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Donnerstag, den 9. Mai 1895
22. Jahrgang
FiiIdaerWZkitiiiig
mit Unterhaltnngs-Keilage „Sterne und Kiumen".
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Berufs- und Gewerbezählung.
Am 14. Juni dieses Jahres findet im ganzen deutschen Reiche eine Berufs- und Gewerbezählung in Verbindung mit einer Aufnahme der land- und forstwirthschaftlichen sowie der gewerblichen Betriebe statt. Die Zählung erfolgt gemeindeweise. Ihre unmittelbare Ausführung liegt den Gemeindebehörden ob, welche unter ihrer fortdauernden Verantwortlichkeit dafür eine besondere Zählungs-Kommission (in großen Gemeinden auch mehrere Zählungs-Kommissionen) einsetzen können. Soweit möglich, sind freiwillige Zähler heranzuziehen.
Die Angaben sind von den einzelnen Haushaltungen durch Eintrag in die Zählungsformulare zu machen. Die Pflicht der Angabe und des Eintrags liegt den Haushaltungsvorständen, als welche auch einzeln lebende Personen mit besonderer Wohnung und eigener Hauswirthschaft gelten, für die Gewerbebogen den Betriebsinhabern oder deren Vertretern ob. Aushilfsweise kann der Eintrag auf Grund der gemachten Angaben vom Zähler bewirkt werden. Bei der Zählung kommen folgende Drucksachen in Anwendung: I. die Haushaltungsliste, II. die Landwirthschaftskarte, III. der Gewerbebogen, IV. die Anweisung für die Zähler, V. die Kontrolliste, VI. die Anweisung für die Gemeindebehörden, VII. der Gemeindebogen.
Die Landesregierungen sollen nach einem Beschlüsse des Bundesrathes thunlichst darauf Bedacht nehmen, daß Veranstaltungen, welche den Stand der ortsanwesenden Bevölkerung vorübergehend wesentlich ändern können, wie öffentliche Versammlungen und Feste, Jahr-, Kram- und Viehmärkte, Truppenmärsche und -Verlegungen, Gerichtssitzungen u. s. w., zur Zeit der Zählung nicht stattfinden.
Wie die Formulare für die Haushaltungsliste, die Landwirthschaftskarte und der Gewerbebogen ausgefüllt werden sollen, ist aus den darauf abgedruckten Anleitungen ersichtlich. Auf die Vollständigkeit der Erhebung ist der größe Werth zu legen. Keine im Gemeindebezirk zur Zählungszeit vorhandene Haushaltung oder einzeln stehende Person darf ungezählt bleiben. Alle von den Haushaltungen auf bewirthschafteten Flächen, auch die außerhalb des Gemeindebezirks gelegenen, müssen durch die Land- wirthschaftskarten erfaßt werden. (Das Ganze ist so bureaukratisch-konfus, daß wohl nur die wenigsten Landwirthe es richtig ausfüllen können, deshalb wird die Statistik ganz sicher fast werthlos werden. Die Red.) Für alle Gewerbebetriebe, sofern sie nicht von einer Person allein und ohne Umtriebsmaschinen oder Dampfkessel oder Dampffässer betrieben werden, sind Gewerbebogen auszufüllen, und zwar mit Unterscheidung der Gewerbe nach Arten, damit in der Gewerbestatistik die Entwickelung der einzelnen Gewerbszweige darge- stelll werden kann. Wo verschiedene Gewerbszweige zu einem Betriebe vereinigt sind, z. B. Getreide- mit Säge-Mühle, Eisengießerei mit Maschinen-Fabrik, Blumen-, Feder- mit Stroh- und Filzhut-Fabrik, sind
sie -Wlmx de» tettugräto.
Roman von H. v. Remagen.
(68. Fortsetzung.)
Das Haupthinderniß war Bosak; allein wenn das Mädchen sicb von heuchlerischen Betheuerungen und lügenhaften Worten bethören ließ, mußte der Wille des Grafen von Varges seine Bedeutung verlieren.
Das Leben an Theodoras Seite ward allmälig für Boto zur Nothwendigkeit, indem die Gegenwart dieses Engels aus seinem Herzen die unselige Erinnerung ax Sibilla verbannte: sie drängte seine Gewissensbisse zurück!
Ja, so heiter auch der äußere Anschein war, den der ehemalige Student sich zu geben wußte, so schrecklich war sein innerlicher Zustand. In kurzen Zwischenräumen stand vor seinem geistigen Auge stets wieder Sibillas letzter Blick, und dann bemächttgte sich seiner eine seltsame, entsetzliche Täuschung: er glaubte neben sich einen tobten, in Verlesung befindlichen Leichnam zu haben, er sah dessen feurige Augen drohend auf sich gerichtet und sprang auf, fast wahnsinnig vor Angst, eine Beute wilder Verzweiflung. Oft rief er als Heilmittel gegen seine krankhafte Erregung das Bild Theodoras an und nahm sich unter Flüchen und
für diese Betriebe einmal besondere Gewerbebogen aufzustellen und zweitens über die zusammengehörigen Betriebe die in Frage 14 der Gewerbebogen geforderten Nachweise zu geben- Bei den Gewerbebogen ist besonders noch darauf zu achten, daß über Betriebe, welche mehreren Mitinhabern gehören, nur ein Gewerbebogen ausgefüllt wird und daß die Bettiebe etwa abwesender Gewerbetreibender mitgezählt werden. Als Grundsatz gilt, daß jeder Gewerbebetrieb an seinem Sitze, nicht in der davon entfernten Wohnung des Inhabers gezählt wird. Nur die zur Zählungszeit gerade ruhenden Betriebe, die keine besondere Betriebsstätte haben, sind in der Wohnung des Bettiebs- inhabers zu zählen. Hat die Gemeinde Landwirth- schafts-, Forstwirthschafts- oder Gewerbebetrieb in eigener Verwaltung, z. B. Gasanstalt, Straßenbahn, so muß der Leiter des Betriebes dafür die Formulare ausfertigen.
Die Ablieferung derZählpapiere durch die Zähler an den Gemeindevorstand soll am Freitag, den 21. Juni beendet sein. Die Prüfung der Einträge auf Vollständigkeit und Richtigkeit muß sogleich beginnen. Auf Grund der geprüften und richtig gestellten Kontrollisten ist der Gemeindebogen auszufüllen. Das gesummte Zählmaterial nebst den Reinschriften der Kontrollisten und dem Gemeindebogen ist, mit Zählbezirken und Nummern der Haushaltungslisten geordnet, der zuständigen Verwaltungsbehörde bis zum 10. Juli zu übersenden.
Deutsches Reich.
Berlin, 7. Mai.
* Heute früh fuhr der Kaiser wiederum nach dem Tempelhofer Felde, um daselbst die Bataillone des 2. Garde-Regiments zu Fuß zu besichtigen. Nach der Besichtigung und einer Gefechtsübung begab sich der Kaiser an der Spitze des Regiments in die Stadt. Später nahm er im königlichen Schlosse den Vortrag des stellvertretenden Chefs des Militär-Kabinets, Generalmajors v. Lippe entgegen und kehrte dann nach dem neuen Palais zurück.
* Die japanische Regierung hat nach Berlin, Petersburg und Paris jetzt auch die amtliche Mittheilung gelangen lassen, daß sie auf den Besitz der Halbinsel Liao-Tong einschließlich Port Arthur's endgiltig verzichte, nachdem ein ftüheres Angebot, auf Liatong ausschließlich Port Arthur's zu verzichten, als nicht befriedigend zurückgewiesen worden war. Damit ist erreicht, was die drei protestirenden Mächte erstrebt haben, und der Friede ist gesichert. Unsere Ansicht, daß Japan so klug sein werde, nachzugeben, hat sich also rasch als richtig erwiesen.
]-[ Am 2. Mai hielt der Uhlandstraßen - Bezirksverein, die Jnteressenten-Vereinigung des neuen Uhlandstraßen-Stadttheils, der im Südwesten von Berlin (auf Charlottenburger und Milmersdorfer Gebiet) liegt, seine Monats-Sitzung ab. In diesem Stadttheile, auf dem zu Wilmersdorf gehörigen Straßburger Platze,
Gotteslästerungen vor, das arme Mädchen um jeden Preis, selbst durch ein Verbrechen, an sich zu ketten; inzwischen suchte er stets eine Gelegenheit, ungestört mit ihr zu sprechen, und endlich bot sich eine solche dar.
Eines Morgens war Fräulein Waiser etwas unwohl und nicht im Stande das Bett zu verlassen; um ihr die nöthige Ruhe zu verschaffen, verließ Theodora das Zimmer, und bald darauf verfiel Fräulein Waiser in festen Schlummer.
Das Mädchen begab sich in den kleinen Salon und nahm ein Buch zur Hand, dessen Seiten sie unter beständigen Gedanken an ihren Lehrer umwandte, als auf einmal Boto neben ihr stand.
„Meine zweite Mutter ist krank," begann sie.
„Das thut mir leid, aber es wird doch hoffentlich wenig zu bedeuten haben," versetzte der junge Mann mit schlecht verhehlter Freude.
„Ich hoffe es auch, sie schläft."
„Um so besser, ich kann nach Herzenslust mit Dir sprechen."
„Was hast Du mir zu sagen, Boto?" fragte die Jungfrau, und eine ängstliche Neugierde malte sich auf ihrem Gesichte.
„Höre mich, Dorchen," erwiderte der Student, nahm ein Damastkissen vom Sopha, legte es dem
soll bekanntlich die neue, zum Gedächtniß des seligen Ludwig Windthorst geplante und nach dessen Namenspatron benannte St. Ludwigskirche gebaut werden. Der Platz ist von der Berlin-Wilmersdorfer Terrain- Gesellschaft zu dem Kirchenbau unter der Bedingung, daß der Bau binnen einer bestimmten Frist begonnen und ohne Unterbrechung zu Ende geführt werde, her- gegeben worden. Der Bau hat aber, wie bekannt, leider wegen Mangels an Mitteln unterbrochen werden müssen, ehe noch die Grundmauern vollständig hergestellt waren. In Folge dessen wurde in der Sitzung des genannten Bezirksvereins von einem Mitgliede der Antrag gestellt, bei dem Amtsvorstand zu beantragen, daß der Bauherr der Kirche aufgefordert werde, entweder sofort den angefangenen Bau weiterzuführen oder den Platz wieder als Schmuckplatz herzu stellen. Dieser Antrag wurde indeß zurückgezogen, da der anwesende Direttor der Berlin- Wilmersdorfer Terrain-Gesellschaft, Herr Eichmann, erklärte, daß die Submissionen für denWeiter- bau derKirche bereits ausgeschrieben seien. Hoffentlich fließen nun die Mittel zum Weiterbau der Kirche, die ein würdiges Denkmal unseres großen Führers und ganz in seinem Sinne zu werden verspricht, so reichlich, daß die Bauthätigkeit nicht abermals unterbrochen werden muß; wie unsere Leser aus dem Berichte über die vorerwähnte Sitzung ersehen, gefährdet jede solche Unterbrechung das ganze Werk.
* Der Generaloberst v. Pape ist, wie schon telegraphisch gemeldet, am Dienstag ftüh im 83. Lebensjahre hier an Altersschwäche verstorben. Sein Name ist besonders bekannt wegen der Energie, mit der er als Kommandeur der 1. Garde-Jnfanterie-Division in der blutigen Schlacht von St. Privat am 18. August 1870 vorging.
* Unter dem Vorsitze des Geh. Oberregierungsraths Höpker vom Ministerium des Innern soll, wie die ,Post' vernimmt, am 13. ds. Mts. eine Kommission Hierselbst zusammentreten, welche über die Sonntagsruhe berathen soll. — Wo, in welchem Gewerbe oder in welcher Verwaltung die Sonntagsruhe, mit der sich die Kommission befassen soll, durchgeführt werden soll, wird leider nicht gesagt. Oder handelt es sich um Abänderungen der bestehenden Sonntagsruhe?
* Eine Konferenz von Sachverständigen wird der ,Post' zufolge am 18. Mai in Berlin zusammentreten, um über die dem Abgeordnetenhaus« für die Zeit gleich nach Pfingsten angekündigte Vorlage wegen Schaffung einer centralen Ausgleichsstelle für den Kredit der landwirthschaftliche« und kleingewerbliche« Genossenschaften zu berathen.
* Die Agrarkommissiou des Reichstags hat auch am Dienstag die Generaldebatte über den Antrag Kanitz noch nicht zu Ende geführt und noch keine Beschlüsse gefaßt.
* Der Entwurf eines Jagdscheingesetzes ist dem Abgeordnetenhause zugegangen. Der Entwurf will an Stelle der provinziell verschiedenen Vorschriften
Mädchen zu Füßen, setzte sich darauf und fuhr mit leidenschaftlicher Erregung fort: „Sag mir, erinnerst Du Dich der letzten Worte Deiner Mutter?"
„Ja, Boto, sie trug mir auf, Dich zu lieben und Dir zu gehorchen," hauchte das Mädchen mit leiser, fast unhörbarer Stimme.
„Gut, Du weißt nicht, ein wie lebhaftes Verlangen ihre letzten Worte ausdrückten. Sie vertraute Dich mir an, sie wollte, Du solltest mein sein. Verstehst Du?"
„Ich verstehe nicht," antwortete das Mädchen unruhig und auf's höchste erregt.
„So muß ich es Dir also sagen; sie versprach Dich mir zur Braut!"
„Braut . . . Braut? wie konnte sie an so etwas nur denken? ich war noch zu klein!" stammelte Theodora erschrocken.
„Eine Mutter denkt immer an die Zukunft ihres Kindes, sie vertraute Dich mir an, damit Du, unter meinen Augen herangewachsen, mich mit Deiner Liebe beglücktest . . . Bosak, der Mensch mit dem verdrehten Gehirn, vereitelte den Wunsch Deiner Mutter, Du weißt, wie er sich zwischen uns drängte. Nichts mehr wissend von Dir, betrübt über Dein Verschwinden und mich sehnend nach einem Herzen, in das ich meine zärtliche Neigung ausgießen konnte, verliebte ich mich