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Neilsge Mr Muköser Aeitung.

M 28

Samstag, den 2. Jebruar 1895.

22. Jahrgang

Aus -em Reichstage.

26. Sitzung vom 30. Januar 1895, 1 Uhr.

Der erste Punkt der Tagesordnung ist der Antrag der Ge- schliftsordnungskommission über die Reihenfolge der Ini­tiativanträge; derselbe wird aber abgesetzt, da hierzu inzwischen noch ein Abänderungsantrag eingegangen ist.

Es folgen die Anträge Auer (Soz.) und Colbus (Elf.) wegen Aufhebung des Diktaturparagraphen in Elsaß-Lothringen.

Abg. Bebel (Soz.) schildert den Ausnahmezustand in Elsaß-Lothringen, dessen Fortbestehen nicht die Schuld der reichs­ländischen Bevölkerung sei, die heute noch als eine feindliche be­handelt werde. Am meisten habe darunter natürlich die Presse zu leiden; sogar Blätter aus Altdeutschland, die man natürlich nicht verbieten könne, würden an der Grenze zurückgewiesen. Auch die Ausweisungen richten sich sogar gegen Altdeutsche. Wie beschränkt das Bereinswesen sei. lehre der Fall des Fedelta- Bereins. Die Lehrer und theilweise auch die Geistlichen seien ganz von dem Statthalter abhängig. Berwaltungsgerichte gebe es nicht, Beschwerden könne man nicht anbringen. Wie könne man annehmen, daß eine derart behandelte Bevölkerung sich mit dem über sie verhängten Wechsil aussöhne? Also heben Sie die Diktatur auf! (Beifall links)

Reichskanzler Fürst Hohenlohe: Nach den Aeußerungen des Vorredners könnte es scheinen, als ob er (der Reichskanzler) in den 9 Jahren, wo er die Ehre hatte, an der Spitze der dor­tigen Geschäfte zu stehen, ein Tyrann gewesen sei; er könne das nicht einsehen. Der sogenannte Diktaturparagraph richte sich nicht mehr gegen die Elsaß-Lothringer, sondern gegen die Auf­wiegelung von außen her, der § habe nur noch theoretische Be­deutung, er sei während seiner ganzen Amtszeit nur zwei Mal angewandt worden. Elsaß-Lothringen habe sich gewöhnt, die gegenwärtigen Zustände als dauernd anzusehen. Biele Elsaß- Lothringer seien gute Deutsche, überhaupt sei die Bevölkerung arbeitsam, treu, ehre Staat, Gesetz und Religion. Trotzdem sei es nicht rathsam, den Diktaturparagraphen jetzt aufzuheben. Die dortige Regierung bedürfe gewisser Sicherheiten, nicht gegen die Bevölkerung, sondern gegen auswärtige Agitationen. Die französische Regierung sei jederzeit in der korrektesten, loyalsten Weise verfahren, aber es könnten sich in Frankreich zahlreiche Menschen nicht von dem Gedanken trennen, daß dieses Land wieder mit Frankreich werde vereint werden. Gegen die Ueber- tragung dieser Agitationen nach Elsaß-Lothringen bilde der Diktaturparagraph eine Warnungstafel. Die Gleichstellung der Reichslande mit dem übrigen Deutschland könne erst erfolgen, wenn wir vor fremden Einwirkungen sicher gestellt sind.

Abg. Guerber (Els.) legt dar, welche Knechtschaftsver­hältnisse die Diktatur in Elsaß-Lothringen geschaffen, und be­leuchtet dieselben durch eine Reihe von Beispielen, wobei er leider im Einzelnen auf der Journalistentribüne meist unver­ständlich bleibt. Mit Gewalt werde man die Liebe der Elsaß- Lothringer nicht erringen, sondern nur Unzufriedenheit säen, und diese komme der Sozialdemokratie zu Gute. Es liege deshalb im Interesse des Reiches, die Diktatur aufzuheben. Die fran­zösischen Agitationen dürfe man nicht überschätzen, dieselben hätten doch recht wenig zu bedeuten. Döronlsde, auf den man immer Hinweise, sei ein halbverrückter Mensch.

Staatssekretär für Elsaß-Lothringen v. P u t t k a m e r meint, diese Agitationen seien doch nicht so harmlos, es beständen zahl­reiche Vereine in Frankreich, die fortgesetzt bestrebt seien, die Auswanderung aus Elsaß-Lothringen nach Frankreich zu för­dern und die Wunde offen zu halten. Nur gegen diese Emwirk- ungen von außen richte sich der Diktaturparagraph, der über­haupt nichts Unerhörtes sei, sondern Gegenstücke auch in anderen Staaten, wie Württemberg und Hessen, habe. Bon Diktatur könne man eigentlich gar nicht sprechen. Redner weist dann in scharfem Tone die Schilderungen der Vorredner als ungerecht­fertigt und übertrieben zurück und schließt: Unser Wahlspruch ist: Toujours en verkette! Sie dürfen uns nicht die Waffen nehmen, die wir brauchen. (Beifall rechts.)

Abg. Dr. Lieber (Ctr.): Schon aus dem Tone des Staats­sekretärs klang uns ein Hauch von Diktatur entgegen. (Sehr wahr!) Wir fordern von den Elsaß-Lothringern rückhaltlose An­erkennung des Frankfurter Friedens und der durch denselben geschaffenen Thatsachen; wir fordern aber auch von der Regier­ung, daß sie Alles thue, um der reichsländischen Bevölkerung diese Anerkennung zu erleichtern. Darum gebe man ihr das allgemeine deutsche Recht! Die Aufrechterhaltung der Diktatur ist das Haupthindernis dafür, daß sich die Elsaß-Lothringer mit uns amalgamiren. Wie kann man verlangen, daß sich die Elsaß- Lothringer deutsch fühlen, wenn man sie fort und fort nach französischem Staatsrecht behandelt! (Sehr gut!) Das beste Mittel, um die Umtriebe der französischen Chauvinisten platt zu Boden fallen zu lassen, ist, den Diktaturparagraphen abzuschaffen und zu zeigen, daß wir den Elsaß-Lothringern vertrauen. (Beifall.) Der Reichskanzler hat als Statthalter versöhnlich ge­wirkt ; es gibt fdne schönere Aufgabe für ihn, als daß er jetzt dazu die Hand bietet, einer treuen, Gesetz und Religion ehrenden Bevölkerung das Joch der Diktatur vom Halse zu nehmen. Es ist kein gutes Zeugniß für das deutsche Reich, wenn es so große Furcht vor den ausländischen Agitationen zeigt. (Beifall)

Nachdem noch die Abgg. Höffel (Rp.) und Bueb (Els.) ebensalls für die Gleichstellung der Elsaß-Lothringer mit Alt­deutschland eingetreten waren, wird die W citerberath ung auf Donnerstag 2 Uhr vertagt; außerdem soll am Donners­tag die 1. Berathung der Gewerb enovelle fortgesetzt werden.

A«s dem Preutz. Abgeordnetenhause.

8. Sitzung vom 30. Januar, 11 Uhr.

Bei Fortsetzung der Berathung des landwirthschast- lichen Etats bespricht Abg. Richter (fr. Bp.) zunächst die Programm-Rede des neuen Landwirthschafts-Ministers, dem er in einzelnen Punkten, so betreffs der Boitheile der Steuer-Re­form für den Grundbesitz und der Staffel-Tarife, zustimmt, in anderen aber widerspricht. Das Zuckersteuer - Gesetz von 1891 habe Herr v. Hammerstein das thörichtste Gesetz genannt, es sei aber die beste Leistung des Herrn Miquel. Herr v. Lucius fei gegangen, weil er ein Gegner des österreichischen Haadelsver- ttages war, Herr v. Heyden, weil er ein zu großer Freund der Caprivi'schen Vertrags Politik war, als de» en Gegner sich nun wieder Herr v. Hammerstein bekenne. „Sehen Sie, m. H., das ist der Zickzack - Kurs." (Heiterkeit.) Der Antrag Kanitz habe gar nicht so viele Leute hinter sich, daß deswegen der Staatsrath berufen werden müßte, dieser solle einfach mir als Conliffe gegen­

über den Agrariern dienen, um dielen nicht heute schon eine klare ablehnende Antwort geben zu müssen. Die Annahme des An­trages Kanitz wäre ein Vertragsbruch schlimmster Art, der jedes Vertrauen zur deutschen Regierung im Auslande vernichten müßte. Nach dem Prinzip des Antrages Kanitz könnten auch die Arbeiter einen Minimal-Lohn verlangen.

Finanzminister Miquel bemerkt, nicht er habe seine Ansicht in der Zuckersteuer-Frage, sondern die Verhältnisse hätten sich so geändert, daß die Ausfuhr-Prämien nöthig seien.

Landwirthschasts-Minister v. Hammerstein-Loxten be­tont, er habe sich gestern ganz klar über den Antrag Kanitz aus­gesprochen; Richter habe nach seiner Gewohnheit gehandelt, Aeußerungen vom Regierungstische entstellt wiederzugeben.

Abg. Dr. Sattler (uat.-lib.) führt unter großer Unauf­merksamkeit des Hauses (das sich fast ganz leert, als Redner das Wort ergreift) aus, daß Minister v. Hammerstein im Ganzen die Anschauungen der Natioualliberalen theile

Abg. v. Mend el-Steiufels (kons.) meint, die Noth werde dazu zwingen, auf die Grundgedanken des Antrages Kanitz zurück­zukommen. verlangt ein schärferes Margarine-Gesetz, bessere Be­rücksichtigung der laudwirthschaftlichen Interessen bei der Wasser- Gesetzgebung und Verbesserungen im Veterinärwesen.

Abg. v Tiedemann-Labischin (frk.) beklagt sich über die schwere Belastung der Landwirthschaft durch die Versicherungs- Gesetze, welche 30—40 Millionen jährlich betrage. (Hört! hört!)

Abg. Sieg (nat.-lib.) schildert die landwirthschaftlichenVer­hältnisse im Osten.

Abg. Herold (Centr.) begrüßt die Anerkennung des land­wirthschaftlichen Nothstandes durch den Minister als ersten Schritt zur Besserung mit Freude. Nicht nur im Osten, sondern auch im Westen gehe es der Landwirthschaft schlecht. Der westfälische Bauernverein habe viel geleistet, deswegen aber bedürfe Westfalen nicht etwa geringerer Fürsorge; auch dort sei die Landwirthschaft zurückgegangen, wie die Zunahme der Verschuldung beweise, die sogar stärker zugenommen habe, als im Osten. Gebe es ein Mit­tel, die Getreidepreise zu erhöhen, so würde das Centrum gewiß 'zugreifen, aber der Antrag Kanitz sei unannehmbar und unaus­führbar. Redner fordert dann Verschärfung der Abwehr-Maß­regeln gegen ausländische Viehseuchen, Schutz gegen Täuschung des Publikums durch Margarine, staatliche Förderunq der Pferde­zucht, Erhöhung der Zuckerprämien, Bau von Kleinbahnen durch Provinzen und Kreise, bessere Nutzbarmachung der Eisenbahnen und Kanäle für die Landwirthschaft, Unterstützung des landw. Darlehenskaffenwesens, namentlich auch durch größeres Entgegen­kommen Seitens der Reichsbank, größere Coulanz der Militär- Verwaltung g gen die Landwirthe, eine allmähliche Aendernug des Erbgcmges, aber Vorsicht mit Einführung einer Verschuldungs- Grenze. Hoffent ich werde die Börsen - Reform mit aller Kraft durchgeführt werden. Redner betonte schließlich die Wichtigkeit der Landwirthschaft für das Allgemeinwohl und erklärte, daß das Centrum sich von feiner Partei in der Fürsorge für die Land- wirthschast übertreffen lasse. (Beifall.)

Die Weiterberathung wird sodann auf Donnerstag 11 Uhr vertagt.

Die Tochter des Hooses.

17 Erzählung von C. Borges.

Nachdruck verboten.

„Graf Eckernstein! ich hätte fern bleiben sollen," dachte er bei sich selbst, und finster grollend setzte er seinen Weg nach dem Schlosse hin fort.

Barbara fühlte sich tief unglücklich. Sie konnte kaum auf das fröhliche Geplauder ihres Schwesterchens hören ; dachte sie doch nur an den schweigsamen Offizier, der jetzt keinen Blick mehr für sie hatte. War sie Schuld daran? Zürnte er ihr, daß sie sich unter fremdem Namen — durch Betrug also — in das Haus ihres Vaters gedrängt hatte?

Nach dem Abendessen ging sie hinaus in Freie. Sie wollte allein sein, um ihr aufregtes Herz zu be­ruhigen. Doch ach, da stand schon wieder der Graf an ihrer Seite, der sie wie ein Schatten verfolgte.

Sie hörte kaum, was er sagte. Ihre Gedanken weilten ja nur bei ihm, der, wie sie fürchtete, durch ihre Schuld so ernst, schweigsam und traurig war.

Da stand der Graf plötzlich still; er erwartete augenscheinlich die Antwort auf eine Frage, die sie vollständig überhört hatte.

„Ja! — nein!" antwortete sie verwirrt.

Er erfaßte ihre Hand und drückte sie leidenschaft­lich an seine Lippen. Sie entzog ihm dieselbe entrüstet.

„Verzeihen Sie, Herr Graf, ich beachtete ihre Frage nicht", sagte sie erbebend.

„Ich hatte Sie gebeten, meine Gattin zu werden, Barbara", wiederholte er mit glühender Leidenschaft.

„O! das thut mir leid — wirklich sehr leid. Aber es ist unmöglich! Ich---liebe Sie nicht — kann

Sie nie lieben."

Sie stieß diese Worte mühsam, fast heiser hervor.

„Ich will ja auch warten; — ich will geduldig ausharren, bis Sie gelernt haben, mich ein wenig zu lieben. Sehen Sie, Barbara, ich liebe Sie schon lange, ehe ich Ihren wirklichen Namen kannte. Wäre die Krankheit der Kinder nicht so plötzlich hereingebrochen, so hätte ich Ihnen schon früher mein Herz ausge­schüttet. Glauben Sie nicht, daß ich jetzt um Ihre Hand bitte, weil ich weiß, daß Sie die Tochter des Freiherrn sind, wären Sie noch die einfache Gouver­nante, so würde ich es auch gethan haben."

„Ich glaube es Ihnen, Herr Graf, aber — es kann nicht sein! Verzeihen Sie, wenn ich falsche Hoff­nungen in Ihnen erweckte, — es lag nicht in meiner Absicht!"

Sie erhob ihr bleiches, thränenfeuchtes Antlitz zu ihm empor, und diesem flehenden Blick kannte er nicht widerstehen.

„Sie haben nichts gethan, um mich zu diesem Schritt zu ermuthigen", gestand er offen, „aber ich konnte die Hoffnung nicht so leicht aufgeben. Jetzt erst glaube ich Sie zu verstehen--Sie lieben

einen Anderen! — Wer es auch sei, der Himmel segne Sie."

Barbara antwortete nicht; eine verrätherische Röthe färbte plötzlich ihre bleichen Wangen.

„Ich verlaffe jetzt den Adlerhorst, um nie wieder zurückzukehren", fuhr der Graf mit erzwungener Rahe fort, „leben Sie wohl — seien Sie glücklich". Er ergriff ihre Hand, preßte sie noch einmal an seine Lippen, dann eilte er davon, ohne einen weiteren Blick auf sie zu werfen.

Mittlerweile ging der Oberst in heftiger Erregung auf und ab. Endlich blieb er vor seiner Kousine stehen.

„Nein, Eveline", stieß er mühsam hervor, „für mich ist keine Hoffnung mehr. Sie hat meinen Brief gar nicht einmal beantwortet. Du sagst mir, daß Du fest überzeugt bist, ihn ihr gegeben zu haben. Aber selbst wenn Du Dich irrst, wenn er durch irgend einen Zufall, ohne daß Du Dich dessen erinnerst, verloren gegangen ist, so könnte ich doch jetzt mich ihr nicht mehr nähern. Hast Du ihr nicht oft genug gesagt, daß ich nur eine reiche Gattin wählen müsse? Biete ich ihr jetzt Herz und Hand an, so könnte sie leicht denken, daß ich Deinen Rath befolge. Jedoch für mich ist sie verloren! Sieh dorthin, dort geht sie an der Seite des Grafen; ist er nicht allein in der Absicht gekommen, sie als Gattin heimzuführen?"

Er deutete mit der Hand nach der Richtung, wo Barbara an der Seite des Grafen stand.

„Er ist so stolz auf seine Ahnen; die reiche Tochter des Freiherrn von Garkau, die noch dazu nach dem Willen eines alten, excentrischen Onkels eine reiche Erbin ist, wird von seinen hochgräflichen Eltern gewiß mit offenen Armen empfangen werden", fuhr er bitter fort. „Aber er ist ein guter, ehrlicher Mensch; ich kenne ihn wie einen Bruder und er wird sie glücklich machen. Ich hätte nicht hierher kommen sollen, aber ich folgte nicht der Stimme meines Herzens, die mich laut genug warnte. Hätte ich aber geahnt, den Grafen hier anzutreffen, so würde keine Macht der Welt mich dazu bewogen haben. — Na, Eveline, sieh nicht so traurig drein, ich werde auch diesen Schlag ertragen lernen, selbst wenn es lange währt, bis die tiefen Wunden heilen. Ich bleibe ein alter Junggeselle, der einsam und verzweifelt in fremden Landen 'fein Leben vertrauern will."

Als Barbara gleich darauf ihrer Stiefmutter „Gute Nacht" wünschte, flüsterte ihr diese ins Ohr:

„Ist Alles abgemacht, mein Kind? Sollen wir Dich schon bald wieder verlieren, nachdem wir Dich erst seit wenigen Wochen gefunden haben?"

„Nein," versetzte Barbara und schlug verwirrt die Augen zu Boden, „nicht, wenn Du Deine Worte mit Graf Eckernstein in Beziehung bringst. Ich habe seinen Antrag abgelehnt."

„Warum? er ist herzensgut und meint es auf­richtig!"

„Mag sein, aber--ich liebe ihn nicht."

Dann eilte sie hinaus, verschloß die Thür ihres Zimmers und weinte bitterlich, als ob ihr das Herz brechen wollte.

Am nächsten Morgen ging sie früh in den Park. Zu ihrem Erstaunen fand sie ihr Schwesterchen schon auf ihrem Lieblingsplätzchen, die eifrig in ihrem Märchen­buch las.

„Sieh, Barbara, was ich hier gefunden habe", rief die Kleine und hüpfte ihr entgegen. „Dieser Brief lag in meinem Buche; er ist für Dich!"

Barbara nahm ihn; er war an „Fräulein Norden" gerichtet. Das war ja feine Handschrift! Da — wie Schuppen fiel es plötzlich von ihren Augen — sie ge­dachte des Briefes, den ihr die Stiefmutter vor Mo­naten an Eveline's Krankenbett gereicht, den sie aber, da das Kind, ihrer bedurfte, ungelesen in ein Buch gelegt, ihn dann vollständig vergessen hatte. Es waren wenige Zeilen:

„Geliebte Barbara! Ich habe meine Kousine ge­beten, Ihnen diese zu Zeilen geben; aber ehe ich ab­reise, muß ich Ihnen bekennen, wie sehr ich Sie liebe. Geliebte! Mein ganzes Sein und Denken gehört Ihnen; machen Sie mich zum Glücklichsten aller Menschen und werden meine Gattin. — Ant­worten Sie mir; schreiben Sie mir nur wenige Zeilen, damit ich weiß, ob ich hoffen darf; wenn nicht — nun — so werden Sie mich nie wieder­sehen. Gott segne Sie! Arthur Dornburg."

(Schluß folgt.)