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Neilsge?uv Mulöaev Jeilung.

22. Jahrgang

Jß. 109

Recht so!

gegenwärtig eine neu " - in etwa

Sonntcrg, öen 12. Mai 1895.

um ihrem Bräutigam entgegen zu eilen, als sich die Zimmerthür öffnete und unerwartet Jakob von Hauser vor ihnen erschien.

Von heftigem Herzklopfen befallen, blieb das Mädchen stehen, während Jakob sie verwirrt be­trachtete und voll unwiderstehlicher Angst langsam und mit ernstem Tone anhub: „Fräulein, «der Hoffnung, daß Ihr Beschützer herbeieilen werde, Sie vor drohen­dem Unheil zu bewahren, beraubte ich mich des Ber- anüqens, Sie zu sehen, und verurtheilte mich zu der Strafe freiwilliger Abwesenheit. Zu sagen, was ich gelitten, wäre überflüssig; nur gewöhnliche Schmerzen haben Worte ... Der Tod des Herrn Bosak macht Sie frei, und ich komme, Sie zu fragen, ob Sie wirklich mit Boto Senelk sich verlobt habens

Bestürzt und verwirrt senkte Theodora die Augen und gab keine Antwort.

Achten Sie nicht auf meine strenge Miene, nehmen Sie keine Rückficht auf den schmerzlichen Ausdruck meines Gesichts. Seien Sie aufrichtig; bestätigen Sie, was Fräulein Waiser geschrieben hat; ich wünsche es von Ihren Lippen zu hören."

„Ich bin Botos Braut", antwortete Theodora m

Der Postdampfer ,Waesland" der Red Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 9. Mm wohlbehalten New-York angekommen.

Qipfprnnaen 4 und 5 von Annegarns Wekt- SB«

d'e WM der Kulwr. Entwickelung und die Per- breitunq des Menschengeschlechtes gegeben hat, eröffnet das israelische Volk, bissen Geschichte, Versasnng und Religion israeiMWe , ii erforderten, die Reche der orten« lacken Völker Aperen Geschichte der I. Band in ethnographischer E^na e^äbU Jedem Bolke geht eine kurze Beschreibung ?es von chm bewohntm Landes voraus, bei jcbemfinden die (Preianiffe der äußeren und inneren Geschichte, die charakteristischen Eigenthümlichkeiten in Religion, Wissenschaft und Kunst einen einfachen und klaren Ausdruck. Ueberall sind die zahlreichen Resultate der neueren Forschung verwebet, bet I. Band ist theilweise allmählig ein völlig neues Buch geworden.

fragte Theodora.

Stein.'1 I

"Aber was werden Deine Freunde dazu sagen und die Freunde Deiner verstorbenen Gemahlin?" entgeg­nete Theodora, an Jakob von Hauser denkend.

.Was liegt mir an ihnen? Uebrrgens habe ich deren nur wenige ... Du lebst allein und bedarfst eines Beschützers; wir wollen Hochzelt halten, ohne uns um das Geschwätz müßiger Sittenrichter zu kummttNmen @.e w^igswns Rücksicht auf.das An- denkenderer, die nicht mehr ist", warf Fräulein Waiser ^^.Abgeschmackte Gefühle'. Seien wir posittv, liebes Fräulein; was liegt den Tobten an dem, was unter den Lebenden vorgeht?"

„Allein das Auge der Welt ...

Ich möchte wifsen, was Sie unter „Auge der Welt" verstehen. Etwa die Augen von drei oder vier Narren, die uns beobachten? Es lohnt sich doch nicht der Mühe, deswegen sich Sorgen zu machen ! In zehn Tagen muß Theüdora mein sein; ich will Nicht länger warten. Ich habe schon alles vorgesehen; unsere Hoch­zeit wird auf meinem Schlöffe nach den Landesge­setzen und nach den Zeremonien der Religion meiner Braut gefeiert werden. Hast Du etwas einzuwenden, m£*” Jdb bin nicht einverstanden, Boto; allein ich will nicht feilschen mit meiner Pflicht, und meine Pflicht ist, Dir zu gehorchen." . , ..

Der Student lächelte freudig und begann em leichtes Geplauder, mit dem er seine Braut lauge zu unter­halten wußte. Als er Abschied nahm, versprach er, gegen Abend wiederzukehren.

Wirst Du es glauben, Dorchen?" fragte die Er- I zieherin, nachdem sie mit dem Mädchen allein war, wirst Du es glauben? In beständigem Schwanken, in beständiger Ungewißheit habe ich erft diesen Morgen mich entschlossen und an Herrn Jakob von Hauser geschrieben."

„Und Sie haben ihm geschrieben . . -?

Alles'"

"Das war am besten, liebe Mutter!" erwiderte Theodora und verschloß mit dem Stolz starker Seelen einen geheimen Schmerz im Innern; sie fugte lerne Silbe hinzu, sondern setzte sich an das Glasfenster der Thür und schaute in den Garten hinab.

Auch Fräulein Waiser schwieg; sie dachte mit Un­ruhe an die Zukunst des Kindes. Botos Wesen flößte ihr kein Vertrauen ein; sein bleiches Gesicht, fern kraft­loser Gang, seine entnervte Konstitution verrrethen eine unter Ausschweifungen verlebte wilde Jugend: die Vergangenheit war eine fchlechte Bürgschaft für die Zukunft, und das Herz krampfte sich ihr zusammen, wenn sie daran dachte, daß die arme Theodora in beständiger Berührung mit einem solchen Wüstling leben müsse. . „

Die Erzieherin war ganz in ihre traurigen Be­trachtungen versunken, als sie auf einmal unwillkürlich zufammenfuhr beim Klange der Hausglocke.

„Es ist Boto!" rief Theodora und fprang auf,

Literarisches.

* Bon der für die studierenden Schüler, speziell der oberen Masten der Gymnasien und Realschulen rc. bestimmten Zeitschrift Stern der Jugend" (Redakteur Dr. Joh. Praxmar er) liegt uns Söeftll—15 vor. Wie die bisher erschienenen Hefte, so stnd auch diese in gut katholischem Geist und mit echt pädagogischem Geschick redigirt, und ebenso praktisch m ihrer Anlage, wre ge­diegen und vielseitig in ihrem Inhalt gehalten. Aus dem reichen und schön illustrirten Inhalt erwähnen Mr u. A »Homers Odvstee als Muster der Epopoe ästhetisch gewürdigt, die Glas- maleret die Bibliothek der Studierenden, die Bedeutung der christ- licken Feste Proben lateinischen, griechischen, englischen und französischen Stils, mathematische Aufgaben rc. rc. Keme Dls- zivlin im Lehrgänge unserer Schulen bleibt unberücksichtigt, keme Schulart bleibt unbesriedigt. Durch! das Ganze .aber weht ein entickieden gläubiger und sittlicher Geist. Die Zeitschrift, welche aus s Beste empfohlen werden kann, kostet vierteliahrlich ranko 120 Mk. Probenummern gratis und franko durch Adolf Russell's Verlag, Münster i. W.

verzagtem Tone.

Theodora", entgegnete Jakob m tiefster Bewegung, Theodora, ich liebte Sie, da Sie noch ein Kind waren; als Sie älter geworden, betete ich Sie an mußte aber fchweigen aus Ehrfurcht vor der Reinheit Ihres Herzens. Selig in dem Gedanken an die Zu­kunft , gedachte ich Ihnen meinen Namen anzubieten, als der ruchlofe Wittwer Sibillas zwischen uns trat . Theodora, es ist noch Zeit; an meiner Sette er­wartet Sie ein ruhiges Dasein, frei von Schuld, reich an Liebe; bei ihm erwartet Sie em Leben voll Qual. Wählen Sie! Ich war ein Unglücksprophet für eine andere Braut; an Bolos Seite werden Sie tote jene leben, wie jene sterben!

„Die arme Künstlerstochter war Ihrer nicht werth , stammelte Theodora.

„Theodora, noch ist es Zett!" wiederholte Jakob, die Hände zusammenlegend.

Nein, nein, ich kann nicht", entgegnete die Jung­frau mit unbeschreiblicher Wehmuth; nachdem sie sich ein wenig gefaßt, fuhr sie ruhig fort: „Au «öhrer Seite hätte das Leben mir ein Paradies geschienen!. . . Vielleicht erwartet mich eine Reihe von Martern; allem, was auch kommen möge, ich werde es zu tragen wissen. Der Verstorbenen Wille ist mir heilig; ich gehorche meiner Mutter!" , , .

Wären Ihrer Mutter Seuelks Verbrechen bekannt, sie würde aus dem Grabe auferstehen, Sie von ihm zu trennen. Ach! Sie wissen es noch nicht unheim­liche Gerüchte sind in Umlauf über Sibillas plötzlichen Tod "

„Schweigen Sie, Herr Baron " erwiderte Theo­dora würdevoll das Köpfchen erhebend, und die gute, unbeugsame Seele, welche die Pflicht allem vorzog, fügte hinzu: „Herrn Boto Senelk ward ich ver- sprochen als Kind; er ist unbescholten und ich kann nicht glauben an schwarze Verleumdungen und Em- gebungen. unser öan!te toie eitt DDtn Pfeile Getroffener; feine edle Stirn bedeckte sich mit brennendem Roth; Theodora hatte ihn tödtlich verwundet!

' Das Mädchen bemerkte es sofort und warf ihm voll Mitleid und selbst im tiefsten Herzen zu Tode betrübt einen flehenden Blick zu. Doch Jakob sprach kein Wort; langsamen Schrittes manfte er durch s Zim­mer machte der Erzieherin eine Verbeugung und verließ den'Salon, ohne den Mund zu öffnen.

Gott mein Gott!" rief Teodora und ließ sich auf "einen Stuhl fallen, „Gott mein ®ott !nurem Tröpfchen Frieden für die, welche ihre Pflicht erfüllen hienieden!" (g,fl(w w)

beim Reinigen der Lampe zerstört wird was bet seiner Zer- brechlichkeit allerdings höchst wahrscheinlich ,st. Abgeiehen von diesem nicht sehr erheblichen Mangel der Lampe ist bte Erfindung ichon aus den oben angeführten zwei allgemeinen Gründen der Beachtung sehr werth. Auch die Besorgmß, daß die unangenehmen, bei der Denatnrirung des Spiritus benutzten Zuthaten sich durch ihren Geruch geltend machen könnten, trifft nicht zu ( wenigstens verspürt man nicht das Geringste davon m dem betreffenden Laden. Ein fernerer Vorzug im Vergleich mit Petroleum ist, daß ein Blaken solcher Lampen ausgeschlossen ist. (Sollte die,e ®r findnnq sich bewähren, so würde das eine vollständige Befreiung Deutschlands vom Äuslande auf dem Gebiete der Lichtversorgung und eine bedeutende Vermehrung der Spmtusproduktlon mit einem gesicherten Absatzgebiet bedeuten. Diese setzt aber einen ausgedehnteren Kartoffelbau voraus, wobei wiederum bedeutend mehr Arbeitskräfte verwendet werden mußten, so daß die be treffende Erfindung nach zwei Richtungen hm eine segensreiche sozialpolitische Wirkung ausüben würde. Es wäre durchaus wünschenswerth, wenn die Regiernng dieser Erstndung durch eme amtliche Prüfung derselben näher träte und das Resultat dieser Prüfmig baldigst im ,Reichsanzeiger' veröffentlichte D^ Red.)^

* Was den Lehrern nicht alles zugemuthet wird.

Eine Wiener Firma, Sensen- und Wetzstemfabrik, findet an zahl­reiche deutsche Landlehrer solgende Zuschrift: „Geehrter Herr Sie werden höflichst ersucht, Bestellungen für uns (auf b folgendem Bestellbrief) zu sammeln und er^e" @'e fü.r Ihre Mühe jede 11. Sense, sowie jeden il. Wetzstein gratis. Sollten Sie jedoch — wider Erwarten — sich damit nicht be­fassen können, alsdann belieben Sie gefälligst erhaltene Druck- iorten an einen bekannten p. t. Lehrer, Schmied, Gastwirth ober strebsamen Landwirth abzugeben." — Ein Lehrer richtete darauf hin an die liebenswürdige Firma eine Postkarte folgenben ^n- Mts- Auf Ihre Zuschrift theile ich Ihnen mit gebührende Entrüstung mit, daß die preußischen Volks chullehrer sich nicht baiu ernkbrigen, Ihre Sensen und Wetzsteine zum Verkauf zu bringen Sie werden dringend aufgefordert, sich fernerhin der­artige unver --Belästigungen nicht mehr zu erlauben.'

Vermischtes.

* Die .Naturwissenschaftlich-technisch-soziale Korrespondenz' schreibt: „Seit ganz Kurzem sieht man m einen Laden der Leivziaerstraße in Berlin den wunderlichen Anschlag. „Gas- alNcht ohne Gasznleitnng." Auf Befragen erfahrt man, dasi diese Ankündigung zwar etwas schwindelhafter Natur ist, hast aber in den betreffenden Lampen, welche ine größte Aehn- lickkeit mit Petroleumlampen besitzen, in Wirklichkeit Gas, nam- lick S v i r i t u s d a m p f, verbrannt und die bedeutende Hitze seiner dunklen Flamme zur Erzeugung der Wcißgluth eines Glüh­strumpfes verwerthet wird. Natürlich gelangt nur benatur,rter ^viritus wovon das Liter im Großverkauf etwa 25 Psg. kostet, tut Verwendung, und feine Verbrennung erfolgt fi sparsam, dasi die prächtige Flamme der Lampe (wenn man die Weißgluth in fester GeMt noch Flamme nennen darf), welche ohne Zweifel viel Heller ist als eine gleich große Petroleumflamme, nur 2 Pfg- d^St^e kostet- Ein Glühstrumpf, der für 75 Pft>. zuhaben ist, soll 800 Brennstunden aushalten, ohne daß der Spiritus verbrauch sich vermehrt und vorausgesetzt, daß er nicht vorher

Sie Whlmg des kodtmgrSbtts.

Roman von H. v. Remagen.

(71. Fortsetzung.)

XXIII.

Sechs Tage nach den in vorigem Kapitel be­triebenen ©eenen hielt gegen Mittag eine elegante Eauipage vor Fräulein Waifers Wohnung. Mit einem | Svrunae stieg Boto aus und, kaum den Gmß des Pförtners gewahrend, war er mit einem Sprunge die Stufen hinan und in dem von uns schon mehrmals beschriebenen kleinen Salon, wo er Theodora etn mit Perlmutter eingelegtes Ebenholzkästchen überreife. V Welch herrliches Kästchen!" rief Fräulein Waiser, während Theodora demselben einen prächtigen Schmuck aus großen orientalischen Perlen entnahm.

Gefällt Dir diese Kette? Du sollst Perlen und Edelsteine haben wie eine Fürstin," sagte Boto und wurde plötzlich verwirrt und todtenblaß: durch eine aanz natürliche Ideen - Association trat ihm ein leuchtender Kopfschmuck und ein Leichnam vor die

Danke, Boto, Dein Geschenk ist zu reich für mich," entgegnete Theodora, und da sie die Verwirrung ihres Verlobten bemertte, fragte sie: „Was ist Dir? Du bist blaß und zitterst."

„Nichts, nichts. Ich denke, was ich Dir alles sagen wollte und fürchte eine Weigerung . . . Höre mich. Es ist mein Wunsch,« daß unsere Hochzeit m zehn Tagen begangen werde."

8 „Und Du willst Dein Trauerjahr mcht aushalten?

Fürst Bismarck. Ein Lebensbilb von Hermann Jahnke. 20 Lieferungen ä 50 Pfg. Berlin, Verlag von Paul Kittel. 20 unter ben vielen Bismarck-Biographien, bte namentlich beim Lerannahen bes 8o" Geburtstages' bis Alt-Reichskanzlers bas Licht ber Welt erblickt haben, zeichnet sich das Werk Hermcmn Jankes bnrch eine übermäßige Vergötterung Alt - Reichs, kanilers aus Der vollstänbige Titel bes Buches lautet. „Fürst VZmarck Ein Bilb feines Lebens unb Wirkens von Hermann Jahnke Mit 110 Abbildungen im Text unb 45 JAÜtrattonen M Reprobuktion berühmter Künstler. (Verlag von Paul Kit el Berlin)" Jebem Bismarckschwärmer kann eS nur empfohlen werden sich in ben Besitz dieses Buches zu setzen. Erleichter wird die Anschaffung dadurch, daß gegenwärtig eme bearbeitete Jubiläums-Auflage (die vierte) erscheint, dre 20 Lieferungen a 50 Pfennigen bezogen werden kann. Das goaoo Eremvlar feines Werkes durfte der Verfasser am 31. März 1895 dem Fürsten Bismarck in Friedrichsruh persönlich iirth dieser hat natürlich bte Widmung huldvollst “6tn'* ' Servorhebunq verdient die echt volksthümltche Darstellung, ’Ä die das Buch sich auszeichnet, das sich bet aller geschichtlichen Treue doch wie em feffelttoer Roman liest. Der Verfasser behauptet, daß ihm für die Bearbeitung des Werkes die wichtigsten und zuverlässigsten Quellen zu^Ge o e „»rtnnhpti hätten namentlich für die Kapitel, welche den Rücktritt des Alt-Reichskanzlers und die Zeit nachher behandeln. Wer das Bedürfniß fühlt, ein Bismarckbuch in Besitz zu haben, mag sich dieses Werk anschaffen.