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Donnerstag, den 18. April 1895
22. Jahrgang
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mit Unterhaltimss Krilage „Sterne und Klnmen"
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\ Der Krieg in Ostasien.
Am nächsten Samstag geht die auf drei Wochen abgeschlossene Waffenruhe zwischen China und Japan zu Ende, und wenn bis dahin ein Friedensschluß nicht zu Stande gekommen ist, wird wahrscheinlich der blutige Waffentanz von Neuem losgehen. (Nach den neuesten Nachrichten soll der Friedensschluß am Samstag erfolgt sein. Vergl. weiter unten die Meldung aus Yokohama. D. Red.)
Die Feindseligkeiten wurden bekanntlich noch vor der japanischen Kriegserklärung, die am 1. August v. I. erfolgte, durch ein Treffen zur See auf der Höhe von Asan im Jmperatrice-Golf an der koreanischen Küste eröffnet, wobei das chinesische Transportschiff „Kow- Shing", das 1200 Mann chinesischer Truppen an Bord hatte, durch einen japanischen Torpedo zum Sinken gebracht wurde. Nun folgte die Eröffnung der Feindseligkeiten auf dem koreanischen Festlande, wo es den Japanern bald gelang, die Truppen des Königs auseinanderzutreiben und dessen Hauptstadt Söul, sowie den königlichen Palast selbst zu besetzen. Diesen glücklichen Gefechten folgte für die Japaner eine Reihe von glänzenden Siegen und Erfolgen. Dank einem sehr günstig angelegten Eisenbahnnetze und der allgemeinen Wehrpflicht konnte Japan binnen kürzester Frist nacheinander drei Armeen auf den Kriegsschauplatz bringen. Sämmtliche Truppen waren mit in eigenen Fabriken hergestellten Hinterlader-Gewehren nach dem System Murata und mit neuartigen Geschützen ausgerüstet, sowie mit allen Erfordernissen des modernen Kriegswesens versehen. Eine Transportflotte brachte die Bataillone, Batterien, Eskadronen und ein ungeheures Kriegsmaterial an die verschiedensten Punkte der koreanischen Küste. Nur langsam und schwerfällig bewegten sich dagegen die chinesischen Streitkräfte der koreanischen Grenze entgegen.
In den Kämpfen von Asan am 28. und 29. Juli errangen die Japaner ihren ersten Erfolg zu Lande, dem am 16. September der große und entscheidende Sieg bei Pjöng-jang folgte, der ganz Korea gleichsam mit einem' Schlage der japanischen Herrschaft unterwarf. Fast gleichzeitig, nämlich am 17. Sept., legte die japanische Flotte ihre Feuerprobe in einem Kampfe an der Jalu-Mündung ab, in welchem fast die Hälfte der chinesischen Schiffe vernichtet wurde. Mit diesen beiden Siegen war eigentlich schon der Krieg zwischen China und Japan entschieden; denn bei Pjöng-jang waren dieKerntruppenLi-Hung-Tschang's geschlagen worden, und in der Seeschlacht am Jalu haben die Japaner die Herrschaft auf den ostasiatifchen Meeren errungen.
Ende Oktober überschritten die Spitzen der japanischen Kolonnen den Grenzfluß Jalu und drangen in die Mandschurei ein, wo ihnen eine Stadt nach der anderen in die Hände fiel. Eine Bedingung des weiteren Vordringens der ersten Armee unter General Rodzu war aber die Eroberung der chinesischen Be-
Bit Stjählmg des kMenzröders.
Roman von H. v. Remagen.
(50. Fortsetzung.)
Der Alte betrachtete das schöne Gesicht der Sprecherin, auf welchem in diesem Augenblicke ein edler Stolz sich ausprägte; er betrachtete es eine Weile und fragte dann in sanftem Tone: „Haben Sie Hunger, mein Kind?"
„Ich habe Hunger, mein Herr, indeß, ich könnte bis morgen warten, ohne vor Entkräftung umzusinken. Für mich würde ich Niemanden um etwas ansprechen, nein, ich würde nichts verlangen, wenn nicht hier in der Nähe ein armes Weib, das ich wie eine Schwester liebe, aus Mangel an Nahrung aller Kräfte beraubt, da läge."
„Herr im Himmel! Ich habe Sie beleidigt, ich habe Sie gedemüthigt," fprach der Erzieher leise vor sich; dann gab er Luise ein Zeichen, ihn zu erwarten und eilte, so rasch seine alten Beine es erlaubten, davon.
In kurzer Zeit kam er mit einem Korbe zurück, in welchem er zwei Brode, ein kaltes Huhn und einen Krug Wein brachte. Es waren Sachen, die von der Tafel Ubald's übrig geblieben waren. Seltsame Fügung: der Gräfin von Barges fielen als Almosen die Ueber- bleibsel von dem Tische ihres ManneS zu!
festigungen von Port-Arthur und Talien-wan. Diese Aufgabe bewältigte die zweite Armee Oyama's in glänzender Weife; schon am 29. November wehte die japanische Flagge auf sämmtlichen Werken von Port-Arthur. Die Temperatur-Verhältnisse der Mand- fchurei gestatteten den Japanern nicht ein rasches Vordringen, und ihre Truppen hatten hier einen überaus harten Winter zu überstehen. Gleichwohl drangen die zwei japanischen Armeen trotz der enormen Kälte und der furchtbaren Schneestürme stetig vor, besetzten als Preis harter Kämpfe nach und nach Futschu, Kaiping, Hai-tfchen und Niutschung und überschritten den Liao- Fluß in seiner Mündungsgegend, während die Chinesen sich gegen Shanghai-kwan zurückzogen.
Mit der Eroberung von Port-Arthur war aber nur einer der Schlüssel von Peking in die Hände der Japaner gefallen. Das zweite die Hauptstadt beschützende Bollwerk Wei-hai-wei war noch nicht bezwungen. Hier hatten die Reste der chinesischen Flotte, darunter auch die beiden großen Panzerschiffe „Chen-yuen" und „Ting-yuen" Zuflucht gefunden. Die Japaner vollzogen auch diese Aufgabe in glänzender Weife. Marfchall Oyama's dritte Armee erstürmte die Landforts von Wei-hai-wei, während Admiral Jto's Flotte die Reste der chinesischen Seemacht vernichtete. In der Zeit vom 30. Januar bis zum 13. Februar wurde Wei-hai-wei bezwungen, und damit die Zufahrt zu der Peiho-Mündung erschlossen. In dem Augenblicke, da auf dem nördlichen Kriegsschauplatz die Waffenruhe begann, ist es der japanischen Flotte und einem Landungskorps gelungen, die Pescadores- Jnseln zu besetzen und dadurch eine vorzügliche Operations-Basis für den Angriff auf Formosa zu erlangen. Wie es scheint, beabsichtigt man auf japanischer Seite die Feindseligkeiten hier nicht einzustellen, sondern durch Eroberung von Formosa ein neues werthvolles Pfandobjekt zu gewinnen.
Die militärische Stellung Japans ist übrigens auch ohne den Besitz von Formosa ausgezeichnet; ihre Armeen halten den ganzen südwestlichen Theil der Mandschurei vom Jalu bis jenseits der Mündungsgegend des Liao-Flusses einschließlich der Halbinsel Liao-tang und Port - Athurs und auf der anderen Seite einen Theil der Halbinsel von Schang-tang mit Wei-hai-wei besetzt. Der von der Armee und der Partei der Samurai gewünschte Einzug in Peking würde zwar den militärischen Ruhm der Japaner erhöhen, ihre Stellung in den Friedens-Konferenzen aber kaum wesentlich verbessern. Andererseits hat aber auch Japan allen Grund, die Wiederherstellung des Friedens anzustreben. Händel und Industrie haben schwer gelitten, und Japans eigene Geldkraft für Kriegsanleihen und freiwillige Subskriptionen ist nahezu erschöpft, so daß man bereits für den Falf der Fortsetzung des Krieges von der Nothwendigkeit einer auswärtigen Anleihe spricht. Die Armee hat überdies durch den strengen Winter in der Mandschurei außerordentlich gelitten; ihre Reihen sind stark gelichtet, und
„Nehmen Sie, mein liebes Kind und gehen Sie zu Ihrer Gefährtin. Wenn es Ihnen recht ist, gehen wir zusammen bis dort zu jenen Bäumen. Ich erwarte eine sehr theurePerson und kam hierher, sie zu treffen."
Voll des tiefsten Dankes wollte Luise die runzlige Hand des Greises mit Küssen bedecken; doch dieser ließ es nicht zu, und sie schütten schweigend nebeneinander, da Luise nicht wagte, den Mund zu öffnen.
„Sie sind nicht aus dieser Gegend gebürtig, mein Kind?" fragte der Erzieher, einen Augenblick stehen bleibend.
„Ich kam in Deutschland zur Welt," entgegnete das Mädchen mit einem Seufzer.
„Ich verstehe, Sie sind auf der Durchreife hier. In Ihren Gegenden gibt es ja Viele, welche wandern wie die Schwalben. Doch in Ihrem Alter und mit Ihrem Gesichtchen so allein durch die Welt zu ziehen, scheint mir nicht klug."
„Ich habe eine Gefährtin bei mir, die älter als ich und verheirathet ist," gab Luise zur Antwort, welcher es höchst unangenehm gewesen wäre, wenn der gute Alte eine schlechte Meinung von ihr gefaßt hätte.
„Wenn das ist, so ist nichts dagegen zu sagen. Und in welchen Theil Europas wollt Ihr ziehen?"
Luise schwieg verwirrt; sie war nicht gewohnt zu lügen und hätte um alles Gold der Welt den ehr
endlich ist schon an mehreren Orten und insbeso nd er in Hiroshima, wo sich das kaiserliche Hauptquartier befindet, die Cholera ausgebrochen. Japan bedarf somit des Friedens ebenso wie China, und so ist denn die Hoffnung nicht unberechtigt, daß derselbe, wenn diese Zeilen in die Hände der Leser gelangen, that- sächlich bereits abgeschlossen ist.
Deutsches Reich.
Berlin, 16. April.
* Der Kaiser hat den Reichskanzler Fürsten Hohenlohe am Ostersonntage mit einem Osterei aus der Königl. Porzellanmanufaktur überrascht, das mit einer Frühlingslandschaft bemalt, oben mit einer Oeffnung zur Aufnahme von Blumen versehen ist und von einem Engel emporgehalten wird. Am Ostermontage beehrte der Kaiser den Reichskanzler mit einem Besuche. — Am Freitag wird sich der Kaiser nach Weimar, von dort später nach Schlitz bei Fulda und dann nach Karlsruhe begeben, von wo der Kaiser am 1. Mai Abends die Rückreise anzutreten und am 2. Mai srüh im Neuen Palais einzutreffen gedenkt, wohin inzwischen die Uebersiedelung seiner Familie erfolgt fein dürste. — Der Aufenthalt des Kaisers in Karlsruhe dürfte für unsere politischen Verhältnisse vielleicht sehr bedeutungsvoll werden.
* Die Kaiserin muß in Folge einer heftigen Erkältung'das Zimmer hüten und hat deshalb auch am Montag der Taufe der Tochter des Prinzen Anton von Hohenzollern nicht beigewohnt. Anwesend waren bei derselben die Königin von Sachsen, die Gräfin von Flandern (Mutter der Prinzessin Karl Anton von Hohenzollern), der Fürst von Hohenzollern u. A. Die Prinzessin erhielt in der Taufe, welche Armee-Bifchof A ß m a n n unter Assistenz der Potsdamer katholischen Militär-Geistlichen vollzog, den Namm Stephanie.
* Politische Erwägungen, so wird aus dem Reichsmarine-Amt geschrieben, haben zu dem Entschluß geführt, das deutsche Kreuzer-Geschwader in Ostafim unverzüglich bedeutend zu verstärken. Ausersehen ist für diese Verstärkung das Panzerschiff 2. Klaffe „Kaiser" und der Kreuzer 2. Klasse „Prinzeß Wilhelm". Die Begründung dieser Maßregel läßt erkennm, daß die bedeutende Stärkung, welche Japan's Macht durch den soeben mit China abgeschlossenen Präliminar-Frieden erfährt, von der deutschen Regierung, wie zweifellos von allen europäischen Mächten, als eine ernste Gefährdung der europäischen Interessen aufgefaßt wird. Es ist deshaL zweifelhaft, ob die Japaner wirklich in den Vollgenuß der Früchte ihres Sieges gelangen werden. Streitigkeiten mit europäischen Mächten, insbesondere mit Rußland, scheinen den Japanern nahe bevorzustehen.
* Für „Europas übertünchte Höflichkeit" ist nicht fonderlich schmeichelhaft folgendes orientalische würdigen Mann, der an ihrer Seite ging, nicht betrügen mögen.
„Wohin Sie auch ziehen, die ganze Welt ist Gottes Land," Hub der Erzieher wieder an und setzte nach einer kurzen Pause hinzu: „Ich bin nur auf den Seiten meiner Bücher gereist; ich habe das Elsaß nie verlassen und lebe seit langer Zeit ganz allein in diesem Schlosse."
„Allein?" . . m .
„Ganz allein; ich habe keine Familie, keine Glücksgüter, nichts als ein wenig Kenntnisse im Kopfe, und wenn ich nicht zwei Knaben hätte, die mir am Herzm liegen, fo wäre mir an der ganzen Welt so wenig gelegen, daß man von mir mit Horaz sagen könnte: 8i fractus illabatur orbis . . . Doch was plaudere ich da wieder? Sie verstehen doch nichts von Horaz!"
Luise konnte sich eines Lächelns nicht erwehren; in der Absicht jedoch, der Gräfin Nachrichten von ihrem Gemahl bringen zu können, fragte sie schüchtern: „Wohnen die beiden Knaben, die der Herr so liebt, auf diesem schönen Schlosse?"
Sie haben hier gewohnt von Kindheit an; dann kamen traurige Ereignisse, und der Eine zog krank von hinnen, und der Andere irrte in der ganzen Welt umher, eine Beute düsterer Erinnerungen. Jetzt ist der Erstere sozusagen ganz geheilt zurückgekehrt; der