67 Donnerstag, den 21. März 1895. 22. Jahrgang
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mit Untrrhaltungs Keilage „Sterne und KInmcn".
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Zur Versammlung in der Turnhalle zu Fulda am 25. März.
Gefährliche Umsturzbestrebungen bedrohen die Ruhe und Ordnung in unserem Vaterlande. Die Sozialdemokratie schürt unaufhörlich die Unzufriedenheit des Volkes; sie verkündet laut, nur von einer „Revolution" aller bestehenden Verhältnisse sei für die arbeitenden Stände eine Besserung ihrer Lage zu erwarten.
Der Königsthron soll gestürzt werden und eine zügellose Volks-Herrschaft an seine Stelle treten. Niemand soll mehr Eigenthum an Hans und Aeckern, Maschinen, Handwerkszeug u. s. w. besitzen. Der sozialdemokratische Volksstaat soll alleiniger Eigen- thümer aller Betriebs- und Arbeitsmittel werden; nach seinen Anordnungen Hal Jeder dann bei ihm zu arbeiten, soviel, tote und wo es ihm befohlen wird. Der Ertrag dieser gemeinsamen Arbeit wird in Gestalt von Lebensmitteln, Kleidung, Genußmitteln von Obrigkeitswegen unter Alle gleichmäßig vertheilt. Dazu führen Mann und Frau keinem" eigenen Haushalt mehr; beide gehen an die gleiche Arbett und erhalten Essen und Trinken nur in großen Staats- speiseanstalten verabreicht; die Schlafstellen werden einem Jeden gerade dort, roo er arbeiten muß, zugewiesen. Die Ehe gilt in dieser neuen Gesellschaftsordnung nickt mehr als unauflöslich; wie man nach seinem Bedünken ohne Geistlichen und Standesbeamten einen „Liebesbund" schließen kann, eben so leicht und so schnell kann man ihn auflösen. „Ist der Eine den Andern leid, so läßt er ihn gehen und nimmt einen Andern!" Die Sorge für die neugeborenen Kinder übernimmt, sobald sie nur die Mutter entbehren können, der „Staat" in großen Erziehungshäusern. Die „Mutter" geht dann wieder an die Arbeit in „Staatstagelohn", den „Vater" kennt man vielleicht gar nicht einmal. Gattenliebe und eheliche Treue bis zum Tode, Eltern- und Kindesliebe, überhaupt ein Familienleben gibt es nicht mehr.
Um einen Gott, um seine Gebote und seine Kirche kümmert man sich gar nicht. Hört nur! „Religion ist Privatsache", so heißt es im Programm der Sozialdemokratie. Das heißt: Es fordert „Abschaffung aller Aufwendungen aus öffentlichen Mitteln zu kirchlichen und religiösen Zwecken." Für Kirchen, christliche Schulen gibt also der sozialdemokratische Staat, dem ja alles Eigenthum an Grund und Boden gehört und der über alle Arbeitskräfte verfügt, weder ein Gebäude noch auch einen Platz, Baumittel oder Arbeiter für einen Neubau her. „Weltlichkeit (d. h. Religionslosigkeit) der Schulen fordert man weiter, und obligatorischen (d. h. Zwangs-)Besuch der öffentlichen religionslosen Volksschulen." Von früh an werden also die Kinder gottlos erzogen, und die Erwach-
ött ErMlmg des kodtengrildtts.
Roman von H. v. Remagen.
(29. Fortsetzung.)
Bruno beobachtete ihn voll des zärtlichsten Mitleids, und um seinen Herrn den ihn bestürmenden schmerzlichen Gedanken zu entreißen, bemerkte er:
„Ich habe die Befehle des Herrn Grafen ausgeführt und Fräulein Waiser begreiflich gemacht, rote nothwendig ihre Gegenwart bei den neuen Lektionen der Kleinen sei."
„Gut ... das Mädchen wird einen vortrefflichen Lehrer haben. Der junge Baron hat ein seltenes Herz und ein nicht gewöhnliches Talent."
UH „Und die Kleine!" rief Bruno in dem zarten Bestreben, die traurigen Gedanken seines Herrn zu verscheuchen; „die Kleine ist ein Wunderkind. Man muß hören, was Fräulein Waiser davon sagt. Euer Gnaden haben ein Werk der Barmherzigkeit, ein überaus verdienstliches Werk gethan, daß Sie das arme Kind den Klauen des Herrn Boto entrissen haben.
Als Bosak den Namen des Studenten hörte, runzelte er die Stirn und verfiel von Neuem in seine düsteren Gedanken. Nach einer Weile befahl er Bruno, unver- i züglich zu dem Juwelier zu gehen, welchem Boto die •
fetten müssen ohne Priester und Gotteshäuser nach religionslosen Staatsgesetzen leben. Wozu das führen soll, hat der Führer der Sozialdemokratie, Bebel, schon am 31. März 1881 im Reichstage ver- rathen. Er sagte da: „Auf dem, was man das religiöse Gebiet nennt, erstreben wir den Atheismus", das heißt auf deutsch: „Die Gottlosigkeit" und noch am 3. Februar 1893 rief er an derselben Stelle aus: „Den Himmel überlassen wir den Engeln und den Spatzen, das ist unser Programm", das heißt: darauf sehen wir es ab.
Dafiir will dann die Sozialdemokratie einen „Himmel auf Erden" schaffen. „Alle Noth," sagt sie, „alle Armuth soll aufhören, Alle werden gleich glücklich sein. Ein Jeder arbeitet und hat die volle Frucht seiner Arbeit. Die Arbeitszeit wird auf das Geringste, 8 oder 6, vielleicht gar bloß 4 Stunden täglich herabgesetzt."
Das sind schöne Versprechungen. Aber kann man sie halten?
Wie soll diese eine große Stackswirthschast, in der 50 Millionen Menschen, über ganz Deutschland zerstreut, die verschiedenartigstenArbeiten: Staatsregierung, Unterricht, Ackerbau, die vielen Arten von ■ Handwerk, Fabrikarbeit u. s. w. in den hunderttausenden - von Städten und Dörfern auf ein Kommando für ein großes Rechnungsbuch pünktlich und sorgfältig verrichten müssen, im Gang gehalten werden? Wie lvill man über alle diese „Staatsarbeiter" genügend Aufsicht üben? Und wer wird Aufseher und wer Untergebener fein? Wer wählt die Direktoren und Meister und stellt dieselben an? Und wird der Einzelne Lust fühlen, sich tagtäglich zu jeder beliebigen Arbeit, heute hierhin, morgen dahin kommandiren zu lassen, wird er noch einen Trieb zu Fleiß und Arbeitsamkeit haben, wenn Jeder, auch der Gescheidteste und Arbeitsamste, doch ein „gleiches Recht" auf denselben Arbeitsertrag hat wie der Langsame und Träge?
Alles das sind berechtigte Fragen, über die man doch erst sichere Auskunft haben will, ehe man Haus und Hof und vor Allem die freie Selbständigkeit daran gibt! Und wie lautet die A u t w o r t darauf? „Nur dogmatische Dickköpfe", „nur Narren können solche Fragen stellen", sagte Liebknecht auf der Partei- Versammlung in Halle, und als man im Februar 1893 während vier Tage im Reichstage sich Mühe gab, eine gerade und klare Antwort herauszubringen, gestand Bebel nach zweistündigem Herumreden um die Sache: „In welcher Art die neue (sozialistische) Gesellschaft in's Leben treten soll, das überlassen wir denen, die alsdann in dem Augenblicke vorhanden sind."
Wissen sie es nicht — oder wollen sie es heute noch nicht sagen, damit Niemand darüber die Freude an dem „Zukunftsstaate" verliere und der rothen Fahne den Rücken kehre?
Jeder Einsichtige muß sich sagen, daß die Menschen ein solches Zwangsleben, wie es sich nach den
Kette verkauft hatte, und das Werthstück um jeden Preis anzukaufen.
Bruno gehorchte und Bosak blieb allein; er schlug ein Buch auf und las, bis es Zeit zum Diner war. Dann begab er sich in den Speisesaal, und, nachdem er, als der Erste, sich zu Tisch gesetzt, bemerkte er Boto, welcher mit gespannter Aufmerksamkeit und nicht geringer Aufregung den Korridor hinabblickte.
Der junge Mann wartete auf Sibilla; klopfenden Herzens sah er dieselbe endlich herankommen, schöner als je, in reichem, aschgrauem Seidengewande, rothe Blumen im Haar und eben eine solche am Busen im Gürtel.
„Danke," sagte sie mit lieblichem, verbindlichem Lächeln zu dem Studenten, „danke für das artige Geschenk. Zwei Bouquets, eines seltener als das andere, an einem Tage, das heißt ein wenig übertreiben."
Boto verneigte sich stillschweigend und bot der schönen jungen Dame den Arm, um sie zur Tafel zu führen.
Hier ließen sie sich neben Einander nieder und wechselten lange Zeit kein Wort; nur ihre Augen redeten, während Bosak, der ihnen gegenüber saß, sie finsteren Blicks, die Lippen zu einem ironischen Lächeln verzogen, beobachtete.
Sibilla aß sehr wenig; man hätte sagen sollen, sie
sozialdemokratischen Programm-Sätzen Herausstellen muß, keine acht Tage aushalten werden, einfach aus dem Grunde, weites der natürlichen Anlage und dem unzerstörbaren Freiheitsdrange des Menschen zuwider ist. Dazu kommt noch, daß Menschen, die an keinen Gott glauben, auch kein Gewissen mehr haben und damit zum Schlimmsten fähig sind, wenn es nur Befriedigung für ihre Leidenschaften und ihren eigenen Nutzen verspricht. Denn wer Gottes Rechte nicht ehrt, der scheut auch nicht die Rechte des Nächsten. | KK «M
Ueberall in den Städten und auch schon auf den Dörfern bemüht sich die Sozialdemokratie, ihre gottlosen und gemeinsckädlichen Lehren bei Jung und Alt unter verführerischen Versprechungen zu verbreiten. Schon hat sie Millionen mit bitterstem Hasse gegen ihre Nebenmenschen erfüllt und hetzt sie unaufhörlich auf zu einem Alles vernichtenden Umsturz. Während wir das Gute erhalten und das Schadhafte ausbessern wollen, will die Sozialdemokratie alles Bestehende in einer Revolution zertrümmern, ohne daß sie etwas Dauerhaftes und Besseres an dessen Stelle zu setzen weiß. Dürfen wir da müßig zusehen, wollen wir das ruhig geschehen lassen?
Niemals!
Wie ein Mann wollen wir uns jenen falschen Bestrebungen entgegenstellen und mit den Waffen der Wahrheit sie bekämpfen. Heerordnung und Kampfmittel soll uns der.Volksverein für das katholische Deutschland liefern.
Hört seinen Wahlspruch: Er kämpft:
Für Gott und seine hl. Kirche! Dem deutschen Volke will er den hl. Glauben und die Freiheit erhalten, christlich leben und sterben zu dürfen. Unsere Gotteshäuser und christlichen Schulen lassen wir uns nicht wegnehmen, von den Sozialdemokraten heute ebensowenig wie früher von dem „Kulturkämpfe."
Für König und Vaterland! Unter dem Herrscher von Gottes Gnaden soll unser staatliches und wirthschaftliches Leben nach christlichem Recht und Gesetz regiert werden. Den gottlosen sozialdemokratischen Zwangsstaat weisen wir alle weit von uns.
Für die christliche Familie und den eigenen häuslichen Herd! Das Heiligthnm der christlichen Ehe soll geschützt, die christliche Familie mit der Vater- und Mutterliebe soll als bester Hort einer guten Erziehung unseren Kindern bewahrt werden. Auf den Armen der lieben und frommen Mutter, auf dem Schooße des guten Vaters sollen unsere Kinder das Glück der Jugend und des Vaterhauses genießen, nicht aber unter der herzlosen „Aufsicht" wildfremder, bezahlter Wärter an einer Staatskrippe aufwachsen müssen! Und frei soll der deutsche Mann sein in seinem eigenen Besitzthume und in seiner felbsterwählten Arbeit. Niemand soll ihm diese Freiheit nehmen.
sei zu einem ganz ätherischen Wesen geworden, das nur zu leben schien, um den Duft der Blüthe einzusaugen, die sie von ihrem Busen genommen hatte und immer wieder zum Näschen führte.
„Diesen Morgen war Ihr Spaziergang sehr kurz," begann endlich Boto, das Schweigen unterbrechend.
„Kurz und traurig," entgegnete Sibilla mit einem Seufzer.
„Das hätte ich nicht gedacht," versetzte Boto in bezeichnendem Tone, „sah ich Sie doch an der Seite eines galanten Kavaliers."
„Des Barous von Hauser", entgegnete Sibilla und sah mit ihren schönen, schmachtenden Äugen in die des Jünglings.
„Eben dieses, Madame."
„O, er ist mein alter Freund."
„Er ist ein schöner junger Mann," entgegnete der Student, und sein Gesicht trug den Ausdruck unverkennbarer Eifersucht.
„Das habe ich nie bemerkt," versetzte Sibilla, „und selbst wenn das geschehen wäre, hätte seine Schönheit durchaus nicht die Traurigkeit meiner Seele verwind ent können, eine Traurigkeit, welche das Unglück einer armen Frau in mir wachgerufen."
„Unglück, welchem Ihr edles Herz zu Hilfe kam," sagte Boto begeistert. (Fortsetzung folgt.)