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Donnerstag, den 7. Februar 1895.

22. Jahrgang

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mit Unterhattrrngs-KeiLagr „Sterne und Kiumen"

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Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Keich.

Berlin, 5. Februar.

* Der Kaiser nahm am Samstag Mittag die Meldung des Grafen Herbert Bismarck, aus An­laß der Verleihung des Ranges als Obersten an diesen, entgegen. Am Sonntag Vormittag empfing der Kaiser eine Abordnung des Berliner Magistrats mit dem Oberbürgermeister Zelle an der Spitze, die ihren Dank ausdrückten für die versprochene künstlerische Ausschmückung der Siegesallee; der Kaiser unterhielt sich mit der Abordnung über städtische Berliner An­gelegenheiten, besonders über die Einverleibung der Vororte, elektrische Lokalbahnen und den Stadtverkehr überhaupt. — Der Kaiser beauftragte den deutschen Botschafter in St. Petersburg mit seiner Ver­tretung bei der Leichenfeier für den Minister v. Giers und gebot, am Sarge des Verstorbenen einen pracht­vollen Kranz niederzulegen.

* Am Donnerstag findet beim Ministerpräsidenten Fürsten Hohenlohe ein parlamentarischer Abend statt, zu dem Mitglieder beider Häuser des Land­tags eingeladen sind.

* Die Umsturzkommission des Reichstages ging gestern zu § 112 über, welcher in seinem 1. Absatz Denjenigen, der einen Angehörigen des Heeres oder der Marine zum Ungehorsam gegen die Befehle des Oberen oder gegen die Einberufung zum Dienste an reizt, mit Gefängniß bis zu Jahren, in seinem 2. Absatz die Verleitung von Militärpersonen zur Betheiligung an Bestrebungen, welche auf den gewaltsamen Umsturz der bestehenden Staatsordnung gerichtet sind, mit Gefängniß von 1 Monat bis zu 3 Jahren und in Absatz 3, falls der Thäter die Absicht hatte , ein bestimmtes auf den gewaltsamen Umsturz gerichtetes Verbrechen zu fördern, mit Zuchthausstrafe bis zu 5 Jahren bedroht. Konser­vative, Reichspartei und Antisemiten beantragten einen 4. Absatz, wonach in den Fällen der Absätze 1 und 2 auf Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden kann. Avg. Dr. Barth (fr. Vgg.) beantragte hingegen, d en 2. und 3. Absatz zu streichen und da­für in das Preßgesetz einen neuen 5a einzuschalten, der das Niederlegen einer größeren Anzahl von Druck­sachen politischen Inhalts in Kasernen u. s. w. oder in deren unmittelbarer Nähe mit Geldstrafe bis zu 50 Mk., im Wiederholungsfälle mit Geldstrafe bis 150 Mk. oder mit Haft bedroht. Nachdem Generallieutenant v. Spitz den § 112 in längerer Rede begründet und insbesondere Schutz der Armee vor der sozial­demokratischen Agitation gefordert hatte, erklärte Abg. Barth, jetzt den § 112 ablehnen zu müssen, da dieser sich nun nicht allein gegen anarchistische Bestrebungen richte. Abg. Spahn (Centr.) erklärte den Absatz 2 für unannehmbar, weil er zu dehn­bar sei, und verlangte, daß zuvor der Begriff der

lieber LonmMns-kuida.

Es gehört heutzutage in vielen Familien zum guten Ton, im Besitze einer Bibliothek zu sein; auf schmucker Etagöre oder gar in einem eigenen „Bücherschrank" prangt dieselbe „in Original - Einbänden mit Decken- presfung und Goldschnitt". Der Katalog einer solchen Bibliothek weist freilich nur wenige Nummern auf, allein das Wenige genügt oft, um eine ganze Familie aus falsche Wege zu führen. Neben einer kritiklosen Ausgabe „Deutscher Klassiker" und einer zweifelhaften Roman-Sammlung begegnet man in solchen Bibliotheken gewöhnlich auch dem unvermeidlichen Konversations- Lexikon, dem literarischen „Mädchen für Alles". Ein solches Konversations-Lexikon ist ein gar wichtiges Buch, Tausende suchen darin Aufschluß und Belehrung; es kommt nicht nur in die Hände kundiger und urtheils- fähiger Leser, auch solche greifen danach, die nicht die Fähigkeit besitzen, in dem Chaos von Wissen, welches ein solches Buch ihnen bietet, sich zurechtzufinden, die leicht geneigt find, Alles, was dasselbe enthält, für baare Münze hinzunehmen.

Es ist deshalb bei Anschaffung eines Konversations- Lexikons die größte Vorsicht geboten; dieselben Grundsätze, welche bei der Auswahl einer politischen Tageszeitung für den Katholiken maßgebend sind, müssen ihn auch leiten bei der Beschaffung eines Konversations- Lexikons. Der .Literarische Handweiser' bringt

„bestehenden Staatsordnung" festgestellt werde. Gegen­über einer weiteren Aeußerung des Abg. Spahn er­klärte Minister v. Köller, daß es der Regierung in der That sehr ernst sei mit der Vorlage. Nach längerer Debatte wurde die Weiterberathung vertagt, ohne daß es zu einem Beschlüsse gekommen wäre.

* Zur Frage des Lehrer - Besoldungs - Gesetzes er­fährt der ,Hann. Konr.', daß bis jetzt ein wirklich aus­gearbeitetes derartiges Gesetz noch nicht ixistirt; es handelt sich vielmehr einstweilen nur um Grund­züge eines solchen. Diese liegen, wie Kultusminister Dr. Bosse im Abgeordnetenhause mittheilte, zur Zeit dem Finanzminister vor. Erst wenn über die finanzielle Tragweite Klarheit geschaffen ist, kann die Ausarbeitung eines formellen Gesetzentwurfes angeordnet werden.

• Das Abgeordnetenhaus führte die erste Lesung des Gesetzentwurfs betr. die Errichtung einer General- Kommifsion für Ostpreußen zu Ende und überwies denselben einer 14er Kommission zur Vorberathung. Dann wurde die Etatsberathung fortgesetzt. Der Ge­stütsetat wurde nach kurzer Debatte über die Höhe von Baukosten der Gestütsverwaltung genehmigt. Beim Domänenetat entwickelte Minister Frhr. v. Hammer­stein die Gesichtspunkte, nach denen die Domänenver­pachtungen zu erfolgen haben: Förderung der Boden­kultur, Hebung der Tüchtigkeit der Verwaltungsbeamten, Prüfung von Erfindungen rc. Die Summe der ge­stundeten Pachtzahlungen ist von 400,000 Mark im Jahre 1873 auf etwa 2 Millionen in diesem Jahre gestiegen. Der Domänenetat wurde angenommen und gleichzeitig eine Resolution, wonach die Regierung für eine Verbilligung der Mineralwasser, namentlich auch im Zwischenhandel Sorge tragen soll. Morgen Etat der Forsten, des Auswärtigen, der Lotterie rc.

* Im Ministerium für Handel und Gewerbe wer­den gegenwärtig die Fragebogen für die Stichproben- Zähluug ausgearbeitet, welche zum Zweck der Gewinn­ung einer Uebersicht über die Verbreitung des Hand­werks in seinen verschiedenen Abstufungen veranstaltet werden soll.

* Ein nationalliberales Berliner Blatt schreibt: „Daß eine Militärvorlage nahe ist, wissen eingeweihte Kreise längst, da die vierten Halbbataillone eine Er­gänzung im Interesse der Schlagfertigkeit der Armee dringend erheischen".

* Abg. Dr. Böckel ist, wie schon kurz erwähnt, freiwillig aus der deutsch-sozialen Reform­partei des Reichstags ausgeschieden und hat dies in einem recht höhnischen Schreiben an die Fraktion damit erklärt, daß diese den Abg. Ahlwardt ausge­schlossen und zur Umsturzvorlage eine frei­heitswidrige Haltung eingenommen habe. Die antisemitische „Einigkeit" hat also nicht lange vorge­halten. Der Krach wird in Berlin bald auch die An­hängerschaft der Antisemiten in zwei Lager theilen.

hierüber bei der Besprechung der von Kürschner be­sorgten neuen Auflage des „Pierer" einige auch für weitere Kreise recht interessante Mittheilungen und Fingerzeige.

Danach ist es mit den auf katholischem Standpuntte stehenden Konversations-Lexiken sehr schlecht bestellt: das große Regensburger ist in seiner 3. Auflage (1865 bis 1873) längst veraltet und für die 4. Auflage (1880 bis 1890) leider „nicht entfernt genügend erneuert"; das Herder'sche aber ist erstens viel zu klein, um mit den großen akatholischen konkurriren zu können, und zweitens ist seine zweite Auflage (1876—1879) jetzt auch schon beinahe 20 Jahre alt und zudem total ver­griffen. Seit Jahren ist eine 3. Auflage in Arbeit, die aber leider auch nur für „bescheidene Zwecke und Wünsche" genügen wird, vorausgesetzt, daß der Wunsch nach Ausstattung mit Bildern, Tafeln, Karten rc. sich erfüllt. Für weiter gehende Bedürfnisse wird in ab­sehbarer Zeit auf diesem Gebiete nichts Katholisches ge­boten werden können. Den Grund dieser betrübenden Thatsache findet der ,Handweiser' darin, daß sich in katholischen Kreisen die 100,000 Abnehmer nicht finden lassen, welche mindestens erforderlich sind, um ein solches — etwa 12 Bände umfassendes und ca. 100 Mk. kostendes — Werk in derselben technischen Vollendung, mit derselben reichen Ausstattung und dennoch zu dem­selben verhältnißmäßig niedrigen Preise herzustellen, wie es den akatholischen möglich ist. Wir Katholiken

Denn während die antisemitische,Staatsbürgerztg.' zur Fraktion hält, wollen die Herren Ahlwardt, Böckel und v. Mosch ein neues Blatt ihrer Richtung herausgeben, das, wie aus einer Ankündigung hervor­zugehen scheint, den Titel ,Deutsches Volksrecht' führen soll. Für dieses Blatt wird Herr v. Mosch in einer antisemitischen Versammlung sprechen, zu der durch Anschlag auf den Litfaßsäulen eingeladen wird. Herr Ahlwardt will über seinen Ausschluß aus der Fraktion und Herr Böckel über „deutsches Volksthum" sprechen. Die,Staatsbürgerztg.' wirst den Abtrünnigen vor, daß sie direkt auf die Sozialdemokratie lossteuern. Damit dürste sie nicht so Unrecht haben. Jedenfalls kann man sich darauf gefaßt machen, daß unter dm Antisemiten wieder ein „Bruderzwist" ausbrechen wird, wie er heftiger ganz gewiß noch niemals zwischen diesm streitbaren Leuten getobt hat. Und das will viel heißen.

* Professor Schmoller von der Berliner Universität hatte dieser Tage mit einer öffentlichen Erklärung, welche die wissenschaftliche Befähigung des von Herrn v. Stumm seiner Zeit als Eideshelfer angeführten Professors v. Kaufmann einer fehr despektirlichm Würdigung unterzog, in den Streit Wagner-Stumm eingegriffen. Jetzt heißt es, daß Herr v. Kaufmann, würdig seines Gönners Stumm, den Professor Schmoller zum Duell gefordert habe; diefeForderung habe Herr Schmoller aber abgelehnt, wofür ihm der Beifall aller vernünftigen Leute gewiß ist.

* Stuttgart, 5. Febr. Die Stichwahlen dürsten, abgesehen vom Stuttgart-Stadt, am 14. Februar statt­finden.

Ausland.

* Brüssel, 4. Febr. Die Regierung widerlegt die Nachricht von der Aufschiebung der Kongovorlage; diefe wird Ende Februar im Parlamente eingebracht werden.

* Paris, 3. Febr. Der Senat berieth gestern über den Kredit von 20,000 Franks zur Bestattung des Marschalls Canrobert auf Staatskosten. Nach einer zum Theil heftigen Debatte wurde der Kredit mit 145 gegen 49 Stimmen bewilligt. — Die Kammer berieth das Budget des Auswärtigen Amtes. Mehrere Sozialisten traten für den Antrag ein, wonach der Kredit für den Botschafter beim Vatikan zu streichen sei. Hanotaux bekämpfte den Antrag, welcher mit 348 gegen 135 Stimmen verworfen wurde.

* Krakau, 30. Jan. Ein auch für weitere Kreise interessanter Vorgang spielte sich hier am vorigen Sonntag ab. In einer unter dem Vorsitz des galizischen Sozialistenführers Daszynski stattfindenden sozia­listischen Versammlung war auch der durch seine Rei­sen, literarischen Arbeiten und insbesondere durch seinen priesterlichen Eifer bekannte Jesuitenpater Badeni erschienen. Im Namen der Freiheit und Brüderlich­keit bat er ums Wort, was ihm auch ertheilt wurde.

sind also in einer recht Übeln Lage, um so mehr, da die auf akatholischem Standpuntte stehenden Konver­sations-Lexiken für Katholiken durchaus nicht zu empfeh­len sind. Meyer und Brockhaus sind von vorn herein völlig ausgeschlosfen, denn sie haben, wie der Hand­weiser' sagt, von ihrem Entstehen an den ödesten Ratio­nalismus und Liberalismus gepredigt und viel Katho­lisches theils durch Jgnoriren, theils durch Verdrehen und Schmähen mißhandelt. Trotzdem ging erst kürzlich wieder eine Empfehlung des Brockhaus'fchen Kon­versations-Lexikons durch eine ganze Reihe katholischer Zeitungen. Hierdurch veranlaßt, hat Schreiber dieser Zeilen sich durch zahlreiche Stichproben überzeugt, daß das Urtheil des ,Handweiser' nicht zu scharf ist.

Nur einitze Proben seien angeführt. „Christenthum: Durch Konstantin den Großen zur Staatsreligion er­hoben, entartete das Christenthum im Verlaufe des Mittelalters immer mehr in Folge seines Strebens nach der weltlichen Gewalt, bis die Reformation das reine geistige Wesen desselben durch die Rückkehr zu den ur­christlichen Grundsätzen auf's Neue zur Geltung brachte. Seitdem hat es der Protestantismus für seine stete Aufgabe erachtet, durch die Erforschung der geschicht­lichen Grundlagen des Christenthums das wahre Wesen desselben und die besten Formen seiner Verwirttichung immer genauer festzustellen " Gewiß eine nette Erklärung!

Ueber die Jesuiten erzählt Brockhaus u. A. Fol­gendes: „Der 2. General bildete die Richtung im