22. Jahrqansi
Freitag, den 3. Mai 1895
]-[ Das Petroleummonopol
mocht. ,,,
Wie Rockefeller in Amerika, so haben Rothschild und Nobel in Rußland erst alle Konkurrenten beseitigt und sich dann zusammen gethan. Nun bleibt nur noch übrig, daß sich beide auch mit der Standard- Company vereinigen, dann ist das Weltpetroleummonopol fertig, und die monopolistischen Milliardäre können die Petrokumpreise nach Belieben in die Höhe schrauben, d. h. die gesammte Kulturmenschheit auswuchern. Freilich legt ihnen die Rücksicht auf die Konkurrenz des Gases und der Elektrizität ein gewisses Maßhalten auf, aber die Grenzen sind weit genug, um den Petroleumkönigen einen enormen Profit zu gestatten. , ,
Ist nun der amerikanisch-russische Ring bereits fertig oder steht seine Bildung erst bevor? Die ungeheuere Preissteigerung des Petroleums macht das Erstere sehr wahrscheinlich, und dazu kommt noch, daß die Standard-Company ihre Verschiffungen nach Asten eingestellt hat, was auch aus eine Verständigung mit den russischen Gesellschaften schließen läßt. Aber sollte auch der amerikanisch-russische Petroleumring heute noch nicht perfekt sein, so ist doch mit Sicherheit zu erwarten, daß es nächstens dazu kommen werde. Und was dann? Läßt sich von Staatswegen etwas gegen den Petroleumwucher thun? Manche fordern dies, aber ein Mittel zur Abwehr geben sie nicht an. Wir glauben, daß das einzige Mittel, um den Monopolisten gründlich das Handwerk zu legen, die Einschränkung des Petroleumver'orauchs wäre. Den Gas- und Elektrizitätsgesellschaften wäre hier eine gute Gelegenheit gegeben, um durch Erleichterung und Verbillrgung des Bezugs ihrer Leuchtkraft dem Petroleum sehr viel Boden abzugewinnen. Jedenfalls hoffen wir, daß auch die Bäume der Petroleumwucherer nicht in den Himmel wachsen werden.
i tcnten (Phil. Poth in Mannheim und Rassolv, Jung । u. Co. in Bremen), die von den noch bestehenden unabhängigen Rasfineuren beziehen, zu behaupten ver-
daß Herr v Lucanus ihn noch lange mit seinem Besuche verschont?
* Alle Tage werden in der Presse neue Nachrichten über die Dauer der Reichs- und Landtagssessiou verbreitet. Tie eine ist so viel werth wie die andere, nämlich gar nichts. Kein Mensch kann bis jetzt etwas auch nur einigermaßen Sicheres über die Sessionsdauer sagen.
* Der Exjesuit Graf Paul Hoeusbroech ist, wie die .Germania' meldet, bei der Königlichen Regierung in Frankfurt a. O. als Regierungs-Referendar beschäftigt.
* Um denjenigen Deutschen, die der Fahneustucht oder der Verletzung der Wehrpflicht sich schuldig machen, den Aufenthalt im Auslande zu erschweren, haben jetzt der Kriegsminister und der Minister des Innern die Gemeindebehörden angewiesen, für solche Personen fernerhin keine Aufgebote zum Zwecke der Eheschließungen mehr bekannt zu machen und daher etwaigen Aufforderungen wegen Bekanntmachung deS Eheaufgebots für im Auslände sich aushaltende Deutsche nur dann zu entsprechen, wenn der Nachweis geliefert wird, daß es sich nicht um fahnenflüchtige Personen handelt. r,
* lieber die Aussichten der Börsen-Borlage schreibt die ,Post': „Mau hatte schon im Februar eine Vorlage erwartet, und dann hätte man dieselbe auch verabschieden können. Aber bekanntlich hatte die Regie- runa es nicht so eilig und jetzt ist gar ein Wechsel in der Person des Referenten, deS früheren bayerischen Bevollmächtigten zum Bundesrathe, v. Land- manu, eingetreten, und der neu bestellte Referent braucht mindestens 14 Tage Zeit, um sich einzuarbeiten. Damir ist jede Aussicht auf Verabschiedung der Vorlage entschwunden." — Bei der Macht, welche die Börse zur Zeit besitzt, ist an ein gutes Börsen-Gesetz nicht zu denken. Die Börsianer haben es jederzeit in der Hand, dasselbe auch trotz des Reichstages zu Hintertreiben. ___ ,, .
* Die Tabaksteuervorlage ist heute (Mittwoch) tn derKommission abgelehnt worden. Der grundlegende § 4 derselben wurde mit 18 gegen 4 Stimmen verworfen und darauf die weitere Berathung für überflüssig erachtet. ,
(*) Der dem Abgeordnetenhause m Berlin vorliegende Entwurf eines neuen Stempelsteuergesetzes greift tief in das Leben der Kreditgenossenschaften ein. Wohl mit jeder Kreditgenossenschaft ist eine Sparkasse verbunden, die derselben die zum Betriebe nothwendigen Gelder zuführt. In den neuen Provinzen Preußens sind die Sparkassenbücher der Kredilvereine bezügl. Einlagen von 150 Mark und mehr auf Grund der Allerhöchsten Kabinetsordre vom 19 Juli 1867 für Hannover, Kurhessen und Nassau, resp. vom 7. August 1867 für Schleswig-Holstein, resp. vom 16. August 1867 für Frankfurt a. M. „gesetzlich" stempelfrei. In den 8 alten Provinzen Preußens liegt die Sache etwas anders. Auch fühle Anderer ins Lächerliche ziehen, so brach auch Boto jetzt in ein spöttisches Lachen aus und bemerkte mit schlecht verhehltem Zorne: „Ich bin nicht kindisch genug zu glauben, daß Sie so splendid gegen ein altes Weib sein werden. Euer Gnaden gefallen sich zwar in der Nachahmung der mittelalterlichen Ritter; allein diese Narren würden sich doch bei all' ihrem Respekt für das schöne Geschlecht nicht dazu versttegen haben, Geld herzugeben für ein altes Weib, zumal wenn es sich darum gehandelt hätte, dadurch einen alten Freund zu beleidigen."
„Um Vergebung, wenn ich den letzten Thell Ihrer Rede etwas'richtig stelle; ich war und werde nie Ihr Freund sein. Einzig und allein, um mir selbst ein Vergnügen zu bereiten, will ich eine achtbare Frau aus der Verlegenheit retten.....Damit sage ich
Ihnen gute Nacht, und wünsche Ihnen angenehmere Begegnungen als die von heute Abend, und märe es auch nur aus Mitleid für Ihre Nase."
Boto knirschte vor Wuth. Mit ungemeinem Vergnügen hätte er sich auf den Baron gestürzt; da er sich aber sehr matt fühlte, hatte er ein Einsehen und stürmte, nicht wissend, wie er seinen Zorn auslassen sollte, eiligst fort.
So sehr es aber auch in ihm tobte, fühlte er sich doch in besserer Gemüthsverfassung als zu Anfang des
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Deutsches Reich.
Berlin, 1 Mai.
* Der Kaiser wird morgen früh 8 Uhr im Neuen Palais bei Potsdam eintreffen. — Die Kaiserin wird der ,Post' zufolge mit ihren Kindern abermals einen Sommeraufenthalt auf Schloß Wilhelmshöhe bei Kassel nehmen. Der Hofmarschall Freiherr v. Lyncker ist in Kassel eingetroffen, um die nöthigen Vorkehrungen anzuordnen.
* Minister v. Köller hat — so wird der ,Lib. Koresp.' aus Frankfurt a. M. gemeldet — dem zur Zeit dort anwesenden Schriftsteller Rud. Srockwis mit Bezug auf angebliche Gerüchte, daß seine Stellung erschüttert sei, telegraphirt: „Die Nachrichten sind tendenziöse Erfindung ; ich weiche solchen Angriffen der Presse und der Parteien noch lange nicht." — „Noch lange nicht" ist gut gesagt; weiß Herr v. Köller denn sicher,
„Das thut mir leid für Weimar, ich hätte ihn dessen nicht für fähig gehalten. Allein Sie übertreiben vielleicht, Herr Boto."
„Ich übertreibe durchaus nicht!"
„Es thut mir wirklich leid. Uebrigens haben jene Sie, Sie haben jene geschlagen; meiner Ansicht nach könnte man das Geschehene begraben und vergessen."
„Niemals! . . . Und um einen gemeinen Schurken wie "Weimar zu bestrafen, werde ich kein Mittel, auch nicht das äußerste, verschmähen . . . Seine Mutter ist gleich ihm arm; ich kenne einen Juden, der ihnen eine große Summe geliehen hat; ich werde die Verschreibung kaufen; der Wucherer wird mir ohne Umstände seine Rechte abtreten, und Mutter und Sohn werden aus ihrem Hause vertriebeu, auf dem Straßenpflaster schlafen."
„Aber das ist ja entsetzlich! Wie in aller Welt kann man solche Schurkereien nur ausdenken?" rief Jakob von Hauser aus. „Morgen wird die Schuld der guten Frau bezahlt sein, ich bin Ihnen dankbar, daß Sie mir dieselbe verrathen haben; Dank dem Himmel! ich besitze noch einige Thaler!"
Boto schwieg überrascht; sein kleinliches, gemeines und grausames Herz begriff die Seelengröße des Barons nicht, und wie Alle, die selbst zu jeglichem höheren Gefühle unfähig sind, die edelmüthigen Ge-
Was von Blättern, die nicht mit der Börse verwandt und verschwägert sind, seit Jahren vorausgesagt wurde, ist jetzt eingetreten oder steht doch unmittelbar bevor: Das Weltpetroleummonopol. Die Hausfrauen sind durch die jüngste Preissteigerung des Petroleums auf's Unangenehmste überrascht worden. Wer aber die Entwickelung auf dem Pettoleummarkte etwas näher verfolgte, konnte sich höchstens über den Zeitpunkt wundern, in welchem die Preistreiberei in Petroleum ihren Anfang nahm: der Beginn der guten Jahreszeit, in der verhältnißmäßig wenig Petroleum gebraucht wird, scheint zunächst für die Preistreiber schlecht gewählt zu sein, indessen kommen hier wohl noch andere Momente in Betracht, die sich jetzt noch nicht völlig übersehen lassen.
Immer mehr ist in den letzten Jahren die Petroleumproduktion in die Hände der drei großen Gesellschaften übergegangen: der Rothschild- und der Nobel-Gesellschaft in Rußland (Kaukasien) und der von Rockefeller geleiteten Standard Oil Company in Nordamerika. Das Vorgehen der letzteren ist besonders bemerkenswerth. Nach den Zahlen, die der russische Finanzminister veröffentlicht, stellte sich auf den amerikanischen Werken ein Faß Rohöl Ende 1892 auf 531/» Cents, 1893 auf 78'U, 1894 auf 91'/a und im Februar 1895 auf 1043/s Cents. Das Rohöl ist also seit 1892 ständig gestiegen, während die Standard Company bis zu der jüngsten plötzlichen । Preissteigerung die Preise für raffinirteS Oel ständig ermäßigte. Wie menschensreundlich von ; Herrn Rockefeller: das Rohöl stieg, und trotzdem ver- ■ kaufte er von Jahr zu Jahr das rafinirte Oel billiger! So überwältigend menschenfreundlich, daß darob fast alle seine amerikanischen Konkurrenten in's Gras beißen mußten! So lange mit großen Verlusten zu arbeiten, dazu waren die kleineren Gesellschaften nicht kapitalkräftig genug, zumal Herr Rockefeller noch manches andere, allerdings weniger menschenfteundliche Mittel anzuwenden wußte, um seinen Konkurrenten das Leben sauer zu machen — Mittel, die Herrn Rockefeller über das, was andere Leute „Gewissen" nennen, erhaben erscheinen lassen. In Amerika ist nun Herr Rockefeller fast noch allein auf dem Kampfplatze geblieben; seine Konkurrenten sind tobt bis auf ein paar, die an der Herrscherstellung der Standard-Company nichts zu ändern vermögen.
In Deutschland wurde ganz ähnlich der Petroleumhandel immer mehr in Abhängigkeit von der Standard- Company gebracht. Eine Tochtergesellschaft der letzteren, die deutsch-amerikanische Petroleumgesellschaft, hat auch hier die Methode befolgt, fort und fort ihre Konkurrenten zu unterbieten, und außerdem, abgesehen von ihrer Centralstelle in Bremen, in einer Unmenge von Städten bis zu den kleinsten herab größere oder kleinere Niederlagen errichtet. In der Thal haben sich denn auch bisher nur zwei Konkur-
Die Syiihlmg des Mtm-nders.
Roman von H. v. Remagen.
(63. Fortsetzung.)
Das Wort Gemahlin flößte dem jungen Wittwer einen besonderen Schrecken ein; sein stürmischer Unwille machte einer nicht weniger heftigen Bestürzung Platz, und er schwieg verwirrt. Ta aber die traurigen Umstände von Sibilla's Tod ihn zu sehr quälten, mochte er, um jeder Frage zu entgehen, den Baron nicht seinem Irr,hum entreißen, sondern wandte sich wieder den Studenten nach und versetzte mit verhaltenem Ingrimm: „Ich werde sie wiederzufinden wissen, sie sollen ihr gemeines Vergehen theuer bezahlen."
„Seien Sie klug, Herr Boto, und gestatten Sie mir, Sie aufmerksam zu machen, daß Weimar ein Mensch ist, der sich vor Niemanden fürchtet; ich rathe Ihnen, lassen Sie ihn ungeschoren."
„Sie vertheidigra ihn?" fragte Boto zähneknirschend vor Wuth.
„Ich vertheidige ihn nicht," erwiderte Jakob ruhig, „und kann ihn nicht vertheidigra, da ich die Ursache des Streites nicht kenne."
„Schwarze Verleumdung, unverschämte Beleidigung!"
FlildaerMZeitling
mit yuterljtiltttttge-geilnge „Sterne und Shtuten“._____