läge ein. Es handle sich um die Abwehr einer gemeinsamen Gefahr, die allen Parteien durch die Sozialdemokratie drohe. Wenn der Staat das Recht habe, Verbrechen zu strafen, müsse er auch das Recht haben, solche zu verhüten. Das kostbare Gut einer gefestigten Monarchie dürfen wir uns nicht nehmen lassen. Erst das künftige Jahrhundert werde darüber entscheiden, ob auf dem Wege der Reformen eine Verständigung mit den Sozialdemokraten möglich sei. Redner trat schließlich für die Freiheit der Wiffen- schaft ein. Abg. Dr. Barth (frs. Vg.) führte die Erfolge der Sozialdemokraten auf den feit Jahrzehnten stark entwickelten Glauben auf die Staatsomnipotenz zurück, die durch die Arbeiterversicherung verstärkt worden sei. Man solle jede Gewaltthätigkeit bestrafen, aber volle Diskussionsfreiheit gestatten. Nach dieser Richtung werde seine Partei Aenderungen Vorschlägen; in ihren Kernpunkten sei jetzt die Vorlage unannehmbar. Nachdem noch der Elsässer Colbus gegen die Vorlage gesprochen, wird die Weiterberathung auf morgen vertagt.
Die ,Trier'sche Landeszeitung' fchreibt: Wie kommt es, daß der preußische Staat den katholischen Kapläne« keinen Pfennig Gehalt zahlt, während doch in allen anderen Staaten, in denen die Pfarrer ein Gehalt vom Staate beziehen, die Kapläne ebenfalls eine Besoldung vom Staate erhalten? Zudem beziehen ja in dem „paritätischen" Staate Preußen die protestantischen Vikare vom Staate ein Gehalt; warum denn die katholischen Kapläne nicht? Das Gehalt der katholischen Kapläne muß durch die Pfarrgemeinden aufgebracht werden, in denen sie angestellt sind, und zwar meist durch drückende Umlagen. Es gibt viele Gemeinden, in denen eine weitere Seelsorgs- kraft durchaus nothwendig ist, und in denen die vorhandenen Geistlichen über die Maßen sich anstrengen müssen. Aber alle Bemühungen, einen Kaplan zu erhalten, scheitern vielfach an dem Umstande, daß das Gehalt nicht aufzubringen ist. Und dann betrachte man, wie erbärmlich unfere katholischen Kapläne be- foldet sind! Ein herrschaftlicher Diener würde mit einem solchen Einkommen kaum zufrieden fein. Es gibt viele protestantische Pfarreien, in denen 2, 3 oder gar 4 Pfarrer in ein und derselben Pfarrei angestellt sind, und alle erhalten vom Staate ihr volles Pfarrgehalt. Was nun in diefen protestantifchen Pfarreien der zweite, dritte oder vierte Pfarrer ist, das sind in unseren katholischen Pfarreien die Kapläne, fteilich mit dem Unterschiede, daß sie vom Staate nichts erhalten. Die Frage von einer staatlichen Besoldung der katholischen Kapläne wurde auch bereits auf der letzten Katholikenversammlung in Köln erwähnt. Hr. Rechtsanwalt Dr. Goertz (Trier) hat nämlich in seinem Vortrag über „Parität" Folgendes bemerkt: „Für protestantische Zwecke werden nach dem Etat Beträge aller Art ausgegeben, die nicht in entsprechendem Maße für katholische Zwecke vorhanden sind. Ich spreche nicht davon, daß erhebliche Summen für die Hinterbliebenen evangelischer Geistlichen ausgeworfen find. Wenn aber ein Vikarefonds in der Höhe von 200,000 Mark neu geschaffen ist, dann könnte ihm doch ein katholischer Kaplansfonds gegenüberstehen." (Lebhafte Zustimmung). Hoffen wir, daß das C e n t r u m im Abgeordnetenhaufe bei der nächsten Berathung des Kultusetats dieser Frage näher treten und einen dießbezüglichen Antrag einbringen wird. — Ist der Staat verpflichtet, den Pfarrern eine Besoldung zu geben, so hat er dieselbe Verpflichtung auch den Kaplänen gegenüber, denn in ihren Berufsbeschäftigungen find Pfarrer und Kapläne dem Staate gegenüber so ziemlich gleich. Dazu kommt noch der Umstand der Parität in Bezug auf die protestantifchen Geistlichen.
ment ausgeprägt. Die Friedhöfe oder Todtenäcker legt man gern auf Höhen an und bettet die Verstorbenen in Hainen unter taufendjährigen Eichen. Jährlich wird dort einmal Gottesdienst gehalten, wozu daun das Volk von allen Seiten herzuströmt. Erinnert dieses nicht recht lebhaft an die „Höhen", wo das israelitische Volk so gern opferte (nur zu oft auch den heidnischen Götzen), und die es nicht lassen wollte, und an die Haine, die, so oft sie auch umgehauen und verbrannt worden waren, dennoch wieder entstanden und den schändlichsten Götzendienst decken mußten?
Der Prophet Elias ist der Landespatron; sein Fest am 20. Juli und das des letzten der Propheten, Johannes des Täufers, sind gebotene Feiertage. Man erzählt, daß die Türken aus Haß gegen den katholischen Glauben gerade am Eliastage die härtesten und strengsten Frohndienste von den Christen forderten, mehr als an allen anderen Tagen des Jahres, weil es das nationale Fest des ganzen Volkes ist, an welchem Jedermann fröhlich fein will. Weil aber dann die Feldfrüchte auf wunderbare Weise an diesem Tage zu Grunde gingen, so kamen sie zuletzt zur Einsicht und ließen das Volk feiern.
Heute athmet das Volk zwar etwas freier, aber das Gras, das unter des Türken Tritt verdorrt ist, wird erst nach Jahren vielleicht wieder aufleben und wachsen; die Kultur und die Civilisation, so lange niedergehalten, können nur durch fremde Hände wieder aufblühen. Was sie Mönche, welche von der englän- dischen Insel zur Zeit des hl. Bonifatius kamen, für
Was dem Einen recht ist, ist dem Andern billig. Man macht ja auch keinen Unterschied beim Steuerzahlen zwischen Katholiken und Protestanten.
* Zur Abwechselung bringt der ,Vorwärts', der so oft in der Lage war, „vertrauliche" Erlasse preußischer Behörden zu veröffentlichen, nunmehr Kundgebungen der russischen Regierung, und zwar gleich zwei auf einen Schlag. Zunächst bringt er in der gestrigen Nummer einen streng geheimen Erlaß des Vorstehers des Gensdarmerie-Bezirks an die Grenzzollwache in Kalisch. Es wird darin gesagt, daß laut Nachrichten, welche von Krakau nach Warschau gelangt seien, namentlich aufgeführte polnische Vereine in Krakau massenhaft für die Wiederherstellung Polens aufreizende Flugschriften verfertigt haben. Angesichts des Todes Alexanders III. hätten die polnischen Vereine unerfüllbare Hoffnungen gefaßt und sollten diese Flugblätter namentlich aus genanntem Zollamtsgebiet massenhaft im jWeichselbebiet eingeschmuggelt haben. Es wird deshalb zur größten Achtsamkeit aufgefordert, damit die Beschlagnahme der Flugschrift gelingt. In einem gleichfalls vom ,Vorwärts' veröffentlichten streng geheimen Schreiben antwortet der Vorsteher des Bezirks-Zvllanites in Kalisch, daß er gemäß den Befehlen feiner vorgefetzten Behörde handeln werde. Der,Vorwärts macht darauf aufmerksam, daß in diesem geheimen Erlasse die polnischen patriotischen Vereine in Krakau als anarchistische bezeichnet werden. Der ,Vorwärts' kündigt ferner an, daß er demnächst noch weitere geheime russische Dokumente veröffentlichen werde; er besitzt eine ganze Anzahl solcher.
* Die ,Berliner Korrespondenz' meldet, die Verfügung des Ministers des Innern vom 29. Dezember v. Js. weist auch die Polizeibehörden aus die^Noth- wendigkeit rascherErledigung aller von den Staatsanwaltschaften und Strafgerichten an sie gerichteten Ersuchen hin.
* Der Bierboykott wird von vielen Sozialdemokraten nicht für aufgehoben erachtet. Viele sozialdemokratische Wirthe haben an den Fenstern ihrer Lokale noch immer das Plakat mit der Aufschrift hängen: „Hier wird kein Ringbier ausgeschänkt!" Im ,Vorwärts' macht Jemand bekannt, daß er, wiewohl der Boykott beendet ist, nur Münchener Brauhaus-Bier (das nicht boykottirt war) führe. Eine ringfreie Brauerei in Charlottendurg preist ihr Bier an in einer Erklärung, in der sie zunächst von sich rühmt, daß sie trotz der Aufhebung des Boykotts die von der Boykottkommission gestellten Arbeiterforderungen auch weiter erfülle und den 1. Mai als Arbeiterfeiertag anerkenne.
* Zur Reform der preußischen Handelskammern hat der Handelsminister von staatlichen Handelskammern ein Gutachten über 7 Punkte eingefordert: 1. Sind obligatorische Handelskammern für das ganze Staatsgebiet einzurichten und wie sind deren Bezirke abzugrenzen? 2. In welchem Umfange sollen Handel und Gewerbe in den Handelskammern vertreten sein? 3. Wie soll das Wahlrecht geregelt werden? 4. Ist die Einrichtung lokaler Organisationen oder von Organisationen nach Betriebszweigen innerhalb der Handels- kammern in Aussicht zu nehmen? 5. Ist der Geschäftskreis der Handelskammern zu erweitern insbesondere auf ihre Anhörung über Gesetzentwürfe und auf den Kreis ihrer Verwaltungsausgaben und soll ihnen juristische Persönlichkeit verliehen werden? 6. Ist der Fortbestand der öffentlichen Stellung der kaufmännischen Korporationen mit der Neuordnung der Handelskammern vereinbar? 7. Empfiehlt sich die Schaffung eines zur Wahrnehmung der Interessen von Handel und Industrie bestimmten und als technischer Beirath dienenden Centralorgans ?
Deutschland geworden sind, das wäre fast auch hier nothwendig. Die Deutschen sollten sür Bosnien dasselbe thun. Die Engländer waren nicht undankbar. Das Glaubenslicht und mit ihm alles Gute, was das Christenthum mit sich bringt, war ihnen aus Italien gebracht worden. Es wirkte so segensreich, daß man England die Insel der Heiligen nannte. Wo aber waren die Heiligen zu finden, wenn nicht in seinen zahlreichen Klöstern, von wo aus nicht bloß das Wort Gottes verkündet wurde, sondern auch der Ackerbau, Künste, Wissenschaft und alle Arten von Arbeiten dem Volke gelehrt und beigebracht wurden. Die italienischen Glaubensboten, welche nach England geschickt wurden, waren Mönche. Die Engländer und Iren, welche nach Deutschland kamen, waren wiederum Mönche. Warum war Paraguay in Südamerika einst so glücklich? Weil es unter der Leitung der Väter Jesuiten stand, welche das Volk arbeiten lehrten. Das echte Christenthum lehrt beten und arbeiten, aber arbeiten um Gotteswillen, es heiligt die Arbeit. Das haben die Apostel gelehrt und sind mit ihrem Beispiele vorangegangen, so daß der hl. Benedikt sie in seiner Regel als Muster hierfür aufstellt, denn er sagt: „Wenn wir mit unseren Händen arbeiten, dann sind wir wahre Mönche, denn so haben unsere Väter gethan und die Apostel." Lehret die Völker arbeiten im Geiste des Christenthums und ihr habt die Welt gerettet.
An dieser großen Mission arbeiten die Trappisten in Bosnien. Weil sie aber selbst arm sind, deshalb rechnen sie aus« Unterstützung. Sie sind in dieser Be-
Ausland.
* Brüssel, 9. Jan. Der halbamtliche .National' versichert, daß Frankreich gegen die Kongovorlage protestirt habe.
* Rom, 9. Jan. Giolitti läßt erklären, daß er noch weitere Dokumente besitze, die er gebrauchen werde, wenn Crispi ihn dazu zwinge.
* Lemberg, 9. Jan. Hiesige Polenblätter behaupten, in Petersburg sei wieder ein Umschwung zu Ungun st en der Polen eingetreten; die auf den neuen Kurs in Rußland gefetzten Hoffnungen würden sich schwerlich verwirklichen.
* In Rußland scheint sich, wie gegenüber den Polen, so auch gegenüber den Deutschen ein Systemwechsel vorzubereiten. Der neue Gouverneur von Esth- land bemerkte in seiner Begrüßungsansprache an die Revaler Notabilitäten, daß er vom Kaiser beauftragt fei, eine Aussöhnung zwischen den Balten und den baltischen Russen und russischen Behörden herbeizuführen; denn nur aus der Eintracht der Nationalitäten untereinander könne das Wohl des Landes hervorgehen.
* Petersburg, 7. Jan. Gestern fand die Feier des 50jährigen Priesterjubiläums des katholischen Metropoliten Kozlowski statt, woran die katholischen Bischöfe und die gesammte katholische Geistlichkeit St. Petersburgs theilnahmen.
* Stockholm, 8. Jan. Die Regierung Hal beschlossen, vom 7. Januar d. I. ab den Zoll auf ungemahlenes Getreide auf 315, den auf gemahlenes Getreide auf 650 Oere per 100 Kilo zu erhöhen.
* Der vor Kurzem in Konstantinopel eingetroffene melchitische Patriarch von Antiochia, Gregor Jussuf, der an den die orientalischenKirchen betreffenden Konferenzen in Rom theilgenommen hat, ist vom Sultan in Audienz empfangen worden. Der Patriarch überbrachte dem Sultan ein Schreiben des Papstes, in welchem dieser die religiöse Toleranz Abdul Hamid's anerkennend hervorhebt, für das befondere Wohlwollen, welches der Sultan den katholisch-orientalischen Kirchen beweist, dankt und seine besten Wünsche für eine lange und fegensreiche Regierung Abdul Hamid's ausdrückt.
* Washington, 9. Jan. Cleveland richtete eine Botschaft an den Kongreß, in der er empfiehlt, Hawaii zu gestatten, an England eine Insel zu verpachten, die als Station für das Telegraphenkabel zwischen Australien und Canada dienen solle.
* Shanghai, 9. Jan. Die Japaner griffen das von 15,000 Chinesen besetzte Soume nchang an; während des Sturmes entstand ein Feuer, das fast die ganze Stadt vernichtete. 10,000 Menschen sind obdachlos, die Kälte beträgt 40 Grad. Dem Gouverneur von Niutschwang wurde eröffnet, er würde erschossen, wenn er seinen Posten verläßt.
Provinz und Nachdargebiet.
Fulda, 11. Januar.
* Aus der Personal-Chronik der Diözese Fulda. Sicherem Vernehmen nach wurden bestellt: Die Herren Frühmesser Medler in Naumburg zum Pfarrverweser in Gersfeld, zu dessen Nachfolger in Naumburg Lokal- kaplan Hiltenbrand in Eckweisbach, zum Lokalkaplan in Eckweisbach Kuratus Atzert in Lettgenbrunn. Von den Alumnats-Priestern wurde Herr Schüler als Kaplan in Hattenhof und Herr Golbach als Kaplan in Allendorf (Oberhessen) angestellt.
V Gutem Vernehmen nach hat unser Landsmann, der Musikdirektor Herr Dr. Henkel das Arrangement des am 19. d. M stattfindenden Museumsabends
ziehung hauptsächlich auf Deutschland angewiesen. Helft also, ihr deutschen Glaubensbrüder! WasBoni- f a t i u s für Euch gethan, das thut nun Ihr hinwiederum an Bosnien! Wer sich aber selber gibt, thut das größte Werk!
Ave Maria!
* * *
„Wer sich aber selber gibt, thut das größteWerk." Schöner Beruf, am Heil und an der Rettung der Seelen in Bosnien und in Dalmatien nntzuwirkeu. Es findet sich hier für Jene, welche sich berufen fühlen, sich Gott zum Dienste des Nächsten zu weihen, Gelegenheit, ihre Wünsche zu befriedigen, zumal es hier an den nothwendigenKräften mangelt. Das Kloster Mariastern nimmt Leute auf von reiferem und jüngerem Alter.
Obwohl wegen der verschiedenartigen Bedürfnisse des Hauses auch entsprechende Fähigkeiten und Talente, sowohl des Geistes als des Körpers sehr erwünscht sind, so ist dennoch vor Allem darauf zu sehen, daß die Eintretenden hauptsächlich Gottes Ehre und ihr eigenes Seelenheil im Auge haben. Gebildete Leute aller Stände, Handwerker aller Arten, Landwirthe, ob arm oder reich, wenn sie nur Beruf zum Klosterleben in sich fühlen, alle finden herzliche Aufnahme. Wer nähere Auskunft haben will, kann sich mit Vertrauen wenden an den allbekannten Trappistenbruder Fridolin Teller in Darfeld (Westfalen).