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Sonntag, den 14. April 1895
22. Jahrgang
iildaerMZeitiilig
________ mit Wntechaltungs-Kettage „Sterne und Ktnmen«.
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Lesern und Leserinnen
ein recht glückseliges Osterfest!
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Zum hochheiligen Osterfeste.
Die feierlichen Klänge der Kirchenglocken verkünden uns, daß das herrliche Osterfest, das Fest der Auferstehung unseres Erlösers aus dem Grabe, gekommen ist; sie mahnen uns, daß auch wir nuferstehen sollen aus dem Grabe der Sünde, auf daß auch wir aus vollem Herzen einstimmen können in den Jubelge- sangp Alleluja!
Des hl. Osterfestes wegen erscheint die nächste Nummer am Dienstag.
erst die Hoffnung leuchtete, als der Sohn Gottes den ; * Der Land Wirths chaft des Westens droht
Tabor des Himmels verließ, um unter uns armen ' — —"1X- m r r ' *- - - • —
Menschen zn wirken und zu leiden.
Wenn wir auf das von zahllosen Leidenschaften und Lastern gezerrte Menschengeschlecht, besonders in der vorchristlichen Zeit, hinschauen, dann begreifen wir, mit wie großem Rechte die hl. Väter in dem vom bösen Geiste besessenen Jüngling ein Abbild der ! unerlöseten Menschenwelt erkannt haben. Am heil.
Charfreitag hat der göttliche Welterlöser das Menschengeschlecht aus seiner Tiefe wieder hervorgezogen, hat es an der Hand gefaßt und wieder aufgerichtet; und der hl. Ostermorgen zeigt uns dieses Geschlecht der christlichen Freiheit zurückgegeben und geehrt durch die erneuerte Gotteskindschast. Aber nur dann werden wir wahrhaft uns als Kinder Gottes betrachten können, wenn wir das Gesetz unseres Glaubens uns ins Herz schreiben und dasselbe in unserm Leben bewahrheiten. Sonst verfallen wir wieder der unheimlichen Gewalt des Fürsten der Finsterniß und müssen ihm bittere Knechtesdienste leisten. Wie sehr eine gott- entsremdete Welt diesem Schicksale unterliegt, das beweist uns das alltägliche Leben, in welchem mit den! Glauben zugleich auch die Liebe in den Herzen ausgelöscht erscheint; das beweiset die Welt im Großen, welche mit dem lebendigen Glauben an das Heil in Christus den festen Grundbau ihres Bestehens verloren hat und deßhalb in ihren Fundamenten erzittert. Auch in unfern Tagen wird und muß eS die Welt erfahren und bestätigen: Christus siegt, Christus herrscht, Christus triumphirt!
Das ist der Grund unserer Osterfteude, und in diesem 'Sinne wollen wir Ostern feiern, in diesem
* Ein neues Bereinsgesetz für Preußen — als Ergänzung der Umsturz-Vorlage — wird wieder von der ,Kreuzztg.' angekündigt. Die Vorlage wird, wie das konservative Organ weiter meldet, aller Wahrscheinlichkeit nach zunächst im Herrenhause eingebracht werden. Bekanntlich ging dieselbe Nachricht schon vor einigen Monaten durch die Blätter, wurde aber dann offiziös für falsch erklärt. Neulich hieß es, das Staatsministerium habe sich mit einem neuen Vereinsgesetz beschäftigt; doch wurde auch dies als unrichtig bezeichnet.
* Wie die offiziöse ,Berliner Korrespondenz' mit- theilt, erreichen die vorläufigen Ergebnisse der Veranlagung der neuen Ergänzungs-Steuer den vorgesehenen Betrag von 35 Millionen Mark nicht ganz. Nach Zuschlag der Zinsen aus den Ueberschüssen der Einkommen-Steuer bleibt ein Betrag von rund 2 Millionen Mark durch eine Erhöhung der Steuersätze zu begleichen. Es wird daher ein Zuschlag zur Ergän- zuugs-Steuer von etwa 6 Pfennige auf die Mark erhoben werden müssen.
* Das jüdisch - freisinnige ,Berl. Tgbl.' bringt folgende höchst interessante Depesche aus Habanna auf der Insel Cuba, wo bekanntlich zur Zeit Revolution gegen die rechtmäßige spanische Regierung gemacht wird: „Ein spanisches Heeres- Detachement schlug die Aufständischen in einem Gefechte bei Sacorro, in welchem der Rebellenchef Matamoras getobtct wurde. General Calleja hat alle» Freimaurerlogen verboten, ferner Zusammenkünfte abzuhalten." Daraus ergibt sich, daß die Herren Freimaurer sich nicht blos mit harmlosen Wohlthätigkeitsakten befassen, sondern wie bei fast allen Revolutionen gegen die rechtmäßige Obrigkeit, so auch hier in Habanna ihre mächtige Hand im Spiele haben. Wohlthätigkeitsakte und humane Bestrebungen würde General Calleja wohl nicht verboten haben.
Deutsches Reich.
Berlin, 11. April.
* Das Kaiserpaar begab sich am Donnerstag Vormittags 9 Uhr zur Abendmahlsfeier, an welcher die in Berlin anwesenden Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses und die unverheiratheten Herren und Damen des kaiserlichen Gefolges theilnahmen, in das königliche Palais, in dessen Kapelle die Abend- mahlsfeler abgehalten wurde. — Später fuhr der Kaiser zum Reichskanzlerpalais und nahm dort einen längeren Vortrag des Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe entgegen.
Das Fest der Auferstehung Christi ist das bedeutungsvollste Fest für die gcsammte Christenheit. Durch seine Auferstehung von den Tobten bewies Christus auch dem blödesten Auge seine Gottheit; durch seine Auferstehung besiegelte er sein großes Erlösungswerk. Er halte sein Leben dahingegeben, um dem himmlischen Vater für unsere Sünden Genug- thuung zu leisten, aber seine Gottheit trug den Sieg davon über den Tod; aus eigener Macht ging er wieder aus dem Grabe hervor, er lebt und seines Reiches wird kein Ende sein.
Ja, wahrhaft auferstanden ist Christus unser Herr. Am heutigen Tage schauen wir ihn als Sieger über Tod, Grab und Höll:; wir schauen ihn als den König , ....... WV1WI lvll Ull tlt ut
ber Könige, den Gott der Vater erhöht hat und dem Sinne wünschen wir allen unfern Freunden, Gönnern, er einen Namen gegeben hat über alle Namen. Und 1 n r *■ " - • 1 °
wenn wir unsere Lage mit der {einigen vergleichen, — was können wir anders rufen als: '„Du siegreicher König, erbarme dich unser!" Wir stehen noch mitten im Kampfe und die Gewalt des Fürsten der Finsterniß bedrängt uns hart. Wir ringen noch in dem heißen Kampfe dieses armen Erdenlebens, auf das Erbarmen unseres Erlösers sind wir angewiesen. Am Ostertage vereinigt sich daher die Kirche Gottes in ihrem Siegesgesange des „Alleluja!" mit den Chören der himmlischen Heerschaaren, welche am Throne Gottes stehen und lobsingen: „Würdig ist das Lamm, das getödtet worden, zu empfangen Macht und Gottheit und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Ruhm!" (Geh. Offenb. 5, 12).
Wenn wir uns so recht vergegenwärtigen wollen, was der Sieg Christi am Ostermorgen für uns Menschen zu bedeuten gehabt, so dürfen wir nur hinschauen in die hl. Schrift und lesen, was sie uns erzählt über die Heilung des vom Teufel beseffenen Jünglings, den man dem göttlichen Heiland brachte, auf daß er ihn heile. Die Jünger Jesu hatten vergebens gesucht, dem unglücklichen, vom bösen Geiste unaufhörlich gezerrten, gestoßenen und hingerissenen Menschen Hilfe zu bringen. Als der göttliche Meister nach seiner Verklärung vom Berge Tabor hinabstieg, kam ihm eine zankende und bewegte Menge Volkes entgegen; aus ihrer Mitte trat der bedauernswerthe Vater des Unglücklichen vor den Heiland mit den Worten: „Wenn Du es vermagst, so hilf uns und erbarme Dich unser!" „Jesus aber erfaßte seine Hand, hob ihn auf und er stand, und er heilte den Knaben und gab ihn seinem Vater zurück." Mark. 2.) Mit diesem großen und erbarmungsvollen Wunder hat Christus nach den Vätern ein großes Ge- : heimniß des Heiles vorgebildet. Dieser von seiner Kindheit an vom Teufel besessene Jüngling bedeutet das ganze Menschengeschlecht, das seit seinem Ursprünge und durch die Schuld seines ersten Vaters dem bösen Geiste unterworfen blieb. Die Jünger und Schriftgelehrten, welche mit einander streiten und sich vergeblich bemühen, den Beseffenen zu heilen, stellen die jüdischen Lehrer und die heidnischen Weltweisen vor, die sich so viele Jahrhunderte lang umsonst an- gesttengt hatten, aus dem Menschen die Sünde zu Datilgen, und sie der traurigen Knechtschaft des Fürsten dieser Welt zu entreißen. Recht bezeichnend heilt der göttliche Heiland den Unglücklichen, als er soeben nach seiner Verklärung vom Berge Tabor hinabgestiegen ist; es soll damit auf die Wahrheit hingewiesen werden, daß nur die götttliche Kraft in Christus im Stande war, unsere harten Fesseln zu zerbrechen, daß für uns >
* In einer Versammlung von Berliner Brau- arbeitern wurde der Plan erörtert und gutgeheißen, von den Brauereien die Freigabe des ersten Mai zu verlangen und nöthigenfalls zu erzwingen. Die über- müthigen Herren scheinen also an den Forderungen vom vorigen Jahre noch nicht genug zu haben und abermals Aussperrungen und Bierkrieg heraufbeschwören zu wollen. Man darf gespannt darauf sein, ob die Führer der Sozialdemokratie, die mit so vieler Mühe am Jahresschlüsse den Frieden zu Stande gebracht haben, nicht eingreifen werden, um den Wiederausbruch des BierkriegeS zu verhindern. Die Brauereien wird man mit Kriegsandrohung wohl kaum schrecken können, da ein großer Theil der „zielbewußten" Arbeiter ttotz der Aufhebung des Boykotts immer noch fein Ringbier trinkt.
* Detmold, 12. April. Der Kabinetsminister v. Wolfgram ist gestern Abend nach 7 Uhr gestorben. Der Staatsrath ist sofort einberufen worden. Der Landtag wird voraussichtlich am Dienstag zusammen- treten.
* Meppen, 11. April. Das Windthorst-Standbild, welches hier errichtet werden soll, ist im Gypsmodell nunmehr vollendet und die Figur der Gladenbeck'schen Gießerei in Friedrichshagen bei Berlin zum Guß über- geben worden. Ende Juni muß kontrattlich die Aufstellung vollendet fein, damit im Juli die Enthüllung stattfinden kann. Das Denkmal wird auf dem Marktplatze in Meppen seine Aufftellung finden. Es enthält eine Höhe von 5,50 Meter, wovon 3,20 auf das Postament, 2,30 auf die Figur kommen. Der berühmte Centrumsführer ist auf der bildnerisch angedeuteten
* Zu Mitgliedern des Herrenhauses sind auf Lebenszeit außer Herrn v. Lucius noch berufen: Der Präsident des Oberlandeskultur-Gerichts, Glatzel, v. Below- | Saleske, v. Kufferow, Majorats - Besitzer Graf Behr- Behrenhof-Greifswalde und Justizminister v. Schönstedt. Letzterer ist zugleich zum Kronsyndikus bestellt worden. Graf Bogdem-Hutten-Czapski hat daS erbliche Recht auf Sitz und Stimme im Herrenhause erhalten.
.* Das rege Interesse des hl. Vaters au den sozialen Fragen bekundet neuerdings ein an den Grafen Yvert, Begründer des Vereins ftanzösischer Grundbesitzer, gerichtetes Breve. In demselben gibt der hl. Vater über die Begründung des Vereins seiner hohen Genugthuung Ausdruck, indem er u. A. schreibt: „Der Verein der katholischen Grundbesitzer, welcher sich die Aufgabe gestellt hat, mit Liebe sich der Arbeiter und anderer Mitglieder der wenig bemittelten Klassen an- ^nehmen und soweit als möglich ihnen nicht nur in Bezug auf die zeitlichen, sondern auch in Bezug auf die geistigen Güter zu Hilfe zu kommen, findet in hohem Maße Unsere Bewilligung. Wenn die Gerechtigkeit ihre Pflichten auferlegt, so legt auch die christliche Liebe ihre Pflicht auf. Nun gebietet die christliche Liebe, daß jeder nach seinen Kräften zum Heile und zur Verbefferung der Lebensbedingungen seiner Nächsten beitrage; sie verlangt daher in Konsequenz dessen von den Reichen etwa« mehr als die einfache Zahlung des Preises für eine Sache oder des für eine Arbeit verabredeten Lohnes. Ihr könnt also daraus entnehmen, daß euer Werk ein vorzügliches Ziel, welches auch den Zeitverhältnissen sehr gut angepaßt ist, verfolgt. Wenn in der That diese Art christlicher Liebe, welche ihr euch speziell auSerwählt habt, allgemein von Reichen ausgeübt würde, würden sich viele von denjenigen, welche seit Langem Unruhen veranlaffen, um eine Gleichheit deS Vermögens herbeizuführen, beruhigen"
! eine ernstliche Gefahr, indem man auf die Wieder- I einführung der Staffeltarife mit aller Macht hinarbeitet. ; Wie nahe diese Gefahr schon gerückt ist, geht aus einer - Mittheilung des ,Reichsanz.' hervor, in welcher es ■ heißt: „Das (preußische) Herrenhaus hat in der Sitzung i vom 27. März d. I. auf zahlreiche von den Vorständen ! landwirthschaftlicher Vereine der Provinzen Schlesien : und Posen eingereichte Petitionen: „zu veranlassen, daß die in den Eisenbahn-Direktions-Bezirken Berlin, Breslau, Bromberg geltenden niedrigen Frachtsätze für lebendes Vieh auf das Gesammtgebiet der preußischen Staatseisenbahnen ausgedehnt, und die generelle Einführung der Staffeltarife in Erwägung gezogen werde," beschlossen: die vorgenannten Petitionen der Kgl. Staatsregierung zur Erwägung zu überweisen. "
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Hierzu eine Beilage.
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