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Freitag, den 22. März 1895
22. Jahrgang
mit Unterhaltrrngs-Kettage „Sterne und Hlrrmen".
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Die ,Fuldaer Zeitung^ beh^rdelt die neuesten Tagesfragen in allgemein verständlicher Weise. Die politischen Nachrichten sind kurz und übersichtlich zusammengestellt, den lokalen und provinziellen Vorkommnissen wird große Sorgfalt gewidmet, und auf ein spannendes, sittlich reines Feuilleton besonders Gewicht
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gelegt. Die
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ist unter den in Fulda wöchentlich mehrmals erscheinenden Blättern das weitaus ge lesen st e und eignet sich deshalb auch ganz besonders als Jnsertionsorgan. Anzeigen sind von sicherer Wirksamkeit.
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Fulda, im März 1895.
Redaktion und Verlag der .Fuldaer Zeitung'.
Deutsches Reich.
Berlin, 20. März.
* Bei den Beisetzungsfeierlichkeiten für den verewigten Frhrn. v. Schorlemer-Alst in Leer wird sich der Kaiser durch den kommandirenven General des "VIT. Armeekorps, Excellenz v. Götze, vertreten lassen.
* Das Beileids-Telegramm der Centrumsfraktion des Abgeorduetenhauses an die freiherrliche Familie von Schorlemer hat folgenden Wortlaut: „Baron Friedrich Schorlemer, Alst bei Horstmar, Westfalen. Tief betrübt durch das Hinscheiden Ihres Herrn Vaters, des Mitbegründers der Fraktion, des tapferen und unermüdlichen Mitkämpfers und vieljährigen verdienstvollen Vorsitzenden, spricht Ihnen und Ihrer Familie die aufrichtigste Theilnahme recht herzlich aus die
Sie rgähimg des Mtngrälm
Roman von H. v. Remagen.
(30. Fortsetzung.)
„Teilweise", erwiderte Sibilla tief bewegt, „nur theilweise. Geld und gute Worte können nicht immer Herzenswunden heilen. Für physische Schmerzen findet sich oft ein Heilmittel, aber was vermag die Schmerzen der Seele zu heilen?"
„Die Vernunft, die Philosophie!"
„Es ist leicht, über die Qualen Anderer zu sprechen . . . . Ich gestehe Ihnen, daß ich diesen Morgen kein einziges Wort des Trostes anbringen konnte bei einer armen jungen Frau, die ich in Amerika gekannt hatte, und die nun, von einer schleichenden Krankheit ergriffen und von geheimnißvollen Seelenqualen verzehrt, hierher zurückgekehrt ist. Ich glaube, daß mehr als alles andere das Heimweh meine arme Freundin aufreibt."
„Woher ist sie denn?" fragte Boto, indem er sich den Anschein gab, als interessire ihn die Erzählung lebhaft.
„Ich glaube aus Frankreich, das heißt von der französischen Grenze, "aus dem Elsaß."
Der Graf von Varges schrack zusammen und wurde todtenbleich.
„Sie wird noch Verwandte dort haben," sagte Boto.
Centrumsfraktion des Hauses der Abgeordneten. Frhr. v. Heereman."
* Die Budgetkommission des Reichstags hat heute die Einnahmen aus den Zöllen um 960,000 M. höher angesetzt, als der Etatsentwurf der Regierung.
* Die auf Mittwoch angesetzte Sitzung der „Nm- sturzkommission", welche die zweite Lesung beginnen sollte, ist auf den nächsten Mittwoch, den 27. d. Mts. hinausgeschoben worden.
* Der Zollbeirath tritt Donnerstag Morgen zusammen, um den Entwurf eines Japanischen Handelsvertrags zu berathen.
* In den maßgebenden Kreisen Berlins, wie die ,Post' in Bestätigung einer Petersburger Meldung hört, ist die Ernennung des Grafen v. Osten-Sacken, derzeitigen russischen Gesandten in München, zum russischen Botschafter in Berlin als unmittelbar bevorstehend anzusehen.
* Die ,Post' kündigt mit großem Auswand von „nationalem" Phrasengeklingel an, daß auch im Reichstage der Antrag auf Beglückwünschung des Fürsten Bismarck gestellt und daß dabei die Haltung jedes einzelnen Abgeordneten durch namentliche Abstimmung öffentlich festgestellt werden soll. Schließlich droht die ,Post' für den Fall der Ablehnung damit, daß die „deutschnationalen Parteien" erwägen würden, ob es dann noch ferner mit ihrer Würde vereinbar sei, im Präsidium des Reichstages vertreten zu sein. Nach dem Verlauf der neulichen Präsidentenkrisis glauben die Herren, das Centrum wohl immerfort mit dem Rücktritt des Herrn v. Levetzow schrecken zu können?! Sie mögen sich vor Enttäuschungen hüten
* Damals und jetzt. Die ,Boss. Ztg.' erinnert daran, daß, als Fürst Bismarck seine Entlassung als Reichskanzler nahm, Niemand in den gesetzgebenden Körpern ihm ein Wort des Dankes und der Bewunderung nachgerufen hat aus denjenigen Kreisen, welche sich nicht genug thun können bei der Geburtstagsfeier. Heute ist die Bewunderung billig; denn heute erregt man damit an entscheidender Stelle keinen Anstoß mehr.
H. Den geistlichen Söhnen des ehrw. P. Libermann, jenen hochverdienten Pionieren der afrikanischen Mission, ist nach langer Verbannung die deutsche Heimath wieder geöffnet; die Kongregation vom hl. Geiste hat die Erlaubniß erhalten, in der alten Abtei Knechtsteden bei Neuß sich häuslich einzurichten und Missionare für Deutsch-Ostafrika heranzubilden. Wir müssen jetzt Hand anlegen, auf daß die neue Niederlassung zu Stande komme. Knechtsteden ist zur Zeit Eigenthum des Kölner Armenfonds, es muß erst angekauft werden, die Gebäude sind Ruinen, sie bedürfen des Ausbaues, theilweise wohl des Neubaues. Dann fehlt noch alles zur inneren, wenn auch noch so bescheidenen Einrichtung und es fehlt an Mitteln zum Unterhalt der Zöglinge, welche die neue Pflanzschule
„Ich weiß es nicht ... Es sind zehn Jahre verflossen, seit die Unglückliche ihr Land verlassen."
„Ihr Name? wie heißt sie, Madame?" fragte Bosak, mit einem Male aus seiner gewohnten Unbeweglichkeit heraustretend.
Sibilla betrachtete, auf's Höchste erstaunt, den Mann, welcher schon so viele Tage mit ihr gespeist hatte, ohne auch nur ein Wort zu sprechen; wie ein Karthäuser hatte er stets geschwiegen, so daß sie ihn schließlich gar nicht mehr beachtet hatte. Als er nun so plötzlich und unvermittelt sich mit seiner Frage an sie wandte, ward sie davon höchst unangenehm berührt und antwortete in unwilligem Tone:
„Ich kann die Schicksale einer Unbekannten erzählen, ohne die der Freundschaft schuldige Rücksicht zu verletzen; allein dem Ersten Besten den Namen der Unglücklichen zu sagen, wäre undelikat."
„Thun Sie, was Ihnen beliebt, Madame," sagte Bosak, erhob sich, machte der Dame eine Verbeugung und verließ langsamen Schrittes den Speisesaal.
„Wer ist das?" fragte Sibilla, mit dem Blicke ihm folgend.
„Ein Mensch mit verdrehtem Gehirn," erwiderte Boto lächelnd. „Er ist ein reicher Gutsbesitzer und nennt sich Bosak. Ich weiß, daß er mich väterlich liebt, und darum ertrage ich seine extravagante Art in Geduld."
aufnehmen soll. Der hochw. Herr P. Acker hat da ein schweres Werk begonnen, um so schwerer, als diese neue deutsche Niederlassung nur auf Deutschlands Katholiken rechnen kann, denn die ohnehin sehr beschränkten Mittel seiner Kongregation werden durch die bekannte großartige Missionsthätigkeit derselben mehr als erschöpfend in Anspruch genommen. Aber das Werk mußte unternommen werden, denn die deutschen Stationen der Kongregation erfordern deutsche Missionare, und zahlreiche deutsche Jünglinge warten schon sehnlichst auf die Eröffnung dieser Anstalt. Seit den 50 Jahren ihres Bestehens hat die so rührige Kongregation, die wohl an tausend Mitglieder zählt, unendlich viel Segen gestiftet. Ihre Wiege stand auf deutschem Boden, vor dem Kulturkämpfe hatte sie Heimathsrechte in Deutschland. Jetzt kommt sie wieder zu uns. Wir begrüßen sie von Herzen, aber thun wir dies besonders dadurch, daß wir ihr zu Hilfe kommen. Die Redaktion der Afrika-Zeitschrift,Kreuz und Schwert' (W. Helmes, Münster i. W.) ist gern bereit, gütige Beiträge weiter zu befördern. Man bemerke dabei: „für Knechtsteden" oder „für die neue Mifsionsanstalt". Als Quittung erhält jeder Wohlthäter entweder das herrliche Gedichtwerk „Afrika" (im Buchhandel 2 Mk.) oder die Broschüre: „Der ehrw. P. Libermann und seine Stiftung, die Kongregation vom hl. Geiste" (Preis 20 Pfg.) franko zugesandt.
* Mit dem Tode des Fürsten Woldemar von Lippe- Detmold ist das Hans Lippe-Detmold int Mannesstamme erloschen. Der Fürst hat mit Rücksicht auf die bestehenden Thronfolgestreitigkeiten bis zu deren Erledigung letztwillig eine Regentschaft eingesetzt, an deren Spitze der Prinz Adolf von Schaumburg-Lippe, Schwager des Kaisers, treten wird.
Ausland.
* Paris, 20. März. Die Verlobung des Herzogs von Aosta mit der Prinzessin Helene von Orleans hat gestern Abend stattgefunden.
* Rom, 20. März. Kardinal Galimberti gab gestern Abend ein Diner zu Ehren des Prinzen Heinrich "VII. Reuß, zu welchem auch die Kardinäle Hohenlohe, Schönborn und Vaughan geladen waren.
* Mailand, 20. März. Infolge der Weigerung der Behörden, bei der stattgehabten Enthüllung des Denkmals der Märzgefallenen auch einen demokratischen Redner sprechen zu lassen, haben die Sozialisten und die Demokraten beschlossen, am nächsten Sonntag eine Extrafeier zu veranstalten. Die Behörden befürchten bei dieser Gelegenheit Unruhen; seit gestern sind sämmt- liche Truppen in den Kasernen konsignirt und heute Nacht traf ein weiteres Regiment aus der Provinz ein.
* Madrid, 20. März. Wie gestern mitgetheilt, ist der spanische Kreuzer „Königin-Regentin" leider ein Opfer des furchtbaren Sturmes geworden, der in der Unglücksnacht vom 10. zum 11. März über das Mittelländische Meer dahinbrauste. Wie viel Menschenleben
„Und Sie lieben ihn wieder?" fragte nun Sibilla.
„Ach ja, ich liebte ihn," antwortete Boto in leidenschaftlichem Tone; „allein seit dem Tage, da ich meinen Fuß in dieses Hotel setzte, gibt es in meinem Herzen keinen Ranm mehr für ein anderes Gefühl als jenes, welches meine Freude und meine Qual, meine Seligkeit und mein Elend bildet!"
„Freude und Qual, Seligkeit und Elend! welche Gegensätze! ... Ich verstehe Sie wirklich nicht," versetzte Sibilla, die Augen niederschlagend.
„Sibilla," entgegnete der Jüngling und ergriff die weiße Hand seiner Nachbarin; „Sibilla, hören Sie mich. Ein armer Student, wie ich bin, verworfen vom Glück, das mir eine böse Stiefmutter war, wage ich es, Sie zu lieben, und Sie wissen es. Ja, mein Blick hat es Ihnen tausendmal gesagt! Ich weiß nichts von Ihnen, Sibilla, nichts, gar nichts; ich kenne Sie kaum, und doch liebe ich Sie, als hätte ich Sie seit einem Jahrhundert geliebt und für ein Lächeln von Ihnen gäbe ich Blut und Leben!"
Sibilla zitterte, ihr Gesicht war todtenbleich; zwei dicke Thronen hingen an ihren Wimpern.
„Sie lieben mich," hauchte sie mit erloschener Stimme, „Sie lieben mich, weil Sie nichts von mir wissen!"
„Ach, ich würde Sie lieben und wären Sie das verworfenste Weib der Welt; ich würde Sie lieben,