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Beilage jux? Mulösev Zeitung.

22. Jahrgang

Sonntag, den 17. Iebruar 1895.

Literarisches.

Pastor bonus. Zeitschrift für kirchliche Wissenschaft und Praxis, herausgegeben von ®r. P. Einig, Professor der Theologie in Trier. Mit bischöfl. Genehmigung. Monatlich erscheint ein Heft in der Stärke von drei Bogen. Preis jährlich 4 Mark. Verlag der Paulinus- Druckerei in Trier.

Inhalt hes 2. Heftes 1895: Bittgebet und Naturgesetz. lProf. Dr. Jos. Pohle.) — Zwei protestantische Stimmen über „Geboren von der Jungfrau". (P. Jos. Knabenbauer, 8. J.) — Maria, aus dem Hause Davids. (Stadtpsarrer Prälat Dr. Keller.) — Eine bedeutsame Schrift eines protestantischen Theologen. (Prof. Dr. P. Einig.) — Bildende Kunst im Dienste des Heiligthums. (Maler Frz. Storno jun.) — Mittheilungen: Die Kanontaseln auf dem Altäre. (Pfarrer I. Menzenbach.) — Die Heranziehung der Wohnung von Geistlichen zur Quar­tierleistung. — lieber das Radfahren der Priester. — lieber die Organisation der österreichischen Sozialdemokratie. — Ein tüch­tiger Lateinkenner. — Alte Oelgemälde zu restauttren. — Glas­fenster und Glasthüren undurchsichttg zu machen. — Anfragen: Malitiosa intentio bei Ehedispensgesuchen. (Pros. Dr. A. Müller.) — Einschaltungen im Rosenkranzgebet. (P. E.) — Bücherschau: Steinhuber, Geschichte des Collegium Gennanicum Hungaricum in Rom. (Seminarregens und Domkapitular Rosentreter.) — Scupoli, Der geistliche Kampf.

Vie Lmhlung des Todteugräbers.

Roman von H. v. Remagen.

(3. Fortsetzung.)

„Boto," hob Maria, die Rechte des Studenten er­greifend, an, „Boto, hören Sie mich . . .Die letzten Worte einer Sterbenden dürfen Sie nicht in den Wind Wagen . . . Der Tod rückt an mich heran, ich fühle es... . Sagen Sie mir, gibt es einen größeren Schmerz als die Qual einer Mutter, welche beim Sterben ihre Tochter allein zurückläßt ohne Glücksgüter, ohne Führer und Befchützer, allein, allein in dieser ver­kehrten und verführerischen Welt? . . .

Boto, im Namen von Allem, was es Heiliges gibt ' im Himmel und auf Erden, im Namen Gottes selbst bitte ich Sie um ein Werk der Barmherzigkeit. Ver­sprechen Sie mir, mich jeden Tag zu besuchen; bald werden Sie mich als Leiche sehen . . . Dann nehmen Sie mein Kind mit sich und bringen es zu Ihrer Schwester; diese wird dem verlassenen Kinde ihren Schutz nicht versagen. Theodora wird ihr nicht zur Last sein, sie wird arbeiten lernen, um sich das täg­liche Brod zu erwerben. Ich verlange nichts, als eine moralische Stütze für sie. O Gott, sollte sie jemals den Weg der Tugend verlassen, so laß sie lieber ster­ben in der Blüthe der Jahre mit dem jungfräulichen Kranze auf dem Haupte; nichts verlange ich für sie, als ein weißes, unbeflecktes Tugendkleid."

Boto hörte die Worte der Unglücklichen zerstreut an und Bosak, unbeweglich wie eine Marmor-Statue, schien weder zu hören noch zu sehen.

„Nun, Boto, kann ich auf Ihre Freundschaft zäh­len? Sie antworten mir nicht. Ach, gütiger Himmel! Ich habe Niemanden auf Erden als Sie," sagte die Leidende und sah den Jüngling flehend an, welcher kalt erwiderte:

„Ja, gewiß, liebe Maria. Obschon ich nur im fünften Grade mit Ihrem Töchterchen verwandt bin, will ich ihm Bruder werden. Doch fprechen wir nicht vom Tode; Sie sind noch sehr jung, Ihre Krankheit wird vergehen."

„Auch ich glaube, daß sie vergehen wird," sagte Maria traurig lächelnd; wir werden zusammen ver­gehen. Ich wünsche jedoch, daß Sie meine Theodora beschützen; sie ist ein verständiges, gefühlvolles und gutes Mädchen."

„Und schön ist sie, schön zum Entzücken!"

„Leider, zu meinem großen Kummer; der Gedanke an ihre Schönheit quält mich und macht mir nicht ge­ringe Sorge."

£ Der Waugraf aus Worden.

Eine Ballade.

(Nachdruck verboten.)

njie man von Schiffern weist, nicht Jeder hat s geseh n, - G Ein'stolzes Schloß von purem Eis hoch an dem Nordpol steh n. -rinrt baust noch jetzt nach Ritterart, wie jüngst uns ward erzählt, E°n alter Raugraf, streng und hart, der Alles drückt und quält. Er rieht weit in das Land hinein und, ohne viel zu spaßen, Fegt Böden er und Keller rein, kann tue vom Raube lassen. Er ist so frostig, ist so steif, führt Eis und Schnee im Wappen, Und Sturm und Hagel, Nebel, Reif sind seine treuen Knappen. Es ftort der Alte, wie man sieht, nichts Freundliches im Schilde, Mit vielen Plagen überzieht er Städte und Gefilde.

Er ist ein unqebet’ner Gast und nirgends wohlgelitten Doch es befreit von seiner Last kein Drohen und fein Bitten. Er reist ganz frei durch alle Welt, darf Alle chikaniren, Zahlt keinen Zoll, noch and'res Geld, läßt keinen Paß titftren. Und fordert doch einmal den Paß die Wache vor den Thoren, So zwickt er sie — das ist kein Spaß'. - - gar hart m Ras und Ohren. Auf Feldern und in Forsten haust er grausam ohne Maßen,, Uebt jeden Frevel aus und schmaust die schönsten Reh' und Hasen. Und schlägt ein wack'rer Jägersmann aus diesen Unheilbringer Entrüstet seine Büchse an, so lähmt er ihm den Finger.

Dem Mütterlein, dem armen Greis, dem Kranken, wie Gesunden, Der sich nicht gut zu schützen weiß, versetzt er schwere Wunden. Er zieht von tausend Blumen gleich, damit man nur sein Treiben Nicht seh'n soll, Allen, arm und reich, Gardinen vor die Scherben. Aus Fluß und Strom, auf Teich und See schlägt er so feste Brücken' Daß die gesammte Reichsarmee hinüber könnte rücken.

Kein Dampfschiff und kein Nachen kann sich dort mehr frei bewegen: Fürwahr, es ist ein harter Mann, der Jedem tritt entgegen! Mißmuth für Mann und Weib und Kind versteht er zu bereiten, Und Wenige auf Erden sind, die nicht darunter leiden. — Es ist nur gut, daß lange nicht die strengen Herrn regieren, Drum muß auch unser Bösewicht bald wieder retiriren.

Denn treibt er's ohne Maaß und Ziel zu lang' mit seinem Spaße, Schlägt ihn mit einem Blüthenstiel ein Jüngling auf die Nase. Er neckt ihn und macht ihm so heiß Mittags und schon am Morgen, Daß zu vergehen ganz in Schweiß, der Graubart muß besorgen. Dann flieht gar schnell der arme Tropf aus Haus und Hofes Pforten Und eilt zurück Hals über Kopf nach feinem rauhen Norden. —

Nach diesen Worten rief die arme Frau Theodora herbei, und während das Kind schüchtern sich näherte, sagte sie zu dem Studenten gewandt: „Ich wünsche, daß Sie Freundschaft mit ihr schließen. Tritt näher, meine Tochter; gib Deinem Vetter die Hand; von heute ab wirst Du ihm in Allem gehorchen müssen."

Bei diesen Worten bewegte Bosak sich heftig und schüttelte den Kopf, unzufrieden mit dem, was Maria Müller sagte und that.

Willst Du mir vertrauen, theure Theodora? fragte Boto, das blonde Haar des Mädchens streichelnd.

„Sie wird es, ohne Zweifel," sagte Maria.

Theodora sah ihren Vetter verstohlen an, lächelte und faßte sich ein Herz, und mit der ganzen Unschuld ihres Alters und mit dem ganzen Ungestüm eines zärt­lichen und keuschen Gemüthes Öffnete sie die Arme und fiel dem Studenten um den Hals.

Bosak sprang auf wie von der Natter gestochen; er kam näher und schleuderte Boto einen grimmigen Blick zu; es schien, als erfülle ihn der Anblick des Gesichtes des Studenten so nahe bei der engelreinen Stirn des Kindes mit Entsetzen.

Maria indessen betrachtete gerührt die schöne Gruppe, welche Boto und Theodora neben einander, beide in der Blüthe der Jugend und Schönheit, bildeten, und versunken in den Anblick der zwei Wesen, welche erst den Lebenspfad hinanzuklimmen begonnen, während ste im Begriffe stand, sich seinent Ziele zu nähern, be­merke sie Bosak's grimmige Blicke nicht.

Auch Boto sah sie nicht, aber sühlte ste instinkt­mäßig; daher machte er sich von der Klemen los; Bosak war inzwischen wieder bei Seite getreten und hatte aus seinem Taschenbuche ein Blatt herausgerissen und einige Zeilen mit dem Stifte darauf geworfen.

„Auf morgen also, liebe Base," sagte Boto, von der Wittwe sich verabschiedend.

„Gott möge Sie segnen!" rief Mana, dem Jüng­ling die Hand bietend.

„Morgen erwarten wir Sie," setzte Theodora ftoh- lich bei.

Aus der Thürschwelle angekommen, machte Boto seinem Reisegefährten eine Verbeugung und ließ ihm den Vortritt; Bosak aber rührte sich nicht, sondern zeigte bloß mit der Hand auf die Thür. So bl,eb er einen Augenblick zurück, drehte sich hastig um und legte unbemerkt Maria die mit Bleistift geschriebenen Zeilen in den Schooß.

„Bringe das Licht her, schnell!" sagte die Mutter, als Theodora zurückkam; und nachdem sie das Blatt entfaltet, las sie die Worte: „Dem Geier die Taube anvertrauen ist Thorheit."

„Kind, gib Dich an die Bereitung des Abend­essens . . . Geh' . . . geh'!" stammelte Maria mit schwacher Stimme. Dann lehnte sie, überwältigt von der heftigsten Gemüthserregung und gepeinigt von den trübsten Gedanken, das müde Haupt auf die Rücklehne des Sesfels und blieb geraume Zeit unbeweglich, wie tobt in dieser Stellung. Nachdem sie ein wenig zu sich gekommen, war sie todtenbleich im Gesichte; alle Hoffnung auf Menschen war für sie dahin; ohne Freund auf Erden wandte sie sich an den ewigen Freund der Leidenden, faltete die Hände und rief aus tiefstem Herzen aus:

„O Du Gott der Elenden, Vater der Waisen, Dir vertraue ich sie an!"

III.

„Ach, wie angenehm ist es, an gutbesetzter Tafel, in blumengefchmücktem, taghell erleuchtetem Saale zu sitzen, gewissen reizenden Gesichtchen gegenüber, welche Einem sofort das Herz erobern!"

So dachte Boto, als er sich an der runden Tafel des großen Hotels zum Diner niederließ. Sein Reise­kleid hatte er gegen eine neue Sammtjacke vertauscht. Seine Augen ließ er rund um sich schweifen, um sie endlich auf dem Gesichte einer bleichen jungen Dame ruhen zu lassen.

Diese bleiche, etwas matt aussehende Dame war äußerst schön und auf's Eleganteste gekleidet. Ihr üppiges, krauses Haar fiel in dichten braunen Flechten, von rothen Bändern durchzogen, auf den Nacken; zwei schwere Brillanten funkelten in ihrem Ohrgehänge, ein kostbarer Edelstein glänzte in dem Ringe an der rechten Hand, und ein seidenes Kleid legte sich um die Taille und fiel in langen, schweren Falten zu Boden.

Nochmals, sie war außerordentlich schön, schöner als man beschreiben kann. Und dennoch, trotz aller Schönheit, flößte chre Erscheinung ein Gefühl peinlichen Mißtrauens ein, ein Gefühl, daß man sich fragen mußte: Wer mag diese Person wohl sein? Warum ist ihr Gesicht bald unschuldig und ernst wie das einer unglücklichen Frau? warum ist bald wieder ihr Blick,

ihr Lächeln, ihre Sprache so wenig passend für em wohlgesittetes und bescheidenes Mädchen?

Sie war nicht verheirathet; ihre ganze Art sich zu kleiden, die Ueberladung, mit der sie sich heraus- mtzte, verriethen es. Allein, mitten unter den Fremden, jatte sie sonst Niemanden bei sich, als einen Bedienten, der steis wie ein Pfahl hinter ihrem Stuhle stand und einen Strauß seltener Blumm in der Hand und einen Zobelpelz auf dem linken Arme trug.

Neben dieser schönen jungen Dame saß eine braun gekleidete Dame in nicht mehr jugendlichen Jahren von nobler Haltung und sanftem, höchst intelligentem Ge­sicht. Auf diese folgte eine zahlreiche englische Familie, welche den halben Tisch einnahm, dann Bosak und Boto. ,,x

Die ersten Schüsseln wurden herumgereicht; die blonden Kinder Albions plauderten in ihrer Mutter­sprache; Bosak sah seinen Teller an und schien in Nachdenken versunken; die Dame mit den rothen Bändern aß nur äußerst wenig und lächelte bald der braungekleideten Dame zu, bald nahm sie dem Be­dienten den Blumenstrauß ab, um dessen Düfte ein­zusaugen oder auch über die Blumen hinweg verstohle­ner Weise dem eitlen Studenten zuzublinzeln, welcher sie mit Augen voll unverhüllter Bewunderung anstarrte.

(Fortsetzung folgt.)

Vermischtes.

* London, 14. Febr. Der Kapitän des in Margate ein' getroffenen Dampfers „Commercial" hat eine Frauenleiche mit einem „Elbe" gezeichneten Rettungsgürtel aufgefunden. Die Leiche st vermuthlich diejenige der Frau Hauptmann Klipsel aus Brandenburg. Bei der Leiche wurde eine auf diesen Namen ausgestellte Fahrkarte erster Klasse Bremen-New Pork, sowie eine beträchtliche Geldsumme vorgefunden.

-n- Ein Mittel gegen erfrorene Glieder dürste sich gegen- wättig' als zeitgemäß erweisen. Mit demselben können nach einer alten Urkunde -nicht nur erfrorene Wangen, Nasen und Ohren, sondern auch Hände und Füße schnell und vollkommen geheilt werden. Es werden 5 bis 6 Theile Kampher-Spiritns und 2 bis 3 Theile Safran-Spiritus untereinander gegossen und damit die erfrorenen Extremitäten mittelst einer Feder täglich 3 bis 4 Mal überstrichen, worauf man den Spiritus an einem warmen Ofen eintrocknen läßt. Am zweiten Tage schon hat das Jucken und die Frostgeschwulst abgenommen, und am dritten, spätestens vierten Tage ist die völlige Heilung zu erwarten, auch wenn der Frost mehrere Jahre vorher stattgefunden hat. Auf gebrochene Froststellen soll man jedoch nicht mit dem vermischten, sondern nur mit dem kühlenden Safran-Spiritus, am Besten aber gar nicht bestreichen, da, wenn die Frostgeschwulst sich gelegt hat, die Wunden sich zusammenziehen und von selbst heilen. Wenn sie sich zusammengezogen haben, ist es rathsam, sie noch mit Safran-Spiritus zu bestreichen. Mit einem Fläschchen des Letz­teren, das nur wenige Groschen kostet, kann man einen ganzen Hausstand von seinen Frostbeulen befreien.

* Chinesisches Geld. Die Kriegsentschädigung, tue China nach Beendigung des Krieges sicherlich an Japan wird zahlen müssen, gibt Anlaß zu mancherlei Gedanken und Riflektionen. Wie und mit welcher Münze soll diese Entschädigung eigentlich bezahlt werden? China hat erst 1890 eine Art Münzsystem ein- geführt, aber das vorhandene Baargeld erweist sich der Quan­tität nach als nicht genügend für die Handelsoperationen des ungeheuren Reiches. Wenn also der feierliche Augenblick der Bußzahlung kommen wird, wird man, da geprägtes Geld nur in kleinen Münzen vorhanden ist, zu den Gold- und Silber- stangen seine Zuflucht nehmen müssen, wie es noch im Innern des Reiches Sitte ist, wo man mit einem Meißel und einem Hammer die Quantität Edelmetall losmacht, die dem Wetthe des gekauften Gegenstandes entspricht. Die Chinesen werden aber schon ein „bischen viel" Goldstangen herbeischaffen müssen, um den Japanern die Entschädigung zu zahlen. Und wahrscheinlich werden sie weder Meißel noch Hammer brauchen, denn die Japaner werden die Stangen wohl „im Ganzen" nehmen.

* Wie soll er's machen? Hauptmann: „Wenn Sie noch einmal den Mund anfthun, fliegen Sie 3 Tage in's Loch! Haben Sie mich verstanden? — Haben Sie mich verstanden? frage ich! Wenn Sie nicht gleich den Mund anflhun, fliegen Sie 3 Tage in's Loch!" t

* Sehr natürlich. „Wie kommt es, Karl, daß Dich Dem Vater so prügelt?" — „Nun, er ist doch stärker als ich!"