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jg 40 Sonntag, den 17. Februar 1895. 22. Jahrgana

FuldaerMZeitiuig

mit Urrtrrhalturlgs-Krttagr „Sterns nnd Klnmen".

Werke» bevorständen und zum Theil bereits begonnen hätten.

* Auf ein neues kleinkalibriges Gewehr scheint folgende Mittheilung, welche den ,Hamb. Nachr.' von „militärischer «Seite“ zugeht, vorbereiten zu wollen: In den Fachkreisen der Militärmächte, welche in dem Zeiträume von 1886 bis 1891 das kleinkalibrige Ge­wehr eingeführt haben, beschäftigt man sich lebhaft mit dem neuesten, von der Steher Waffenfabrik kon- struirten österreichischen Infanterie-Gewehre. Es handelt sich bei demselben um eine Waffe, mit welcher die österreichisch-ungarische Infanterie aus­gerüstet werden soll, sobald die Nachbarmächte das Bedürfniß fühlen, die Bewaffnung ihrer Infanterie zu ändern. Das neue Gewehr hat 5 Millimeter Kaliber und sein Geschoß eine Anfangsgeschwindigkeit von 850 Meter. Seine Flugbahn bestreicht bis aus 1000 Meter einen aufrecht stehenden Infanteristen von 1 Meter 60 Zentimeter Höhe, und innerhalb des Bereiches von 1200 Meter liegen alle Ziele von [ Reiterhöhe im bestrichenen Raum des Gewehrs. Es ! ist selbstverständlich, daß, wenn sich diese Angaben 5 bestätigen sollten, keine der Militärmächte der Ein- ; führung einer so vervollkommneten Infanteriewaffe « widerstreben könnte, sobald eine Mach: damit beginnt. « Bei einer derartigen Rasanz der Flugbahn braucht der i Soldat auf kleine und mittlere Distanzen kein beson- ; deres Visir zu stellen und har die Sicherheit, sein Ziel zu treffen, wenn er nur im Allgemeinen richtig ; auf dasselbe anschlägt. Auf die weiteren Entfern- ' ungen wird das Stellen des VisirS nur bei je 200 \ Meter Distanzvergrößerung nothwendig. Es ist wahr- ■ fcheinlich, daß die Annahme diefes neuen Gewehrs die Einführung der Patrone mit hohleylindrischem Geschoß : im Gefolge haben wird. Diese Patronen haben nur ein geringes Gewicht, da 330 Stück etwa 4 Kilo- gramm wiegen. Die Miliiärbehörden Frankreichs iu- teressiren sich lebhaft für das neue Gewehr, und alle erforderlichen Dispositionen sind bereits getroffen, um im Bedarfsfälle der französischen Infanterie die neue Waffe in die Hand zu geben.

* Breslau, 14. Febr. Der fürstbifchöfliche Kon- sistorialrath Generalvikar a. D. Schumann ist gestern Nacht gestorben.

* Hannover, 14. Febr. Die Errichtung einer Land- wirthschafts-Kammer für die Provinz Hannover wurde vom Provinzial-Laudtage mit großer Majorität ab­gelehnt.

* Köln, 14. Febr. Eine heute im Krystall-Palast tagende Versammlung kathol. Arbeiter Kölns nahm folgende Resolution an: Die Versammlung erblickt in dem Vorschläge der Errichtung einer Versicherungs­kasse gegen Arbeitslosigkeit einen dankens- wertheu Versuch zur Milderung eines der beklagens- werthesten sozialen Nothstände und richtet deshalb, unter Vorbehalt der endgilügen Stellungnahme nach Vorlage des Kassenstatuts, an das verehrliche Stadt- verordneten-Kollegium die Bitte, die Gründung einer solchen Kasse nach Möglichkeit fördern zu wollen. — Der Wittwe Kommerzienrath Dr. Grüneberg wurde der Dank der Versammlung für ihre Gabe von 20,000 M. zur Gründung einer Arbeitslosen-Versiche- rung ausgesprochen.

* Essen, 14. Febr. Der Bochumer Gußstahlverein hat eine Peusions-Wittweu- und Waisenkasse für seine Beamten mit einem Grundvermögen von 700,000 M. gegründet. Die Jahresbeiträge der Mitglieder betragen 32,000 Mk., einschließlich der gleich hohen Beiträge des Bochumer Vereins.

* München, 13. Febr. Vor einiger Zeit wurde in Warschau ein bayerischer Offizier unter dem Verdacht der Spionage verhaftet. Wie glaubwürdig erzählt wird, konnte die bayerische Regierung die Er­klärung an die russische Regierung abgeben, daß der betreffende Offizier einen generellen, irgendwie gearteten Auftrag nicht gehabt habe, daraufhin wurde der Offizier in Freiheit gesetzt.

* Freiburg i. Br., 14. Febr. Der Student der Medizin v. A., Sohn eines Predigers, wurde wegen Kaiserbeleidigung, die in einem Wirthshausge- spräch über den Sang an Aegir gefallen sein soll und von zwei Sergeanten denunzirt wurde, von der Straf­kammer zu 2 Monaten Gefängniß verurtheilt.

* Die Stichwahlen znm württembergischen Landtag sind bis auf die in «Stuttgart (Stadt), wo heute eine

Deutsches Reich.

Berlin, 15. Februar.

* Die „Umsturzkommission“ stimmte heute über 8 112 ab (Verleitung von Militärpersonen). Absatz 1 der Regierungsvorlage wurde angenommen, die Absätze 2 und 3 aber (Verleitung zu Umsturzbestrcbungen) abqelehnt und durch eilten Antrag des Zen­trums ersetzt, welcher die Worte „Umsturz“ und „gegen die bestehende Staatsordnung“ beseitigt und dem Paragraphen überhaupt einen ganz anderen In­halt gibt. Der Paragraph lautet jetzt: „Wer einen Angehörigen des deutschen Heeres oder der kaiserlichen Marine "aufforbert oder anreizt, dem Befehle des Obern nicht Gehorsam zu leisten, wer insbesondere eine Person, welche zum Beurlaubtenstande gehört, auffordert oder anreizt, der Einberufung zum Dienste nicht zu folgen, wird mit Gefängniß bis zu 2 Jahren bestraft. Diese Strafvorschrift findet auch auf Denjeni gen Anwendung, der einen An­gehörigen des Landsturms auffordert oder anreizt, dem Aufrufe nicht Folge zu leisten.“ (Die gesperrten Worte sind neu.) Absatz 2, Ceutrumsautrag: „Wer in der Absicht, die militärische Zucht und Ordnung zu unter­graben, durch Wort, Schrift, Druck oder Bild gegenüber einem Angehörigen des aktiven Heeres oder der aktiven Marine das Heer ober bie Marine ober Einrichtungen betreiben verächtlich macht ober zur Verletzung ber auf bie Verwendung der bewaffneten Diacht im Frieden oder Krieg sich beziehenden militärischen Dienstpflichten aufforbert oder anreizt, wird, soweit nicht das Gesetz eine andere Strafe androht, mit Gefängniß bis zu 3 Jahren be­straft.“ Der so gestaltete Paragraph wird mit 18 gegen 10 Stimmen angenommen.

* Die dritte Lesung des Antrages auf Aufhebung des Jesuitengefetzes wird für die Reichstags-Sitzung vom Mittwoch, 20. d. Mts., auf die Tagesordnung gesetzt werden.

' Die Budgetkommission des Reichstags erledigte gestern die einmaligen Ausgaben des sächsischen Militäretats und wandte sich dann den einmaligen Ausgaben des württembergischen Militäretats zu. Vom sächsischen Etat sind insgesammt 790,850 M. gestrichen worden. Bei dem württembergischen Etat knüpfte sich eine längere Debatte an bie Forderung von 9 Millionen M. für einen Truppenübungsplatz bes württembergischen Korps. Die Referenten Gröber (Zentr.) unb v. Massow (kons.) bemängelten den hohen Preis unb regten an, billigeres Land zu kaufen. Der roürtt. Kriegsminister Schott v. Schottensiein er­widerte, bei weiterem Zuwarten würden die Preise eher steigen als fallen. Wegen Beginn der Plenarsitzung wurde dann die Fortsetzung auf Freitag vertagt.

* Die Zolltarifkommission des Reichstags beendigte gestern zunächst die erste Lesung der Zolltarifnovelle und trat dann in die zweite ein. Nr. 7 (Speiseöle u. s. w. 100 kg 10 M. statt bisher 4 M.) wurde gegen 5 Stimmen angenommen. Der in erster Lesung abge­lehnte Absatz 2 in Nr. 4 (anderer, auch künstlicher Honig 100 kg 30 M.) wurde auf Antrag Pingen (Zentr.) und Gen. mit 14 gegen 5 Stimmen wieder­hergestellt. Mit Rücksicht auf die Erkrankung des Antragstellers Frhrn. v. «Stumm wurde bie Berathung bes Antrags auf Einführung eines Quebrachozolles zurückgestellt.

* Der Kaiser soll in seinem mehrerwähnten Marine- Vortrag bieMittheilung gemacht haben, Krupp habe sich erboten, falls bie bevorstehenben Marine-Vorlagen bewilligt würben, bas Material zu den neu zu er­bauenden Kriegsschiffen zum Selbstkostenpreise zu liefern. Diese Mittheilung wirb von ber ,Halle­schen Zeitung^ bestätigt unb zwar mit bem Hinzufügen, baß für das Anerbieten des Großindustriellen einer® feitS rein patriotische Motive maßgebend seien, anderer­seits aber auch ber Wunsch, bie Beschäftigung auf seinen Werken möglichst in vollem Umfange aufrecht zu erhalten. Die Lage ber deutschen Eisenindustrie fei gegenwärtig eine derartig deprirnirte, daß umfang­reiche Arbeiter entlaffungen fast auf allen

heiße Wahlschlacht zwischen der deutschen Partei und der Sozialdemokratie tobt, vorgenommen. Wir haben von ihnen für das Zentrum, das bei 6 von 26 be- theiligt war, nicht mehr viel erwartet, weil der neuen Partei die mächtige Koalition aller Zentrumsfeinde, der politischen und konfessionellen, gegenüber stand. Um so überraschender ist der bis jetzt bekannte Gewinn von 2 weiteren Sitzen, so daß die neue Partei jetzt 18 gewählte Volksvertreter zählt, wozu noch 2 Privilegirte kommen, der Domkapitular, welcher der Fraktion als Gast beitritt, und der Dekan, zusammen 20 Mitglieder. Die katholischen Minderheitsbezirke Mergentheim und Geislingen senden wieder ihre bisherigen Vertreter, den Ministerpräsidenten Frhrn. v. M i t t n a ch t und den Landgerichtsdirektor, bisherigen Kammerpräsidenten v. H o h l in den Landtag. Beide sind katholisch, konnten sich aber zur Annahme des Zentrumsprogramms nicht entschließen und verdanken ihre Wahl den Protestanten und Volksparteilern (Demokraten). Beide Herren sind nicht der deutschen Partei zuzuzählen, wie der offiziöse Telegraph es thut, sondern gehören der bisherigen Landes-(Regierungs-)Partei an. Die edlen Haußmanns® Demokraten den nach ihrenAeußerungen im tiefsten Sumpf steckenden Regierungskarren schieben zu sehen, war ein köstlicher Anblick. Stets haben die demokrat. Blätter gegen bie Wahl von Ministern zu Abgeorbneten geschrieben, unb jetzt wählen bie charakterfesten Mannen selbst einen solchen Minister unb dazu gerabe beujenigen, dessen Politik ber Beobachter seit Jahrzehnten heruntergesetzt, verbächtigt unb geschmäht, ben Mann, beit er s. Z als „Freiherrn Mittnacht von Löffelstelzen“ verhöhnt hat. Löffelstelzen ist ein kleiner Ort im Mergentheimischen, wo bie Mittnacht zu Hause finb. Frhr. v. Mittnacht vertritt ben Wahlkreis seit 3 Jahrzehnten, steht seit einem Viertel- jahrhunbert an ber Spitze ber württembergischen Regierung unb hatte immer bie mehr ober weniger starke Opposition ber bemokratischen Volkspartei gegen sich, bie bem Lande ben Ruin durch das Mittnacht'sche Regiment in Aussicht stellte, wenn es sich nicht von der allheilenden Volks­partei retten lasse. Jetzt zieht derselbe Mittnacht auf ben Krücken derselben Volkspartei als Abgeordneter wieder in den Halbmondsaal ein. Hut ab vor solchen politi­schen Zharakteren! Die Geislinger Demokraten hoffen wohl, daß die Katholiken als Entgelt für die Unter­stützung des Zentrumsgegners und Regierungs­kandidaten von Hohl den demokratischen Bewerber bei der bevorstehenden Reichstagsersatzwahl in Ulm- Geislingen wählen helfen werden? Da könnten sie sich aber täuschen. In Folge der Wahl von Mittnacht und Hohl ist die bisherige Landespartei von einem am 1. Februar gewählten Mann auf ganze drei: v. Luz, Mittnacht, Hohl gestiegen. Von den Mehr­heitsbezirken sind noch zwei in der Wahl gestanden, Rottweil und Oberndorf, wovon einer fürs Zen­trum gewonnen zu fein scheint, vorausgesetzt, daß nicht im Minderheitsbezirk Künzelsau der Landesparteiler Spieß einem Zentrumskandidaten weichen mußte. Im letzteren Fall wären mit Spaichingen von allen katho­lischen Mehrheitsbezirken nur drei diesmal noch nicht zum Zentrum übergegangen. Hocherfreulich ist der Sieg des Rechtsanwalts Rembold in Hall, Bruders des Reichstagsabgeordneten, über den sozialdemokra­tischen Kandidaten Agster im Bezirk Aalen, trotzdem dieser von der allen Zentrumsfeinden gefälligen Volks­partei unterstützt wurde. In Zannftatt wurde gegen einen Deutschparteiler ein unbedeutender Sozialdemokrat gewählt, ber erste, ber in ben Landtag eintreten wird. In Eßlingen und Stuttgart Amt sind bie sozialdemo­kratischen Kandidaten unterlegen. Im erstgenannten Bezirk wurde ein Deutschparteiler, in letzterem ein Volksparteiler gewählt.

Ausland.

* Lemberg, 14. Febr. Den polnischen Blättern in Warschau schärfte die Zensur-Behörde nachdrücklichst ein, bei Besprechung von deutschen Verhältnissen fortan größtmögliche Zurückhaltung zu üben.

* Bern, 14. Jan. Eine Versammlung von Ver­tretern der katholischen Krankenkassen, welche kürzlich im Züricher katholischen Gesellenhause statt- fand, beschloß einstimmig die Gründung eines Een- tral-Verbandes znm Zwecke einer vermehrten Lei­stungsfähigkeit. Die Zentral - Krankenkasse wurde mit 3000 Mitgliedern als gegründet erklärt. Bei der Ein­richtung derselben handelt es sich darum, sie lebensfähig

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