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Donnerstag, den 14. Februar 1895. 22. Jahrgang

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mit UntrrhaLtrmgs-Kettage „Sterne und Klnwen".

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 12. Februar.

* Der Antrag Friedberg - v. Kardorff - Lieber - Graf Mirbach auf baldige Berufung einer Münzkonserenz ist von 165 Abgeordneten unterzeichnet, nämlich 56 vom Centrum, 52 Konservativen, 21 Nationalliberalen, 26 von der Reichspartei, je 5 Polen und Antisemiten.

* In der heutigen Sitzung der Budgetkommission des Reichstages wurden von den einmaligen Ausgaben der Heeres-Verwaltung, Tit. 45—85, weitere 3,475,600 Mk. gestrichen. — Die „einmaligen Ausgaben des Militär-Etats" wurden am 3. d. M. nicht mit nur 20,000 Mk. Absetzung erledigt. Es wur­den am 8. d. M. die Titel 1—15 berathen und dabei 65,000 Mk. gestrichen, am 9. d. fand dieBerathung der Titel 16—44 statt, wobei 1,365,000 Mk. ge­strichen wurden, jetzt sind noch die Titel 45—170 der einmaligen Ausgaben zu berathen, wobei jedenfalls noch große Streichungen stattfinden werden. Der An­trag Müller-Fulda, als Erlös aus den entbehr­lichen Grundstücken und Gebäuden, von denen ins- gesammt 31,500,000 Mk. vorhanden sind, einstweilen 21/s Millionen als Einnahme in den Gat einzustellen, stützte sich darauf, daß der preußische Eisenbahn-Fiskus ein großes Terrain in Moabit zu erwerben wünscht, welches mit 3,000,000 Mk. abgeschätzt ist und jederzeit verkäuflich ist, dessen Verkauf jedoch unterbleibt, an­scheinend um die Nothwendigkeit neuer Steuern besser zu motiviren. Der Antrag wurde vom Vorsitzenden der Kommission, Herrn v. Kardorff, befürwortet, jedoch mit 15 gegen 11 Stimmen abgelehnt, weil Libe­rale, Deutschkonservative und die Hälfte des Centrums dagegen stimmten. Auf diese Weise wird allerdings künstlich ein größeres Defizit herausgerechnet, um der Tabaksteuer besseren Vorschub zu leisten; es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß gleichwohl noch eine Gleich­stellung der Einnahmen und Ausgaben herbeigeführt werden kann.

* Der Reichstag nahm gestern zunächst die No­velle zum Konsulatsgebührengesetz in dritter Lesung unverändert an und begann sodann die zweite Berath­ung des Etats zunächst mit dem Etat des Reichs­tags. Hierzu lag die von den Abgg. Ancker und Gen. (frs.) beantragte Resolution auf Gewährung von Diäten und Reisekosten an die Abgeordneten vor. Zunächst trat der Abg. Richter dafür ein, daß die Bezeichnung „Reichstagsgebäude" beibehalten und nicht der Eindruck erweckt werde, als ob neben dem Reichstage auch dem Bundesrathe hier ein Hausrecht zustände. Sodann kritisirte Abg. Richter abfällig die Thätigkeit der Reichstagsbaukommission, der er über­haupt die Kompetenz absprach, für die weitere Aus-

Allein.

»♦■teil Roth und Kummer trifft mit schwerer Wucht, Mj Und wen kein Freund emporzurichten sucht, (SsiOM Wem Keiner naht, sich helfend ihm zu weih'n, Der fühlet sich verlassen und allein.

Und wem man trug die Mutter früh zu Grab, Das Heiligste, was ihm der Himmel gab, Wer mißt den Schmerz, wer kann ihm Tröster sein? Wie fühlt er in der Welt sich so allein!

Und wer an Lieb' und Treue je geglaubt,

Und hat man ihm den schönsten Wahn geraubt: O wie das schmerzt, betrogen so zu sein!

Wie fühlt sich seine Seele dann allein!

Doch wer verlor zum Ew'gen das Vertrau'«, Verlernt, als Kind zu ihm emporzuschau'n, Sich windend in des Zweifels irrer Pein,— O gottverlass'nes, furchtbares Allein! — Und sich nicht losringt von der dunklen Macht, Der schreitet tiefer, tiefer in die Nacht, Bis ihm verlischt der Rettung letzter Schein, Ihn bannt ein ewig nagendes Allein. Sch.

Bit tzkWmz des WstMiibns.

Roman von H. v. Remagen.

(Nachdruck verboten.)

Erster Theil.

I.

Es war um die Abenddämmerung in einer ziemlich kalten Gegend, als ich, gestützt auf den Arm meines

schmückung des Reichstagsgebäudes zu sorgen. Nament­lich bemängelte der Redner die dem Charakter des Hauses nicht entsprechenden Embleme u. s. w., welche die Baukommission angebracht, ferner die schlechte Für­sorge für die Journalisten, die weder die Redner gut sehen noch hören können und auch im Verkehr nach der Wandelhalle, dem Drucksachen- und Stenographen- Bureau durch die weiten und umständlichen Wege sehr behindert sind. Alles in Allem wundere er sich, daß die Berichte noch so ausfallen, wie sie ausfallen. Eine Veränderung wäre nöthigenfalls selbst auf Kosten der architektonischen Vorzüge erwünscht. Die Journalisten­tribüne fei doch viel wichtiger als die anderen Tri­bünen, die doch nur der Befriedigung der Neugierde dienen. Staatssekretär v. Bötticher theilt zunächst mit, daß die Einrichtung einer Wohnung für den ersten Beamten des Hauses sich als möglich heraus­gestellt habe, und erkannte dann an, daß das Haus­recht nur dem Präsidenten im Namen des Reichstags zustehe, bemerkte indessen, daß der Bundesrath immerhin ein Verfügungsrecht über die ihm angewiesenen Räume habe, so daß er nicht etwa von dem Präsidenten aus­gewiesen werden könne. Was die Baukommission an­gehe, so sei er nicht futterneidisch, halte es aber für besser, daß die Kommission fortarbeite, wodurch ja den Beschlüssen des Hauses nicht präjudicirt werde. Die Akustik erscheine ihm besser, als im alten Hause, was Mängel an einzelnen Stellen allerdings nicht aus­schließe. Er halte es für richtig, wenn nach Ablauf dieser Session untersucht werde, wo etwa Aenderungen nöthig seien. Abg. Rickert (fr. Vg.) sprach sich hier­auf im Allgemeinen im Sinne des Abg. Richter aus und betonte besonders, daß die Journalisten für die Abgeordneten die Hauptsache seien. Abg. Singer (Soz.) rügt unter Anderen, daß die Kellner in der Restauration des Reichstags auf Trinkgelder angewiesen seien. Abg. Frhr. v. Manteuffel (kons.) brachte hierauf einen skandalösen Vorfall zur Sprache. Wie er erzählte, ist von dem Abg. v. d. Gröben ein an ihn gerichteter Brief kurze Zeit in einem gewissen Raume des Reichstags liegen gelassen worden, war dann nach 10 bis 15 Minuten verschwunden und er­schien dann anderen Tags sofort abgedruckt in dem Leipziger sozialdemokratischen Blatte, dessen Redakteur Dr. Bruno Schönlank, Mitglied des Reichstags ist. Abg. Schönlank suchte sich damit herauszureden, daß der Brief in Abschrift seinem Blatte zugegangen und veröffentlicht worden sei, weil er amtliche Wahl­beeinflussungen im konservativen Interesse betraf. — Der Reichstag erledigte die Etats des Reichstags und des Reichskanzlers und der Reichskanzlei und nahm zu ersterem die von den Freisinnigen beantragte Reso­lution auf Gewährung von Diäten und Reisekosten an die Abgeordneten gegen die Stimmen der Rechten an,

Vaters, die Schwelle eines Kirchhofes überschritt. Plan­los umherschlendernd kamen wir an eine besonders ein­same Stelle, wo über einem, mit Gesträuch und Ros­marin bedeckten Rasen sich ein Marmorstein erhob.

„Das Grabmal hat gar keine Inschrift", sagte mein Vater.

„Es ist verwittert", erwiderte ich und bückte mich wieder, um mit Mühe die Worte zusammen zu buch- stabiren: „Sibilla . . . Boto . . . ewige Ruhe . . ."

„Zwei unbekannte Namen sagen nicht viel", ver­setzte mein Vater.

„Dieser Stein verschließt eine ganze Geschichte, eine entsetzliche Geschichte", warf eine rauhe Stimme, nicht weit von uns, ein.

Verwundert sahen wir uns um; ein alter Mann mit gemüthlichem, dickem Gesicht stand hinter uns; es war der Todtengräber.

„Mein Freund, wir sind neugierig nach Geschichten; könnten wir diese hier nicht von Ihnen erfahren?" fragte mein Vater.

„Warum nicht? Aber sie ist lang, sehr lang; und wo sie erzählen? Die Luft ist kühl und die Nacht rückt heran, und ich wage nicht, das Fräulein in meine Hütte einzuladen. Ich habe eine ganze Bibliothek von seltsamen und wahren Geschichten im Kopfe; wenn ich Zeit hätte! . . . aber des Tags bin ich immer be­schäftigt, und nur des Abends kann ich nach Herzens­lust plaudern."

„Gut, so kommen Sie Abends zu uns; hier ist unsere Adreffe."

nachdem sich außer den Rednern der Linken auch Abg. Dr. Lieber (Ctr.) und die antisemitischen Abgg. Werner und Förster für die Resolution erklärt hatten, die andererseits von den konservativen Abgg. v. Holleuffer und Graf Limburg-Stirum be­kämpft wurde. Beim Etat des Reichskanzlers entspann sich zunächst eine Debatte über den Schutz der Deutschen im Auslande, dann über die Beschränkung der Arbeits­zeit in den Bäckereien, wobei Staatssekretär v. Boet- ti ch er einen diesbezüglichen Gesetzentwurf ankündigte, und endlich auf Anregung des Abg. Richter noch eine längere Erörterung über die Frage der Gegen­zeichnung der kaiserlichen Erlasse. Morgen wird die zweite Etatsberathnng fortgesetzt.

* Das Abgeordnetenhaus, dem ein Antrag Bachem- Roeren (Ctr.) wegen Anlage konfessioneller Begräbnißstätten zugegangen ist, setzte gestern die Berathung des Eisenbahn-Etats fort. Nachdem die noch ausstehenden Einnahmetitel ohne wesentliche Debatte bewilligt waren, brachte Abg. Dr. Lohmann- Hagen (natl.) bei dem Ausgabetttel „Besoldungen" nochmals die Baumeister-Entlassungen zur Sprache, indem er betonte, daß diese Beamten nach den Grund­sätzen der Rechtsprechung einen Anspruch auf dauernde Beschäftigung hätten; und selbst wenn dieser dennoch juristisch zweifelhaft sein könnte, so läge doch eine moralische Verbindlichkeit der Regierung vor. Die Abgg. Wallbrecht (natl.) und Dr. S ch u ltz-Bochum (natl.) beklagten das Ueberwiegen der juristischen Be­amten in der Eisenbahnverwaltung — von den 20 Eisenbahnpräsidenten seien z. B. 17 Juristen — und verlangte volle Gleichstellung der technisch gebildeten Beamten. Am zweckmäßigsten wäre eine besondere Vorbildung für den Eisenbahndienst. Minister Thielen bestritt, daß die Techniker als Beamte 2. Klasse be­trachtet würden, und theilte mit, daß er mit dem Finanzminister wegen Schaffung einer größeren Zahl etatsmäßiger Stellen für die Techniker unterhandle; auch die Idee einer besonderen Fachausbildung sei erwogen worden, doch stellten sich hierbei recht erheb­liche Bedenken heraus. Die entbehrlich gewordenen Baumeister würden anderweit beschäftigt. Gehaltser­höhungen für die Subalternbeamten seien bei der augenblicklichen Finanzlage nicht möglich. — Das Haus erledigte noch das Ordinarium des Eisenbahn­etats ohne erhebliche Debatte und vertagte dann die Weiterberathung auf morgen.

* Der Abg. Liebermann v. Sonnenberg soll den Abg. Böckel wegen dessen Behauptung über Wahl­kreisschacher zum Duell gefordert haben! Heute tritt, so meldet die ,Weserztg.', ein Ehrengericht zusammen. Der Duellblödsinn wird immer toller.

* Ans Westpreußen. An das .Westpr. Volks bl.' hatte ein Abonnent folgende Anfrage gerichtet: „Ist

Der Alte ließ sich nicht vergeblich bitten. Viele interessante Begebenheiten erfuhr ich von ihm; doch seine Erzählungen schlummerten Jahre lang vergessen in mir, und würden noch fortschlummern, wenn nicht die Schreibwuth mich befallen hätte, und da meine Einbildungskraft mir nichts Besseres auszufinden wußte, will ich mich bescheiden, die Erzählung des Todten- gräbers hier wiederzugeben.

Gegen Ende des Jahres* 18 .., in den Vormittags­stunden eines kalten, nebeligen Tages, wanderten zwei Fußgänger einer großen deutschen Stadt zu und durch­schritten eine jener öden Haidegegenden, deren Mono­tonie das Herz mit Trauer erfüllt.

Einige Pflanzen aus der Gattung Steinbrech fristeten den' Wegrändern entlang ein kümmerliches Dasein; sonst bemerkte das Auge nichts bis zum weiten, düstern, bleiernen Horizont!

Der Eine der beiden Wanderer schien ein Student zu sein, der Andere konnte für einen Geologen, Botaniker oder Naturforscher, oder auch für einen schweigsamen Philosophen gelten.

Der Erstere war ein junger Mann mit langem, goldgelbem Haar, groß und schlank von Gestalt. Seine bleichen, aber hübschen Züge hatten etwas von der Schönheit des gefallenen Engels, dessen Antlitz noch einen Strahl seiner ursprünglichen himmlischen Schön­heit bewahrt.

Er trug eine Sammetjacke, eine grüne Halsbinde und auf dem Kopfe ein Barret, gleichfalls von Sammet;