die aus den laufenden Jahres-Einkünften herrührenden Baarbestände. In wie weit Rückstände von Schulden dieser Art aus früheren Wirthichastsjahren den Kapitalschulden, also den abzugssähigen, gleich zu achten sind, ist nach den Umständen des einzelnen Falles zu beur- theilen. Erstreckt sich die Besteuerung lediglich auf preußischen Grundbesitz oder auf das einem preußischen Betriebe dienende Anlage- und Betriebs - Kapital, so sind nur solche Schulden und Lasten abzugsfähig, welche auf den bezeichneten inländischen Vermögens- theilen haften oder für deren Erwerb ausgenommen sind.
X Poppenhausen (Rhön), 8. Jan. Wie im Jn- seratentheil des heutigen Blattes zu lesen ist, wird der hiesige Männergesangverein „Rhönlust" in der Gastwirthschaft des Herrn PH. Köhler kommenden Sonntag, den 13. d. M., eine theatralisch-musikalische Abendunterhaltung veranstalten. Dem reichhaltigen Programm nach zu urtheilen, verspricht der genannte Abend ein recht genußreicher zu werden. Außer mehreren Musikstücken, Männer- und gemischten Chören werden zwei einaktige Lustspiele und einige humoristische Kouplets zur Aufführung gelangen. Wünschen wir dem jungen strebsamen Verein für nächsten Sonntag ein gut besetztes Haus.
* Gersfeld, 7. Jan. Ende letzter Woche verließ unser seitheriger Pfarrer, Herr Fl. Jüngst, Gersfeld, um seine neue Stelle als Pfarrer in Geismar bei Geisa anzutreten. Von der Ernennung eines Nachfolgers ist bis jetzt hier noch nichts bekannt.
* Hanau, 9. Jan. Unter Hinterlassung bedeutender Schulden und Mitnahme vieler Juwelen ist der Juwelier Schröder in Baden-Baden durchgegangen. Auf seine Festnahme ist eine Belohnung von 400 Mk. ausgesetzt. Der hiesige Platz wird durch Schröder's Flucht geschädigt.
* Hersfcld, 9. Jan. Dem Kassengehülfen, Herrn Georg Knauff hier, ist vom 1. April ab die Stelle eines Kämmereikassen-Assistenten in Marburg gegen ein Jahresgehalt von 1500 Mark probeweise und widerruflich übertragen worden.
Kassel, 8. Jan. Ueberfallen wurde in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag ein Postbeamter, der mit dem Leeren der Briefkästen im Philosophenweg beschäftigt war und zu gleichem Zwecke nach dem in der Augustastraße befindlichen Kasten gehen wollte, als plötzlich ein Mensch auf ihn zusprang und den Versuch machte, dem Beamten die Tasche zu entreißen. Auf die Hilferufe des Beamten eilte ein die Wilhelms- höher Allee paffirender Offizier herbei und nahm den frechen Gesellen fest. Auf dem Transport nach dem Wehlheider Ortsgefängniß unternahm der Festgenommene noch einen Fluchtversuch, wurde jedoch von dem Offizier und dem Postbeamten wieder eingeholt und der Wehlheider Behörde überliefert, die den Räuber gestern Morgen an die hiesige Staatsanwaltschaft ablieferte.
* Marburg, 9. Jan. Im Prozeß der katholischen Gemeinde gegen den Fiskus wegen Mitbenutzung der Elisa vethkirche war auf heute Vormittag 9 Uhr vor dem König!. Landgericht Termin angesetzt, jedoch wurde in die Verhandlungen nicht eingetreten, da sich auf klägerischer Seite bezüglich des Nachweises der Gemeindevertretung zur Zeit der Klagestellung einige Zweifel herausstellten. Dem Anträge des Vertreters der Klägerin auf Verlegung des Termins zwecks Vervollständigung der Legitimation wurde daher stattgegeben und anderweiter Termin auf den 6. Februar, Nachmittags 5 Uhr, anberaumt. (O. Z.)
* Marburg, 8. Jan. Der Bürgerausschuß ertheilte in seiner gestrigen Sitzung dem Anträge des Stadt- rathes, sich der vom Stadtrath in Kassel angeregten Petition in Bezug auf den Entwurf einer Städte- ordn u n g für die Provinz Hessen-Nassau anzuschließen, seine Zustimmung.
* Allendorf (Kr. Kirchhain), 8. Jan Als Nachfolger des schon seit einiger Zeit von hier als Pfarr- verweser nach Batten versetzten Kaplans, Hrn. Klitsch, ist der Seminarpriester Golbach ernannt.
* Eschwege, 7. Januar. Um das durch die Ver- urtheilung des bisherigen Reichstagsabgeordneten L e u ß frei gewordene Mandat des Wahlkreises Eschwcge- Schmalkalden-Witzenhausen werden diesmal harte Kämpfe entbrennen, da alle Parteien besondere Kandidaten aufstellen: die Konservativen, Nationalliberalen, Freisinnigen , Antisemiten und Sozialdemokraten. Der Kandidat der Konservativen ist Herr von Alvensleben auf Rusteberg; die Freisinnigen Haven wieder Herrn Professor Dr. Stengel-Marburg, der schon bet der vorigen Wahl eandidirte, in Aussicht genommen. Ebenso sind die Sozialdemokraten bei ihrem früheren Kandidaten, Redakteur Huhn-Kassel, geblieben. Wer von den Nativnalliberalen aufgestellt wird, ist zur Zeit noch nicht bekannt. Auch die Antisemiten, welche ursprünglich auf einen besonderen Kandidaten verzichteten und Herrn von Alvensleben unterstützen wollten, sind, wie man hört, entschlossen, selbstständig vorzugehen.
* In der Umgegend von Birstcin zeigten sich mehrere Zigeunertruppen, die in den Waldungen übernachteten. Einer Bäuerin in Untersotzbach wurden von einer Zigeunerin 6 Mk. entwendet; die Diebin wurde alsbald verhaftet und dem hiesigen Gefängniß überliefert.
* Frankfurts 7. Jan. Ein Junggeselle, der anscheinend in ärmlichen Verhältnffsen starb, hat eine Viertelmilli on hinterlassen. Außer den lachenden Erben wird auch der Fiskus dem Nachlaß Aufmerksamkeit widmen. — Vor einigen Tagen wurde auf der Feuerwache in der Münzgasse eine Beleuchtungsprobe veranstaltet, zu der das Bauunglück in Sachsenhausen Veranlassung gegeben hatte. Der benützte Apparat nach dem E> sinder, Ingenieur Ludwig Dürr in Bremen, „Dürr licht" genannt, besteht aus einem 15—20 Liter fassenden, mit gewöhnlichem Petroleum gefüllten Behälter, von dem aus das Oel tropfenweise durch das Rohr in den tiefer gelegenen Vergaser gelangt, wo es verdampft und nach zwei Brennern strömt, von denen der eine vor dem andern liegt. Die Hintere Flamme erhitzt den Vergaser und den vorderen Brenner, aus dem in Folge dessen eine mächtige weiße, vollkommen rauchlose Flamme von 3500 Normalkerzenstärke entströmt, die niemals verlöschen kann, wenn man das Zulaufventil nicht absperrt. Der Hof der Feuerwehr war durch zwei Apparate tageshell erleuchtet, so daß man gedruckte Schrift überall bequem lesen konnte. Die anwesenden Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden und der technischen Vereine sprachen sich übereinstimmend dahin aus, daß diese Lichtquelle zur Beleuchtung von Bau-, Arbeits- und Unfallstellen vornehmlich geeignet sei.
* Schmalkalden, 9. Jan. Zur Reichstags-Ersatzwahl in Eschwege-Schmalkalden hat der Kandidat der freisinnigen Vvlkspartei, Prof. Stengel, am Samstag und Sonntag in mehreren Ortschaften des Kreises Eschwege Vorträge gehalten.
* Erfurt, 9. Jan. Als Urheber des furchtbaren Brandes in Dachwig ist derLandwirthHartung verhaftet worden.
Vermischtes.
* Helgoland, 8. Jan. Betreffs der Beschädigungen, welche der Sturm namentlich der Insel Helgoland zugesügt hat, wird jetzt offiziös gemeldet, daß die eigentliche Insel verhältniamäßig wenig gelitten hat, dagegen die der Insel zum Schutze dienende Düne, wenngleich nicht in dem Maße, wie die ersten Berichte gelautet hatten, doch immerhin erheblich mitgenommen ist. Die Beseitigung der Schäden, sowie die möglichste Sicherung gegen künftige ähnliche Natur- Ereignisse dürfte danach nicht so bedeutende Mittel in Anspruch nehmen, wie anfänglich nach den ersten Berichten geglaubt worden ist.
* Linden a. d. Ruhr, 7. Jan. Ein seltsames Ereigniß hat sich hier, wie der .Barm. Ztg/ nachträglick gemeldet wird, in einer hiesigen Arbeiterfamilie zugetragen: Die seit fast 8 Jahren taubstumme Tochter hat plötzlich Sprache und Gehör wiedererlangt. Als nämlich das Mädchen am ersten Weihnachtstage ihren Verwandten die Geschenke zeigte und durch lebhafte Geberden sich bemühte, Alles zu erklären und sich zu bedanken, erlangte sie plötzlich die Sprache wieder und gleichzeitig fast auch das Gehör! Wohl noch nie ist das Weitznachisfest fröhlicher gefeiert worden in der Familie als diesmal. Die ge- sammte Einwohnerschaft des Städtchens nahm freudigen Antheil an diesem Ereigniß.
* Ei» literarischer Gourmand. Lehrling (zum Metzger): „Der Meester will for'n Jroschen Schinken in Scheibe", aber in die Fortsetzung von die Jeschichte einjewickeil wo Sie ihm jestern bet erste Kapitel mit die Lederwurst jeschickt haben."
* „Damcudillardzimmer' sind die neueste Errungenschaft unserer Zeit. Ein Berliner Kaffeehaus empfiehlt nämlich sein neu eingerichtetes Damenbillardzimmer.
Literarisches.
Als eine sensationelle Neuheit auf dem Büchermärkte darf das soeben im Verlage der Jos. Kösel'schen Buchhandlung in Kempten erichienene neueste und von Tausenden schon mit Spannung erwartete Werk des Prälaten Kne ipv „Mein Testament für Gesunde und Kranke" (8° 340 S. Mit 29 Volldildern in Autotypie und vielen Textillustrationen Preis broch M. 2,80, in is-Leder oder 1 --Leinwand geb. M 3,40) bezeichnet wrrden. Dieses neue Werk reiht sich inhaltlich würdig seinen berühmten Vorgängern „Meine Wasserkur" und „So sollt ihr leben" an und i ildet eine für Jeden der sich eingehender mit dem Kueipp- schen Heilsystem und namentlich seinen eigenartigen mannigfachen Wasseranwendungen vertraut machen will geradezu unentbehrliche Ergänzung und Vervollkommnung der oben genannten Bücher. Es kann dem „Testamente" daher sicher auch die gleiche Verbreitung prophezeit werden. Was „Mein Testament" neben dein textlichen Inhalte, auf den näher einzugehen der Raum f hlt, besonders auszeichnet, das sind diesmal die zahlreichen Illustrationen. In 28 vorzüglichen Vollbildern in Autotypie gibt hier Kneipp eine bildliche Erläuterung sämmt- licher in Wörishofen zur Ausführung kommender Wasseranwen- dnngcu, aus welchen genau die Stellung und Lage re, wie selbe in jedem einzelnen Falle erforderlich ist, zu ersehen und aus welchen in Verbindung mit einem weiteren „Die Uebungs-Schule" bezeichneten, ebenfalls illustrirten Abschnitte des Buches Jedermann eine vollständig zuverlässige Anleitung zur Selbstanwendung der verschiedenen Güße, Wickel u. s. w. gewinnen wird. Sämmtliche Bilder sind genau nach Anleitung und Angabe Kneipp's nach photographischen Original-Aufnahmen ausgeführt. Eine interessante und für Bi-'le gewiß erwünschte Beigabe bildet auch der fünfte Theil des Buches, eine genaue Anweisung zur Selbstbereitung der verschiedenen in der Kneipp'schen Hausapotheke vorkommenden T h ee's u. s. w. Diese kurzen Andeutungen mögen genügen, um die Hunderttausende von Anhängern und Freunden der „Wasserkur" auf den hohen Werth und die Bedeutung des neuen Werkes des unermüdlichen, hilfreich thätigen „Va'er Kneipp" aufmerksam zu machen, und wir erwähnen schließlich nur noch, daß von „Mein Testament", dessen hübsche und gefällige Ausstattung in Druck, Papi.r und Illustrationen der Verlagsbuchhandlung alle Ehre macht, bereits eine französische englische, italienische, böhmische, polnische und holländische Uebersetzung vorbereitet werden, welchen sicherlich noch verschiedene andere Uebersetzungen nachfolgen werden.
Mk-e poft.
Köln, 9. Jan. Die ,Köln. Volksztg/ erfährt aus bester Quelle, daß die Sonntagsruhe für die Industrie bestimmt am 1. April d. I. eingeführt wird. Die Arbeiten im Reichsamt des Inneren sind beendet, die Entscheidung des Bundesrathes steht unmittelbar bevor.
Berlin, 9. Jan. Die Begründung des Gesetzentwurfs betr. die Abänderung der Gewerbe-Ordnung stellt fest, daß der Hausirhandel keine wesentliche Ursache der ungünstigen Lage der Gewerbetreibenden in kleineren Orten sei. Deshalb sei es für ausreichend erachtet worden, zur Beseitigung der Auswüchse die Zahl und die Gegenstände des Hausirhandels einzu- schränken und die ausgestellten Hausirscheine zu vermindern. Ferner werden Mängel und Vorschriften abzustellen sein, welche für die Gewerbtreibenden, die am Wohnsitze hausiren, gelten. Sodann bedarf die Abgrenzung zwischen stehendem Gewerbe und Wandergewerbe hinsichtlich der Handlungsreisenden eine Berichtigung. Ferner ist eine Ergänzung der Bestimmungen über Privatheilanstalten, sowie Vorsorge für die finanzielle Zuverlässigkeit der Schauspiel - Unternehmer geboten. Angesichts des nicht erledigten Trunksuchtsgesetzes wird durch eine Erweiterung der Bestimmungen über den Betrieb der Schankwirth- fchaften Abhilfe geschaffen. Endlich werden im Entwurf zweckmäßige Bestimmungen über die Wiederaufnahme des gleichen Gewerbebetriebes für solche Personen getroffen, denen vorher der Betrieb aus gesetzlichem Grunde durch die Behörde untersagt war.
Wien, 9. Jan. Aus allen Theilen der Monarchie werden infolge von Schneeverwehungen Verkehrsstör- ungen gemeldet. Die meisten Posten sind ausgeblieben.
Pest, 9. Jan. Im Abgeordnetenhaus theilte Dr. Wekerle heute mit, daß bisher die Bildung eines neuen Kabinetes noch nicht beendet sei, worauf das Haus beschloß, sich bis nach vollendeter Kabiuetsbild- ung zu vertagen. Die äußerste Linke stellte für die Sitzung, in welcher das neue Kabinet sich vorstellen würde, eine Kritik des ganzen Verlaufes der Krisis in Aussicht, welche mit den konstitutionellen Begriffen der Volksvertretung in Widerspruch stehe.
Hiroshima, 9. Jan. Der japanische Landtag ist heute wieder zusammengetreten. Ministerpräsident Gras Ito hebt die wiederholten Erfolge der japanischen Waffen hervor und betont die Nothwendigkeit der Ein- müthigkeit der Nation. Nur die dringenden Vorlagen würden eingebracht werden. Er fordert daher das Haus auf, die Regierung in dem Entschlüsse zu unterstützen, die Vorlagen, welche eine sofortige Erledigung nicht verlangten, zu verschieben.
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