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22. Jahrgang

Samstag, den 12. Januar 1895.

iMerMZkitling

mit Untrrhaltnngs-Keilage „Sterne und Kiumen".

Erscheint täglÄH, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonuemeutspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

* Die kathol. Kirche im Jahre 1894.

ii.

Zu den einzelnen Ländern übergehend, beginnen wir mit Italien, das den Vorzug genießt, den Sitz des Papstthums und das Centrum der katholischen Einheit in sich zu bergen. Die von der italienischen Regierung aufgeworfene Streitfrage wegen des Pa­triarchats Venedig wurde endlich dadurch bei­gelegt, daß sich die Regierung dem Standpunkte des apostolischen Stuhles, vermöge welchem diesem die freie Besetzung des Patriarchensitzes zusteht, fügte, indem der König den vom Papste schon längst zum Patriarchen ernannten Kardinal Sarto seinerseits ernannte und ihm in dieser Form das Exequatur ertheilte. So konnte endlich Kardinal Sarto von seiner Kirche feierlich Besitz ergreifen, was unter unbeschreiblichem Jubel feiner Diözesanen geschah. Die Freudenbezeigungen, von denen um dieselbe Zeit der Einzug der Erzbischöfe von Mailand, Bologna und Ferrara begleitet war, sind ein sprechender Beweis von der Glaubensinnigkeit der Mehrheit des italienischen Volkes. Auch einer Anzahl anderer Bischöfe ist das bisher vorenthaltene Exequatur crtheilt worden. Die durch die Vergrößer­ung und Konsolidirung des italienischen Kolonialbesitzes in Afrika nothwendig gewordene Errichtung der apo­stolischen Präfektur Erythrüa wurde von liberaler Seite als eine Gegenkonzession des Vatikans für die Ertheilung des Exequatur an Kardinal Sarto und als ein Schritt zur Versöhnung der Kurie mit dem Quirinal hingestellt und ausgebeutet: natürlich ebenso lächer­licher- wie lügenhafterweise. Es sei auch erinnert an den Katholikenkongreß in Pavia und an den eucha­ristischen Kongreß in Turin, zwei erfreuliche Aeuße- rungen und gleichzeitig Mittel der katholischen Aktion.

In der österreichischen Monarchie haben auch die kirchlich-religiösen Verhältnisse sozusagen eine dualistische Gestaltung erfahren und müssen demgemäß betrachtet werden. Diesseits der Leitha besteht noch immer eine ganze Reihe von Gesetzen, wovon eine Anzahl Bestimmungen im Widerspruche sich be­finden nicht nur zur positiv-kirchlichen, sondern ge­radezu zur göttlichen Ordnung der Dinge, und es muß unentwegt das Ziel der politischen Aktion der Katholiken bleiben, die Gesetzgebung wieder mit dem göttlichen und kirchlichen Rechte in Uebereinstimmung zu bringen. Doch es folgt aus der Pflicht, die Ab­schaffung der dem katholischen Gewissen widerstreiten­den Gesetze im Auge zu behalten und anzustreben, nicht der Zwang, jede Woche mindestens einmal Anträge einzubringen gegen das Schul-, Ehe- und interkonfessio­nelle Gesetz, systematisch gegen die Regierung loszu­ziehen und aus der schärferen Tonart gar nicht mehr herauszukommen. Es ist vielmehr dem Katholiken ganz wohl erlaubt, auch geboten, aus Klugheitsrücksichten eine bessere Zeit abzuwarten.

Ungarn war im verflossenen Jahre der Schau-

Bie TrapMenMei Wärmstem in Bosnien.

(Schluß.)

Ueberaus merkwürdig, aber durchaus wahr ist es, daß die bosnische Landbevölkerung in Kleidung, Sitten, Kultus, kurz in seinem ganzen Wesen die Zeitgenossen des Patriarchen Abraham darstellt, orientalisch und alttestamentlich. Wer die Emmerich gelesen hat, wird staunen, sich hier mehr als 4000 Jahre in die Ver­gangenheit^ zurückversetzt zu sehen.^ -'M

Die Sommerkleidung ist höchst einfach. Kurze, enge leinene Hosen auf dem Leib, das lange, oft viel­fach bunt gestickte Hemd darüber mit breiter, rother Schärpe und Lederriemen darauf festgehalten, oder auch mit einem vorn sehr hohen Ledergurt, dessen verschie­dene Abtheilungen als Taschen dienen. Die Kopftracht ist verschieden. Die jetzt Heranwachsende Generation tragt gern kurz geschnittenes Haar, die älteren scheeren den Kopf nur vorn, das übrige Haar wird zu einem Büschel gestaltet fast nach Jndianerart, oder zu einem Zopf geflochten. Die am wenigsten hoffärtig sind, lassen das Haar wachsen, wie die Natur es eben will. Einen echten Turban auf ganz geschorenem Kopfe trägt nur der Türke. Der Bosniak begnügt sich mit dem rothen Fez. Hier und da schlingt' ein Alter noch ein blaues Tuch darum. Wenn die Weiber sich putzen wollen, flechten sie sich an den beiden Schläfen herab

platz des Kampfes des Episkopates, des Klerus und jener Katholiken, die sich ihr katholisches Bewußtsein und Pflichtgefühl bewahrt hatten, gegen die kirchen­politischen Gesetzesvorlagen einer direkt kirchenfeindlichen und freimaurerischenRe- gierung. Der Kampf hat vorläufig jenen Ausgang genommen, der seit der Annahme des Civilehegesetzes durch das Magnatenhaus vorauszusehen war: die wichtigsten kirchenpolitischen Gesetze sind sanktionirt, ihre Ausführung hat durch die Demission des Kabinets Wekerle eine Verzögerung erfahren. Möglicherweise nehmen die Dinge noch eine Wendung zum Bessern.

Was das Deutsche Reich betrifft, so ist in das sogenannte Jesuitengesetz wenigstens eine Bresche gelegt worden, indem die Kongregationen des heiligsten Er­lösers und vom Heiligen Geiste für nicht „verwandt" mit den Jesuiten erklärt und demzufolge auf deutschem Boden wieder zugelassen wurden. In Baden haben die Katholiken die Errungenschaft zu verzeichnen, daß dort Missionen durch auswärtige Ordensgeistliche gesetzlich ermöglicht sind. Im Uebrigen sind in allen deutschen Landen noch viele der wichtigsten Forderungen der Katholiken unerfüllt. Der Hauprgegner ist der Prolestantismus, der in allen Verhältnissen eine domi- nirende Stellung einzunehmeu sucht und je mehr er dem inneren Zerfalle zueilt, desto aggressiver gegen den Katholizismus auftritt.

In Frankreich ist bis jetzt keine wesentliche Aenderung in der Haltung der staatlichen Faktoren gegen die Kirche eingetreten, obwohl manche schöne Worte gefallen sind. Den größten Nachtheil fügen sich übrigens die Katholiken selbst zu, indem sie trotz aller päpstlichen Mahnungen noch lange nicht zur erwünschten Einigung gelangt sind.

In Belgien haben die Katholiken Wahlsiege in einem bisher noch nicht erreichten Maße errungen, müssen aber ebenfalls auf der Hut sein vor der Un­einigkeit im eigenen Lager. Brüssel sah in seinen Mauern den internationalen wissenschaftlichen Kongreß der Katholiken, der glänzender und fruchtbarer ausfiel, als die vorhergehenden Kongresse dieser Art, so daß zu hoffen ist, daß diese Institution immer mehr Boden gewinnen wird.

Auch L>panien, soviel Tröstliches es immerhin bietet, leidet noch an der Uneinigkeit der Katho­liken. Eine mächtige Aufwallung des katholischen Bewußtseins bewirkte die von der Regierung zuge- laffene „Weihe" des apostasirten Priesters Cabrera zum „protestantischen Bischof", die der anglikanische Erzbischof von Dublin in Madrid vollzog.

In Portugal hat sich erfreulicherweise eine politische Partei gebildet, die sich die Verthei- digung der katholischen Religion und der Rechte der Kirche ausdrücklich als Ziel gesetzt hat. Auch sonst sind dort Anzeichen des wiedercrwachten kirchlichen Lebens zu beobachten.

Unter den Katholiken der nordamerikanischen

zwei schwere Zöpfe, die sie mit falschen Haaren (Pferde­haaren) künstlich verlängern und deren Enden sie in den Busen stecken. Zur Winterszeit ziehen die Män­ner über die leinene Unterhose noch eine weißwollene Kniehose, legen um die Beine selbstgestickte rothwollene Stücke, welche mit ledernen Stricken umwunden und am Knie mit beschlagenen Lederriemen festgehalten wer­den. Die Füße stecken in Socken und niedrigen, ganz flachen, wie aus Riemen und Stricken geflochtenen Schuhen, den Opanken.

Der bosnische Bauer säet Kukuruz (türkischen Wei­zen oder Mais) und Hirse, weniger Weizen oder Rog­gen. Kartoffeln und Rüben sind bis vor Kurzem un­bekannt gewesen. Aber Bohnen und Kürbis pflanzt er in den Kukuruz hinein. Bei seiner Hütte zieht er auch Zwiebeln, die er gern ißt. Das reife Getreive schnei­det man zwei Spannen lang unter der Aehre ab, bin­det es zu Büscheln, die man auf eine kurze Zeit zu einem Haufen zusammenstellt, denn es wird bald ge­droschen; den stehen gebliebenen Theil schneidet man hernach ab oder rupft ihn auch wohl aus.

Das Getreide wird auf der Tenne durch die klei­nen, mageren Pferde, welche an's Laufen gewöhm sind, oder auch durch Ochsen ausgetreten. Die Tenne ist ein freier, ebener und rein gemachter Platz im Felde, recht luftig gelegen. In der Mitte steht ein starker Pfahl, an welchem die dreschenden Thiere mit einem

Union herrschen theilweise ärgerliche Spaltungen, die leider auf das Verhalten eines Mitgliedes des Episkopats, des Erzbischofs von St. Paul, Jreland, zurückzuführen sind, gegen den neulich der Bischof von Rochester in Newyork von der Kanzel herab eine scharfe Erklärung abgegeben hat. Die autoritative Intervention des Heiligen Stuhles wird wohl bald Ordnung schaffen.

Wir schließen unsere Rückschau auf die katholische Kirche im Jahre 1894 mit einem Blicke auf Ruß­land, um zu konstatiren, daß von dorther ein Hoff­nungsstrahl leuchtet, der für die Katholiken des weiten Reiches bessere Tage erwarten läßt.

Deutsches Reich.

Berlin, 10. Januar.

* Der ,Reichsanzeiger' erklärt es als leere Er­findung, daß der Kaiser die Ausführung des Vorschlags, an der Westseite des neuen Reichstagsgebäudes die Inschrift „Dem deutschen Volke" anzubringen, nicht zugelassen habe. Die Entscheidung des Kaisers ist in dieser Frage noch nie angerufen worden und eine kaiserliche Willensäußerung ist bisher nicht er­gangen. Die Reichstagsbaukommission tritt in kürzester Frist wieder zusammen und wird auch über die Jn- schriftfrage berathen.

* Graf Schuwalow hat sich heute früh, begleitet von dem Botschaftssekretär v. Knorring, nach Friedrichs- ruh begeben^ um dem Fürsten Bismarck einen Ab­schiedsbesuch abzustatten. Zu Ehren Schuwalow's findet morgen Abend 6 Uhr beim Offizierkorps des Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiments ein Aschieds- Diner statt, welchem auch der Kaiser beiwohnen wird.

* In den letzten Tagen sind in Berlin eine An­zahl Auarchisten verhaftet worden. Gleichzeitig fanden in mehreren sozialdemokratischen Buchhandlungen Haus­suchungen statt.

* Der Reichstag setzte heute die Berathung der Umsturzvorlage fort. Abg. Graf Limburg-Stirum trat Namens der Kommission für die Vorlage ein, zu welcher allerdings noch positive Maßnahmen zum Schutze des Mittelstandes kommen müßten. Abg. Munkel (fts. Volksp.) bekämpfte das Gesetz, welches als Aus­nahmegesetz werde behandelt werden. Kriegsminister v. Schellendorf vertheidigte die Bestimmungen der Vorlage zum Schutze der Disziplin im Heere. Die Disziplin in der Armee sei gut, aber die Armee sei nicht immun. Gegen Aufreizung werde in der Armee streng vorgegangen, aber man sollte es nicht erst so weit kommen lassen. Justizminister Schönstedt er­innert die Freisinnigen daran, daß sie früher selbst die Strafbarkeit der den öffentlichen Frieden gefährdenden Angriffe gefördert haben. Ablehnen könne man die Vorlage nur, wenn man kein Vertrauen zu der Rechtspflege habe. Abgeordneter von Bennigsen (nationalliberal) trat in längerer Rede für die Vor-

@triefe befestigt sind. Das Reinigen geschieht mittelst des Worfelns. Wer erinnert sich nicht da an Johan­nes den Täufer, der von unserem lieben Herrn sagt: „Er hat die Wurfschaufel in der Hand und wird seinen Weizen worfeln," d. h. die Spreu von dem Korn ab­sondern. Der Bauer paßt den Wind ab und wirft mit der Schaufel das Getreide gegen denselben, welcher die leichte Spreu entführt. Diese Art zu dreschen wird durch das Klima des Landes begünstigt. Die Witte­rung ist nämlich in diesen Regionen eine ständige zu nennen. Das heißt, sie wechselt nicht leicht ab. Heuer z. B. regnete es im Frühjahr zwei Monate lang, nur mit kurzen Unterbrechungen; danach war es auch zwei Monate lang vollkommen trocken. Es kommen Som­mer, wo es nichts Anderes gibt als Gewitter. Ent­steht zur Winterszeit große Kälte, so hört sie auch so bald nicht wieder, auf. Ebenso ist es mit dem Schnee.

Das kleine, magere Vieh weidet das ganze Jahr draußen. Wenn Schnee liegt, reißt der Bauer den Zaun ein, ben er um den kleinen Heuschober des vorigen Sommers gemacht hatte, und läßt das Vieh herankom- men. In den Wäldern haut man wohl auch Bäume um, besonders Birken, damit Schafe und Ziegen die zarten Aestchen davon absressen. Für die Schweine hackt man ein Brachfeld um, damit dieselben desto leichter wühlen können.

Auch im Kultus ist die Vorliebe zum altenI Testa-