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Beilage zur Mulösev Aeitung.

M 71

Bestellungen

auf die

Juldaer Aeitung

für das am 1. April beginnende

2. Gnartal 1895

wolle man sofort machen, damit in der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintritt.

Der Post-Abonnementspreis auf die ,Fuldaer

Zeitung' mit der illirstrirten Sonntagsbeilage

beträgt pro Quartal nur 1 Mk. 50 Pfg. excl. Be­stellgeld.

Die ,Fuldaer Zeitung^ behandelt die neuesten Tagesfragen in allgemein verständlicher Weife. Die politischen Nachrichten sind kurz und übersichtlich zusammengestellt, den lokalen und provinziellen Vorkommnissen wird große Sorgfalt gewidmet, und auf ein spannendes, sittlich reines Feuilleton besonders Gewicht gelegt. Die

—ü Fuldaer Zeitung

ist unter den in Fulda wöchentlich mehrmals erscheinenden Blät­tern das weitaus gelesenste und eignet sich deshalb auch ganz besonders als Jnsertionsorgan. Anzeigen sind von sicherer Wirksamkeit.

Uri -imMtkidk Mnnmtkn KX<“ tion (Fuldaer Aktiendruckerei, Harmonie) die Postquittung zusenden, die Zeitung vom Tage der Bestellung an bis Ende März unentgeltlich und franko unter Kreuzband.

W* Provenurnrnern MH werden an uns aufgegebene Adressen mehrere Tage kostmlos und portofrei versandt.

IV* Wir laden unsere Leser zu recht zahlreichem Abonnement ein und richten zugleich an sie die Bitte, nns in der Gewinnung neuer Abonnenten durch Empfehlung in Freundeskreisen nach Kräften zu unterstützen.

Fulda, im März 1895.

Redaktion und Verlag der ,Fuldaer Zeitung'.

*** Wochenrundschau.

Frhr. v. Schorlemer-Alst, der durch seine schwere Erkrankung, Lungenentzündung, verhindert worden war, an den Verhandlungen des Staatsraths, dessen Mitglied er war, theilzunehmen, ist am Sonn­tag, wohlvorbereitet durch die Gnadenmittel der Kirche, aus diesem Leben abgeschieden, nachdem er noch auf dem Sterbebette gezeigt, was es heißt: katholisch sein. Er hat katholisch gelebt und ist katholisch gestorben, so hat man mit Recht von ihm gesagt. Die Nachricht von dem Tode dieses „Ritters ohne Furcht und Tadel", des „Reitergenerals aus dem Kulturkämpfe", mit welchen Namen ihn jetzt auch heftige Gegner geehrt haben, ist von allen deutschen Katholiken mit tiefer Trauer vernommen worden. War er in den letzten zehn Jahren seines Lebens auch zuweilen andere Wege gegangen, als das Centrum, so hat doch die allge­meine Trauer um den Tod dieses seltenen Mannes, dieses schneidigen Vorkämpfers der Katholiken im Kultur­kämpfe, bewiesen, daß ihm die Verehrung und Achtung der Katholiken Deutschlands erhalten geblieben ist und stets auch über das Grab hinaus erhalten bleiben wird. Der Widerstreit der Ansichten Schorlemer's mit denen des Centrums bei der Militärvorlage von 1893 hat keine dauernde Entfremdung zur Folge gehabt. Schorlemer blieb einer unserer Führer, er blieb treu der alten Fahne, wie er ja auch selbst als einer der Hauptredner auf der letzten Katholikenversammlung in Köln zum treuen Ausharren bei der alten, glorreichen Fahne aufgefordert hat, die uns von Sieg zu Sieg geführt hat. Auch unsere Gegner konnten diesem ritterlichen Manne ihre Hochachtung nicht versagen; die Nachrufe, welche die gesammte nichtkatholische Presse dem Verewigten widmete, hat es bewiesen. Daß allerseits auch seine glänzenden Verdienste um den deutschen Bauernstand — nicht nur um denjenigen seiner westfälischen Heimath — nach Gebühr gewürdigt wurden, versteht sich von selbst. Diese Ver­dienste des westfälischen „Bauernkönigs", des Be­gründers des so überaus segensreich wirkenden west­fälischen Bauernvereins, mußten auch von jenen Blättern anerkannt werden, die Schorlemer in der letzten Zeit oft genug arg verketzett haben, weil er ein entschiedener Gegner des Antrags Kanitz war. Wir schätzen gerade diese Gegnerschaft Schorlemer's gegen den Antrag Kanitz sehr hoch. Denn Schorlemer steht unter allen Männern, welche stets ein warmes Herz für den Bauernstand und eine klare Einsicht dessen, was dem Bauern frommt und zu­kommt, gehabt haben, an erster? Stelle; umsomehr fällt

Mittwoch, den 27. März 1895.

22. Jahrgang

sein Urtheil über den Antrag Kanitz ins Gewicht. Wenn ein Mann wie Schorlemer den Antrag Kanitz als unheilvoll und unbillig verwarf, dann haben die Leute von der ,Kreuzztg.' kein Recht, uns Mangel an Liebe oder Verständniß für das Gedeihen der Land- wirthschaft vorzuwerfen, weil wir gleich Schorlemer den Antrag Kanitz verwerfen und stets verwerfen werden, mag auch die ,Kreuzztg.' uns verlocken, auf dem Wege des Kuhhandels für den Antrag Kanitz die Annahme des Anttags Heereman auf Wiederherstellung der vor 1870 verfassungsmäßigen Selbständigkeit der katholischen und der evangelischen Kirche einzutauschen.

Wenn die allgemeine Anerkennung der hervor­ragenden Geistes- und Charaktereigenschaften Burgharts von Schorlemer-Alst, wenn ferner die vom Kaiser kundgegebene Theilnahme an dem großen Verluste uns zur hohen Genugthuung gereichen mußte, so mußte das Verhalten einzelner Blätter, insbesondere der bis- marckischen .Hamburger Nachrichten', um so mehr unsere Entrüstung Hervorrufen. Allerdings konnten auch diese die Vorzüge und Verdienste Schorlemer's nicht leugnen, aber sie benutzten die Gelegenheit, um unseren großen Windthorst grundlos in einen häßlichen Gegensatz zu Schorlemer zu stellen und ihm ins Grab noch alle jene aus den schlimmsten Zeiten des Kultur­kampfs bekannten Schmähungen nachzusenden. Und das in einem Augenblicke, wo dieselben Bismärcker alle Minen springen lassen, um uns zur Theilnahme an den Bismarckfestlichkeiten zu verführen! Nein, so ehrvergessen sind wir nicht! Mögen die Bismärcker ihrem Abgott zu Ehren so viel Purzelbäume schlagen, wie sie wollen, wir hindern sie nicht daran, aber uns mögen sie damit verschonen. — Der Reichstagspräsi­dent v. Levetzow benimmt sich übrigens in dieser Angelegenheit recht seltsam. Nachdem seine Bemüh­ungen, „unter der Hand" das Centrum zur Theil­nahme an einer Bismarckhuldigung zu überreden, gescheitert sind, soll er jetzt, wie in parlamentarischen Kreisen erzählt wird, die Absicht haben, am Samstag in der Plenarsitzung eine Beglückwünschung Bismarcks in Anregung zu bringen. Man fragt sich unwillkür­lich: wie kommt der Präsident dazu, wo er doch weiß, daß die Mehrheit des Reichstages nicht für eine Bismarckhuldigung zu haben ist? Das Centrum wird jedenfalls — ebenso wie im Abgeordnetenhause, wo am Samstag gleichfalls der Antrag aus Beglück­wünschung Bismarcks aus der Tagesordnung steht — mit einer kurzen Erklärung seinen ablehnenden Stand­punkt kundgeben. Ein Antrag, gleich dem im Abge- orduetenhause gestellten, müßte daher unbedingt ins Wasser fallen, vorausgesetzt, daß nicht die Bismärcker ungefähr vollzählig, die anderen Parteien aber weniger zahlreich zur Stelle wären. Deshalb ist allen Cen­trumsabgeordneten dringend anzurathen, am Samstag in Berlin zu sein.

Der Reichstag hat in der vergangenen Woche die zweite Etatsberathung fortgesetzt und die Etats der Post- und Telegraphenverwaltung, der Reichsdruckerei, des Auswärtigen Amts und der Schutz­gebiete erledigt. Die Tabaksteuerkommission des Reichstags hat den grundlegenden § 4 der Tabak­steuervorlage mit der großen Mehrheit von 17 gegen 11 Stimmen abgelehnt und damit die Fabrikatsteuer jedenfalls beseiügt. Es ist nicht zu bezweifeln, daß das Plenum des Reichstags dieselbe lobenswerthe Ent­schiedenheit bekunden wird.

Das Abgeordnetenhaus ist mit dem Etat bereits ganz fertig. Auch bei der dritten Etatsberathung hat sich wieder gezeigt, daß Herr Bosse, wie Abg. Dauzenberg mit Recht sagte, zwar stark ist in wohl­wollenden Worten gegen uns Katholiken, aber ebenso stark im Ablehnen unserer berechtigten Wünsche. Nun, Minister sind ja bei uns nichts weniger als ewig, und so wird uns Herr Bosse nicht Übelnehmen können, wenn wir ihm offen sagen, daß er uns gar nicht „imponirt". Die preußische Regierung wird sich mit oder ohne Herrn Bosse endlich doch dazu bequemen müssen, uns gerecht zu werden; in ihrem eigenen In­teresse und im Interesse des Friedens hätten wir nur gewünscht, daß die Regierung uns jetzt schon frei­will i g unser Recht gäbe, nnstatt später gezwungen. — Das Abgeordnetenhaus hat außerdem in erster Lesung die Eisenbah^nvorlage, die wie immer zahllose „Lokalschmerzen" ans Tageslicht brachte, er­ledigt und an die Budgettommission verwiesen. Neu ist in der Vorlage, daß für Staatsunterstützungen zu Kleinbahnbauten 5 Millionen M. ausgeworfen werden.

Im Auslande war die letzte Woche arm an Er­eignissen. Spanien hat sich zu der Aufregung, die der Aufstand auf Kuba hervorgerufen hat, noch den Luxus einer Ministerkrisis geleistet. Der Anlaß derselben zeigt, welche hohe Bedeutung in Spanien der Presse beigemessen wird. Ein Madrider Blatt

Klage nicht!

O schau in deinem Erdenschmerz Jn's fremde Herz hinein!

Vielleicht, du armes, armes Herz, Wirst du dann ruhig sein.

Ein Tröpflein nur vom großen Meer Ward dir, mein Herz, zu Theil; Drum ruhig, klage nicht so sehr, Wer weiß, es birgt dein Heil!

Siehstdu nicht, rote im Erdenthal So manches Auge weint?

Ahnst du es wohl, wie tiefe Qual Aus vielen Herzen scheint?

hatte nämlich einen Tadel gegen einen Theil der spanischen Offiziere ausgesprochen, worauf eine Rotte von Offizieren die Bureaux der Zeitung stürmte und zerstörte. Die Madrider Zeitungen erklärten sich solidarisch und verlangten von dem Kriegsminister Domin-Guez die Bestrafung der Offiziere, andern­falls würden sie über die Parlamentsverhandlungen nicht mehr berichten. Da außerdem sich im Volke großer Unwille gegen die Offiziere regte und Anlaß zu ernst­haften Befürchtungen gab, so ersuchte der Minister­präsident Sagasta den Kriegsminister, die Offiziere zu bestrafen. Dieser aber weigerte sich. Infolgedessen nahm Sagasta mit dem ganzen Ministerium seine Entlassung. Die Königin-Regentin beauftragte zunächst den Marschall Martinez Campos mit der Kabinets- bildung, dieser aber lehnte nach einigem Zögern ab, weil er als Befehlshaber der spanischen Truppen nach Kuba gehen will, und nun ist Sagasta wieder mit der Kabinetsbildung beauftragt, die ihm wohl auch gelingen wird.

Die Japaner rüsten sich zum Angriffe auf die Takn-Forts an der Mündung des Pei-Ho, des Stromes, an dem Peking liegt. Einige ihrer Kriegs­schiffe sind bereits vor Taku erschienen. Daraus er- giebt sich, daß die Japaner in Der That nicht eher Frieden schließen wollen, als bis sie Herren von Peking sind. Solange wird sich also Li-Hung-Tschang, der als Friedensvermittler in Japan eingetroffen ist, gedulden müssen. Andererseits hat es den Anschein, als ob sich die Russen und Engländer demnächst ein- mischen wollten. Die russischen Blätter deuten schon an, daß Rußland nicht zulassen werde, daß die Japaner beim Friedensschlüsse einen Theil des chinesischen Fest­landes sich aneignen.

Vermischtes.

* Wie verlautet, sollen die Amtsanwaltstellen dem­nächst in anderer Weise, als es bisher die Regel war, besetzt werden. Aus dem neuen Etat des Justizressorts ist ersichtlich, daß die Amtsanwälte ständig in die Kategorie der Gerichtsschreiber eingereiht sind, und daß für sie die etatsmäßigen Gehälter der Sekretäre mit einer Funktionszulage von 300 Mk. ausgeworfen sind. Da­mit ist den Subalternbeamten eine Aussicht eröffnet, während bisher die Amtsanwaltsstellen durch anderen Kreisen angehörige Bewerber besetzt wurden. Voraus­sichtlich werden schon vow 1. April an diese Stellen in der oben angedeuteten Weise besetzt werden.

* Vom 1. April d. I. ab werden auf den preuß. Staatseisenbahuen au Stelle der bisherigen allgemeinen Zeitkarten für 1—12 Monate nur noch Zeitkarten für die Dauer eines Kalendermonats (Monatskarten) für die 1. bis 3. Wagenklaffe ausgegeben. Für Angehörige eines und desselben Hausstandes wird eine Fahrpreis­ermäßigung in der Weise gewährt, daß nur für eine Karte (Stammkarte) der volle Monatskartenpreis, für die Karten der übrigen Hausstandsangehörigen (die sogen. Nebenkarten) dagegen nur der halbe Preis er­hoben wird. Der Preisberechnung der Monatskarten wird im Allgemeinen der zwölfte Theil des Preises einer Jahreszeitkarte zu Grunde gelegt. Die bis Ende März d. I. ausgefertigten allgemeinen Zeitkarten werden bis zum Ablauf ihrer Geltung nach den seither gütigen Bestimmungen behandelt.

* In einer Verfügung an die Provinzial - Schul­kollegien gibt der Kultusminister die Anweisung, hin­sichtlich der zum Zwecke der Befreiung von Turn­unterricht seitens der Schüler vorzulegenden ärztlichen Zeugnisse größere Sorgfalt obwalten zu lassen. Halten die Angehörigen eines Schülers für diesen die Be­freiung vom Turnen für geboten, so ist sie bei dem Anstaltsleiter, in der Regel schriftlich, zu beantragen und gleichzeitig — in besonderen Fällen unter Brief­verschluß — das Gutachten eines Arztes, am besten des Hausarztes, vorzulegen, in welchem unter aus­drücklicher Berufung auf eigene Wahrnehmung, nicht aber auf 'Grund bloßer Aussagen der Betheiligten, das Leiden oder Gebrechen angegeben ist, in dem ein Grund für die Befreinnng vom Turnunterrichte über­haupt oder von einzelnen Uebungsarten gesehen wird.