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22. Jahrgang

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IV* Hierzu eine Beilage.

Des Festes Mariä Lichtmeß wegen er­scheint die nächste Nummer am Montag.

Rundschreiben

Sr. Heiligkeit des Papstes Leo XIII. an die Propaganda.

Ehrwürdige Brüder!

Gruß und apostolischer Segen!

Christi Namen und sein Königreich täglich wei­ter zu verbreiten unter den Völkern, herbeizuführen oder zurückzuführen in den Schooß der Kirche Die­jenigen, welche sich von ihr getrennt haben oder mit ihr im Zwiespalte stehen, das ist eine der heiligsten Verpflichtungen des erhabenen Uns anvertrauten Amtes, und unter dem Drange der apostolischen Liebe ist dies seit lange der Gegenstand Unseres Trachtens und Un­serer Sorge. Deshalb haben Wir unablässig die Mis­sionen gefördert und vermehrt, die das Licht des christ­lichen Glaubens unter den in der Finsterniß irrenden Völkern verbreiten, und Wir haben mit den von den Gläubigen aufgebrachten Mitteln die von jenen unter­haltenen Anstalten un erstützt.

Besonders im dritten Jahre Unseres Pontifikates thalen Wir dies durch Unsere Encyklika: Sancta Dei Civitas, die zum Zwecke hatte, die Liebe und die Frei­gebigkeit der Katholiken für die berühmte Anstalt zur Verbreitung des Glaubens zu vermehren. Wir woll­ten damals durch Unsere Empfehlung ein Werk. för­dern, dessen bescheidene Anfänge von einer so groß­artigen Entwickelung in kurzer Zeit gefolgt worden waren, feststellen, mit welchen lobenden Zeugnissen und Ablässen Unsere erlauchten Vorgänger, Pins VII., Leo XII., Pius VIIL, Gregor XVI., Pius IX. diese Anstalt ausgezeichnet hatten; wie viel von ihr für die heiligen Missionen auf der ganzen Erde geleistet wor­den ist, und wie fruchtbare Werke noch von ihr zu erwarten sind. Gott sei Dank! Unsere Mahnworte hatten einen günstigen Erfolg, denn in Folge des eif­rigen Ansporns der Bischöfe und der Freigebigkeit der Gläubigen sehen Wir die so wohlverdiente Anstalt in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte machen. Aber neue und noch wichtigere Bedürfnisse treten heran, für welche von Seiten der Katholiken erneuter Eifer in Rath und That, von Euch, Ehrwürdige Brüder, ver­schärfte Aufmerksamkeit erfordert wird.

Durch Unfern Apostolifchen Brief vom Juni v. I. Praeclara haben Wir, wie Ihr wißt, dem Rathe der göttlichen Vorsehung folgen zu müssen geglaubt, indem Wir die Völker allenthalben zur Einheit des christ­lichen Glaubens herbeiriefen, denn Wir wären auf der Höhe Unserer Wünsche, wenn es Uns vergönnt wäre, ein wenig durch Unsere Mühe das Herannahen jener gelobten Zeit zu beschleunigen, da ein Hirt und eine Heerde sein wird — quo fiel unum ovile et unus pastor.

Mit welch besonderer Sorge Wir vornehmlich Uns nach dem Oriente und seinen Kirchen wenden, die durch so manchen großen Namen berühmt sind, das habt Ihr aus Unseren jüngsten Apostolischen Briefen ersehen, die Wir über den Schutz und die Erhaltung der orientalischen Kirchenordnung veröffentlicht haben. Ihr habt dies ferner erfahren durch die Verfügungen, die Wir nach Beralhung mit den Patriarchen jener Völker getroffen haben behufs Erreichung des Zieles. Wir verhehlen Uns aber keineswegs die großen Schwierig­keiten dieser Unternehmung und ebenso wenig Unsere Ohnmacht, sie zu besiegen, aber Wir setzen zu ihrer Ueberwindung von ganzem Herzen unser festes, uner­schütterliches Vertrauen auf Gott. Denn er, der Uns diesen Gedanken lieh, und den Anfang in seiner Vor­sehung Uns eingab, er wird Uns auch die Kraft und die Mittel verleihen, das Werk zu vollenden. Das ist es, warum Wir in glühendem Gebete flehen, und Wir ermahnen eifrigft auch alle Gläubigen deshalb zum Gebete. Aber es gilt, mit der im Vertrauen erwarteten göttlichen Hilfe menschliche Mittel zu vereinigen, und es ist Unsere Sache, so weit es von Uns abhängt, nichts zu verabsäumen, um alle die Mittel und Wege zu suchen und zu zeigen, die zu dem erstrebten Ziele führen.

Um alle die getrennten Orientalen zur einigen Kirche zurückzuführen, dazu ist, Ihr wißt es, Ehrwürdige Brüder, nichts wesentlicher, als eine zahlreiche Geist­lichkeit aus ihnen selbst zu schaffen, die reich ist an Gelehrsamkeit und Frömmigkeit, und die den anderen den Geist der erwünschten Einigung einflößt; ferner ist nothwendig, nach Möglichkeit Anstalten des katho­lischen Lebens und Glaubens zu verbreiten und zwar so, daß sie dem besonderen Volksgeiste in jeder Hin­sicht entsprechen. Es ist also dafür zu sorgen, überall, wo es angezeigt erscheint, daß Seminarien zur Heran­bildung der Kleriker, daß ferner Gymnasien in ge­nügender Zahl zum Verhältnisse der Bevölkerungs­ziffer vorhanden sind; damit jeder Ritus Gelegenheit habe zur gebührenden Uebung; daß durch Herausgabe der besten Schriften allen Gläubigen Kenntniß des an­gestammten Glaubens werde.

Was aber dazu an Mitteln aufzuwenden ist, das, Ehrwürdige Brüder, begreift Ihr leichtlich: Ihr wißt auch, daß die orientalischen Kirchen von sich aus so viele große Dinge nicht leisten können; und daß es Uns selbst, in dieser Zeiten Bedrängniß, nicht möglich ist, nach Unserem Wunsche zu geben.

Es bleibt also nur übrig, von jener eben von Uns belobten Anstalt die geeigneten Mittel theilweise zu verlangen, da ihr Grundplan mit dem, was Uns am Herzen liegt, so eng zusammenhängt. Aber damit die apostolischen Missionen dadurch, daß ein Theil der Mittel, durch die sie erhalten werden, nach einer anderen Seite abfließt, nicht geschädigt werden, muß durchaus danach getrachtet werden, daß jener Anstalt um so reichlicher die Geschenke der Gläubigen zusttömen. Die gleiche Vorsicht ist übrigens anzuempfehlen für die verwandte so nützliche Einrichtung der Schulen im Orient, die Wir ebenfalls empfohlen haben, besonders weil die Leiter derselben versprochen haben, von den Almosen, die sie sammeln, zu dem gleichen Zwecke Uns so viel wie möglich zu übergeben.

Das ist es denn, Ehrwürdige Brüder, wofür Wir Euere ganz besonderen guten Dienste erbitten. Wir zweifeln auch nicht, daß Ihr, die Ihr mit so bestän­digem Eifer mit Uns die Sache der Religiou und der Kirche zu vertreten trachtet, Uns mit Euerer Hilfe unterstützen werdet. Sorget denn dafür, daß in den Kreisen der Euerer Obhut anvertrauten Gläubigen die Gesellschaft A Propagatione Fidei den möglichsten Aufschwung nähme! Wir hegen auch die Gewißheit, daß Viele lieber ihren Namen geben und Almosen je nach ihrem Vermögen beitragen werden, wenn sie, unterrichtet von Euch, die Vorttefflichkeit jener Anstalt genau erkannt haben werden und die ganze Fülle der geistlichen Werke, und welche Vortheile für die Gegen­wart die Sache des Christenthums von da zu er­warten hat.

Sicherlich wird es die Katholiken auch tief bewegen, zu vernehmen, daß sie Uns nichts Angenehmeres er­weisen könnten, daß ferner ihnen selbst und der Kirche nichts mehr zum Heile gereichen kann, als so Unfern Wünschen entgegenzukommen und beantragen durch ihren Wetteifer, damit das, was Wir zum Heile der orientalischen Kirchen angeordnet haben, auch that- sächlich in angemessener glücklicher Form erfüllt werde. Möge Gott, dessen Ruhm allein ist die Ausbreitung des christlichen Glaubens und die Vereinigung im Glauben und in der Lehre, in seiner Güte Unsere Wünsche segnen und das Unternehmen gedeihen lassen; und als Unterpfand der reichsten göttlichen Gaben er- theilen Wir Euch, Ehrwürdige Brüder, Eurer Geist­lichkeit und Eurem Volke in Liebe Unseren Apostoli­schen Segen.

Gegeben zu Rom bei Sankt Peter am 24. Dezember 1894 im 17. Jahre Unseres Pontifikates.

Leo P. P. XIII.

Deutsches Reich.

Berlin, 31. Januar.

* Die Abg. Hitze und Dr. Lieber haben mit Unterstützung des Centtums im Reichstag folgende Interpellation eingebracht: Die Unterzeichneten richten an die Derb. Regierungen die Anfrage: Welche gesetzt. Bestimmnngen sind in Ausführung der kaiser­lichen Erlaffe vom 4. Februar 1895 über die Formen in Aussicht genommen, in denen die Arbeiter oder

bereit Vertreter, welche ihr Vertrauen besitzen, an der Regelung gemeinsamer Angelegenheiten be- theiligt und zur Wahrnehmung ihrer Interessen bei den Verhandlungen mit den Arbeitgebern und mit den Organen der Regierung befähigt werden? Darf insbesondere die Vorlegung eines Gesetzentwurfs bett, die gesetzliche Anerkennung der Berufsveretne in der Richtung einer geordneten Vertretung der Arbeiter (Arbeiter-Komite) zum freien und friedlichen Ausdruck ihrer Wünsche und Beschwerden auch gegen­über den Staatsbehörden baldigst erwartet werden?

* Den Abendblättern zufolge hat sich der Land- wirthschaftsmiuister v. Hammersteiu-Loxteu zur Auf­nahme in den hiesigen Klub der Landwirthe gemeldet.

* In der Audienz, welche kürzlich Herr Dr. Frhr. von Schorlemer-Alst beim Kaiser hatte, hat derselbe, wie dem .Wests. Volksbl.' berichtet wird, dem Kaiser eingehende Schilderung über die Bedürfnisse und Wünsche der Landwirthschaft des Westens, wie der Landwirthschaft überhaupt gegeben. Herr Dr. Frhr. v. Schorlemer-Alst war zu diesem Zwecke auf den persönlichen Wunsch Sr. Maj. nach Berlin entboten worden.

* Im Abgeordueteuhause wurde heute die Berath- ung des landwirthschaftlichen Etats (Titel „Ministergehalt") fortgesetzt. Abg. v. Riegeuhausen- ßrangen (fonf., führt aus, daß, wenn die Nothlage der Landwirthschaft in allen Ländern vorhanden sei, schon längst Schritte hätten gethan werden müssen, um durch internationale Vereinbarungen dieser Weltnoth- lage der Landwirthschaft abzuhelfen. In Frankreich würde man uns sehr gern die Hand geboten haben. Abg. Dr. Arendt (frk.) meint, die Krisis herrsche nur in den Goldwährungsländern und hätte durch internationale Vereinbarungen gemildert werden können. Abg. v. Heydebrand (kons.) glaubt, schließlich werde sich doch die Nothweudigkeit ergeben, die Getreide­preise zu heben; alles Andere würde nicht viel nützen. Abg. Klose (Ctr.) macht insbesondere den russischen Handelsvertrag für den landwirthschaftlichen Noth- stand verantwortlich; Schlesien sei allerdings durch die Aufhebung der Staffeltarife fast noch mehr ge­schädigt worden. Besonders zeige sich das in Ober­schlesien wegen des Mangels an Wasserstraßen; daher sei die baldige Regulirung der Oder bis Kosel durch­aus nothwendig. Auch die Erhöhung der Zuckeraus­fuhrprämien sei nöthig. Auf den Antrag Kanitz lege der Antragsteller wohl selbst nicht mehr großen Werth. Abg. Schröder «Pole) beklagt ebenfalls die Auf­hebung der Staffeltarife. Minister Frhr. v. Hämmer­st ein bittet, seine persönliche Stellung mit der der Staatsregierung und des Bundesrathes zu den Mono­polideen des Antrags Kanitz nicht zu verwechseln; ein Begräbniß des Antrags Kanitz bedeuteten seine Aus­führungen nicht. Der Minister wendet sich sodann gegen einzelne Bemerkungen verschiedener Vorredner und warnt namentlich auch vor der agitatorischen Aus­beutung der Währungsfrage. Nach weiterer unwesent­licher Debatte wird der Titel „Ministergehalt" ge­nehmigt und dann die Weiterberathung vertagt; außerdem Freitag 11 Uhr Vorlage wegen Errichtung neuer Generalkommissionen.

* Das Militärwochenblatt' meldet: Dem Grafen Herbert Bismarck, Oberstlieutenant ä la suite der Armee, wurde der Charatter als Oberst verliehen.

* Aus Fuchsmühl berichtet die Münchener Post': Unter den Angeklagten befindet sich auch eine Anzahl Frauen sowie Zuschauer der Katastrophe. Als Zeugen für die Anklage sollen der Förster Großmann, die GenSdarmen sowie eine Anzahl der betheilizten Sol­daten vernomyien werden. Gegen verschiedene Personen soll die Anklage auf gemeinsam verübten Forstfrevel und Entwendung in Verbindung mit dem Vergehen des Landfriedensbruches lauten. Die Angeklagten werden gegen die Eröffnung des Hauptverfahrens E i n- wendnng erheben und auch gegen die Verweisung vor die Sttaflammer, anstatt vor das Schwurgeicht, protestiren. Sollte ttotzdem das Hauptverfahren er­öffnet werden, so wollen sie ihre Vertheidigung dem Rechtsanwalt Bernstein in München übertragen.

* Stuttgart, 30. Jan. Centrum und nur Centrum ist bei den bevorstehenden Landtagswahlen die Losung der württembergischen Katholiken. Mit Hellem Jubel haben sie die Gründung einer Landescentrums­partei landauf landab begrüßt; mit größter Einmüthig-