienstes ver­säumt und gedenkt dies auch ferner nicht zu thun, nur sieht er jetzt sehr ruhig und mit einem Gefühle behaglicher Zufriedenheit der Zeit entgegen, wo er sich wird pensioniren lassen. Eine Waschfrau, die schon bei Jahren ist und ebenso wie der vorer­wähnte Postschaffner' im Osten der Stadt wohnt, hat „blos for 25 Pfennig" gespielt und dafür immerhin 2100 Mk. erhalten. Sie steht noch alle Tage am Waschtrog und will so dabei bleiben. „Das Geld", so sagt die verständige Frau, „wird mir in meinen alten Tagen gut zu passe kommen". Im Norden Berlins wohnt ein Steinträger, dem die Glücksgöttin schon einmal einen Ge­winn von 16,000 Mk. in den Schoß war. Er wurde von Stunde an Jongleur und ließ mit größter Geschwindigkeit die 16,000 Mk. durch die Kehle rollen und mußte dann wieder zu seinem alten Gewerbe greifen, suchte seine verstaubten Holz- pantienen hervor und klapperte damit wieder rüstig die Leiter auf und nieder, bis ihm jetzt die Glücksgöttin wieder auf sein zehntel Loos 42,000 Mk. bescheerte. Von dem Augenblick an, wo er die Glücksbotschaft erhielt, hat er seine „Mulle" bei Seite gestellt und keinen Stein mehr angerührt. Doch seine Pantienen hat er vorsorglich aufgehoben und seine bisherigen Arbeits­genossen behaupten, er hätte dabei gesagt: „Wer weeß, ob man die Dinger nicht noch mal gebrauchen kann!" Recht unver­ständig aber hat ein Posthilfsoote von einem hiesigen Postamte gehandelt. Am Morgen nach dem Tage, an dem das große Loos gezogen wurde, kam er eine Stunde zu spät zum Dienst. Er mußte sich beim Vorsteher melden und erhielt Verweis, den er aber mit den Worten zurückwies: „Ach was, ich diene gar nicht mehr!" Der Vorsteher bemerkte: „Das werden Sie sich wohl überlegen, denn Sie wissen, daß Sie kurz vor der etats­mäßigen Anstellung stehen!" Da lachte aber der Bote und rief: „Ich pfeife was auf den Dienst und die ganze Post. Ich bin jetzt ein reicher Mann und habe gestern 2100 Mk. in der Lotterie gewonnen, ein Stück vom großen Loose." Jetzt wurde das Gesicht des Vorstehers sehr ernst, er entließ den Boten mit der Mahnung: „Sehen Sie sich vor, daß Sie das große „Loos" nicht einst verwünschen!"

___ Literarisches.

Kleines Brevier zu Ehren des heiligsten Herzens Jesu. Tag- »eiten für jeden Tag der Woche nebst den noth- wendigsten Gebeten. Autorisirte Übersetzung aus dem Französischen von Klara Britz. 9. Auflage. XVI und 192 Seiten. Preis geb. mit Rothschnitt 60 Pfg., mit Goldschnitt 80 Pfg. und 1,50. Verlag der Bonifatius- Druckerei in Paderborn. Zu beziehen durch alle Buch­handlungen.

Das hübsch ausgestattete Büchlein enthält die Tagzeiten des hl. Herzens Jesu. „In ihnen sind wie in einem wunder­vollen Schmuckkästchen die Worte des göttlichen Heilandes, seine Lehren, seine vertraulichen Gespräche mit der Liebhaberin seines Herzens wie ebenso viele kostbare Perlen eingeschlossen." Die 9. Auflage des schönen, fromm und sinnig geschriebenen Büch­leins, das sich zur Anschaffung für den herannahenden Herz- Jesu-Monat ganz besonders empfiehlt, ist ein Beweis, daß das­selbe sich schon viele Freunde erworben hat. Möge ihre Zahl wachsen zur größeren Ehre des heiligsten Herzens Jesu!

Befuchuuge» des allerheiligsteu Altarssakrameutes und der hl. Gottesmutter Maria vom hl. Alfons M. v. Liguori. 192 S. 16°. Preis gebd. in Kaliko mit Rothschn. 50 Pfg' Verlag der Bonifatius-Druckerei in Paderborn. Zn beziehen durch alle Buchhandlungen.

Vorliegendes bietet uns eine neue Ausgabe der rühm- lichst bekannten „Besuchungen des hl. Alfons" dar. Ein be- sonderer Vorzug dieser Ausgabe besteht darin, daß an jede Be- suchung des allerheiligsten Altarssakramentes eine entsprechende Begrüßung der allerseligsten Jungfrau angeschlossen ist; außer- dem enthält es die gewöhnlichsten Andachten und Litaneien, so daß es dem Verehrer des hl. Sakramentes jegliches andere Andachts­büchlein überflüsfig macht. Das Büchlein, nach Inhalt und Form würdig ausgestattet, wird, zumal bei dem billigen Preise sicher allen Besuchern des hl. Altarssakramentes ein Liebling werden. 9