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Mittwoch, den 13. Februar 1895.

22. Jahrgana

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mit Unterhalturlgs-KrUage „Sterne und Ktumen".

Lricbeint täglich Sou»« und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 11. Februar.

* Der protestantische Charakter des Bundes der Landwirthe ist, so schreibt die .Germania', seit Be­gründung dieses Bundes trotz der Proselytenmacherei in katholischen Gegenden immer schärfer hervorgetreten. Wer das Organ des Bundes der Landwirthe, die .Deutsche Tageszeitung', täglich liest, der wird beinahe Tag für Tag Gelegenheit haben, zu bemerken, daß dieses Blatt, welches angeblich die gemeinsamen Interessen der Landwirthschaft und auch des Mittelstandes vertreten soll, nicht nur einseitig prorestantisch, sondern auch geradezu katholiken- feindlich ist. Wir haben schon früher darauf auf­merksam machen müssen, insbesondere, als die .Deutsche Tageszeitung' für Sie Gustav Adolph-Feier in Deutsch­land. zu Ehren des schwedischen Feindes von Kaiser und Reich, Vorspanndienste leistete. Heute liegt uns wieder ein so artiges Pröbchen vor, das den prote­stanrischen Jesuit en haß so sehr hübsch mit einer Verachtung der Katholiken zu verbinden weiß. Die ,Deutsche Tageszeitung', das Organ des Bundes der Landwirthe, lobt nämlich die Schrift von Dr. F. P. Huber: „Mein lltztes Wort über den Jesuitenorden," indem sie schreibt:

Seitdem die Iefuitenfroge wieder eilte brennende geworden ist, wurde soviel darüber geschrieben, daß eine neue Schrift über­flüssig zu sein schien. Doch müssen wir dem Verfasser für seine Gabe dankbar sein. Besonders dankenswert!) ist, daß er die Schriften der Jesuiten selber sprechen läßt und auch sonst werth- volle Dokumente zur Fesuitenfrage beibringt. Huber leistet da­mit nicht nur dem größeren Publikum, sondern auch dem Kenner der Kirchkngeschichte einen Dienst. Sein eigenes Urtheil ist klar und zutreffend. Besonders bemerkenswerth erscheint Abschnitt 7 über „die Affiliationen des Jesuitenordens", worin der Nach­weis geführt wird, daß trotz der äußeren Unterschiede die zahl­losen katholischen Orden und Vereine, die sich seit dem 16. Jahr­hundert gebildet haben, in das Verhältniß einer geistigen Kind­schaft zum Jesuitenorden getreten sind. Vom Geist des Jesuitismus geleitet, verfolgen sie alle denselben Zweck: die Universalherr­schaft des Papstthums. Liest man, was hier unter dem Deck­mantel des Christenthums und „zum größeren Ruhme Gottes" geboten wird, so weiß man nicht, wen man mehr beklagen soll, die Katholik en, die bereits im Banne des Jesuitismus liegen, ober die Protestanten, welche die Gefahren nicht sehen, die ihnen drohen. Nach solchen Schriften, wie die von Huber, ist jeden­falls Unkenntniß keine Entschuldigung mehr.

So, da haben die Katholiken, auch diejenigen, welche dem Bunde der Landwirthe angehören, in dieser Kritik ihren „Lohn" dafür. Ist es nicht wahrhaft rührend, daß die ,Deutsche Tageszeitung' noch nicht weiß, ob sie die Katholiken mehr beklagen soll, die „im Banne des Jesuitismus liegen", oder die Prote­stanten, „welche die Gefahren des Jesuitismus nicht sehen?" Die protestantischen Redakteure der,Deutschen Tagesztg.' und die protestantischen Häupter des Bundes der Landwirthe sollten doch nachgerade sich weniger vor den Gefahren des Jesuitismus als vielmehr vor dem Fluche der Lächerlichkeit fürchten, dem sie in katholischen Kreisen mit solchen absurden Bemerkungen und Betrachtungen anheimfallen müssen.

Gustav Adolph-Verein - Somfatins-Verein.

Nachklänge zum Schwe»,».z«biläum.

(Schluß.)

Es würde zu weit führen, die interessante Geschichte und Entwickelung des Bonisatiusvereins eingehender zu schildern. Niemals aber hat der Bonifatiusverein sich in protestantische Angelegenheiten gemischt, seine Vereins­sprache ist jene der christlichen Liebe und Duldung; es gibt im Bonifatiusverein keine Hetzreden, man sucht vergebens nach Streitschriften mit kriegerischen Manifesten; „überall ist Glaube, Friede und Liebe der belebende Hauch für seine wahrhaft christl. Thätigkeit." Tie Organisation ist in großen Zügen folgende: An der Spitze steht der Generalvorstand, der seinen Sitz in Paderborn hat, Präsident ist gegenwärtig Freiherr v. Wendt. In den einzelnen Diözesen wird der Verein durch ein Diözesankomitee verwaltet, dem die in den einzelnen Gemeinden bestehenden Einigungen unterstellt sind. Auch akademische Bonifatiusvereine haben sich an den Hochschulen und Seminarien ge­bildet, und ihre Mitglieder werden sich bemühen, die Liebe und Begeisterung für das Werk des hl. Boni­fatius in ihren späteren Lebensstellungen auch in weitere Kreise zu tragen. Die Einnahmen haben sich besonders in letzter Zeit in der erfreulichsten Weise

* Die Anschwellung des Pensiousetats der Mili­tärverwaltung erklärt sich aus den massenhaften Ver­abschiedungen bei den höheren Offizieren. Seit der letzten am 24. Mai 1894 abschließenden Rangliste sind nach der Zusammenstellung der ,Voss. Ztg.' in der Generalität 4 Generale der Infanterie, 10 General­lieutenants und 19 Generalmajors; bei der Infanterie 38 Obersten, 12 Oberstlieutenants, 56 Majors; bei der Kavallerie 6 Obersten, 7 Oberstlieutenants, 15 Majors; bei der Feldartillerie 4 Obersten, 5 Oberst­lieutenants und 15 Majors; bei der Fußartillerie 2 Obersten, 1 Oberstlieutenant und 13 Majors; beim Jngenieurkorps 5 Obersten, 2 Oberstlieutenants und 11 Majors; endlich beim Train 5 Majors in Folge Abganges ersetzt worden. Alles Männer im kräftig st enAlter. Bis zum Erscheinen der nächsten Rangliste im Mai aber steht, wie in militärischen Kreisen verlautet, noch ein größerer Schub als der­jenige des Vorjahres bevor; ungefähr ein Drittel der vorhandenen Generale und eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Regimentskommandeuren soll noch beseitigt werden.

* Wie die .Post' von gutunterrichteter Seite hört, ist der Gesetzentwurf betreffend die Abänderung des BranntwcinsteuergesetzeS vom 24. Juni 1887 nunmehr sertiggestellt. Der Bundesrach dürfte sich in der nächsten Sitzung damit beschäftigen.

* Dem Reichstag wird, der .Kreuzztg.' zufolge, ein von dem größten Theile der Mitglieder der Kon­servativen, der Reichspartei, des Centrums und der Nationalliberalen unterstützter Antrag der Abgg. Dr. Friedberg (natl.), v. Kardorff (Rp.), Dr. Lieber (Centr.), Graf v. Mirbach (kons.) zugehen: Der Reichstag wolle beschließen: „An die Verb. Regierungen das Ersuchen zu richten, dieselben wollen baldthunlichst Einladungen zu einer Münzkonferenz ergehen lassen behufs internationaler Regelung der Währungsfrage."

* Die Justizkommission des Reichstags hat die Verweisung des Meineides vor die Strafkammern mit 14 gegen 8 Stimmen angenommen.

* Die Budgctkommission des Reichstags hat am Samstag folgende Abstriche am Militäretat vorgenommcn: 200 000 M. für eine Gardeinfanterie­kaserne in Berlin, 2000 M. 1. Rate für die Baulich­keiten für ein Eisenbahnregiment zu Berlin, 180 000 M. für eine 2. Garnison-Waschanstalt zu Berlin, 58 000 M. für ein Kommandantengebäude auf den Schießplätze von Arys, 50 000 M. für ein Gebäude zu Tilsit (bewilligt wurden 54 785 M. statt 104 785 30?.), 400 000 M. zu einer Kaserne in Brandenburg, 15 000 M 1. Rate für eine Kaserne in Halberstadt, 150 000 M. für eine Kaserne tn Torgau (1. Rate), 100 000 M. 2. Rate für eine Waschanstalt in Posen, 200 000 M. für eine Kaserne in Schweidnitz und 10 000 M. 1. Rate für eine Garnison-Simultankirche in Düsseldorf.

* Abg. 9? c er en (Centr.) hat mit Unterstützung von Mitgliedern der Rechten, des Centrums und der

vermehrt. Im Jahre 1883 beliefen sich dieselben auf 741,599 Mk.; 488 Gemeinden erhielten Unterstützungen. Der Rechenschaftsbericht von 1893 zeigt folgendes Bild: Einnahme 1,750,085, Kassenbeftand von 1892 710,837 Mk , zusammen 2,460,923 Mk. Ausgabe: 1,734,283 Mk., es verblieben also 726,639 Mk. Davon wurden unterstützt 644 Misfioitsstellen. Die Ein­nahmen des Bonisatiusvereins stehen somit nicht zurück gegen die Einnahmen des Gustav Adolph-Vereins (lj830,135), obwohl das Gegentheil mit Rücksicht auf den Unterschied in den Bevölkerungsverhältnissen Deutschlands von 32 Mill. Protestanten zu 18 Mill. Katholiken begreiflich wäre. Auch darf man nicht übersehen die große Anzahl protestantischer Fürsten­häuser, die verhältnrßmäßig größere Armuth der Katho­liken, die finanziellen Folgen der sogenannten „Parität" die kaholische Beamte vor großen Gehältern bewahren! Auch ist Bayern dem Bonifatiusverein wegen des dort bestehenden Ludw ig-Missio ns-Vereins größtentheils verschlossen. (Der Kuriosität halber sei daran erinnert, daß eine von den bayerischen Bischöfen für den Bonifatiusverein verordnete Kirchenkollekte von der bayerischen Regierung, als Fürst Hohenlohe — der jetzige Reichskanzer — Ministerpräsident war, untersagt war, während dem Gustav Adolph-Verein kein Hinderniß in den Weg gelegt, ja sogar zur Ab-

Natioualliberaleu jetzt einen neuen Antrag auf Abän­derung der Geschäftsordnung eingebracht, der im We­sentlichen seinen in der Kommission abgelehnten Antrag wieder aufnimmt, aber eine Abstimmung während der Dauer des Ausschlusses eines Abgeord­neten von einer Sitzung zuläßt mit der Maßgabe, daß die Abstimmung in der nächsten Sitzung wieder­holt werden muß, wenn die Stimme des Ausgeschlos­senen den Ausschlag hätte geben können. Der Aus­geschlossene kann gegen den Ordnungsruf oder die Aus­weisung am nächsten Tage- schriftlich Einspruch erheben, worüber der Reichstag ohne Diskussion ent­scheidet.

* Leipzig, 8. Feb. Das Reichsgericht verwarf die Revision des Staatsanwalts gegen das Urtheil des Breslauer Landgerichts vom 6. Oktober v. I., durch welches der Prediger Thümmel in Remscheid in dem Prozesse wegen Beschimpfung der katholischen Kirche freigesprochen worden war.

Ausland.

* Pest, 9. Feb. Der Religionslehrer Nikolaus Lepsenyi wurde wegen Majestätsbeleidigung, begangen durch einen Artikel in einer katholischen Wochenschrift über die Sanktion der C i v i l e h e, welcher überschrieben war: „Es ist vollbracht", zu sechs Monaten Staatsgefängniß verurtheilt.

* Brüssel, 10. Febr Die Regierung wird am Dienstag die Vorlage betreffend die Uebernahme des Kongostaates einbringen

* Paris, 9. Febr. Der ehemalige Handelsminister Allain Targe veröffentlicht Aufsehen erregende Enthül­lungen über die Vorgeschichte der Eisenbahnverträge des Jahres 1892, über die gegenwärtig ein par­lamentarischer Ausschuß Untersuchung pflegt. Allain Targe erklärt, daß die Orleans-Kompagnie und die Südbahn-Gesellschaft damals einflußreichen Abgeord­neten mehrere Millionen Bestechungsgelder zahlten. Der Ausschuß beschloß, sich mit Allain Targe in's Einvernehmen zu setzen.

* Paris, 10. Febr. Bis zur Stunde ist keinerlei Nachricht über den Dampfer „Gascogne" eingetrof­fen und es herrscht deshalb die größte Besorgniß. Die letzte Hoffnung ist, daß die „Gascogne" nach dem Bruche der Schraube oder des Steuers nordwestwärts getrieben worden ist. Keines der in Newyork einge- troffenen Schiffe hat die „Gascogne" gesehen. Zwölf Schleppschiffe sind von Newyork abgesandt, um bei Neufundland zu kreuzen.

* Kaiser Nikolaus II. hat nach einem kurzen Ver­suche, mit dem alten System zu brechen, sich sehr schnell darauf besonnen, daß er der „Selbstherrscher" in Ruß­land ist. Mit Entschiedenheit hat er das verkündigt. Eine Stände-Versammlung, die von Twer, welche die Kühnheit gehabt hatte, eine größere Mitwirkung ander Provinzial-Verwaltung zu erbitten, durfte an dem all­gemeinen Empfange der Semstwos nicht theilnehmen. Die Studenten der Hochschule wurden gewarnt vordem

Haltung einer Hauptversammlung das königl. Schloß in Baireuth eingeränmt wurde.) Wenn man also die ungünstigen Verhältnisse der Katholiken berücksichtigt, so ist nicht zu leugnen, daß die Katholiken in Deutsch­land mehr Opferwillen beweisen als die Protestanten. Für die Diözese Fulda wurden vom Bonifatius­verein aufgewendet 41,349.75 Mk., das ist der vierfache Betrag der Diözesaneinnahmen, die sich nur auf rund 10,000 Mark belaufen. Unterstützt wurden folgende Orte (die Zahlen bezeichnen die runden Unterstützungs­summen) : Allendorf a. W. 140, Apolda 6200, Bebra 1900, Fechenheim 2200, Birstein 1700, Carlshafen 1650, Kassel 1000, Eckenheim 5800, Eisenach 650, Eschwege 1875, Frankenberg 1660, Fritzlar 200, Hersfeld 1600, Hofgeismar 900, Homberg 100, Hün­feld 300, Jena 1850, Kirchhain 100, Langenschwarz 850, Marburg 500, Melsungen 100, Nenndorf 300, Obernkirchen 1850, Oberrodenbach 350, Rinteln 1300, Schmalkalden 400, Soden 100, Wanfried 500, Wehl­heiden 1000, Weimar 4100 Mark.

Es sind das thcils die Gehälter der Geistlichen und Lehrer, theils Beiträge zu Kirchen-, Schul- und Pfarrhausbauten. Diese Zusammenstellung dürfte einigermaßen ein Bild geben von der großen Bedeu­tung des Bonifatiusvereius auch für unsere Diö­zese und manchen veranlassen, diesen wichtigen Verein