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sitzenden der Abtheilung Berlin der deutschen Kolonial- Gesellschaft gewählt wurde, der ,Kreuzzeitung' zufolge diese Stellung niedergelegt haben. Prinz Arenberg hatte mit dem Centrum gegen die politische Ehrung des Fürsten Bismarck im Reichstage gestimmt; das habe unter den Mitgliedern der Abtheilung viel Miß­stimmung hervorgerufen; in zahlreichen Briefen an den Vorstand sei der letzteren Ausdruck gegeben und der Aus­tritt aus der Abtheilung von Vielen angekündigt worden. — Prinz Arenberg ist einer der verständnißvollsten und eifrigsten Freunde deutscher Kolonialpolitik; feit Jahren fungirt er auch als Referent für Kolonial­fragen im Reichstag.

* Der ,Reichsanzeiger' veröffentlicht den Wortlaut des Telegramms des Kaisers an den Fürsten Bismarck, sowie die Antwort des Fürsten, die lautet: „Eurer Majestät lege ich meinen allerunterthänigsten Dank für Allerhöchst Dero Glückwunsch zu meinem Geburtstage in tiefster Ehrfurcht zu Füßen. Bismarck."

* Kaum sind die neuen Kreuzer bewilligt worden, da tauchen schon wieder neue Marineforderungen auf. Die ,Marinekorrespondenz' meldet nämlich, nachdem die Kreuzerfrage „in befriedigendem Sinne" entschieden worden sei, werde die Frage in den Vordergrund treten, wieweit der Zustand unserer Küstenbefesti­gungen den Anforderungen der Neuzeit entspricht. Natürlich wird er ihnen in keiner Weife entsprechen, deshalb wird Geld gefordert werden, um ihn auf die Höhe der Neuzeit zu bringen.

* Der Börsenreform - Gesetzentwurf wird den Bundesrath in seiner nächsten Plenarsitzung be­schäftigen, allerdings vorläufig nur, um ihn an die betreffenden Ausschüsse zur Vorberathung zu über­weisen. Die Arbeiten sollen, wie offiziös wiederholt wird, fo gefördert werden, daß der Entwurf noch in der gegenwärtigen Tagung dem Reichstage vorgelegt werden kann.

* Der beim Reichstage vorliegende Entwurf, be­treffend allgemeine Einführung der kommunalen Weiu- bestcuerung, hat bei den Winzern der verschiedenen deutschen Weingegenden große Verstimmung hervorge­rufen. Druch Vermittelung der »Deutschen Weinztg.' sind bereits aus 459 Weinorten Protesteingaben mit 28,743 Unterschriften, denen meist die Ortsvorstände voranstehen, an den Reichstag abgegangen. Es ist zu wünschen, daß diese ohne besondere Agitation in kurzer Frist zu Wege gebrachten Aeußerungen der betroffenen Kreise nicht vergeblich laut wurden.

* Kiel, 3. April. Der Kaiser traf, begleitet von Vize-Admiral Hollmann, heute früh um 8 Uhr hier ein und begab sich alsbald mit dem Prinzen Hein­rich nach dem Schlosse. Um 9^ft Uhr fuhr der Kaiser unter dem Salut sämmtlicher Schiffe an Bord der „Hohenzollern". Um 10 Uhr fand der Stapellauf des Panzerschiffes „T“ statt. Die Feierlichkeit verlief auf das Glänzendste. Der Kaiser taufte das Schiff auf den Namen „Aegir". (Die Vermuthung nationalliberaler Blätter, er wolle es „Bismarck" nennen, war also falsch.)

* Köln, 2 April. Der kathol. Volksverein hielt gestern seine Generalversammlung ab. Herr Chef­redakteur Dr. Cardauns sprach über die gegenwärtige politische Lage. Die mit beißender Satyre gewürzten Ausführungen über den Bismarck-Rummel fanden leb­haftesten Beifall. An die Centrumsfraktion des Reichs­tages und des preußischen Abgeordnetenhauses wurde eine Zustimmungserklärung zu der ebenso umsichtigen als energischen Haltung in den jüngsten parlamen-

Die Kammerdienerin gehorchte, Sibilla ordnete rasch ihr vom raschen Laufe in Verwirrung gerathenes Haar, und da sie im Spiegel bemerkte, daß ihr Ge­sicht durch die momentane Aufregung ein wenig Farbe erhalten, lächelte sie ganz befriedigt.

Kurz darauf trat Boto ein, ohne daß man den Schall seiner Tritte, der durch die weichen Teppiche gedämpft ward, vernommen hätte; da er sofort be­merkte, daß Sibilla zu schmollen versuchte, sagte er, sich gemächlich auf der Causeuse niederlassend: „Ein fchöner Empfang, in der That! Anstatt mir entgegen zu eilen, anstatt an meine Brust zu fliegen, stehst Du da und schweigst. Was ist Dir, liebe Sibilla? . . . Komm, Herz, komm zu mir und vergiß Deine Ein­bildungen, Deine nervöse Empfindlichkeit!"

Diese Sprache und der leichte, fast verächtliche Ton, in der sie vorgebracht wurde, erregte Sibilla's Un­willen, die Rosen verschwanden von ihrem Gesicht, matt ließ sie sich Niedersinken, legte die Hände in ihrem Schooße zusammen und erwiderte nach kurzem Stillschweigen, mit jedem Worte sich mehr und mehr ereifernd: „Zwei Jahre sind verffofsen, seitdem wir uns geschworen, miteinander zu leben bis zum Tode; zwei Jahre sind verflossen seit dem Tage, an dem Sie mir liebestrunken versprachen, mich immer zu lieben, mir in allem willfährig zu fein, mir . . ."

„Und wer kann behaupten, daß ich Dich nicht liebe, mein Herz?" unterbrach sie Boto und eilte an die Seite seiner Gemahlin.

„Sie lieben mich nicht," entgegnete Sibilla, den jungen Mann zurückstoßend, „Sie lieben mich nicht, denn Sie langweilen sich bei mir ..."

„Aber Du träumst. Das ist der reinste Wahnsinn!"

„Es ist kein Wahnsinn, kein Traum. Hören Sie mich: Das Elend meiner Kindheit, das Unglück meiner

tarischen Zwischenfällen beschlossen und die Frattion gebeten, sich durch nichts in der zielbewußten Haltung irre führen zu lafsen.

Ausland.

* Wien, 2. April. Die Niederlage der Liberalen bei den Gemeinderaths-Wahlen hat im liberalen Lager große Bestürzung hervorgerufen. Ueber die Größe der- felben gibt man sich keiner Täuschung hin und hofft auch nicht auf eine Wendung in der nächsten Zukunft. Darob großes Jammern.

* Paris, 2. April. Königin Natalie beabsichtigt, nach Ostern sich zu einem sechswöchentlichen Aufenthalt nach Serbien zu begeben und alsdann nach Frankreich zurückzukehren.

* Rom, 2. April. Nach einer Mittheilung der 'Politischen Korresp.' ist der Präsident der English churc union, Lord Halifax (englischer Protestant), vom Papste empfangen worden. Wie es heißt, ist derselbe sehr eingenommen für das Projekt der Annäherung zwischen der katholischen und anglikanischen Kirche.

* Warschau, 3. April. Hier wurden 3 Polen katholischen Bekenntnisses zu hohen Stellungen berufen und zwar der General Lupowitzi zum Kommandeur der Gardedivision in Petersburg', Wilrowski zum Vizedirektor im Volksdepartement und der Ingenieur Koreszowski zum Chef der Montan - Verwaltung in Kongreßpolen.

* London, 3. April. Der ,Times' wird aus Hongkong gemeldet, in Canton werden 3000 Frei­willige für die Vertheidigung der Provinz Kwantung ausgehoben. Die Kosten für das Korps sollen durch eine Haussteuer, welche jetzt erhoben wird, aufgebracht werden. — Am Donnerstag wird hier eine Konferenz von Unternehmern des Schuhmacher-Gewerbes stattfinden, um darüber zu berathen, wie der Streit mit den Arbeitern geschlichtet werden könne.

* Simonoseki, 3. April. Die Wunde Li Hung T s ch a n g s heilt gut, und man hofft, daß der Patient in einigen Tagen vollständig wiederhergestellt sein wird. Alsdann werden die Unterhandlungen mit den japanischen Bevollmächtigten wieder ausgenom­men werden. — Die Cholera in Moji nimmt fort­während zu. Auch von den Transporten, die aus China zurückkehren, werden viele Cholerafälle gemeldet.

Aus dem Landtage.

Herrenhaus. — 10. Sitzung vom 2. April, 1 Uhr.

Das Haus ehrt das Andenken des verstorbenen Mit­gliedes v. Band em er in der üblichen Weise.

Auf der Tagesordnung steht zunächst die Interpellation v. Woyrsch wegendes geplanten Umgehungs-Kanals in Breslau.

Reg. - Kommissar Geh. Rath Keller führt aus, daß der Kanal vom landwirthschaftlichen Standpunkte nicht die geringsten Bedenken biete.

Bei der Besprechung erhebt sich kein Widerspruch gegen den Kanalbau. Nach Erledigung einiger kleinen Vorlagen wird die Eifenbahn-Vorlage berathen.

Minister Miquel erklärt, daß die Regierung für die nächste Sefsion eine Abänderung des Enteignungs-Gesetzes vor­bereite, um dann später auch in dem Verfahren für den Grund­erwerb eine Aenderung eintreten zu lassen. Es sei beabsichtigt, dann nicht mehr die unentgeltliche Hergabe des Grund und Bodens, sondern einen Zuschuß seitens der Kreise zum Grunderwerb, der vom Staate selbst vorzunedmen wäre, zu erlangen.

Frhr. v. Dur ant bittet um eine Abkürzung des Schienen­weges zwischen dem oberschlesischen Industrie-Bezirk und der österreichischen Grenze.

Minister Thielen erwidert, es schwebten Verhandlungen über Herstellung einer Kleinbahn von Ratibor nach Gleiwitz.

Jugend ist kein Geheimniß für Sie geblieben, ich habe Ihnen gesagt: Ich bin reich und will Sie reich machen, wir wollen die Vergangenheit vergessen und vereint, fern von der Welt und von der Menge der Betrüger und der Betrogenen, ein neues, einsames Leben führen."

„Und wir leben einfam."

„Ich lebe einsam; aber Sie, Boto, Sie?"

„Es scheint mir . . ."

„Suchen Sie nicht nach leeren Ausflüchten; seit einem Jahre verlassen Sie unter solchen jede Woche das Haus Ihrer Gemahlin; sechs Tage dauert Ihre Abwesenheit, ein schönes Leben! Wir leben ohne gegen­seitigen Verkehr, ohne Freundschaft mit anderen Menschen . . . ohne Glauben an Gott ..."

„Liebe Sibilla, was kann ich thun? . . Unsere Hochzeit wurde nach Deinen Ideen gefeiert, Ideen, welche Dir von diesem albernen Baron Hauser ein­geflößt worden waren. Warum zerbrichst Du Dir denn nun den Kopf über gewisse thörichte Gedanken? Komm, laß uns Frieden schließen, sei hübsch vernünftig, mein Schatz, betrübe Dich nicht über meine Ausflüge. Du weißt, ich setze meine Studien fort, indem ich nach wie vor die Universität besuche. Warum gehst Du nicht, anstatt mich mit bitteren Vorwürfen zu über­häufen, mit mir? . . . Warum willst Du in Deinem Alter, mit Deinen Reizen Dich in diese Einöde ver­graben ? Hier verfließt das Leben eintönig und traurig; welches Gesicht bekommen wir hier zu sehen — außer der Fratze des Herrn Bosak? . . . . ä propos, weißt Du, daß dessen Gegenwart anfängt, mir höchst lang­weilig zu werden?"

„Die Anwesenheit Ihres Freundes ist mir angenehm, in unserUi Hause wird Herr Bosak stets willkommen fein," entgegnete Sibilla in entschiedenem Tone.

(Fortsetzung folgt.)

Eine nähere Verbindung zwischen Breslau und Hirschberg würde 8 Millionen kosten und doch nur eine Zeitersparniß von etwa 20 Minuten einbringen; das sei doch die großen Kosten nicht werth.

Auf eine Anregung des Frhrn. v. Duran t erklärt Minister Miquel, der Fonds für Kleinbahnen solle in der Regel nur dann für eine Linie angegriffen werden, wenn diese eine gewisse Rente in Aussicht stelle.

Nach einigen weiteren Erörterungen wird die Eisenbahn- Borlage nebst der Resolution des Abgeordnetenhauses über den Grunderwerb angenommen.

Mittwoch l Uhr (voraussichtlich letzte Sitzung vor Ostern): Antrag Mirbach über die Währungsfrage, kleine Vor­lagen.

Abgeordnetenhaus. — 53. Sitzung vom 2. April, 11 Uhr.

Die zweite Berathung des Gerichtskosten-Gesetzes wird bei § 81 (Gebühren für Erbes-Legitimations-Atteste) fort­gesetzt. Nach längerer Debatte, in welcher Minister Schönstedt aus finanziellen Gründen für die Annahme des vollen Gebührensatzes (der das Doppelte des Gebührensatzes B für Grundbuchsachen beträgt) eintritt, Abg. Kirsch (Centr.) aber im Namen des Centrums die Ablehnung des § 81 ankündigt, falls nicht wenig­stens der Antrag (Sorte (Centr.) angenommen würde, wird dieser Antrag, der den Abzug der gesammten Schuldenlast bei Feststellung des Werthes der Hinterlassenschaft fordert, ange­nommen und außerdem auf Antrag des Abg. Dr. Stephan- Beuthen (Centr.) die Ermäßigung des Gebührensatzes auf die Hälfte beschlossen. Mit diesen Aenderungen wird § 81 angenommen.

In § 84, der die Kosten für das gesammte Erbtheilungs- Verfahren festsetzt, werden auf Antrag der Abgeordneten Dr. Stephan-Äeuthen (Centr.) und Bachmann (nl.) die ver- langten besonderen Gebühren für Vermögens - Verzeichnisse und Schätzungen gestrichen.

§ 105 wird auf Antrag der Abgeordneten (Sorte und Kirsch (Centr.) dahin abgeändert, daß für alle gerichtlichen Geschäfte, für welche anderweit Gebühren nicht festgesetzt sind, drei Zehntheile (statt fünf, welche die Regierungs-Vorlage verlangte) der für Beurtundungen und Bestätigungen vorgeschriebe­nen erhoben werden sollen.

Die übrigen Bestimmungen bleiben unverändert; die Vor­lage ist somit in 2. Lesung angenommen.

In 2. Lesung werden sodann noch die Gebühren-Ord- nung für Notare, diese mit einigen von dem Abgeordn. Dr. Porsch (Centr.) beantragten Aenderungen, und die Ergän­zung der Hinterlegungs-Ordnung angenommen.

Mittwoch 11 Uhr: Kleine Vorlagen, Petitionen.

Stadt, Provinz und Mchbargebiet.

Fulda, 4. April.

* Das Stadtrathsmitglied und Direktor der Brand­kasse zu Kassel, Herr Landesrath Dr. Knorz (geb. Fuldaer), wurde von Herrn Oberbürgermeister Westerburg dort- felbst zum Beigeordneten erwählt und wird die ihm übertragene Funktion am 1. Juni d. I. übernehmen.

* Der heutige .Reichsanzeiger' bringt jetzt amtlich die Nachricht von der Verleihung des Rothen Adler- Ordens vierter Klasse an den Real-Progymnasial-Ober- lehrer Joseph Johannis Hierselbst.

* Herr Baurath Schmalz in Fulda ist zum Re- gierungs- und Baurath ernannt worden.

(*) Im Kathol. Kaufm. Verein hielt vorgestern, nachdem das Winter-Programm leider durch das Hin- fcheiden des hochw. Herrn Regens Dr. Hillenbrand, fowie durch das Unwohlsein des Herrn Kaufmann Künstler längere Störung erlitten hatte, der Vor­sitzende, Herr I. P. Schenk, einen sehr interessanten Vortrag über das Bankwesen. Redner erläuterte erst den Begriff von Banken im Allgemeinen und die Abstammung der Benennung, um sodann auf die Entstehung und geschichtliche Entwickelung der ursprüng­lich dem Geldwechsel und Leihgeschäft dienenden In­stitute überzugehen. Eingehend schilderte er im Weiteren die großartige Entwickelung des Bankwesens der Gegen­wart, die verschiedenen Arten von Bankgeschäften und die einschneidende Bedeutung, welche dieser Geschäfts- Betrieb für Handel und Industrie ebensowohl wie für das Staatsleben und den gesammten internationalen Verkehr erlangt habe. Auf das Einzelne des umfangreichen und sehr instruktiven Vortrages einzugehen, würde zu weit führen und ist nur zu bedauern, daß die jüngeren Mitglieder nicht ausnahmslos zugegen waren, da es für diese von besonderem Werthe war.

* Wie der Frühling kommt, das kann man nun beobachten, und wer ein offenes Auge hat für alle die großen und kleinen Wunder in der freien Gottes­natur, der mag dort Tag für Tag seine rechte Freude haben. Sie regen sich nicht alle mit einem Male auf des jungen Lenzes Geheiß, die Bäume und Sträucher, wenn sein kosender Hauch über sie hinfährt, die Sonne mag wärmen und locken mit ihren glänzenden Strahlen, immer noch sieht's schwarz und grau im Geäst und Gezweig, trocken und kahl, daß man meinen möcht', alles Leben sei erstorben. O weh! Und da schwindet auch schon wieder das Leben spendende und Leben weckende Gestirn droben am Himmel, graue Wolken kommen, der Regen rauscht und mit aller Frühlings­herrlichkeit scheint es urplötzlich wieder vorüber zu sein. Es ist aber doch nur ein Uebergang, die Sonne kommt wieder und wärmt und heizt ein. Im Nu trocknet das nasse Gehölz. Und dann eine kleine Zeitspanne später: Das ist nun aber wirklich der Lenz. Wie sich die Blattknospen dehnen und strecken; die Fülle des winzigen, wunderbar grünen Inhalts will mit aller Gewalt das enge Gehäuse sprengen! Und am trockenen, schwarzen Ast zeigt sich mit einem Male eine kleine, grüne Stelle, zuerst kaum beachtet; am nächsten Morgen sind's schon ein halbes oder ein ganzes Dutzend solcher grüner Tüpfelchen, noch ein paar Tage, und der ganze Strauch schimmert in köstlichem Grün. Mit hinein Male ist das junge Grün, des Frühlings letzter Bote da, und nun gibts