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Hitze (Centr.) vertheidigte den Antrag Groeber, indem er den Hausirbetrieb als einen Ausnahmezustand darstellte. Handelsminister v. Berlepsch sprach sich gegen den Antrag Groeber aus, der das Hausiren nur nach Bedürfniß in den einzelnen Bezirken gestatten will. Für einen gewissenhaften Beamten sei es gar nicht möglich, richtig zu entscheiden, welches Bedürfniß besteht für diese oder jene Waare in einem Bezirke. Das Hausirgeschäft würde nur tobt gemacht werden, ohne daß der seßhafte Kaufmann dabei Nutzen habe. Abg. Schmidt (Soz.) verwarf Beichränkungen des Hausirhandels, forderte aber strenge Bestimmungen für die Schauspiel-Unternehmer. Nachdem noch Abg. Dr. Meyer (frs. Verein.) gegen die Vorlage und den An­trag und Abg. Schwarze (Centr.) für den letzteren gesprochen, wurden Vorlage und Antrag einer beson- dern Kommission überwiesen. Dienstag: Behandlung der Jnitiativ-Anträge, Anträge bett. Volksvertretung der Einzelstaaten und Abänderung der Wahlkreise.

* Das Abgeordnetenhaus berieth den landwirth- schaftlichen Etat weiter. Minister v. Hammer st ein sagte bezüglicher Anregung entsprechend die Berücksich­tigung gärtnerischer Wünsche zu. Abg. v. Brock Hausen (kons.) vertheidigte die Fideikommisse, wandte sich gegen Verwendung von Agenten und Güterschlächtern bei der Rentengüterbildung und beantragte Zulassung 3°/oiger Rentenbriefe. Regierungsseitig wurde erwiedert, daß dazu zur Zeit kein Bedürfniß vorliegen dürfte. In der weiteren Debatte wurden Anregungen gegeben betreffs Förderung der landwirthschaftlichen Fachschulen, Hebung der Pferdezucht, Verbesserung der Spreewald­gewässer, Unterstützung des Obstbaues durch Staffel­tarife, Bekämpfung der Reblaus mit chemischen Mitteln rc. Das Ordinarium wurde schließlich angenommen. Montag Extraordinarium des landwirthschaftlichen Etats, Gestüts- und Domänenetat.

* Bei den Laudtagswahlen in Württemberg er­hielten das Centrum 16, die deutsche Partei 7 Man­date, die Volkspartei 17, die Landespartei 1 Mandat. Der von der Landespartei Gewählte wird sich der deutschen Partei anschließen. An Stichwahlen sind 25 erforderlich. Den meisten Verlust erhielt die Landes­partei, welche ganz aufhört; den nächstmeisten Verlust erhielt die deutsche Partei. Die Volkspartei gewann 2, das Centrum 13 Mandate. Also glänzender Sieg der Centrumspartei! Näheres folgt.

Ausland.

* Aus Rotterdam wird gemeldet, daß der auf Veranlassung des Nordd. Lloyd mit Beschlag belegte Dampser „Crathie" unter Aufficht der Justizbehörde gestellt worden ist. Der Kapitän, der Steuermann und die Matrosen, welche zur Zeit des Zusammenstoßes mit der „Elbe" Wache hatten, wurden einem Ver­höre durch die Justizbehörde unterzogen. Dieselben sagten aus, daß sie nicht gesehen hätten, mit welchem Schiffe sie zusammengestoßen seien, sie hätten weder bemerkt, daß das Schiff gesunken sei, noch hätten sie Jammerrufe der Untersinkenden gehört.

* Belgien hat, was wir im deutschen Reichstage beinahe schon gehabt hätten, eine „Präsidentschafts­krisis" in der Kammer gehabt. Der bisherige Präsident de Lantsheere, der, als er etwas sehr schroff gegen einen Abgeordneten einschritt, nicht die Unter­stützung der Kammermehrheit fand, legte sein Amt nieder, worauf die katholische Mehrheit ihren Führer Beernaert zum Präsidenten der Kammer berief. Dieser hielt bei Uebernahme seines neuen Amtes der seine Brust und erstickte ihre Worte mit einem innigen Kusse.

„Geliebte! Noch vor einer Stunde hätte ich es für unmöglich gehalten, daß dieser Tag der glücklichste meines Lebens werden sollte! Ach, ich fühlte mich so namenlos unglücklich; mein Dasein fing an, mir unerträglich zu werden, und nur Dein Name unter den Briefen der Kinder veranlaßte mich, hierher zu kommen. Als ich da aber den Grafen Eckernstein an Deiner Seite sah — — —"

„Sprich heute nicht von ihm, Arthur; ich bin heute zu glücklich! Der arme Graf, er hielt gestern um meine Hand an!"

„Ich weiß es; Eveline bat es mir gesagt, und das war mir ein neuer Hoffnungsstrahl. Aber es thut mir doch herzlich leid; er ist ein guter Mensch!"

„Ja, aber--ich liebte ihn nicht."

„Liebst Du denn mich? Liebst Du mich ein ganz klein wenig? Sage es mir, Barbara, meine einzige Geliebte, laß mich die Worte hören, die ich so oft von Deinen Lippen geträumt habe. Es sind nur vier kleine Worte. Sage: Arthur, ich liebe Dich!"

Barbara that es. Wieder zog der Oberst sie fest an sich und küßte sie.

Gerade in diesem Augenblicke erschien oben auf der Anhöhe eine kleine Gestalt. Es war Edmund, der bei diesem unerwarteten Anblick, so schnell ihn seine Füße tragen konnten, zu seiner Mutter zurücklief.

„Mama", rief er ihr entgegen, „Onkel Arthur und Barbara haben sich geküßt. Ich habe es gesehen!"

Die Mutter ließ ihr Buch faßen.

„Es ist wahr, es ist wirklich wahr, Mama;" dann

Kammer eine nicht unberechtigte Strafrede darüber, daß sie seither noch so wenig geleistet und ihre Zeit mit Zänkereien vertrödelt hat.

* In Frankreich ist endlich, nachdem die Be­mühungen Bourgeois nicht geglückt waren, ein Kabinet mit Ribot an der Spitze zu Stande gekommen, der s. Z. während des Panamaskandals im Kabinet Bour­geois saß, das damals von dem allgemeinen Unwillen darüber, daß es die „Panamisten" schonte und sogar selbst „Panamisten" umfaßte, hinweggefegt wurde. Und nun tritt er wieder an dle Spitze der Regierung, als wenn es niemals ein Panama gegeben hätte, und das als erster Ministerpräsident der Aera Felix Faure, die sich doch nach der Herkunft Faure's so gern eine Epoche der „Demokratie der ehrlichen Arbeit" nennen hört! An eine lange Lebensdauer des Kabinets Ribot glaubt freilich niemand In der Botschaft, die der Präsident an die Kammer richtete, wie auch in seiner Antwort auf die Begrüßung seitens des Nuntius Mgr. Ferrata beim Empfange des diplomatischen Korps gab Präsident Faure seinen friedlichen Gesinnungen Ausdruck, an denen übrigens Niemand gezweifelt hat.

* St. Petersburg, 1. Febr. Der Bürgermeister von St. Petersburg gab den Bürgermeistern der Provinzialstädte ein Fest-Essen, aus welchem die Frage angeregt wurde, bei der Regierung die Ermäch­tigung nachzusuchen, von Zeit zu Zeit einen Kongreß der Bürgermeister behufs Austausch von Ideen betr. die Verwaltung und die städtischen Interessen abzuhalten.

* Den Russen hat Kaiser Nikolaus 11. eine Ueberraschung, freilich keine angenehme, bereitet; nach seinen ersten Regierungshandlungen glaubte man an­nehmen zu dürfen, daß er ein freiheitlicheres Regiment als sein Vater führen werde, in den Redaktionen der russischen Zeitungen gab man sich den rosigsten Hoffnungen hin und in den Semstwo's (Selbstverwaltungskörpern) wurden Adressen an den Zaren beschlossen, die darum baten, die Semstwos auch mit Aufgaben der Gesetz­gebung zu betrauen, also einen ersten Schritt zu einer Verfassung zu thun — da erklärte Nikolaus H. den Deputationen der Semstwos, des Adels u. s. w-, die ihm zu seiner Heirath gratulirten: Schönen Dank, aber die thörichten Träume von Verfassung und dgl. schlagt euch aus dem Kopfe; ich werde an der Auto­kratie ebenso festhalten, wie mein Vater. Und sie — riefen Hurrah und ließen Dankmessen lesen! Ja, dann sind die Russen freilich noch nicht reif für die westliche Kultur und können den geringsten Hauch von Freiheit wohl nicht vertragen.

* Kopenhagen, 1. Febr. Sicherm Vernehmen nach werden die Kaiserin - Wittwe von Rußland und die Herzogin von Cumberland in nächster Zeit hier er­wartet.

* London, 1. Febr. Die geretteten „Elbe"-Passa- giere Hofmann und Vevera erklären, sie verdankten ihre Lebensrettung dem Passagier Bothen, der das Boot klarmachte und steuerte. Die Geretteten rühmen die Hülfeleistung des deutschen Konsuls Bradbeer in Lowestoft.

* Die Japaner haben nach zweitägigem Kamvfe Weiheiwei eingenommen. Die Verluste der Chinesen werden auf 2000 Mann angegeben.

Aus dem Reichstage.

27. Sitzung vom 31. Januar 1895, 2 Uhr.

Die Anträge auf Abschaffung der Diktatur in Elsaß-Lothringen werden weiterberathen.

Abg. Preiß (Els.) legt dar, daß Elfaß-Lothringen that- sächlich unter Ausnahmegesetzen stehe, für deren Beibehaltung fügte er schelmisch hinzu: „Will Onkel Arthur Bar­bara heirathen?"

„Was hattest Du dort oben auf der Anhöhe zu thun, Edmund? Hatte ich nicht gesagt, Ihr Kinder solltet hier bei mir bleiben!" sagte die Mutter in strengem Ton.

„Will er sie wirklich heirathen, Mama? Bitte, sage es mir", flehte Edmund.

„Mein liebes Kind, wie kann ich das wissen, aber ich hoffe es. Wie sind denn solche Gedanken in Deinen Kopf gekommen?"

„Gretchen hat's mir gesagt", gestand der Knabe.

„Kleiner Schelm", flüsterte die Mutter, dann be­fahl sie ihm, mit Alex und Eveline nach dem Schlöffe zu gehen und sich von Gretchen zu Bette bringen zu lassen.

„Erst muß ich es Evy und Alex erzählen," jubelte er und rannte fort.

Als die Dämmerung eingetreten war, dachten die Liebenden endlich an die Heimkehr. Die Stiefmutter erwartete sie oben auf der Anhöhe. Aber ehe sie die Worte fanden, ihr langes Ausbleiben zu entschuldigen, breitete Frau von Garkau ihre Arme aus, küßte das erröthende Mädchen und flüsterte ihr Glück- und Segenswünsche zu.

„Nichts auf der ganzen Welt hätte mich glücklicher machen können, als dieser Augenblick. Sagt mir nichts — ich weiß Alles! Wundert Ihr Euch darüber? Eure freubigen Gesichter sprechen deutlich genug. Aber Eins will ich Euch sagen: wenn sich Liebende in einer Schlucht küssen, so sollten sie zuerst ihren Blick auf die Anhöhe werfen, um sich zu überzeugen, ob keine Zuschauer da sind!"

jeder Grund fehle. Sollen die Elsässer dafür büßen, daß aus­wärts agitirt werde, bei ihnen aber Alles ruhig fei? Wenn der Diktaturparagraph wirklich nur' gegen Ausländer angewandt werden solle, dann frage er die Regierung, ob sie damit einver­standen sei wenn er in der 2. Lesung beantrage, das Gesetz ausdrücklich dahin za ändern, daß es nur gegen Ausländer an­gewandt werde? Man sage, mit Ausnahme einiger kleiner Kreise von Krakehlern sei die reichsländische Bevölkerung mit den be­stehenden Zuständen zusrieden. Wer sind diese Kreise von Kra­kehlern? Sind wir etwa damit gemeint? (Minister v. Köller: Sehr richtig! — Heiterkeit.) So, sind wir etwa kleine Kreise? Ich behaupte, nicht nur meine Wähler, sondern die Wähler aller elsaß-lothringischen Abgeordneten verlangen die Abschaffung der Diktatur. (Sehr richtig! links.) Herr v. Köller ruft hier nicht „sehr richtig". (Heiterkeit.) Herr v. Köller meint, die Be­völkerung sei mit der gegenwärtigen Gesetzgebung zufrieden und der Regierung dafür dankbar. (Minister v. Köller: Sehr richtig! — Große Heiterkeit.) Woher weiß Herr v. Köller das? Eine öffentliche Meinung besteht bei uns nicht, (v. Köller: Hört! hört!) Herrn v. Köller's System war nicht danach, daß die Bevölkerung geneigt gewesen wäre, ihm ihr Herz auszu­schütten. (Beifall.)

Minister v. Köller: Die Verhältnisse sind nicht so schlimm, wie sie der Vorredner geschildert. Erst nach 41/» Jahren, daß ich dort war, nahm ich Gelegenheit, mir einmal die Verhältnisse an­zusehen (stürmische Heiterkeit), als es fick daruin handelte, ein so schmähliches Blatt, wie die ,Els. Volksztg.', todtzuschlagen. Als elsässischer Bürger hätte ich nie so, wie der Vorredner ge­sprochen, auch wenn das Alles wahr wäre. (Stürmische Heiter­keit.) Aber es ist nicht wahr. Als 5jähriger elsässischer Unter­staatssekretär (abermalige stürmische Heiterkeit) kenne ich die Verhältnisse dort, und ich halte es für un----(lange Pause)

für un—verständlich, wie der Abg. Preiß fo sprechen kann. Das Volk dort ist nicht politisch gleichgiltig, aber Skandalmacher und Krakehler sind die Leute dort nicht. (Beifall und Heiterkeit links.) Ich kenne das Land bester als Herr Preiß. Während ich dort war, haben sich Land und Leute wesentlich den Deutschen assi- milirt, sie fühlen sich glücklich, sehr glücklich. (Heiterkeit.) Die Unzufriedenheit zu schüren, gibt es freilich auch dort Leute, ebenso wie hier im Reichstage. (Lachen links.) Ich nenne keine Namen. (Heiterkeit.)

Abg. Prinz Hohenlohe hält den Diktaturparagraphen nicht für entbedrlich, wünscht aber, daß in absehbarer Zeit die elsaß-lothringische Gesetzgebung geändert, die mancherlei alten französischen Gesetze beseitigt werden.

Abg. Lenzmann (frs. Volksp.) fordert im Interesse der Gerechtigkeit die Beseitigung des Unrechts der Ausnahmegesetz­gebung, welche die eigentliche Ursache der Auswanderung aus Elsaß-Lothringen nach Frankreich sei.

Abg. Pöhlmann (els. Hospitant der Rp.) wünscht, gleich Abg. Höffel, die Abschaffung der Diktatur.

A«g. v. Kardorff (Rp.) erklärte Namens der Reichs­partei kurz, diese tvünsche die Aufhebung des Diktatur-Para­graphen. werde aber gegen die Anträge stimmen, weil die Re­gierung, der sie vertraue, versichere, die bisherigen Vollmachten nicht entbehren zu können.

Abg. Barth (frs. Vgg.) erklärt sich für Aufhebung der Diktatur.

Abg. v.Marquardsen (natl.) spricht sich int Namen seiner Partei aus demselben Grunde, wie v. Kardorff, gegen die An­träge aus.

Nach den Schlußworten der Abgg. Bebel und Simonis, welch' Letzterer besonders warm für die Gleichstellung der Elsaß- Lothringer mit den übrigen Deutschen eintritt, wird die 1. Lesung geschlossen.

Freitag 1 Uhr: Weiterberathung derGewerbe Novelle,

Sladr, Provim und Nachbaryebiet.

Fulba, 4. Februar.

△ Seit Jahren schon hat man bei uns eine Re­form ber in nuferer Diözese leider tief gesunkenen Kirchenmusik angestrebt. Den rastlosen Bemühungen bes Herrn L-tadtpfarrer Rhiel ist es enblich auch ge­lungen, einen Pfarr-Cäcilienverein — ben ersten in ber Diözese — ins Leben zu rufen, besten Anschluß an ben Allgemeinen Cäcilien-Verein für bie Diözesen Deutschlands rc. im verflossenen Herbste erfolgte. Der Verein ist bem hl. Blasius, bem Patron ber Stabt« Pfarrkirche, geweiht. Es lag beshalb auch für ben Pfarr-Cäcilienverein ad St Blasium nichts näher, als am gestrigen Tage sein erstes Namensfest burch eine

Dann erzählte sie von ber Entdeckung, bie Edmunb vor etwa einer Stunbe gemacht hatte.

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Niemals halte eine Verlobung größere Freude bereitet, als diese, besonders unter den Kindern, Onkel Arthur war wieder der heitere, lustige Spielkamerad von ehedem, der jetzt, zu jedem ausgelassenen Spiel bereit, sich munter mit den Kleinen herumtummelte.

Der sonst so finstere Schloßherr war wie umge­wandelt. Er freute sich, seine älteste Tochter mit einem Manne zu verbinden, dem er vertraute, und den er hochschätzte.

Die Stiefmutter konnte nicht laut genug ihre Freude ansdrücken. Sie war glücklicher, als wie je seit den Jahren ihrer Verheiratung. Ihr Gatte, der, seitdem Barbara bei ihm war, seiner ersten Gattin nur noch in stiller Wehmuth gedachte, überhäufte sie jetzt mit zahllosen Aufmerksamkeiten und bemühte sich, durch verdoppelte Liebe das Versäumte zu entschädigen.

Nur die arme, gute Tante Agnes wollte sich nicht trösten lassen. Sie kam selbst nach dem Adlerhoch; um wenigstens ihre Nichte noch kurze Zeit zu haben. Doch allmählich wurde es ihr klar, daß ftüher ober später Barbara doch geheirathet haben würbe, und eine Trennung somit nicht allzu fern gewesen war.

Und Barbara? Täglich erkannte sie mehr und mehr, wie warm bie Herzen für sie schlugen, beten Liebe sie vor wenigen Monaten erringen wollte. Ja noch mehr! Ein anderes Herz, dessen Liebe das Glück ihres Lebens ausmachte, schlug so heiß und innig für sie und belohnte sie reichlich für manche bittere Ent­täuschung ihrer Jugendzeit.