Einzelbild herunterladen
 
  

im Reichsamt des Innern Dr. v. Rott en bürg und von höhern Militärs der Chef der Marinestation der Nordsee, Vizeadmiral Valois. Aus dem Wehrstande wäre ferner noch Herr v. Caprivi zu nennen, der den Rothen Adler-Orden II. Klasse mit Eichenlaub erhielt.

* Der bekannte Vortrag des Kaisers über noth- wendige Ergänzungs- und Neubauten für die R eichs­marine ist von verschiedenen Kreisen dahin ausgefaßt worden, daß eine wesentliche Erhöhung der Marine­forderungen für beabsichtigte Verstärkung der Reichs­marine in Aussicht stände. In sehr gut unterrichteten Kreisen wird vielmehr versichert: Die Marineverwal­tung hat nicht die Absicht, über den Rahmen der Denkschrift von 1888/89 hinauszugehen; die dies­jährigen Forderungen von 2 Ersatz- und 2 neuen Kreuzern liegen innerhalb dieses Rahmens. Nach der vom Reichstage gebilligten Denkschrift würden auch noch 4 weitere Kreuzer zu fordern sein, ohne daß man da­bei an einen neuen Plan zu größerer Verstärkung der Marine zu denken braucht."

* In das Abgeordnetenhaus sind nach dem soeben ausgegebenen Fraktionsverzeichniß die Parteien in folgender Stärke eingetreten: Konservative 138, Cen­trum 95, Nationalliberale 88, Freikonservative 62, Polen 17, Freis. Volkspartei 14, Freis. Vereinigung 5, bei keiner Fraktion („Wilde") 11; erledigt sind drei Mandate (2. Gumbinnen, 2. Danzig und 10. Schleswig- Holstein).

* Zu der Ernennung des Grafen Kanitz zum Staatsrath erinnern die Blätter daran, daß der Graf im September vorigen Jahres zu den Mit­gliedern des ostpreußischen Provinzial-Landtages ge­hörte, welche von der kaiserlichen Festtafel ausdrücklich ausgeschlossen wurden. Bekanntlich ist der Gras der Urheber des bekannten Antrages auf Verstaatlichung der Getreideeinfuhr.

* Die Erfordernisse des preußischen Eisenbahnetats, die hauptsächlich das rollende Material betreffen, belaufen sich auf etwa 225 Millionen Mark (gegen 165 Millionen Mark im Vorjahr). Nach Börsen­blättern wird es als wahrscheinlich angesehen, daß behufs Ausführungen von neuen Kleinbahnen noch ein außerordentlicher Kredit von größerem Umfange in Anspruch genommen werden wird.

* Eine „Konferenz deutsch - evangelischer Pfarrer Italiens" besteht seit 1880. Sie hat nunmehr zu ihrem ständigen Versammlungsort Rom ge­wählt. Die Absicht ist sehr durchsichtig; man will im Mittelpunkt der katholischen Christenheit demonstriren und protestiren. Das hat man auch an „hoher Stelle" in Deutschland erkannt und deshalb gegen die Wahl Roms Schwierigkeiten erhoben. Diese sind der Illg. Evangel. Luth. Kirchenzeitung' zufolge nun be­siegt, nachdem man erkannt haben foll, daß der Verein von friedlicher Gesinnung sei und keine polemische Tendenz verfolge. Dennoch klagt die ,Kreuzzeitung' im Verein mit genannter Kirchenzeitung über „Miß­trauen" und „Gleichgiltigkeit", da nur der Evangel. Oberkirchenrath den Verein unterstütze. Sie verweisen auf die Förderung der katholischen Bestrebungen in der Levante u. s. w. durch das amtliche Frankreich. Soll etwa das deutsche Reich diplomatisch und finanziell für die „Evangelisation Italiens" eintreten? Manche Leute werden das ohne Zweifel als Pflicht des „evan­gelischen Kaiserthums" betrachten. Den Schutz, den Frankreich und andere Länder den katholischen Orden im Oriente und sonstwo unter den „Türken und Heiden" angedeihen lassen, kann doch wahrlich nicht zum Vergleich herangezogen werden, wenn es sich um eine Handvoll protestantischer Pastoren ohne nennens­

hatte sich oft gewundert, wie folgsam die Kinder der neuen Gouvernante waren. Nur Eveline blieb einen Augenblick stehen, doch auf Barbara's Wink entfernte sie sich gleich.

„Das Licht blendet, mein Kopf schmerzt," stöhnte die Freifrau.

Barbara holte den Lichtschirm, schob einen bequemen Sessel für die Stiefmutter zurecht, stellte einen niederen Schemel für die Füße bereit und wartete geduldig, bis sich die sichtliche Erregung ein wenig gelegt hatte.

Es dauerte auch nicht lange, so wußte Barbara, daß ihr Vater jetzt mit allem Ernst darauf drang, seinen Sohn Edmund zu Ostern in eine Erziehungs­anstalt zu geben, und daß die Mutter sich geweigert hatte, sich von ihm zu trennen. — Es war eigen» thümlich, daß sich das Herz der Stiefmutter sympatisch zu Barbara hingezogen fühlte, und zum ersten Male erzählte sie ihr auch heute von Nora, ihrer eigenen Mutter.

Barbara beugte sich tief über eine kleine Arbeit, um die auffteigende Röthe in ihrem Antlitz zu ver­bergen, doch kein nachtheiliges Wort kam über die Lippen der Erzählerin, die nur beklagte, daß es ihr nicht gelingen wolle, so wie die erste Gattin die Liebe des finsteren Schloßherrn zu gewinnen.

„Ich weiß nicht, warum ich gerade Ihnen mein Herz ausschütte, Fräulein Norden," sagte sie dann, „aber ich weiß, daß ich Ihnen vertrauen kann, das sehe ich in Ihrem Antlitz, und es thut mir wohl, daß Sie so geduldig meine Klagen anhören."

werthe Anzahl von Schäfchen im katholischen Italien handelt.

* „Streng vertraulich" wird augenblicklich ein Rundschreiben an alle höheren Schulen geschickt, in welchem die Herren Lehrer dieser Anstalten mit einem ziemlich ausgiebigen Phrasenaufwand eingeladen werden, ihre Unterschrift für eine Adresse an den Fürsten Bismarck zu dessen 80. Geburtstage her­zugeben. Es zeigt sich jedoch in der Rheinprovinz unter den Lehrern katholischer Anstalten sehr wenig Geneigtheit, für diese Ovation ihre Unterschrift zu geben, was wir sehr wohl begreifen können. Die ,Köln.Ztg.' meint zwar: „Die größte denkbare Freude, die Deutschlands erstem Kanzler überhaupt noch in diesem Leben bereitet werden könnte, würde ein Zu­sammenschluß aller übrigen Parteien gegen diejenige des Umsturzes sein." Aber erfahrungsgemäß ist Fürst Bismarck auch für „milde Stiftungen" nicht unem­pfänglich, und so soll jeder, der feine Unterschrift her­gibt, zugleich eine Mark opfern, aber selbst­verständlich „streng vertraulich", weshalb wir es auch so behandeln. Als Leiter der ganzen Veranstaltung hat sich Professor Dr. Mohrmann, Oberlehrer am lutherischen Lyceum I in Hannover, unterzeichnet.

* München, 20. Jan. Das Generalkomitee des Landwirthschaftlichen Vereins beschloß eine durch­greifende Reform dechlandwirthschaftlichenInter - esfenvertretung und auch des Vereins. Das General­komitee bildet sich in einen bayerischen Landwirthschafts- rath von 56 Mitgliedern mit 10 Geschäftsabtheilungm und einer Waarenvermittlungsstelle um. Die Bezirks­vereine erhalten eine direkte Fühlung mit sämmtlichen Landwirthen dadurch, daß ein Drittel der Bezirks­ausschüsse aus je einem Vertrauensmann jeder Ge­meinde gebildet wird. Unter den organischen neuen Aufgaben der landwirthschaftlichen Interessenvertretung sind insbesondere das Ernteversicherungswesen und die Getreidevermittelung hervorzuheben. ' Das Prinzip zwangsweiser Berufsorganisation blieb vermieden. Die Kreiskomitees werden künftig landwirthschastliche Kreis- ausschüsie.

Ausland.

* Paris, 20. Jan. Bourgeois wurde Abends vom Präsidenten F a u r e empfangen und erklärte, er nehme die Kabinetsbildung an, mache die Annahme aber von der Zustimmung des Präsidenten zur Amnestie für Rochefort und Gerault - Richard und für alle wegen i Preß- und Strike - Delikten Verurtheilten abhängig. [ Faure sagte die Amnestie zu. Bourgeois dürfte sich Donnerstag der Kammer vorstellen, da er Zeit braucht, um sein Programm auszuarbeiten, besonders in Betreff der progressiven Einkommensteuer.

* Lyon, 20. Jan. Castmir-Perier hat die Erklär­ung abgegeben, daß er kein Kammermandat anzunehmen beabsichtige.

* Mailand, 20. Jan. Der Mörder des General­prokurators Celli heißt Anton Reglini. Derselbe verbrachte seit 1873 in Folge von 14 Verurtheilungen 18 Jahre im Gefängniß. Am 8. d. M. hatte er eine wegen Diebstahl und Sittlichkeitsverbrechen verhängte 4jährige Gefängnißstrafe verbüßt. — Ueber die Mo­tiv e der Ermordung des Generalprokurators Celli herrscht fortgesetzt geheimnißvolles Dunkel. Das Ge­rücht,'daß es sich um ein anarchistisches Attentat handelt, erhält sich.

* Petersburg, 20. Jan. Die hiesigen Diplomaten­kreise glauben, das baldige Zurücktreten des Bot­schafters General v. Werder sei nicht unwahrschein­lich. Als etwaige Nachfolger nennt man entweder Herbert Bismarck oder Frhrn. Marschall v. Bieberstein.

* Sofia, 20. Jan. Die Kaufleute schließen ihre Geschäfte, und weigern sich, neue Accissteuer zu ent­richten. Die fremden Kaufleute riefen den Schutz der Konsulate an. Italien schloß sich dem österreichischen Proteste gegen die Aceisstener an.

* Belgrad, 20. Jan. Reisende aus Bulgarien berichten, in mehreren bulgarischen Städten, insbe­sondere Rustschuk, Philippopel, Vratza, fanden auf­rührerische Zusammenrottungen wegen der neuen Aceise statt.

* Nach weiteren Depeschen ans Massaua hat General Baratieri die Truppen des Ras Mangascha bei Senafe vollständig zersprengt. Die Regierung wird zur Vorsicht Verstärkung absenden.

* Shanghai, 20. Jan. Die japanische Flotte, die gestern auf Teng Tschou Fu geschossen hatte, soll nach hier eingegangenen Nachrichten gegenwärtig das Bom­bardement auf diese Stadt fortsetzen. Der englische Kreuzer „Daphne" und der amerikanische Kreuzer „Iork-Town" befinden sich in der Nähe.

* Hiroshima, 20. Jan. Ein Telegramm des Generals Nodzu meldet Einzelheiten über die Nied er­läge der Chinesen bei Haitsching am 17. d. M. Der Feind begann um 8 Uhr Morgens auf drei Wegen von Liao Dang, Putaugton und von Nintschwang aus vorzurücken. Mittags erweiterten die Chinesen ihre Front bis auf eine Ausdehnung von 5 Meilen, in der Absicht, über den rechten Flügel der Japaner zu debordiren, und rückten in dieser For­mation bis auf eine Meile Entfernung von der ersten japanischen Linie vor. Die 3. Division der Armee an der Nordseite von Haitsching hielt den Feind bis 4 Uhr Nachmittags in Schach. Um diese Zeit wurde ein Angriff auf den rechten Flügel der Chinesen unter­nommen. Letztere wurden in die Flucht geschlagen. Um 6 Uhr zog sich der größte Theil derselben in nordwestlicher Richtung, der Rest in der Richtung auf Nintschwang zurück. Die Japaner erbeuteten viele Kanonen, sowie eine Anzahl Waffen und Ausrüstunqs- gegeuftäube._______________________________________________

Aus dem Reichstage.

19. Sitzung vom 19. Januar 1895, 1 Uhr.

Die erste Lesung der Justiz Vorlage wird fortgesetzt.

Abg. Frhr. v. Gültlingen (Rp.) erklärt, daß seine Partei im Allgemeinen aus dem Boden der Vorlage stehe, und äußert nur wenige Bedenken, so gegen die Verminderung der Prozeßgarantien — Einschränkung der Beweiserhebung — und gegen die Ausdehnung des Kontumazialverfahrens.

Abg. Grillenberger (Soz.) erkennt an, daß die Vor­lage in mehrfacher Hinsicht einen Fortschritt bedeute; leider aber habe die Regierung dafür wieder fo viele rückschrittliche Gegen- sorderungen gestellt und einen wahren Wucherzins verlangt, so daß im Ganzen doch nur ein geringer Fortschritt übrig bliebe. Un­annehmbar sei die Besetzung der Kammern in der Berufungs­instanz mit nur 3 statt 5 Richtern, die Beschränkung der Beweis­erhebung und des Wiederaufnahmeverfahrens. Die Nothwendig- keit der Berufung könne nicht bestritten werden, wenn man sich nur an den Gummischlauchprozeß erinnere, und dieser Prozeß stehe nicht allein da, die Brausewetterei habe Schule gemacht. Ferner dürfe die Befugniß zur Inhaftnahme Angeschuldigter nicht noch dadurch ausgedehnt werden, daß sie statthast sein soll, wenn anzunehmen sei, daß der Angeschuldigte seine Freiheit zu weiteren strafbaren Handlungen mißbrauche. Was könne da nicht Alles einem Redakteur unterstellt werden! Auch die Wieder­einführung des thatsächlichen Refumö's des Schwurgerichts­präsidenten wäre eine reaktionäre Maßregel, durch welche eine Beeinflussung der Richter herbeigeführt werde. Redner fordert sodann Sicherstellung des Gerichtsstandes der Presse, damit nicht an jedem Ort, wohin eine Zeitung kommt, diese verfolgt werden könne, ferner Entschädigung der unschuldig Verhaf­teten, sowie die Einführung der „bedingten Verurtheilung."

Abg. Werner (Antis.) spricht sich ähnlich aus und fordert außerdem, daß in Deutschland die Rechtsprechung nur durch Deutsche (d. h. keine Juden) erfolge.

Abg. Frhr. v. B u o l-Berenberg (Ctr.) spricht sich gegen die Wiedereinführung der Berufung aus, statt deren vielmehr

Zwei Tage später hatte endlich der lang erwartete Arthur Dornburg feine Ankunft gemeldet. Die Kinder frohlockten; auch Barbara hatte längst entdeckt, daß er der ausgesprochene Liebling des ganzen Hauses war. Die Freiftau liebte ihn, selbst das Antlitz des finsteren Hausherrn erhellte sich, als die Ankunft des lieben Gastes unwiderruflich gemeldet ward.

Barbara hatte in den letzten Tagen schon so viel von ihm reden hören, daß er ihr gar nicht fremd war. Er war der Vetter der Freifrau und Oberst eines Re­giments in der nahe gelegenen Garnison. Er war ohne Vermögen und nur auf feine Gage angewiesen; feine Kousine war darum stets daraus bedacht, ihn mit den reichsten jungen Damen der Umgegend zusammen zu bringen. Doch so sehr der Oberst auch bei seinen Kameraden beliebt war, von den Kindern fast vergöt­tert wurde, bei dem schönen Geschlechte hatte er keine Lorbeeren gesammelt.

Dies hatte die Freifrau gegen Barbara offen aus­gesprochen, zugleich hinzugefügt, daß die reizende Olga Rosen, die ebenfalls erwartet wurde und jetzt in den Besitz eines bedeutenden Vermögens gelangt sei, gewiß einen guten Eindruck auf den Vetter machen würde.

Barbara lächelte. Die innersten Gedanken derFrei- frau lagen wie ein aufgeschlagenes Buch vor ihr. Sie wollte ihr einen Wink geben, der sie daran erinnern sollte, daß sie ja nur eine arme Erzieherin sei, die in respektvoller Entfernung bleiben und den Weg des Vetters nicht zu kreuzen habe. Späterhin wurde noch ein anderer Gast, Gras Udo von Eckernstein, erwartet, doch dieser wurde kaum erwähnt; die Freifrau glaubte

zweifellos, daß hier eine Warnung der Gouvernante gegenüber nicht am Platze sei.

„Fräulein Norden, Mama läßt bitten, in den Salon zu kommen; sie möchte gern ein Duett mit Ihnen fingen," berichtete Eveline, die leise das Schulzimmer betreten hatte.

„Gut — ich will kommen."

Die Kleine eilte davon und Barbara mußte jetzt wirklich lachen.

„Wird sie wohl morgen mit mir fingen wollen, wenn der allgemein beliebte Vetter Arthur hier ist?" dachte sie bei sich selbst, „und werde ich ihn auch für fo vollkommen halten, wie all' die anderen? O, mein armes Herz! Sei auf Deiner Hut! Eine arme Gouver­nante darf ja kaum ihre Augen erheben. Aber — wie konnte ich das nur vergessen — ich bin ja auch eine Erbin! Haha! Wenn meine Stiefmutter nur wüßte, wer ich wäre."

Mit heiterem Antlitz und freudig glänzenden Augen fang sie mit ihrer wohlgeschulten melodischen Stimme ein Lied nach dem andern und übte mit der Stiefmutter manches Duett ein.

Der Schloßherr lehnte in seinem Armstuhl. Mehr als einmal ruhte sein Auge mit Wohlgefallen auf dem jugendlich frischen Antlitz seines eigenen Kindes, dessen Stimme ihn so harmonisch berührte. „Weich' ein glück­liches, reizendes Gesicht! Wie schade, daß sie nicht immer bei uns bleibt. Wer weiß, ob Fräulein Wet­tern so gut wie sie mit den Kindern umzugehen ver­steht!" dachte er dann.---

(Fortfetzung folgt.)