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Letzte Nr. des 1. Quartals
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unterfchrieben. Es arbeiteten im Kampfe gegen die ton- fessionelle Schule die Liberalen dem sozialdemokratischen Kampfe gegen die religiöse Schule überhaupt wirksam und vortheilhaft vor. (Sehr richtig.)
Nun, meine Herren, was heißt für die gegenwärtige Gefell- schafts - Ordnung und in der vollendeten internationale» Gesellschafts-Ordnung der Sozialdemokratie, wo, wie Sie gehört haben, es keinerlei Privatsachen mehr gibt weder am Gebrauchsgut noch an Wertherzeugungs-Mitteln, wo es keine Privatsache in Bezug auf die Person, wo überhaupt nichts mehr privat ist, — was heißt denn da der Satz: „Religion ist Privatsache" ? Entweder es gibt in dieser Gesellschaft überhaupt keine Religion mehr — und dann ist der Satz ehrlich gemeint —, oder da, wo nirgends mehr Privatsache sein darf, da sollst Du, guter deutscher Michel, glauben:- die Religion allein sei Privalsache! und dann ist es in der That die allergewöhnlichste Bauernfängerei. (Heiterkeit.)
Also, meine Herren, wir sind ganz klar darüber und könnten mit den haarsträubendsten Stellen beweisen, daß die sozialdemokratische Wissenschaft schon heute ungefüllt ist von Haß gegen Gott und alles Göttliche; wie es denn Sätze gibt: „Gott ist das größte Uebel in der Welt, darum erklären wir Gott den Krieg," oder: „In der ganzen christlichen Gesellschaft ist der Teufel die einzige anständige Person." (Pfui!) Aber wir wollen darauf nicht näher eingehen, wir wissen klar und bestimmt aus den Aeußerungen ihrer Führer, was Herr Liebknecht offen ausgesprochen hat: Auf die Dauer kann kein überzeugter Sozialdemokrat ein Gottesgläubiger fein. — Das liegt in der Natur dec Sache; die Sozialdemokratie ist wissenschaftlich nur das Kind einer Wissenschaft, die von Gott längst nichts mehr weiß. Wenn aber die Sache so ist, so ist es unwiderleglich klar, daß ein unversöhnlicher Gegensatz zwischen den Katholiken, den bewußten und überzeugten, den freien Katholiken auf der einen Seite, und den bewußten Sozialdemokraten auf der andern Seite besteht; daß da gar keine Möglichkeit der Berständigung und des gemeinsamen Arbeitens vorliegt, daß wir im Gegentheil in dem Augenblicke, wo die Sozialdemokratie uns den Krieg erklärt —
der Natur! (Heiterkeit.)
In der sozialdemokratischen Literatur und in dem stenographischen Berichte über den Parteitag in Halle im Jahre 1890 ist dies hinlänglich erklärt. Auf dem letzteren haben ehrliche Männer verlangt, diefer Satz soll aus dem Programm gestrichen werden, er sei ja doch nichts als Schwindel und Heuchelei. Da haben aber die weisen Männer gesagt: „He, langsam, guter Freund, wir brauchen diesen Satz; wenn wir hinaus aus'» Land gehen, namentlich wenn wir den Krieg in das katholische Lager tragen wollen, da kommen wir mit unserem Atheismus nicht weit; diese katholischen Kreuzköpse verstehen schlechten Spaß (Heiterkeit), und so reden wir am liebsten überhaupt nicht von der Religion, sondern wir sagen ihnen, wir sind eine wirthschaft- liche Partei und wollen euch in der Nothlage eures Erwerbslebens helfen befreien u. s. w." Wenn wir aber fragen, wie im „Faust" Grethchen: „Nun, sag' mir, Heinrich, wie hältst Du es mit der Religion?" so heißt's: „Ach, das steht in unserem Programm, die Religion ist Privatsache, das kann Jeder halten, wie er will." Gewiß, die Religion ist Privatsache.
Wir wollen aber nur zwei Punkte kurz betrachten. In der gegenwärtigen Gesellschaft heißt dieser Satz: „Hinaus mit der Religion aus dem öffentlichen Leben. Die Religion ist Privatsache.'" Kann ein Katholik, ein Centrumsmann sich dabei beruhigen? wir. die wir jahrelang dafür gefochten haben: die
Jede des Aeichstagsaög. Ar. K. Lieöer, gehalte« auf der Versammlung des BolksvereiuS für das kathol. Deutschland
zu Fulda am 25. März 1895.
(Fortsetzung.)
Nun komme ich aber zum dritten Th eil — und das ist für uns Katholiken die Hauptsache — und damit heben wir eigentlich jede Gemeinschaft, jede Möglichkeit der Gemeinschaft zwischen jenen und unseren Bestrebungen aus den Angeln. „Auf demjenigen Gebiete, welches man heute noch das religiöse nennt, erstreben wir," wie Herr Bebel sagt, „den Atheismus." Der Atheismus ist Gottesleugnung. Noch ehe das Wort Atheismus ausgesprochen ist, weiß man, was die Sozialdemokratie von der Religion denkt. Ich will mich deswegen nicht vertiefen in die schrecklichen Ausbrüche des Religions- und Gotteshasses, von denen zahlreiche sozialdemokratische Reden, Manifeste und Schriften strotzen; man könnte stundenlang die haarsträubendsten Dinge daraus vernehmen. Aber während die Sozialdemokratie so offen bekennt: „Die Religion wird verschwinden, das Gebiet, das man heute das religiöse nennt, wird überhaupt den Namen nicht mehr führen; es wird an Stelle der Verbindung des Menschen mit Gott der Atheismus, der Krieg gegen Gott, die Gottlosigkeit treten," ober wie Herr Liebknecht geschmackvoll sich aus- drückt, „die Sozialdemokratie selbst wird die Religion der Zukunft sein," — während die Sozialdemokratie so offen von der Tribüne des Reichstages unter zahlreichen Kundgebungen dieses bekennt, sagt doch ihr Programm: „Die Religion ist Privatsache." — Nun erkläret mir, Graf Orendur, diesen Zwiespalt
und das hat sic in Halle gethan, dort hat sie den Feldzug gegen uns beschlossen — verpflichtet sind, unsererseits uns zur Gegenwehr aufzuraffen, um unsere eigene Ueberzeugung, unser eigenes Wohl, aber auch um das Wohl unseres Vaterlandes, das Wohl des gesammten christlichen Staates und der Gesellschaft zu Der» theidigen.
Gewiß, ich weiß es sehr gut und die Herren, die vor mir gesprochen haben, haben es bestätigt: hier in Fulda ist im Augenblicke keine Gefahr. Aber wir leben nicht hier in Fulda wie auf einer Robinsons-Jnfel, sondern wir leben inmitten eines großen, gewaltigen Vaterlandes, in dem kein einziges Glied leiden kann, ohne daß die Gesammtheit früher oder später leiden werde; darum müssen, wenn auch örtliche Gefahren nicht vorliegen, doch alle Katholiken zusammen stehen. Und das ist der Grund, warum der Bolksverein für das katholische Deutschland zur Bekämpfung dieser Bestrebungen gegründet ist, — für ganz Deutschland und für das katholische insbesondere.
Und nun will ich sagen, ehe ich auf den zweiten Theil übergehe: warum für ganz Deutschland und warum doch für das katholische Deutschland. Darum, weil wir uns nun überzeugt haben, daß der tiefste Gegensatz aus religiösem Gebiete liegt und weil wir wissen, wie es auch der zweite Kanzler des Reichs als Ministerpräsident während des Zedlitz'ichen Schulkampfes auf der Ministerbank ausgesprochen hat: „Es gibt gar keine Religion ohne Konfession", und wenn man die Religion Vertheidigen will gegenüber ihren absoluten Bekämpfern, dann muß man sich auf das Gebiet des bestimmten Bekenntnisses stellen, sonst hat man schon gleich von vorn herein das halbe Schlachtfeld geräumt. Und darum, weil wir dieser Erkenntniß sind, darum sammeln wir unter unseren Fahnen die Katholiken Deutschlands, nicht als ob wir damit gegen die Protestanten, gegen die anderen Gottesgläubigen in Deutschland überhaupt sammelten. Zwar machen sie es uns bitter schwer (Sehr wahr), ihnen gegenüber ruhiges Blut zu behalten; wenn man an die Redensart des Evangelischen Bundes denkt: „Keine Schonzeit für das Schwarzwild" (Pfui), — in Wahrheit, dann wird es uns recht schwer gemacht. Aber wir Katholiken, mir stehen, von allem anderen abgesehen, hoch genug auf der Watte diefer Zeit, um zu wissen, daß die Bedürfnisse ganz andere sind, als daß wir die Zänkereien der letzten drei Jahrhunderte ins Ungemessene fortsetzen. Wir Christen der verschiedenen Bekenntnisse müssen den Gottesglauben selbst zu vettheidigen wissen und wir haben keinen dttngenderen Wunsch, als in diestm letzten entscheidenden Kampfe in unserem Vaterlande alle Gottesgläubige unter unsere Fahnen zu schaaren, um so getrennt zu rnarschiren und vereint zu schlagen. «Bravo!)
Und warum denn für das katholische Deutschland? Wir sehen, daß die sozialdemokratische Internationale nie tagt, ohne daß in rothen Buchstaben über der Rednertribüne die Worte prangen: „Proletarier aller Länder vereinigt euch!" Warum auch nicht: „Katholiken aller Länder vereinigt euch!?" Meine Freunde, das hat einen tieferen Sinn, wie es einen äußerlichen Anlaß hat. Wir haben in Deutschland die best organifirte Sozialdemokratie; darum ist eS eine Ehrenpflicht, daß auch wir das best organifirte Heer gegen die Umsturzbestrebungen aufstellen. Wenn die Sozialdemokratie international ist, so ist es eine besondere Pflicht aller ihrer Gegner, auch das nationale Element in seiner Berechtigung zu vertreten und hoch zu halten. Das ist ein großer Triumph der katholischen Kirche, die, die Welt umfassend, es doch gewußt hat, wie jede persönliche Freiheit, so- auch die Eigenthümlichketten jeder Natton zu schonen, zu pflegen und zu entwickeln und zu einem Großen und Ganzen zusammenzufassen sei. (Bravo!) So ist es denn tief begründet, wenn wir für das katholische Deutschland unseren Verein bildeten.
(Fortsetzung folgt.)
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Deutsches Reich.
Berlin, 29. März.
* Bei dem Präsidium des Reichstags ist ein Schreiben des Oberhofmarschallamts eingegangen, daß der Kaiser das Präsidium gelegentlich eines Diners am 1. April empfangen werde, wozu die Herren Einladungen erhalten.
* Die Sozialdemokraten haben davon Abstand genommen, die „Entrüstungsdepefche" des Kaisers au Bismarck im Reichstage zur Sprache zu dringen.
* Wie über den deutsch-japanische« Handelsvertrag verlautet, ist Deutschland unter der Voraussetzung eines gleichwerthen Entgegenkommens Japans in lariff ragen bereit, auf die Konsulargerichtsbarkeit zu verzichten. Die japanische Regierung zeige Geneigtheit, auf einen Theil der deütfchen Forderungen — über das Abkommen mit England hinaus — einzugehen.
* Das Abgeordnetenhaus wird voraussichtlich am Donnerstag oder Freitag nächster Woche feine Osterferien antreten. Der Reichstag geht, wie bereits mitgetheilt, fchon diesen Samstag in die Ferien. Die Zolltarifnovelle soll erst nach den Ferien zur 2. Lesung gelangen.
* In vielen Städten des deutschen Reiches werden für den verstorbenen Centrums-Veteran Freiherr« vo« Schorlemer-Alst feierliche Gottesdienste abgehalten.
8. Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst. Im Bewußtsein, bei ihren Kunstbestrebuugen auf dem Boden der Kirche zu stehen, hat die Gesellschaft für christliche Kunst durch ihren ersten Präsidenten Dr.
]:[ Die Kanitz-Schlacht.
Nachdem die Konservativen am Donnerstag das preußische Abgeordnetenhaus und den Landwirthschafts- Minister Frhrn. v. Hammerstein so unvermuthet mit dem Antrag Kanitz aus dem Hinterhalt in heftiger Rede-Attaque überfallen hatten, machte man sich darauf gefaßt, daß es in der Hauptschlacht im Reichstage am Freitag sehr heiß hergehen werde. Wider Erwarten war die Temperatur in dieser Sitzung aber sehr gemäßigt. Von Kampfbegier und Kampfeslust war in den Reden der konservativen Redner kaum ein Hauch zu verspüren. Die lange einleitende Rede des Grafen Kanitz war von einer elegischen Klagestimmung beherrscht, bei der es auch einige starke Uebertreibungen absetzte, wie namentlich die, daß beim Begräbniß des Antrages Kanitz die Landwirthe ihre letzte Hoffnung auf Rettung betrauern müßten! Auch die Gegner des Antrages trugen nichts dazu bei, um die allgemeine Stimmung zu beleben. Herr Richter, der sonst so gern jede Gelegenheit ergreift, um gegen die „Agrarier" mit schwerstem Geschütz vorzugehen, nahm am Schluß der Sitzung eigentlich nur „aus Höflichkeit" noch das Wort, um die schleunige Ablehnung des Antrages ohne Kom- missions-Berathung zu empfehlen, da das Jntereffe an der weiteren Verhandlung desselben, nachdem man die ablehnende Stellung der Regierung kenne, völlig erschöpft sei. Gegen den Antrag sprach außerdem der frühere Landwirthschafts-Bündler Uhden, der den Antrag mit unterzeichnet hat — Herr Uhden ist Landrath, sein Abfall sollte den Kanitzern zu denken geben — und der nationalliberale, mit Hilfe der Landwirthschafts-Bündler gewählte Professor Dr. Paasche, der im Namen der großen Mehrheit seiner Fraktion sprach. Ein Centrumsmann hat am Freitag noch nicht gesprochen. Am Samstag wird Graf Galen Namens des Centrums sprechen und sich mit Kommissions- Berathung einverstanden erklären.
Das Centrum ist also so großmüthig, den Kanitzern die bittere Pille zu versüßen. Jedenfalls ist aber der Antrag völlig aussichtslos, mag die Kommission ihn auch noch so eingehend berathen, ja selbst bann, wenn der Antrag, woran freilich nicht zu denken ist, eine Mehrheit fände. Denn Namens der verbündeten Regierungen hat am Freitag der Reichskanzler Fürst Hohenlohe es klipp und klar ausgesprochen, daß die Regierungen dem Anträge keine Folge geben können. Die Gründe hierfür sind bekannt aus den Erörterungen in der Presse, aus den vorjährigen Reichstagsverhandlungen und aus den Beschlüssen des Staatsraths. Mau kann diese Gründe kurz in folgende Formel jufammenfaffen: Der Antrag Kanitz ist undurchführbar, vertragswidrig und fozia- listisch. Die Vertragswidrigkeit des Antrags mußte Graf Kanitz freilich in der Hauptsache zugeben, glaubte über, daß die Vertragsstaaten mit einer entsprechenden Aenderung der Verträge einverstanden fein würden. Und dem Einwande, daß das Prinzip des Antrages ein sozialistisches sei, glaubte er den angeblich anti- sozialistischen Zweck des Antrags entgegensetzen zu können. Nicht auf den Zweck, sondern auf die Wirkung kommt es hier an. Und die würde eben mit tödtlicher Sicherheit die sein, daß bald alle Stände die Ansprüche erheben würden, die Graf Kanitz für die Landwirthe (in Wahrheit auch nur für die Getreide verkaufenden Landwirthe) erhebt, und daß der Staat, wenn er erst einmal den kleinen Finger hätte mit der Monopolisirung der Getreideeinfuhr, sehr bald die ganze Hand ergreifen, d. h. nicht nur den Handel, sondern auch die Produktion, also Ackerbau, Industrie und Handwerk, monopolisiren, d. h. verstaatlichen würde. Dann gäbe es keinen freien Bauer auf eigener Scholle mehr und keinen felbftänbigen Handwerker, überhaupt keine felbftänbige Arbeit mehr: wir alle wären eben einfach Bedienstete des Staates, empfingen unfer zugemesienes Theil an Kost und Kleidung vom Staate und wohnten in den staatlichen Arbeiterkasernen, ohne Freiheit, ohne Familienglück! Wer nicht in diesen Zuchthausstaat sich einsperren will, der muß allen Versuchen widerstreben, die ihn auf solche Wege drängen wollen, die nach dem sozialistischen Zuchthausstaate hinführen. Und ein solcher Weg ist der Antrag Kanitz.
ruhige»? wir, die wir jahrelang dafür gefachten haben: Religion ist öffentliche Angelegenheit, die Religion ist die I tigste aller öffentlichen Angelegenheiten; das gejammte Staatsund Gefellschaftsleben muß, wie auf religiöser Grundlage aufgebaut, so von dieser durchdrungen und getragen sein. Wir Katholiken sollten uns habet beruhigen?! „Nun, die Religion ist Privatsache, darum kümmert sich die Partei nicht", — heraus mit der Religion aus den Staats-Budgets, auch wenn die Zuwendungen für kirchliche Zwecke nur ein magerer Ersatz für die geschluckten Kirchengüter sind! (Heiterkeit.) Heraus mit der Religion aus dein Strafgesetzbuche! Keine Strafe mehr für die Gotteslästerung, vielmehr ungezügelte Schimpf-Freiheit über alles Göttliche und Religiöse. Bor allen Dingen aber heraus mit der Religion aus der Schule schon heute! — Als wir den Zed- litz'schen Schulkampf führten, hat eine sozialdemokratische Vereinigung in meiner Heimath, in der Stadt Wiesbaden, mit dieser ausdrücklichen Erklärung die liberale Adresse gegen den Entwurf
Fill-akrMZkitlllig
mit Unterhaltirngs-Kettage „Sterne und Slumen".