widerte, daß angesichts der sozialdemokratischen Verhetzung die Regierung nur einem Gebote der Vorsicht entsprach, wenn sie mit Vorschlägen wegen Arbeitervertretungen zurückhielt. Abg. v. Kardorff (Rp.) sprach sich sehr entschieden gegen die von Hitze empfohlene Organisation aus, durch welche der Sozialdemokratie nur Millionen neuer Anhänger zugeführt würden. Weiterberathung morgen.
* Das Abgeordnetenhaus berieth zunächst den Forstetat. Minister Frhr. v. Hammerstein gab eine statistische Nachweisung der Zunahme des staatlichen und privaten Forstbesitzes seit 1883. Von verschiedenen Rednern wurden größere Aufforstungen, namentlich in den Quellgebieten der Flüsse gewünscht, welchen Wünschen der Minister gelegentlich gesetzgeberisch nachzukommen versprach. Auf fernere Wünsche bezüglich unentgeltlicher Abgabe von Pflanzen, sowie von Laubstreu erwiderte Oberlandforstmeister Donna, daß eine unentgeltliche Abgabe zu großen Unzuträglichkeiten führen würde, daß aber die Preise sehr niedrig gehalten würden. Des Weiteren wurden Aufbesserungen für die Forsthilfs- und die Forstunterbeamten empfohlen, auch die ungünstigen Anstellungsverhältniffe der Civil-Forst-Affefforen erörtert. In letzterer Beziehung ist durch das Entgegenkommen der Militärverwaltung einige Besserung geschaffen worden. Bezüglich der Gehaltsaufbesserungen wurde auf die Finanzlage verwiesen. Der Forstetat wurde genehmigt, ebenso die Etats des Auswärtigen, der Lotterie-Verwaltung, der Seehandlung und der Staatsarchive. Beim Lvtterieetat empfahl Abg. Dr. Arendt Errichtung einer Reichslotterie und unter Abschaffung der Landeslotterien. Beim Seehandlungs-Etat wurde vom Direktor des Instituts einer bezüglichen Anregung entgegengehalten, daß die Gewährung persönlichen Kredits seitens des Instituts mangels nöthiger Einrichtungen nicht angängig sei. Finanzminister Dr. Miquel betonte die Nothwendigkeit einer Neuorganisation des Kreditwesens, namentlich auch der Sparkassen. Der niedrige Zinsfuß lasse die Gründung eines großen Central - Kreditinstituts empfehlenswerth erscheinen. Morgen: Eisenbahnetat.
* Eine Versammlung preußischer Domänenpächter soll am 18. d. M. in Berlin staltfinden, um über drückende Vorschriften in den Pachtverträgen zu verhandeln.
* Die Umsturzkommission des Reichstages setzte heute die Berathung des § 112, Verleitung von Soldaten rc., fort, ohne zu einem Beschluß zu gelangen. Von konservativer wie nationalliberaler Seite wurde erklärt, daß die Vorlage ohne § 112 für sie unannehmbar fei.
* Die Wahlprüfungskommissiou des Abgeordueteu- hauses beantragt die Wahl des Abg. Lucius-Erfurt (frf.) für ungültig zu erklären wegen Unrichtigkeit der Eintheilung der Urwahlbezirke.
* Von dem Landwirthschaflsminister Freiherrn von Hammerstein wird der ,N. A. &' zufolge gegenwärtig das Programm ausgearbeitet, welches den Bera- thungen des Staatsraths über Maßnahmen zur Abhilfe der landwirthschaftlichen Nothlage zu Grunde gelegt werden soll. Dasselbe Blatt betont, daß einen Hauptpunkt der staatlichen Fürsorge für die Land- wirthschaft die Kreditfrage für den großen und kleinen Grundbesitz bilden werde, die namentlich in den östlichen Provinzen weiterer Entwickelung fähig sei.
* Die ,Berl. Reuest. Nachr.' glauben gut unterrichtet zu sein, wenn sie annehmen, daß einer der Hauptpunkte der staatlichen Fürsorge für die Land- wirthschaft die bäuerliche Krcditfrage sein wird, die namentlich in den östlichen Provinzen des Staates noch völlig darniederliege. Voraussichtlich werden die be
wirb den Protestanten in folgender Weise vor den Katholiken gruselig gemacht: „Laß Dir sagen, daß die Kinder der Evangelischen in der Zerstreuung oft genug katholische Schulen besuchen müssen, wo sie Marie n- Anbetung und andere Menschen - Vergötterung lernen, wo sie die verachteten Ketzerkinder sind. Mit List und Gewalt sucht man Deine vereinsamten Brüder nach Rom hinüberzuziehen — sie sind wie Leute in einer festgeschlossenen Burg." Es fehlt nur noch eine unterirdische Folterkammer mit der nöthigen Ausstattung aus dem „finstern Mittelalter" und das Schauerbild „römischer" Grausamkeit ist fertig.
Nach diesen wenigen Proben „evangelischer Liebe", wie sie sich im Gustav-Adolph-Verein zeigt, muß man wahrhaftig der protestantischen ,Kreuzzeitung' Recht geben, die vor einigen Wochen schrieb: „Der Haß gegen Rom ist in der evangelischen Kirche größer als die Liebe zu Gott."
Noch Einiges über Organisation und Wirksamkeit des Gustav-Adolph-Vereins. Es gibt Haupt-, Zweig- und Hilfs-Vereine, welche sämmtlich dem Central-Vorstand untergeordnet sind, der seinen Sitz in Leipzig hat; dazu kommen Frauen-Vereine und ein aus Professoren und Studenten bestehender akademischer Gustav- Ädolph - Verein. Die Verwendung der Gelder ist so geregelt, daß einem jeden Haupt-Verein die freie Verfügung über */s der Einnahme zusteht, während 2/s dem Central'- Vorstand überwiesen werden. Die Einnahmen sind im Laufe der Jahre fortwährend gestiegen.
Im Jahre 1852 wurden an Unterstützungen ver- ‘
währten Einrichtungen, welche in dieser Beziehung im ehemaligen Herzogthum Nassau bestehen, dabei als Muster dienen.
* Der ,Post' zufolge ist alle Aussicht vorhanden, daß durch Vereinbarung zwischen den verbündeten Regierungen möglichste Gleichförmigkeit in den Ausführungsanweisungen bezüglich der Sonntagsruhe für die Industrie erzielt wird. Von den vereinbarten Ausnahmebestimmungen soll angeblich nur ein kleiner Prozentsatz der Arbeiter betroffen werden.
Ausland.
* Wien, 5. Feb. In vergangener Woche tagte hier unter Vorsitz Sr. Eminenz des Kardinals Schönborn im hiesigen fürsterzbischöflichen Palais eine Bischofskonferenz, indem wieder eines der Sub- komitee's der letzten großen Episkopal-Konferenz zu- fammengetreten ist, und zwar die Kardinäle Graf Schönborn und Dr. Gruscha, Erzbischof Haller und die Bischöfe von Linz, Brünn und St. Pölten. Zweifelsohne dürfte bei dieser Konferenz auch die Stellung der Katholisch-Konservativen zu den Christlich-Sozialen zur Sprache gebracht werden, zumal aus Rom ein direkter Appell an den Episkopat zur Förderung der christlichen Sozialreform in Sicht steht. — Eminenz Kardinal Gruscha hat kürzlich bei der Generalversammlung des Wiener Kirchenbau-Vereines auf die herrschende Kirchennoth hingewiesen und dringend um Förderung des Vereinszweckes gebeten, nachdem in Folge des Wachsthums der Bevölkerung die Kirchennoth immer fühlbarer werde und Wien wenigstens zehn neue Pfarrkirchen bedürfe. Jetzt sei es in einem Pfarrsprengel so weit gekommen, daß man die Schulkinder vom Sonntags-Gottesdienste ausschließen müsse, weil sie absolut keinen Platz mehr finden. Der Verein will jetzt eine Petition an den Reichstag richten um Gewährung staatlicher Zuschüsse. Hoffentlich verhallt der Nothschrei nicht fruchtlos. — Das christliche Bereinsleben entfaltet sich jetzt in Wien unter christlich-sozialer Flagge bestens und es vergeht kein Sonntag, wo nicht mehrere sehr gut besuchte Versammlungen statlfinden und die christlichen Führer als Redner auftreten. Dem Liberalismus wird dadurch fortgesetzt der Boden entzogen und das Jnreresse für die christliche Volksbewegung in immer weitere Kreise getragen. Der Klerus von Wien hat daran einen sehr großen Antheil.
* Brüssel, 5. Febr. Der Minister Hanotaux und der belgische Gesandte Danethan unterzeichneten heute das Abkommen bezüglich der Abtretung des Kongostaates an Belgien. Der Vertrag anerkennt vollständig das Vorzugsrecht Frankreichs im Falle gänzlicher oder theilweiser Abtretung des Kongostaates an eine dritte Macht. Frankreich verzichtet in Folge dieser Versicherung auf die Geltendmachung seines Vorzugsrechtes Belgien gegenüber.
* Paris, 6. Febr. Die halbamtlichen Blätter veröffentlichen eine Mittheilung des Ministers des Aeußern Hanotaux, welche die Einmischung Frankreichs in die chinesisch-japanischen Friedensunterhandlungen in sichere Aussicht stellt, weil Frankreichs Interessen im äußersten Osten ein einseitiges Vorgehen Japans gegen China nicht zulassen können. Hanotaux hatte eine lange Berathung mit den Botschaftern Englands und Rußlands. Zwischen Paris, London und Petersburg findet ein lebhafter Notenwechsel statt über die Vermittelung des Friedens zwischen China und Japan.
* Montceau-les-mines, 6. Febr. Die genaue Zahl der durch die schlagenden Wetter Umgekommenen beträgt 28, von denen 21 geborgen sind, die Zahl der Verwundeten ist 8. Die 21 getödteten Bergleute wur-
ausgabt 58,000 Thaler (174,000 Mark), im Jahre 1892 betrugen die Einnahmen 1,830,135 Mark; es wurden in diesem Jahre vollendet 27 Kirchen und Betsäle, 10 Pfarrhäuser, 9 Schulen. Neu ausgenommen zur Unterstützung wurden 50 Gemeinden, während noch 1500 darum bitten. Die Zahl der Zweigvereine beträgt ca. 1900, die der Frauenvereine ca. 500. Solcher Art ist die Thätigkeit des Gustav-Adolph-Vereins.
Zum Schluß noch etwas über den Namen. Kein Katholik wird es mißbilligen, daß Protestanten ihren Glaubensgenossen zum Zwecke der Kultur und des Unterrichts Wohlthaten spenden. „Aber warum einem solchen Vereine, dessen Zweck des Wohlthun sein soll, einen Namen geben, der so viele Volksgenossen, nicht bloß katholische, sondern auch nicht wenig evangelische, unangenehm berührt, der in jedem Falle die Erinnerung an die traurigste Zeit unserer Nationalgeschichte wachruft?" Der Gustav-Adolph-Verein für ganz Deutschland trat in's Leben in einer deutschen Stadt, deren Landesfürst in der traurigen Zeit des 30jährigen Krieges den Muth besaß, dem ftemden König die Heeresfolge gegen seinen Kaiser zu verweigern. Es war der Landgraf Georg von Hessen-Darmstadt. Der Hofprediger späterer Zeiten (Zimmermann) hätte besser gethan, den Ahnherrn seines Fürstenhauses als ein Muster der Treue für Kaiser und Reich gegenüber dem fremden König zu ehren, als diesen Eindringling zu verherrlichen. Auch in Preußen sollte man an diesem Manne kein Wohlgefallen haben und sich daran erinnern, daß der Kurfürst Georg Wilhelm „den Retter
den heute Morgen unter großer Betheiligung beerdigt. Der Arbeitsminister Dupuy du Temps hielt eine Rede zum Gedächtniß der Verstorbenen, die auf dem Felde der Ehre gefallen seien, und erklärte, die Regierung werde deren Angehörige nicht im Stiche lassen.
* Die am Sonntag in Bulgarien vollzogenen Nachwahlen sind zu Gunsten Iber Regierung ausgefallen. In Tirnova schritt Reiterei gegen die Wähler ein und verursachte mit blanker Waffe zahlreiche Verwundungen. Stambulows Freunde hatten dort seine Kandidatur aufgestellt. In anderen Orten fanden zahlreiche Verhaftungen statt.
* Belgrad, 6. Febr. Entgegen den offiziösen Ableugnungen wird aus zahlreichen Ortschaften über die Einmischung der Behörden bei den bulgarischen Ergänzungswahlen Klage geführt. Zahlreiche Proteste gingen an den Fürsten ab.
* In Rio de Janeiro war schon am 31. Januar, wie der brasilianischen Gesandtschaft in Berlin amtlich gemeldet ist, der Tags vorher ausgebrochene Aufstand unterdrückt. Die Urheber der Ausschreitungen sind Anhänger der letzten Präsidentschaft, die unzufrieden mit den aus Sparsamkeit, Gerechtigkeit und Versöhnungsrücksichten getroffenen Maßregeln waren, aber angesichts der energischen Haltung der ganzen Bevölkerung zu Gunsten der Regierung von weiteren Unternehmungen Abstand genommen haben. Der Kommandant der Militärschule ist versetzt worden.
* Japan will nach dem Londoner ,Daily Telegraph' folgende Friedensbedinguugen stellen: 1. Schutzherrschaft über Korea, 2. Abschluß eines Handelsvertrages auf der Grundlage zollfreier Einfuhr japanischer Waren in ganz China, 3. die Zahlung von 50 Millionen Pfund Sterling (1 Milliarde Mark) außer den Kriegskosten, 4. Abtretung der Insel Formosa und eines Theils der Mandschurei, 5. Besetzung von Weihaiwei und Port Arthur bis zur Abtragung der Kriegsschuld. ___________________
Stadt, Provinz und Nachbargebiet.
Fulda, 8. Februar
* Auf heute (Freitag) Abend 7 Uhr ist eine gemeinsame Sitzung des Stadtrathes und ordeutlichen Bürgeransschusses anberaumt worden. Auf der Tagesordnung steht u. A. die Abhörung der Rechnung der Generalarmenkasse und des städtischen Gaswerkes. Nach Beendigung der gemeinsamen Sitzung wird der Bürgerausschuß noch Beschluß fassen in der schon seit längerer Zeit schwebenden Frage, ob die städtischen Bureaux aus dem Rathhause ins Schloß verlegt werden sollen.
Die fünfte Abeuduuterhaltung des Museums machte uns mit drei Herren vom Kasseler Hoftheater bekannt, welche diesem Kunstiifftitut alle Ehre machen. Der Tenorist, Herr Kietzmann, verfügt über eine, insbesondere in der Mittellage, sehr kräftige und wohl- gebildete Stimme mit leichter Tongebung. Er brachte ein durchaus klassisches Programm, bestehend in einer Arie von Gluck, Liedern von Beethoven, Schuhmann und Rubinstein, in sehr geschmackvoller Weise zum Vortrag und wurde dafür durch lebhaften Beifall und fchließlichen Hervorruf ausgezeichnet. — Der Violinist, Herr Mohnhaupt, ist ein gediegener Musiker mit folider Technik, welcher den lyrischen Charakter seines Instrumentes selbst in schwierigen Passagen zu wahren versteht und sowohl in dem Concert von Goltermann, wie in seinen Solostücken vollgiltige Beweise seines Könnens ablegte, welches vom Publikum in der dankbarsten Weise anerkannt wurde. Der zweiteJnstrumentalist des Abends, Hr. Concertmeister Hoppen, ist ein Geiger von außergewöhnlicher Bedeutung. Nicht allein ein großer Ton, eine saubere und glänzende Technik stehen ihm zu
des Evangeliums" aus dem Land hinaus „zu allen Teufeln" wünschte und nicht vergessen, daß der „fromme" König nach dem Zeugniß des protestantischen Geschichtsschreibers Cosmas preußische Unterthanen zum Eidbruch und zur Untreue gegen ihren Landesherrn verleitet hat. Man hat drüben auch wohl eingesehen, daß der Name schlecht gewählt sei und schon auf der Jahresversammlung in Stuttgart 1844 wurde eine andere Benennung vorgeschlagen, weil die bisherige „unpatriotisch" und „für ein Liebeswerk unpassend sei." Allein der Antrag wurde abgewiesen und der Name beibehalten. Dieser Name ist eine „Sünde an der nationalen Ehre, ein Verstoß gegen die patriotische Gesinnung."
Durch ihn wurde der fremde Eroberer, der namenloses Elend über unser Vaterland gebracht, der seinen Weg mit brennenden, ausgeraubten Städten, Dörfern und Schlössern bezeichnete, der das ganze Land mit Schrecken erfüllt hat, in Deutschland populär, ja fast mit dem Nimbus eines Nationalheros umgeben. Keine andere Nation, sagt der Engländer Lecky, hat sich in solcher Weise selbst entehrt und erniedrigt, und mit Luther muß man wahrlich gestehen: „Wir Deutsche müssen aller Fremden Esel sein und bleiben". „Gedenke, daß Du ein Teutscher bist", so schloß der große Kurfürst Friedrich Wilhelm eine Schrift gegen die Schweden. „Gedenke, daß Du ein Teutscher bist", kann mau auch allen denen zurufen, die in diesem „patriotischen" Verein den Verwüster Deutschlands verhimmeln wollen.
(Fortsetzung folgt.)