für Ordensfrauen zugänglich gemacht worden ist. Am Kongo wirken Ordensfrauen und die entlegensten deutschen Gebiete am Tanganjika- und Viktoria-See haben ebenfalls ihre ersten Niederlassungen von Missionsschwestern erhalten. Im Oktober und November sind die tapferen Frauen dort eingetroffen und von den Missionären wie den Heiden mit Jubel begrüßt worden. Wir dürfen also sagen: mit Riesenschritten geht die Eroberung des „dunklen Erdtheiles" voran und ein Rückschlag ist nicht mehr zu befürchten, denn fast überall ist die Macht der Araber gebrochen. Das dürste unsere Katholiken aber auch anregen, etwas mehr als bisher ihre Blicke nach Afrika zu richten, wo so unendlich große Gebiete für unsere hl. Kirche zu gewinnen, so viele Millionen Seelen zu retten sind. Jetzt wäre es an der Zeit, einmal eine kräftige Agitation für die Zwecke des A f r i k a - V e r e i n s deutscher Katholiken ins Werk zu setzen, damit er einigermaßen leistungsfähig wird. Als geeignete Agitationsschrift stellt der Herausgeber von „Kreuz und Schwert" (W. Helmes, Münster i. W.) das eben erschienene Februarheft zur Verfügung. Dasselbe soll ausnahmsweise in Parthien auch an Nichtabonnenten abgegeben werden und zwar gegen die geringe Vergütung von 6 Pfg. pro Exemplar. Die Vorsteher der Afrika-Vereine besonders wollen sich dieses Angebot zu Nutzen und recht bald ihre Bestellungen machen. Es dürfte zweckmäßig sein, dies Heft, das u. a. auch den letzten Vereinsbericht enthält, bei Einziehung der Jahresbeiträge zu vertheilen.
* Der Exjesuit Graf Paul v. Hoensbroech, der jüngst zum Protestantismus übergetreten ist, verlobte sich, wie aus Neiße gemeldet wird, mit der Tochter des protestantischen Theologieprofessors Harnack zu Berlin. Diese Meldung, deren Richtigkeit freilich noch bestätigt werden muß, überrascht uns nicht. Vielleicht gedenkt sich der Herr Graf demnächst als Dozent an der Berliner Universität niederzulassen, nm so seine in der Gesellschaft Jesu erworbenen Kenntnisse praktisch und finanziell zu verwerthen. Denn an Zulauf von Hörern würde es ihm gewiß nicht fehlen, daiür würde außer dem „Renomine", das sich der Graf in protestantischen Kreisen erworben, seine Verwandtschaft und der „evangelische Bund" schon sorgen.
* Der ,Reichsanzeiger' veröffentlicht die für die Berufs- und Gewerbezählung im Juni d. I. vom Kaiser!. Stattstischen Amte unter Mitwirkung der amtlichen Vertreter der Statistik der Bundesstaaten ausgearbeiteten Entwürfe zu, Erhebungs-Formularen, nämlich einer Haushaltungs-Liste, einer Landwirthschafts- Karte und eines Gewerbe-Bogens. Die Bekanntgabe dieser Formulare war im Reichstage gewünscht, aber bereits vorher in Aussicht genommen worden.
* Im Hinblick auf die guten Erfolge, die mit dem Wauder-Unterricht und der Verbesserung der Webstühle bei den Hauswebern des Glatzer- und Eulengebirges bisher erzielt worden sind, hat der Kaiser zur Hebung der Lage der Handweber in den Kreisen Glatz, Neu- rode, Reichenbach, Waldenburg und Schweidnitz ein neues Gnadengeschenk von 45,000 Mark bewilligt.
Ausland.
* Brüssel, 28. Jan. Die Servaiskirche ist vollständig niedergebrannt. Viele werthvolle Gemälde, darunter 3 von Rubens, wurden ein Raub der Flammen.
* Der französische Marschall Canrobert ist am Montag in Paris gestorben. Francois Certain Canrobert war am 27. Juni 1809 in St. Cerö geboren, zeichnete sich 1835 in Algerien aus und nahm 1837 als Hauptmann an der Erstürmung von Constantine theil. Seit 1847 Oberst und Kommandeur des Zuaven- Regiments, machte er unter Cavaignac und Saint- Arnaud viele Kämpfe mit, besonders 1849 bei der Expedition nach der Zaadscha. 1850 als Brigade- General nach Paris berufen, ward er Adjutant des Prinz-Präsidenten, dem er sich nach längerem Schwan-
von meiner Mutter erzählt, und ich--ich wollte
nur sühnen, was sie Dir gethan hat."
„Wie edel, wie hochherzig, nachdem ich Dich so vernachlässigt habe. Aber in Zukunft soll es anders werden."
Er wollte sie nicht mehr aus seinen Armen loslassen und drückte sie leidenschaftlich an sich.
„Nun erzähle mir, wie Du hierher kamst, Barbara", bat er, als er sich beruhigt hatte. „Was wußtest Du von unserer erkrankten Gouvernante?"
Barbara erzählte Alles.
„Ich fürchte, Tante Agnes ließ Dich nicht gern hierher kommen," meinte er, als sie geendet hatte. „Vor einigen Tagen bekam ich einen Brief von ihr, der mir so gereizt schien, daß ich die Ursache nicht erklären konnte. Aber jetzt verstehe ich ihn."
„Die gute, liebe Tante! Ja, sie sah es ungern und wollte mir den Plan absolut ausreden. — Aber", fügte sie mit schelmischem Lächeln hinzu, „ich habe immer meinen Willen durchgesetzt — sie hat mich ein wenig verwöhnt."
„Dein Wille hat jetzt glänzend über mich und über uns Alle gesiegt! Was würden wir ohne Dich angefangen haben, Barbara? Du hast meiner Frau und meinen Kindern wie ein guter Engel treulich zur Seite gestanden!"
ken entschieden anschloß. Beim Staatsstreich 1851 wirkte er als einer der thätigsten Gehilfen Ludwig Napoleons mit, stellte in Paris die Ruhe her und wurde 1852 zum Divisions - General befördert. Im Krimkriege kommandirte er zuerst unter Saint-Arnaud und wurde nach dessen Tode zum Oberbefehlshaber ernannt, legte aber, da er trotz aller Anstrengungen keine entscheidenden Erfolge erringen und sich mit den Engländern nicht verständigen konnte, im Mai 1855 diese Stelle nieder, um Pölissier Platz zu machen, und übernahm wieder das Kommando des 1. Korps. Am 18. März 1856 ward er Marschall. Im italienischen Kriege 1859 befehligte er das 3. Armeekorps und zeichnete sich in der Schlacht bei Magenta aus. 1870 wurde er zuerst an die Spitze der Mobilgarden im Lager von Chalons gestellt, übernahm aber, da er der zügellosen Menge wegen seiner Unpopularität nicht Herr werden konnte, unter Bazaine's Oberbefehl das Kommando des 6. Korps der Rhein - Armee und kämpfte am 16. August bei Bionville und am 18. August bei St. Privat, das ihm entrissen wurde. In Metz eingeschlossen und bei der Kapitulation mit gefangen, begab er sich nach Kassel zum Kaiser und kehrte erst nach dem Friedensschluß nach Frankreich zurück. Er war bis zum Tode des kaiserlichen Prinzen einer der Führer der bonapartistischen Partei. Seit 1879 war er Mitglied des Senats.
* Paris, 28. Jan. Wie in politischen Kreisen verlautet, enthält die Botschaft des Präsidenten Faure einen Appell zur Beruhigung der Parteikänrpfe und den aufrichtigen Wunsch nach demokratischen Reformen. Sie betont ferner die ausgezeichneten Beziehungen zu den europäischen Staaten und den festen Willen Frankreichs, den Frieden zu behüten und zu kräftigen.
* Nizza, 28. Jan. Die Königin Viktoria von England wird hier am 15. März zu sechswöchentlichem Aufenthalt erwartet.
* Petersburg, 27. Jan. Das ,Journal de St. Petersbourg, schreibt zu dem Tode des Ministers von Giers: Rußland verlor einen seiner hervorragendsten Staatsmänner. Seine Ernennung zum Minister des Auswärtigen datirt vom März 1882; aber bereits bei dem Berliner Kongreß leitete er unabhängig die auswärtige Politik. Er ist ein treuer, begabter und überzeugter Ausführer der Bestrebungen seiner erhabenen Herscher unter drei Regierungen gewesen, deren Dienst er, getrieben von heißer Vaterlandsliebe, seine Talente und Kräfte, unermüdliche Arbeilskraft und unschätzbaren Erfahrungen während seiner langen, fruchtbaren Laufbahn widmete.
* Petersburg, 28. Jan. Der landwirthschaftliche Rath berieth unter dem Vorsitze des Ackerbauministers dieFrage der landwirthschaftlichenBildung und nahm die folgende Resolution an: Der Rath glaubt, daß die V o lksschule als eine der wichtigsten Pflanzstätten der landwirthfchaftlichen Ausklärung dienen kann, jedoch nicht, indem sie theoretische Unterweisung über die Landwirthschaft in ihr Programm aufnimmt, sondern durch lebendige und praktische Thätigkeit des Lehrers als eines unterrichteten Landwirthes. Es ist daher nothwendig, dafür Sorge zu tragen, daß jede Schule die erforderliche Landparzelle und die Mittel für eine selbstständige Lehrwirthschast erhält.
* London, 27. Jan. Lord Ripon hielt am 25. d. M. in Blackburn eine Rede, in der er erklärte, Homer ule nähme auch jetzt noch den ersten Platz in der liberalen Politik ein; es sei aber unnütz, jetzt daran zu denken, da die Maßregel von vornherein vom Oberhause verurtheilt sei. Die Regierung werde an das Land appelliren, das zu entscheiden haben würde, welches Haus die Kontrole über die Gesetzgebung ausüben solle. Die Entscheidung des Volkes würde von der Regierung respektirt werden.
* Aus Massauah wird gemeldet: General Baratieri wurde bei seiner Rückkehr hierher von den Civil- und
„Vater, sind sie nicht meine Geschwister? O, wenn Du gewußt hättest, wie sehr ich mich nach Euch gesehnt hätte! Und — meine Stiefmutter ist immer gütig gegen mich gewesen, ich liebe sie und sie liebt auch mich. Willst Du ihr sagen, wer ich bin? Vielleicht wird sie mir zürnen, daß ich mich unter falschem Namen hier eingeschlichen habe. Aber ich bin ja Dein Kind, und sie liebt Dich! um Deinetwillen wird sie mir nicht zürnen."
„Eveline! Ja, sie liebt mich; in Zukunft will ich ihre Liebe zu verdienen suchen — und Deine auch", fügte er seufzend hinzu.
Der Morgen dämmerte, als Barbara das Arbeitszimmer ihres Vaters verließ. Sie eilte in das Kinderzimmer. Alle drei schliefen ruhig und athmeten gleichmäßig; selbst Gretchen, die Wache halten wollte, war sanft eingeschlummert. Ihr Herz strömte über vor Freude und Dank; in ihrem Zimmer war es ihr zu eng, sie eilte in den weiten schneebedeckten Garten und beruhigte ihr aufgeregtes Gemickh in der frischen, kalten Morgenluft.
Die Thür des Wohnzimmers stand offen; sie hörte ihren Vater mit der Stiefmutter reden; wie wird sie seine Enthüllungen ausnehmen? Sie hatte unter falschem Namen sich Einlaß erzwungen, und das war
Militär-Behörden, den Geistlichen und den Häuptlingen: der benachbarten Stämme mit Begeisterung empfangen. Baratieri hielt an der Spitze der Truppen unter dem Jubel des Volkes seinen Einzug in die Stadt und begab sich unter dem Donner der Geschütze zu dem auf dem öffentlichen Platze errichteten Altar. Der apostolische Präfekt hielt eine feierliche Ansprache und cele- brirte ein Tedeum, das mit einem Segen schloß. Während des Segens präsentirten die Truppen unter den Klängen des Königsmarsches.
* Aus den allmählich eintreffenden Nachrichten läßt sich jetzt ein Bild von den letzten Vorgängen auf dem ostasiatischen Kriegsschauplatz gewinnen. Am 19. Jan. erschien vor der auf der Nordspitze der Halbinsel. Schantung gelegenen Stadt Töng-Tschu-Fu gegenüber von Port Arthur an der Meerenge von Lao-Thie- Schan ein japanisches Geschwader, landete 2000 Mann und griff nun von der See wie vom Festland ans die chinesischen Strandbefestigungen an, die trotz tapferer Gegenwehr von dem überwältigenden Feuer der Gegner nicht standzuhalten vermochten. Töng-Tschu-Fu fiel in die Hand der Japaner. Fast gleichzeitig mit diesem Vorstoß, der vor Allem auch die Aufmerksamkeit der Chinesen ablenken sollte, brachte eine Flotte von 35 Transportdampfern unter Bedeckung von 15 Kriegsschiffen die in Hiroshima zusammengezogene dritte japanische Armee, 25,000 Mann mit der zugehörigen Reiterei und Artillerie, in die Bai von Iung-Tschöng unmittelbar südlich von der Ostspitze der Halbinsel. Die Sttandbatterien wurden zum Schweigen gebracht, und nun setzten im Schlepptau rückgeführte Dschunken die Truppen ans Land. Sofort wurden Reiterabthei- lungen vorausgesandt, und jetzt steht die japanische Kavallerie schon auf den Straßen, die von Wei-Hai- Wei nach dem Süden führen. Damit ist dieser wichtige Hafen von allen Seiten eingeschlossen. Nach Westen zu haben die Japaner das gegen 150 km entfernte Töng-Tschu-Fn besetzt, von Osten rücken sie auf der Straße von Anng-Tschöng, das 50 km entfernt ist, heran, und auf der Seeseite sperrt die Flotte den Weg. In wenigen Tagen werden die schweren Geschütze, die in Aung-Tschöng gelandet sind, auf der Landseite vor Wei-Hai-Wei auftreten können, denn wenn auch Schneefall eingetreten ist, so geht die Straße doch zum Theil durch ebenes Gelände und an den Vorhöhen des Gebirges entlang. Hart gefrorener Boden erleichtert außerdem die Beförderung der Belagerungsgeschütze und die Kälte erspart den Ban von Brücken über Rinnsale und Flüsse. Wei-Hai-Wei - wurde von den Chinesen in der Absicht angelegt, von dort aus im Verein mit Port Arthur die Einfahrt W den Golf von Petschili zu sperren.
* Tokio, 26. Jan. Heute eingetroffene amtliche Berichte des GeneralsNodzu über die neuesten Gefechte befugen, er habe aus den chinesischen Truppenbewegungen auf eine Erneuerung des Angriffs aus der Richtung von Liaoyang geschloffen und deshalb die Vertheidigung der dritten Division so eingerichtet, daß der Feind gezwungen war, sich auf innerhalb 600 Meter zum Angriffe zu nähern. Inzwischen legte sich die fünfte japanische Brigade mit drei Geschützbatterien in einen Hinterhalt auf dem linken Flügel der Chinesen, um den Angriff zu unternehmen, während der Feind bereits völlig zum Kampfe in Anspruch genommen war. Die Chinesen rückten vor und griffen an. Während sie scharf feuerten, brachen die Japaner aus dem Hinterhalte vor und warfen sich auf den rechten Flügel der Chinesen. Der überraschte Feind floh. Die Japaner machten einen Angriff, so daß die Chinesen zwischen zwei Feuer gebracht wurden, und von furchtbarem Schrecken ergriffen, in nordöstlicher Richtung flohen, von den Japanern verfolgt. Mehrere bei dieser Gelegenheit gefangene Chinesen berichten, daß der Feldzug durch die tartarischen Generäle Schang und Schung geführt wird. Die gefammte Stärke der Chinesen in Liaoyang belief sich auf 12,000 Betrug, so harmlos er auch an und für sich war, aber wird die Stiefmutter ihn vergeben?
Ihr Herz klopfte, als nach wenigen Minuten ihr Vater ihren Namen rief, und schüchtern und mit bleichem Antlitz betrat sie das Gemach.
Die Stiefmutter empfing sie mit ausgebreiteten Armen und drückte sie fest an sich.
„Also Du bist wirklich Barbara?" rief sie ihr jubelnd entgegen, „Gott segne Dich, mein Kind, und lohne Dir alles Gute, was Du an uns gethan hast! O, wenn ich noch daran denke, mit welchem Vorur- theil ich anfänglich Deine Ankunft hier befürchtetes Vergib mir, Barbara, ich wußte nicht, was wir mit Dir gewinnen würden! O! wie werden sich die Kinder freuen, wenn sie hören, daß ihre geliebte Gouvernante jetzt ihre Schwester ist!"
„Zürnst Du mir auch nicht, daß ich Euch betrogen habe?" fragte Barbara schüchtern.
„Ich sollte Dir zürnen? Dir, die Du in dieser schweren Zeck so viel für uns gethan hast, und noch dazu jetzt, da Gott der Herr mir meine Kinder wieder geschenkt hat? nein, Barbara, ich zürne Dir nicht!"
Und innig umarmten sich die beiden Damen, während der Vater, von Dank und Freude erfüllt, tief bewegt seine Augen gen Himmel schlug. (F. f.)3