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Veilsge Mv Wulösev Leitung.

46 Sonntag, den 24. Jebruar 1895. , 22. Jahrgang

Kr den Mrad Mn

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Fuldaer Zeitung

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Jas Kreuz.

Asrägst du ein gar schweres Kreuz, Drückt dich sein Gewicht

Hart und bang, so klag es Gott, Klag's den Menschen nichr.

Wer von Menschen kann in's Herz, In's zerriss'ne sehen?

Wer von ihnen kann das Maaß Deines Leids verstehen?

Eh' du fragst, wer's kann verstehen, »frage, wer es will, Frage lieber nicht und trag 's Leid allein und still.

Und ein unverstand'ner Gram

Lastet doppelt schwer, Und ein unverstand'nes Weh Schmerzt unendlich mehr.

Trägst du drum ein schweres Kreuz, Drückt dich sein Gewicht Hart und bang, so klag es Gott, Klag's den Menschen nicht;

Klag's ihm nur. — und glaub': ein wahres, Warmes Herz für deine Noth Und was alles tief dich quält Hat allein nur Gott. Sch.

Hie Erzählung -es To-teugrä-ers.

Roman von H. v. Remagen.

(9. Fortsetzung.)

Boto vermochte kaum das Lachen zu verbergen. Die Grundsätze des Barons kamen ihm vorsündfluth- lich vor.

„Dennoch," sagte der junge Edelmann nach einem Augenblicke des Nachdenkens, „dennoch möchte ich keinen Anlaß zu Verdächtigungen geben; und weil Sibilla Sie interessirt, so hören Sie, was ich Ihnen von ihr sagen kann ... Ich habe sie in Amerika kennen ge­lernt, als ich eines Tages beim Ueberspringen einer hohen Barriere bewußtlos unter mein Pferd fiel. Bei diesem Unfall sah sie mich und ließ mich, von Mitleid gerührt, in ihr Haus tragen. Ich erholte mich schnell, und von jenem Tage an besuchte ich sie ab und zu und nahm mitunter Theil an ihren Vergnügungstouren und geräuschvollen Festen."

„Und machten ihr den Hof," setzte Boto hinzu.

„Nein, durchaus nicht," sagte v. Hauser, die Stirn runzelnd, „nein, durchaus nicht; sie war für mich nie etwas anderes als eine Person, mit welcher mich das edle Gefühl der Dankbarkeit verbindet."

„Aber sagen Sie mir, hat sie keine Verwandten? Warum lebt sie allein?"

„Ich weiß es nicht."

„Ist sie reich?"

„Sehr reich."

„Ist sie noch unverheirathet, oder Wittwe?"

Jakob v. Hauser zuckte mit einer Geberde der Un­geduld die Achseln, zum Zeichen, wie lästig die Fragen des Studenten ihn, seien.

„Ich verstehe, es ärgert Sie, daß ich von ihr spreche," versetzte Boto, in nicht mißzuverstehender Weise den Kopf schüttelnd.

„Es ärgert mich durchaus nicht. Uebrigens denken Sie, was Ihnen beliebt," antwortete Hauser und gab seinem Pferde die Sporen; nachdem er noch eine Weile schweigend in Gesellschaft des Studenten galoppirt war, warf er plötzlich sein Pferd herum und sprengte in einer anderen Richtung davon. Boto galoppirte mit verhängtem Zügel vorwärts; endlich gewahrte er Sibilla von Neuem und eilte ihr fröhlich entgegen.

Der Wagen der jungen Dame hielt in einer schattigen Allee, welche in den von dem Studenten durcheilten Weg mündete.

Boto ließ sein Pferd langsamer laufen und grüßte die Dame; und um seine Geschicklichkeit im Reiten zu zeigen, ließ er den schönen Renner des Herrn Bosak sich mehrmals hoch aufbäumen.

Sibilla stieß bei diesem Anblick einen Schreckens­schrei aus und schloß zitternd die Augen, da sie nicht anders dachte, als der schöne junge Mann würde un­fehlbar abgeworfen.

„Fürchten Sie nichts, mein Fräulein," fügte Boto,

mehr geschmeichelt als erschreckt durch die von der hübschen Dame so lebhaft geäußerte Angst; „dies Pferd ist sehr gelehrig; das gute Thier kennt die es zügelnde Hand wohl und wagt nicht, mit mir zu scherzen."

Und der eitle Jüngling ließ den feurigen Rappen vor dem Wagen voltigiren und hielt ihn dicht an den Rädern desselben an.

„Sie haben da ein prächtiges Pferd," begann Si­billa und streichelte, nachdem sie sich von ihrer Angst erholt, mit ihrer blendend weißen Hand die dunkle Mähne des Rappen.

„Es ist nicht mein, Madame," versetzte Boto und fügte bitter hinzu: „Ich gehöre nicht zu der Zahl jener Bevorzugten, die da Pferde und Wagen besitzen."

„Bevorzugte nennen Sie dieselben?" erwiderte Sibilla seufzend.

„Und sind sie es denn vielleicht nicht, Madame? Ist der Reichthum kein Vorzug? ... Er macht glück­lich . . ."

„Nicht immer," entgegnete Sibilla mit einem neuen Seufzer.

„Immer, Madame, denn er erhebt einen über die­jenigen, welche sich in der großen Masse der Elenden verlieren, er erhebt einen zum Niveau der glücklichen Besitzer der Welt . . . Hätte ich Wagen und Pferde, so könnte ich mich ohne Furcht vor Demüthigung jenen Sympathien hingeben, welche rasch und uuvermuthet, mit der Schnelligkeit des Blitzes das Herz verwunden und in Flammen setzen . ... Ach! immer muß ja ein Augenblick kommen, in welchem die ganze Bitter­keit des eigenen Mißgeschickes auf einem lastet!" E l

Boto besaß wirklich eine raffinirte Schlauheit; er verstand es stets, die günstige Gelegenheit beim Schopf zu ergreifen; und im Nu ward aus einer plötzlichen Idee ein großer, weitaussehender Plan in den gigantisch­sten Proportionen.

Sibilla war reich, jung, schön und unabhängig; sie hatte jedenfalls ein gefühlvolles Herz, und indem er ihr eine tragische Rede vordeklamirte, gelang es ihm vielleicht, sich ihr interessant zu machen und Mitleid einzuflößen, und das war am Ende der Weg, ihre Liebe zu erringen, ja ihre Liebe — zum Trotz einem Jakob v. Hauser, zum Trotz einer ganzen Welt. Da­rum heftet er seinen melancholischen Blick auf sie, und sie erwiderte, ohne die Augen niederzuschlagen, mit erzwungenem Lächeln: „Das Verlangen nach Geld ist kein edles Gefühl."

„Ach denken Sie nicht, in meinem Herzen wohnten niedrige und gemeine Gedanken. Nein, ich möchte reich sein, um lieben zu können."

Sibilla's Züge nahmen den lieblichen Ausdruck eines zarten Mitleids an; dann aber, um das Gespräch abzulenken, bemerkte sie, auf den Horizont deutend: „Welch herrlicher Tag! der Himmel ist heiter, wie an einem milden Sommerabend."

„Es ist ein sehr schöner Tag. Für mich hätte er nicht schöner sein können," setzte Boto hinzu.

„Aber die Luft wird schon kalt; zu kalt für eine arme Kranke, wie ich bin ... . Guten Abend, mein Herr. Ich hoffe, Sie beim Diner wiederzusehen."

Mit diesen Worten reichte Sibilla dem Studenten die Hand und gab dem Kutscher ein Zeichen, umzu­kehren. Allein zurückgeblieben, schaute Boto der in raschem Lauf sich entfernenden Karosse freudig lächelnd nach; sein Herz hüpfte vor Vergnügen, er war mit sich selbst zufrieden; war es ihm ja gelungen, dem Herzen der schönen Dame Interesse für sich einzu­flößen !

„Es wird sich schon machen ... es wird sich schon machen," murmelte er zwischen den Zähnen und sprengte davon. Im Schritte näherte er sich endlich dem großen Hotel. Doch ehe er angelangt war, hielt er still. Jetzt erst fiel ihm Maria Müller oder viel­mehr Theodora ein.

„Mit sechzehn Jahren," sagte er cynisch lächelnd bei sich, „wird sie ein Wunder an Schönheit sein," und ohne Zeit zu verlieren, ließ er sein Pferd schwen­ken und lenkte es nach dem Hause der armen Wittwe.

Es war Abend, als er dort ankam; die Hausthür war angelehnt; kein Lichtsttahl erhellte die Fenster. Das Haus war düster und traurig wie der Tod.

Boto sprang zu Boden, gab die Zügel von Bosaks Pferde einem armen Knaben, den er zufällig sah, in die Hand und schickte sich an, die Treppe hinaufzu­eilen.

Auf der obersten Etage angelangt, klopfte er wie­derholt, niemand öffnete. Er klopfte stärker, verge­bens; endlich hötte er eine heisere Stimme, die ihm von einer unteren Etage ans zurief: „Wer ist da? Wer klopft da so? Was soll der Lärm bedeuten?"

(Fortsetzung folgt.)

Vermischtes.

* Ein Nachtwächter als Mörder. Wegen zehn Kopeken hat der Nachtwächter Katernitschuk in Kryschopol (Rußland) fünf Personen ermordet. Er war mit einer Frau in Streit gerathen, weil sie ihm den kleinen Betrag, den sie ibm Oer» sprachen hatte, nicht geben wollte. Im Verlaufe dieses Streites hat Katernitschuk die Frau mit einer Eisenstange niedergeschlagen, ebenso das zu Hilfe eilende Dienstmädchen. Dann begab sich Katernitschuk in das Zimmer der beiden Pensionäre der Frau und tödtete auch diese, sowie deren Lehrer. Der fünffache Mörder sitzt bereits hinter Schloß und Riegel.

3 Operation Minderjähriger. Das Reichsgericht, III. Straf­senat, hat vor einiger Zeit einen Arzt verurtheilt, weil er an einem siebenjährigen Kinde trotz des bestimmten Widerspruchs des Vaters eine vom ärztlichen Standpunkte aus nothwendige Operation vorgenommen hat. Nach dem Gutachten der Sach­verständigen war das Kind, toelches an tuberkulöser Fußgelenk- Entzündung litt, ohne Vornahme der Operation mit chronischem Siechthum, ja sogar mit dem Tode bedroht. Die Operation hätte indessen, als unmittelbar vor ihr der Vater seinen Einspruch er­neuerte, ohne Schaden für die Kranke auf Tage und Wochen verschoben werden können. Das Ergebniß derselben war das denkbar günstigste. Die Strafkammer hatte den Arzt freigesprochen. Der Berufs-Genossenschaft ist dies Erkenntniß schon des­halb wichtig, weil die Berufs-Genossenschaften in die Lage kom­men können. Minderjährige, ja sogar Kinder (besonders in land- wirthschaftlichen Betrieben) zu entschädigen, und weil jeder Un­fallverletzte oder dessen rechtmäßiger Vertreter die Vornahme einer Operation ohne Beeinträchtigung seines Renten - Anspruches ab­lehnen kann.

* Ein japanesischer Witz. Daß die Japanesen nicht bloß zu Wasser und zu Lande schlagfertig sind, daß sie vielmehr auch durch einen guten Witz ihre Gegner abzuführen verstehen, das zeigte folgende hübsche Geschichte: Nach der Einnahme von Port Arthur baten der britische Admiral Freemantle und sein Stab den japanesischen Admiral Ito um die Ellaubniß, die eroberte Citadelle besichtigen zu dürfen. Die Japanesen waren wüthend gegen die Engländer, die in gewisser Weise die Chinesen unterstützt hatten, indem sie während der Schlacht derart manöve- rirten, daß die Angreifer belästig: wurden. Trotzdem wurde Freemantle's Gesuch freundlich bewilligt. „Sie haben hier eine große Anzahl Siegeszeichen," sagte Freemantle bei der Besichti­gung zum Admiral Ito. „Würden Sie uns nicht eins zur Er- innerung schenken?" — „Sehr gern," antwortete Ito höflich. Und nach Beendigung der Besichtigung ließ er dem Admiral und den englischen Offizieren . je ein Remington-Gewehr als Geschenk überreichen. Man kann sich denken, was für lange Gesichter Freemantle und sein Stab machten, als sie in den Ge­wehren die von England an China verkauften Waf­fen wiedererkannten.

* Etwas vom Aepfelwein. Ueber die französische Aepfelwein-Erzeugung enthält die,Etat. Korr.' einige interessante Angaben. In Frankreich wurden in dem Zeitraum von 1884 bis 1893 im Durchschnitt jährlich 13,419,000 hl Gäbet gewonnen, davon 13,313 hl ausgeführt. Je nach dem Ausfälle der Obst­ernte war der Jahres - Ertrag ungemein verschieden, indem er zwischen 3,701,000 hl und 31,609,000 hl in den Jahren 1889 nnb 1893 schwankte und in der vorbezeichneten Berichrs-Periode Tausende von Hektolitern ergab. 1884: 11,907, 1885: 19,955, 1886: 8301, 1887: 13.437, 1888: 9767, 1889: 3701, 1890: 11,095, 1891: 9280, 1892: 15,141, 1893 : 31,609. Innerhalb der ersten 10 Monate des Jahres 1894 wurde ein Ertrag von 15,541,000 hl ermittelt, der den zehnjährigen Durchschnitt um 2,122,000 hl überstieg, gegen den außergewöhnlich hohen Ertrag des Vorjahres aber um 16,068.000 hl zurückblieb.

* In der Menagerie. Wärter (erklärend): „Ein benga­lischer Tiger, meine Herrschaften, direkt importirt, eines der blutdürstigsten und unerschrockensten Raubthiere ... ach bitte, meine Damen, machen Sie das Thier nicht ängstlich!"

Literarisches.

Grüße aus Nazareth. Jllustrirte Monatsschrift für alle Ver­ehrer der hl. Familie, insbesondere für die Mitglieder des „Allgemeinen Vereins christlicher Familien." Herausgegeben von P. Gr. von Linden, 0. C. Dritter Jahrgang 1895. Heft 2. Jährlich 12 Hefte von min­destens 32 Seiten Text mir zahlreichen Illustrationen zum Preise von nur 1 Mk. 20 Pfg. für den ganzen Jahrgang. Verlag von F. 3c. Le Roux & Co. in Straßburg i. E.

Aus dem reichen Inhalt dieses Heftes heben wir besonders hervor das mit einer ganzseitigen prächtigen Illustration ge- schmückre Gedicht: Ein heiliges Heimsuchen von Cordula Pere- grina, den Artikel „Dienstboten-Elend", der uns zeigt, daß bei dieser Frage hüben und drüben gesündigt wird, sowie den Aufsatz: „Praktisches Mitleid, ein Heilmittel für unsere sozialen liebel“ , dem wir zur Linderung der sozialen Roth die weiteste Verbreitung und — was noch mehr ist — Beher­zigung wünschen. Die „Verordnungen des Hausarztes" (ein in jedem Hefte wiederkehrendes Kapitel) behandeln diesmal „Die Heilung der Diphtherie oder Halsbräune", ein leicht faßlich geschriebener und darum doppelt willkommener Artikel. Die „Haushaktungsschule" bezeichnete Abteilung gibt über die verschiedensten Gegenstände und Bedürfnisse des täglichen Haus­haltens schätzenswerthe, auf sparsame Wirthschaft gerichtete Auf­schlüsse. Kleinere Erzählungen und Mittheilnngen, in denen auch der Humor zu seinem Rechte kommt, bilden den Schluß dieses Heftes.

Wir empfehlen die ,Grüße aus Nazareth' nicht nur allen christlichen Familien zum Abonnement, sondern auch dem Wohlwollen der hochw. katholischen Geistlichkeit, welche, den In­tentionen des heil. Vaters entsprechend, an die Begründung des „Allgemeinen Vereins christlicher Familien" herantritt, ober ben bereits bestehenden Vereinen ein offizielles Vereins-Organ bestim­men will.

Der Postdampfer .Noordland" der „Red Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 20. Februar wohlbehalten in New-Uork angekommen.

Der Dampfer „Pennsylvania" der „Red Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 20. Februar wohlbehalten in Philadelphia angekommen.