Einzelbild herunterladen
 

mit Unterhaltrrngs KeUage ^Sterne und Kluwen".

fcMwint tänlto ®wnk und FneNaar auSqenommeit. — Bierteljährlicher ?!6onnement8vrei# ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fuldr und auswärts 1 Mark 50 Pfennig Inserate kosten die einspaltige Aarmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 25. Februar.

* Der Kaiser reist heute Abend zur Beisetzung des verstorbenen Erzherzogs Albrecht nach Wien, wo er morgen früh eintreffen wird.

* Seine Eminenz der hochwürdigste Herr Fürst­bischof Kardinal Kopp hat zum Bau der St. Lnd- wigskirche in Berlin 5000 Mark gespendet. Hoffent­lich erweckt dieses schöne Beispiel recht viele Nachfol­ger, denn wenn dieses Jahr die Kirche nicht gebaut wird, dann geht der Straßburger Platz für die Katho­liken verloren. Es ist also Gefahr im Verzüge!

* Die Angabe der Wiener Blätter, daß anläßlich der Eröffnung des Nordostfeekanals eine Zusammen­kunft des Kaisers mit den Kaisern von Oesterreich und Rußland und dem König von Italien statt­finden werde, findet hier keine Bestätigung. Es wird ihr aber auch nicht direkt widersprochen. Die Eröffnung des Kanals erfolgt erst in etwa vier Monaten und auf so lange hinaus lassen sich derartige Dispositionen nicht treffen.

* Der Centrumsantrag, der zu § 130 der Umsturzvorlage in der Kommission gestellt worden ist, hat, wie vorauszusehen war, nicht nur die liberale Presse aus dem Häuschen gebracht, sondern auch die Begeisterung der mittelpartetlichen Blätter für die Vorlage bedeutend abgekühlt. Bei den Nationalliberalen scheint sie bereits auf dem Ge­frierpunkt angelangt zu fein; wenigstens fchreibt die ,Nat.-Ztg.', ihr Berliner Olgan, heute bereits, der ganze Verlauf der Aktion sei „eine Sa ihre auf den Zweck, Staat und Gefellschaft wirksamer als bisher zu waffnen" und die Frage scheine nachgerade berechtigt, „ob es nicht besser wäre, diese lediglich die Sozialdemokratie ermuthigenden Verhand­lungen abzubrechen und zu warten, bis weitere Erfahrungen das deutsche Volk veranlassen werden, sich eine andere Vertretung zu schaffen." Da wird die ,Nat.-Ztg.' lange warten können! Auch die .Nordd. Allg. Ztgü bekämpft in einem Artikel, der vielleicht offiziös ist, obwohl Herr v. Köller nur seine ,Berl. Korr.' als offiziöses Organ angesehen wissen will, den Antrag des Centrums und schreibt, sie glaube nicht, daß der Antrag eine Mehrheit im Reichstage und, diesen unwahrscheinlichen Fall vorausgesetzt, die Zustimmung der verbündeten Regierungen finden würde. — Sollte dies der Fall fein, so müßte die Regierung selbst die Verantwortung für das Schei­tern der „Umsturzvorlage" auf sich nehmen, denn sie konnte doch nicht voraussehen, daß das Centrum der Bekämpfung des „Umsturzes von unten" zustim­men, den „Umsturz von oben" aber unangetastet lasten würde; Derartiges ließ sich von einer Rechtspartei, die die „oberen" Klassen nicht bester behandeln kann als die unteren, doch nicht erwarten.

* In die 28er Kommission zur Berathung der Tabaksteuer-Vorlage wird das Centrum fol-

pik tzrWmg des NMcngräbers.

Roman von H. v. Remagen.

(11. Fortsetzung.)

„Nun, was hast Du gethan?" fragte Bofak.

„Die Befehle des Herrn Grafen wurden auf das pünktlichste ausgeführt. Die Wittwe erhielt ein an­ständiges Begräbniß. Für Fräulein Müller habe ich eine hübsche Wohnung gefunden, ein paar Zimmer im ersten Stock eines freundlichen Hauses in einer stillen Straße; einige Zimmer im zweiten für den Fall, daß der Herr Graf sich dort aufhalten will. Außerdem ein Speisezimmer im Erdgeschoß und ein hübsches Gärtchen."

„Und die Möbel?"

„Sie sind bereit. Ich habe sie ausgesucht nach dem Gefchmacke des Herrn Grafen, bescheiden und elegant."

„Und dann? ... Ich befahl Dir, mit jener braun­gekleideten Dame zu sprechen, die mir gestern Abend an der runden Tafel gegenüber faß."

„Soeben war ich bei ihr; wie Ihre Gnaden mir befohlen, habe ich, ohne Jemand zu nennen, ihr eine Selle als Erzieherin eines jungen, elternlosen Mäd­chens angeboten."

„Nun, und sie?"

gende Abgeordnete entsenden: Schädler, Reindl, de Witt, v. Arnswaldt-Hardenbostel, Fritzen-Rees, Humann, Wattendorff, Müller-Fulda. Die beiden Ersteren steben auf dem der Vorlage freundlicheren Standpunkte, den Abg. Schädler beider 1 Lessing im Plenum vertrat.

* Die Budget-Kommission des Reichstages hat am Samstag die im Marine-Etat geforderten vier neuen Kreuzer bewilligt, da auch vom Centrum einige Abgeordnete (Dr. Lieber, Dr. Lingens, Prinz Aren- berg, Frhr. v. Buol) für fämmtliche 4 Kreuzer stimm­ten, während die anderen Centrums-Mitglieder unter Führung des Abg. Müller- Fulda nur 3 Kreuzer hat­ten bewilligen wollen. Das Resultat wurde vom Marine- Sekretär Hollmann sofort dem Kaifer tele­graphisch^ mitgetheilt. Ferner genehmigte die Kommission ein Torpedo-Divisions-Boot (1. Rate ’/» Mill. Mk.), lehnte dagegen auf Antrag desAbg. Dr. Lieber die neuen Torpedo-Boote ab (1. Rate 2,4 Mill. Mk.). Genehmigt wurde eine 1. Rate von 1,640,000 Mk. zur Erneuerung von Maschinen und Kesseln der Schiffe der Sachsenklasse. Zur Vergrößerung der Kohlenlager wurden statt der geforderten 650,000 Mk. nur 400,000 Mk. als 1. Rate bewilligt. Das Ordinarium war damit erledigt, worauf auch noch das Extraordinarium(Ausgaben, die durch Anleihen zu decken sind) in Angriff genommen wurde. Ein großes Trockendock zu Kiel (1. Rate 1 Mill. Mk.) wurde auch in diesem Jahre wieder abgelehnt, bewil­ligt dagegen eine 1. Rate von 834,500 Mk. zu einem Beitrag cm Bremen für Ausführung eines Trockendocks. Die Weiterberathung wurde fodann bis nächsten Don­nerstag vertagt.

* Das Centrum hat befchlossen, zur „Finanz- reform"-Borlage folgende Stellung einzunehmen: Es wird sich einer Komm ifsions - Berathung der Vorlage nicht widerfetzen, in der Kommission aber sorg­fältig prüfen, ob unter voller Aufrechterhaltung des söderativenCharakters desReiches und ber Clausula granif en ft ein eine anderweite Ord­nung der Finanz - Verhältnisie möglich ist und behält sich event. die Stellung eigener Anträge zur Wahrung jener Grundsätze vor.

* Während gleich dem hannoverschen Pro­vinziallandtag auch ber westfälische Provinzial­landtag zu der Frage der Landwirthschaftskammern eine zunächst noch ablehnende bezw. abwartende Stellung eingenommen hat, wurde int Provinziallandtage für die Mark Brandenburg die Errichtung einer Land- wirthfchaftskammer für Brandenburg fast einstimmig befürwortet. Die von der Regierung vorgelegten Satz­ungen wurden mit nur geringen Abänderungen in erster Lesung angenommen; wegen des Beschlusses, die Zahl der Mitglieder der Kammer von 109 auf 75 herab­zumindern, muß noch eine zweite Lesung stattfinden. In den nächsten 14 Tagen werden sich die Provinzial­landtage für Ostpreußen, Pofen, Pommern, West­preußen und Schlesien über diese Frage zu entscheiden haben. Die Entscheidung in der Rheinprovinz und dem

„Zuerst erschien sie unentschlossen, ich glaube fast argwöhnisch; aber als ich ihr wiederholte, daß eine mildthätige Person ihr Fräulein Müller anvertrauen wolle, damit sie deren Herz und Gemüth bilde und zur Tugend führe, nahm sie unverzüglich an."

„Gut. Du wirst alles Nöthige für die Aussteuer des Kindes besorgen ... Es ist schon spät; der Vor­abend entflieht; es naht der Jahrestag . . . Laß mich allein."

Der Greis geharschte, und Bosak erhob sich, um mit großen Schritten das Zimmer zu durchmessen.

Die Hände auf dem Rücken, die Blicke auf den Boden geheftet, ging er auf und nieder; fein Gesicht war kalt und unbeweglich wie immer. Seine Wan­derung fetzte er lange fort; er setzte sie fort, bis er den Schlag der Mitternachtsglocke vernahm. Beim Klange derselben erzitterte der Mann mit dem mar- morbleichen Gesicht vom Kopf bis zu den Füßen; ein konvulsisches Röcheln drang aus feiner zusammenge­schnürten Kehle, und schwankend, gebrochen, fiel er wie tobt auf fein Ruhebett.

VI.

Neun Jahre vor jenem Abenb, an welchem Bosak bewußtlos hinfiel, wurde auf einem schönen Landschlosse im Elsaß ein fröhliches Fest begangen; beim Heran­nahen ber Mitternachtsstunde saß man noch versammelt

Regierungsbezirk Wiesbaden wird erst im April er­folgen.

Die Reichs-Einnahme« aus Zöllen und Verbrauchs­steuern belaufen sich für die Zeit vom 1. April 1894 bis Ende Januar 1895 auf insgesammt 536,560,429 Mark (gegen denselben Zeitraum des Vorjahres mehr 30,968,889 Mark). Auch die Einnahmen aus den Stempelsteuern, die Post- und Eisenbahn-Einnahmen weisen durchweg gegen das Vorjahr bedeutende Mehr­erträge auf, so daß die Reichs-Finanzen auch ohne neue Steuern in der günstigsten Lage sich be­finden.

* Das Kriegsministerium hat in einem Erlaß vom 2. d. M., den die demokratische Berliner .Volkszeitung' mitzutheilen in der Sage ist, die Intendanturen ange­wiesen, Arbeiter, Techniker, Schreiber u. s. w., die ihnen als Anhänger der Sozialdemokratie bekannt sind, sofort aus ihren Dienstverhültnisien gegen­über der Militärverwaltung zu entlaffen.

* Erkelenz, 22. Febr. Eine Versammlung von mehr als 100 Landwirthen sprach sich nach eingehender Berathung einstimtnig gegen den Antrag Kunitz und das Getreide-Monopol aus.

* München, 22. Febr. Die Strafkammer hat die von dem Schöffengericht gegen sechs Münchener Redak­teure anläßlich der Fuchsmühler Vorgänge ausge­sprochenen Geldstrafen theilweise verdoppelt, lheilweise verdreifacht. Das Verhör weiterer Entlastungszeugen hatte die 'Strafkammer abgelehnt. Die Berufung war sowohl von dem Amtsanwalt, wie von den Veruttheil- ten eingelegt worden.

* Stuttgart, 26. Febr. Die Centrums Fraktion des württembergischen Landtages hat sich konstitnirt und zum ersten Versitzenden Landrichter Gröber, zum zweiten Landgerichtsrath Dr. Kiene, zum dritten Land­gerichtsrath Nieder gewählt. Der Wahl war voraus­gegangen die Berathung und Beschlußfassung über die Satzungen der württembergischen Centrums-Fraktion. Bei der Präsidentenwahl ber zweiten Kammer würbe Payer (Volkspartei) mit 51 gegen 32 Stimmen gewählt. Die Wahl Payers beruht auf einer Ab­machung zwischen Volkspartei und Centrum.

Ausland.

* Wien, 23. Febr. Auf kaiserlichen Befehl werden an der Eröffnung des Nordostfee-Kanals fünf österreichische Kriegsschiffe unter Führung des Erz­herzogs Karl Stephan theilnehmen.

* Brüssel, 23. Febr. Die Regierung lehnte einen Antrag der Führer ber Kammermehrheit, nach dem dem Kongostaate statt der sofortigen Erwerbung durch Belgien eine neue Unterstützung von 10 Millionen gewährt werden foll, ab.

* Prag, 23. Febr. Die Prager Handelskammer beschloß eine Eingabe an die Regierung, daß diese die Einberufung einer internationalen Konferenz der Vertreter der Zuckerindustrie und der Land­wirt h f ch a f t aus sämmtlichen Rübenzucker produziren- beirn Festmahl. Das Schloß stand inmitten eines sehr dichten Lärchenwaldes und war von einer Mauer um­geben, in ihrem Umkreis freundliche Wiesen, anmutijige Gärten und einen Wildpark in immergrünem Tannen­gehege einschloß.

Ein fröhliches Fest ward begangen, obschon der Himmel rabenschwarz war und Regen androhte, obschon der Sturmwind heulend durch die Bäume fuhr, die schlanken Gipfel bog und die dürren Zweige loS- riß, obschon draußen das entsetzlichste Unwetter tobte.

Drinnen feierte man fröhlich den ersten Jahrestag der Vermählung Friedrich Adam Bosaks, Grafen von Barges, des zweitgeborenen Bruders des Schloßherrn.

Das Fest war mit großem Aufwande von dem Familienhaupte, Graf Ubaldus von Varges, arrangirt worden, welcher feinen jüngeren Bruder, dessen Glück ihm fast wie ein Traum erschien, zärtlich liebte.

Ubald und Friedrich waren feit ihren Jugendjahren verwaist; ein trauriges Ereigniß hatte ihnen Vater und Mutter an einem Tage geraubt, unb das An­denken an dieses Mißgeschick hatte viele Jahre das Herz des Erstgeborenen von Varges verbittert und unauslöschliche Spuren in dem des Zweiten zurückge­lassen.

Graf und Gräfin von Varges waren Muster von Gatten; ihre lebendige, gegenseitige Liebe erlosch nicht