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Abend verlief in der angenehmsten und schönsten Weise; man trennte sich erst in sehr später Stunde.

♦ Zur gestrigen Monatsversammlung des hiesigen Garteubauvereins hatten sich 39 Mitglieder einge­sunden. Nach geschehener Verlesung des Protokolls der letzten Monatsversammlung erhielt Herr Kunst- und Handelsgärtner Ries das Wort zu einem Vortrage über Ernte, Aufbewahrung und Pflege des geernteten Markt- und Tafelobstes. Die Versammlung folgte dem Vortrag mit großem Interesse. Hierauf entspann sich eine längere Diskussion über die geeignetesten Auf­bewahrungsorte und Aufbewahrungsarten. Auch die Ueberwinterung von Spinat, Nüßchen, Rosenkohl, Blaukohl und Schwarzwurzel kam zur Besprechung. Hierbei konnten die Anwesenden der Ansicht, daß auch Schwarzwurzeln über Winter zugedeckt werden müßten, nicht beitreten und gab dieses zu längerer Debatte Veranlassung. Vom Herrn Gärtner Ries wurde hierauf nochmals auf den Anbau der Klettergurke, mit welcher er im vergangenen Jahre sehr gute Resultate erzielt habe, aufmerksam gemacht und der Anbau derselben empfohlen. Nach erfolgter Versteigerung von älteren Zeitschriften für Garten- und Obstbau, welche für die Pereinskasfe den Betrag von 9 M. 50 Pfg. ergab, wurde der Versammlung die Anmeldung von 4 Mit­gliedern bekannt gegeben und die Verloosung von Pflanzen vorgenommen. Zuletzt wurde noch auf das am 12. d. M., Abends 7 Uhr, stattfindende Knochen- esfen aufmerksam gemacht und um zahlreiche Bethei­ligung ersucht.

* Der Gesangverein „Cacilia" beabsichtigt, Sonntag den 20. Januar ein Concert im Bürgervereinssaale zu geben. Die Hauptnummer des Programms bildet „Erlkönigs Tochter" von Niels Wilh. Gade.

* Der Hilfsheizer Eckert fiel am Samstag auf der Fahrt von Flieden nach Elm von der Güterzugs­maschine und brach beide Beine. Derselbe wurde in das hiesige Landkrankenhaus verbracht.

* Ueber die falschen Reichskassenscheine zu 50 Mk. schreibt der .Reichsanzeiger': In neuerer Zeit sind mehrfach falsche Reichskassenscheine zu 50^ Mk. zum Vorschein gekommen. Um die Feststellung derartiger Fälschungen zu erleichtern, wird im Nachstehenden auf die wesentlichsten, in der Beschaffenheit des Papiers liegenden Kennzeichen der Echtheit von Reichs­kassenscheinen aufmerksam gemacht. Zu den sämmtlichen Reichskasienscheinen wird ein gutes, kräftiges Papier von besonderer Festigkeit verwendet, welches auf einer Seite einenMtreifen von blauen, in die Papiermasse eingebetteten stärkeren Fässern trägt. Der Faserstreifen zeigt eine blaue Färbung durch die ganze Papiermasse. Die blauen Fasern lassen sich mit einer Nadel aus der Papiermasse auslösen, wie durch eine Probe ohne Beeinträchtigung der Giltigkeit des Scheins festgestellt werden kann. Liegen die Fasern ihrer ganzen Länge nach auf der Oberfläche, so kann man sicher sein, ein Falschstiick vor sich zu haben. Der gleiche Verdacht ist gerechtfertigt, wenn die Fasern zwischen zwei Papier­schichten liegen. Ist dies der Fall, so lassen sich ent­weder beide Schichten leicht durch Wasser trennen, oder die obere Schicht kann durch Reiben mit einem stumpfen Messer entfernt werden, so daß die zweite Papierschicht mit den daraufliegenden Fasern zu Tage tritt. Das echte Papier muß eine einheitliche feste Schicht mit gut ausgeglätteter, weder glänzend noch wollig aussehender Oberfläche bilden.

* Es dürfte zur gegenwärtigen Jahreszeit angebracht sein, auf ein Erkenntniß des Reichsgerichts vom 20. April 1893 hinzuweisen, welches die Haftpflicht der Hausbesitzer bei Entstehung sog. Schlidderbahnen auf dem Trottoir zum Gegenstand hat. Es ist in diesem Erkenntniß der Rechtsgrundsatz aufgestellt, daß eine Polizeiverordnung, welche die Adjacenten bei Glatteis zum Bestreuen der Bürgersteige mit Sand rc. ver­pflichtet, zwar ein auf Schadenverhütung abzielendes Polizeigesetz sei, daß jedoch dem Hausbesitzer nicht ohne weiteres.zugemuthet werden könne, sein Trottoir fort­während unter Augen zu halten, um das Entstehen oder Vorhandensein von Schlidderbahnen zu verhindern. Hätten Kinder auf dem vorschriftsmäßig mit Sand be­streuten Trottoir eine Schlidderbahn hergestellt, und sei dadurch ein Passant zu Falle gekommen, so könne dieser für seinen Unfall den Hausbesitzer, welcher die Schlidderbahn nicht bemerkt habe, nicht haftbar machen. — Wenn auch durch diese Entscheidung die Haftpflicht der Hausbesitzer bei Glätte für gewisse Fälle eine Einschränkung erfahren hat, werden dieselben gewiß gut thun, ihre Aufmerksamkeit der gefahrlosen Passier- barkeit der Bürgersteige in demselben Umfange wie seither zuzuwenden, da es besser ist, ein Unglück zu verhüten als nach erfolgtem Unglück über die Haftpflicht s?kitläufigen, kostspieligen und immerhin in der Entscheidung zweifelhaften Prozeß zu führen.

Hersfeld, 7. Jan. Am vergangenen Donnerstag vergnügten sich verschiedene junge Leute von hier auf

^Ahklmshofer Teiche mit Schlittschuhlaufen. Plötzlich brachen zwei junge Damen ein und geriethen, da das Eis bei ihren Rettungsversuchen um sie herum immer weiter brach, in größte Lebensgefahr. Zwei junge Herren, die den Damen hilfreich bei- sprmgen wollten, brachen gleichfalls durch das Eis gleichfalls gefährliche Lage wie jene. Glücklicherweise gelang es nach einiger Zeit, sämmt-

liche Eingebrochenen zu retten, indem man sie mittelst Stangen ans Land zog. — Herr Spezialkommissions- Sekretär Wille dahier ist nach Schmalkalden versetzt worden.

* Gelnhausen, 5. Jan. Gegenwärtig weilt Herr Bildhauer Niclas von Bonn hier und ist mit noch zwei Herren damit beschäftigt, von den Kapitälen, Knäufen und anderen Kunstwerken der Ruine der Burg Gelnhausen Gypsabgüsse herzustellen. Zuvor hatte Herr Prof. Martin von Bonn der Ruine einen Besuch adgestattct. Wie man vernimmt, sollen die Nachbil­dungen der alten Kunstwerke beim Bau von neuen Kirchen zur Verwendung kommen.

* Frankfurt a. M., 4. Jan. Einer der Mitbe­gründer der Höchster Farbwerke, Herr Wilhelm Meister, ist, wie schon kurz erwähnt, gestern gestor­ben. Karl Friedrich Wilhelm Meister, geboren im Jahre 1827, hat nach soliden kaufmännischen Lehr- und Wanderjahren, die ihn auch in's Ausland, u. A. für längere Dauer nach Manchester, führten, gemeinsam mit seinem Schwager Lucius den Grund zu dem Welt­hause in Höchst a. M. gelegt, das mit zu den rühm­lichsten Zeugen der deutschen chemischen Industrie in die Höhe gewachsen ist. Seit den letzten achtziger Jahren schon hinderte ihn sein Gesundheitszustand an der geschäftlichenThätigkeit, bevor er sich auch offiziell zurückzog und aus dem Aufsichtsrath austrat. Ein krebsartiges Halsleiden quälte ihn und hat jetzt den tödtlichen Ausgang genommen, den mit der Familie die vielen Unterstützungsbedürftigen betrauern, denen er mit offener Hand half. Bekannt ist die anläßlich seines Ausscheidens aus dem Geschäfte von ihm errich­tete Wilhelm-Meister-Stiftung, die allen über 20Jahre in der Fabrik beschäftigten Arbeitern eine Heimstätte als Altentheil sichert und die durch Spenden der Mit­gründer weiter fundirt wurde.

[!] Geisa, 7. Jan. Am Abend des Dreikönigfestes brachte der hiesige katholische Mänuerverein die „Weihnachtsfeier" von Domkapitular Heinrich Fidelis Müller zur Aufführung. Mit großer Rührig­keit und Opferfreudigkeit hatte man von Seiten des Vereins die umfangreichen Vorbereitungen getroffen, und mit seltenem Interesse sah die Bevölkerung der Stadt der Aufführung dieses vielgerühmten echt christ­lichen Kunstwerkes entgegen. Der Zutritt war allen gestattet. Die Preise (reserv. Platz 1 M., Sitzplatz 60 Pf., Stehplatz 40 Pf.) waren so mäßig, wie sie für ein solches Spiel nicht wohl niedriger angesetzt werden können. Die Chöre und Soli, vom Männer­gesangverein unter der vorzüglichen Leitung des Herrn Rektor Trabert mit vieler Hingebung und frommer Begeisterung zum Vortrag gebracht, wirkten ergreifend auf die Zuhörer, welche in weihevoller Andachtsstille dem Verlaufe des Stückes lauschten. Was uns von den herrlichen, in echt kirchlichem Geiste gehaltenen Gesängen besonders gefiel, waren die Chöre: „Aus hartem Weh die Menschheit klagt" und „Ehre sei Gott in den Höhen"; geradezu gerührt waren wir von dem Solo mit Chor: „Ein Kind geboren zu Bethlehem" und dem wunderlieblichen Duett: „Jetzt ist die Welt voll Herrlichkeit." Die Deklamationen, welche, wie die Lieder, die lebenden Bilder vorbereiten und erläutern, sprach Herr Lehrer Pfeifer. Es traten 7 lebende Bilder in Erscheinung: 1) „Sehnsucht nach dem Er­löser", 2) „Verkündigung der Geburt Jesu an Maria durch den Engel", 3) „Die Geburt", 4) „Die Ver­kündigung der Geburt Jesu an die Hirten auf dem Felde", 5) „Die Hirten anbetend bei der Krippe", 6) „Die hl. drei Könige"; 7) „Weihnachtsjubel", eine herrliche sinnige Gruppierung sämmtlicher Darsteller aus den vorigen Bildern, aus deren Mitte, vom lichtervollen Weihnachtsbaume überragt, der segnende Jesusknabe mild lächelnd blickte. Jedes derselben wurde zweimal, die beiden letzten je dreimal gezeigt. Diese Bilder, mit Glück arrangirt von den Herren Lehrern Klug und Pfeifer, erregten, wie vielfach geäußert wurde, in ihrer Anordnung so­wohl, als auch mit den eigens beschafften neuen Kostümen geradezu Bewunderung und senkten tief ins Herz, was das Ohr kurz vorher vernommen hatte. Recht glücklich und dem religiösen Charakter des Stückes so recht angepaßt fanden wir es, daß die lebenden Bilder nicht bengalisch beleuchtet wurden, sondern ihre zarte Helle von großen Lampen mit Reflexspiegeln erhielten. Am Schlüsse des Spiels brachen die Zu­schauer in lauten Beifall aus, und Herr Landdechant Vogt konnte es sich nicht versagen, seiner vollen An­erkennung beredten Ausdruck zu geben und zu einem begeisterten Hoch auf die Veranstalter und die Mit- wirkenden aufzufordern, wiewohl er gar gut weiß, daß die Arbeit gethan worden ist, weil es hier die gute Sache gilt. — Die zweite Aufführung findet Donners­tag, den 10. Januar, Abends 7 Uhr, statt. Möchten sich noch recht viele Bewohner Geisa's und der be­nachbarten Ortschaften diesen Kunstgenuß zu Nutze machen! Der Reinertrag des Spiels wird zu einem wohlthätigen Zweck verwandt.

* Das Augenleiden des Herzogs von Sachsen- Meiningen hat sich so weit gebessert, daß er die ge­wohnten Spaziergänge wieder unternehmen kann und auch theilweise lesen und schreiben darf; die völlige Wiederherstellung steht in naher Aussicht.

Vermischtes.

* Die amtliche Statistik über den Verkehrs-Umfang der deutschen Reichspost im Jahre 1893/94 weist nach daß 1,141 Millionen Briefe, 3997a Millionen Post­karten, 439 Millionen Drucksachen, 112 Millionen Packete und 31s/a Millionen Waarenproben im ge­nannten Zeiträume zur Beförderung gelangten. Der Tages-Verkehr betrug demnach durchschnittlich 5,816,573 Stück. — Die Einnahmen an Porto ergeben nach Maß­gabe obiger Zahlen, nur den Mindest - Betrag ange­nommen, für Briefe 114,100,000 Mk., Postkarten 19,975,000 Mk., Drucksachen 13,170,000Mk., Packele 28,000,000 Mk. und Waarenproben 3,175,000 Mk. Auf den Kopf der Bevölkerung Deutschlands entfallen somit an jährlichen Porto-Ausgaben 3,57 Mk. für 43 Stück Postsendungen. Der Briefvercchr erforderte an Kosten sür Papier (Briefbogen und Umschlag zu 2 Pfg. gerechnet) das Sümmchen von 22,820,000 Mk. Das Gesammt-Gewicht der Briefe, Postkarten und Packete beläutt sich (das Mindest - Gewicht angenommen) auf 572,989,250 Kgr. Zur Beförderung dieser Massen wären nicht weniger als 1146 Eisenbahnzüge zu je 50 Wagen ä 10,000 Kilogramm Ladung uolhwendig ge­wesen. — Die beförderten 399 7s Millionen Postkarten würden in ihrer Längenausdehnung ein Band ergeben, das den Erdumfang noch um 2343 Kilometer überträfe. — Könnte man die Postkarten übereinander legen, so würde eine Säule von 79,900 Meter entstehen. Ge- theilt könnte man aus der einen Säule 167a Feinere", jede in der Höhe des Montblanc (4800 Meter) oder 50 in der Höhe der Schneekoppe Herstellen. Mit mensch­lichen Bauwerken in Vergleich gebracht betrüge jene Höhen - Ausdehnung 850 mal die Höhe des Berliner Rathhausthurmes (94 Meter), 775 mal die Höhe des Schweidnitzer Jesuitenthurmes (103 Meter) ober 496 mal die Höhe des Westthurmes am Ulmer Münster (161 Meter), des höchsten Bauwerkes der Erde. — Diese kurzen Vergleiche lassen erkennen, daß die Welt thatsächlich im Zeichen desVerkehrs steht und Deutsch- lau darin die erste Stelle einnimmt; betrug doch der Packet-Verkehr im gejammt en übligen Weltpostverein nur 2 Mill. Stück mehr als in Deutschland.

* Ans Elsaß-Lothringen, 6. Jan. In Mühlhausen ist ein Apothekerstrike ausgebrochcn. Bor Kurzem crieß der Vor­stand der dortigen Ortskrankenkasse ein Circular, wonach vom 1. Jan. ab die Droguisten zur Lieferung der dem freien Verkehr überlassenen Heilmittel und Krankenbedarfsartikel zuge­lassen werden sollten. Die Apotheker, die ihr bisheriges Liefe­rungs-Monopol bedroht sahen, beantworteten das Circular mit der öffentlichen'Erklärung, daß sie vom 1. Januar ab sämmt- liche Lieferungen an die Ortskrankenkasse verweigern würden. Der Vorstand der Ortskrankenkasse ließ seinerseits gestern den Zeitungen ein Schreiben zugehen, wonach er an seinem bisherigen Entschlüsse kesthält. Weiter werden die Apotheker im Falle der Fortdauer des Strikes mit strafrechtlichem Vorgehen auf Grund des Art 491 des code pennale bedroht. Der sonderbare Strike dürfte wohl bald mit der Niederlage der Apotheker enden.

Nothruf.

Ihr guten Menschen helft uns wieder, Im Hain gibt's nichts als Eis und Schnee, Nur Klagetöne statt der Lieder!

Denn Frost und Hunger thut gar weh.

Ihr reichtet uns mit vollen Händen Bon jeher milde Gaben dar: An eure Herzen darum wenden Wir uns nun auch in diesem Jahr.

Und kommt der Lenz, dann woll'n wir singen Vor Liebe, Lust und Dankbarkeit, Daß unser Lied soll hell erklingen Im Hain und Walde weit und breit.

Das Komitee für die nothleidenden Sänger des Hains:

Amsel, Vorsitzende. Meise, Schriftführerin.

Weiteste

Berlin, 7. Jan. Das Central-Komitee der deut- jchen Vereine vom Rothen Kreuze billigte dein japa­nischen Rothen Kreuze einen Geldbetrag bis zu 10,000 Mk. für Hilfsleistung im gegenwärtigen Kriege.

Wien, 7. Jan. Eine den höchsten Kreisen ange­hörige Dame widmete 10,000 Gulden für Payers Nordpol-Expedition.

Rio de Janeiro, 7. Jan. In Folge einer Explosion auf einem Vergnügungsdampfer sind im Hafen von Nicteroy 120 Personen ertrunken.

Marktöerichtc.

Frankfurt, 7. Januar. Der heutige Biehmarkt war mit 383 Ochsen, 16 Bullen, 496 Kühen, Stieren und Rindern, 235 Kälbern, 387 Hämmeln, 830 Schweinen befahren Die Preise stellten sich wie folgt: Ochfen I. Qualität 69—71 Mark. II. Qualität 63—65 Mark. Bullen I. Qualit 4 58—60 Mark, II. Qualität 55—57 Mark. Kühe, Pinder und Stiere I. Qualität 60—63 Mark, II. Qualität 48—54 Mark. Alles per 50 Kilo Schlachtgewicht. Kälber I. Qualität 75—78 Pfg., II. Qualität 68—72 Pfg., Hammel I. Qualität 61—62 Pfg., II. Qualität 52—56 Pfg., Schweine I. Qualität 58—59 Pfg., II. Qualität 55—56 Pfg. Alles per 1» Kilo Schlachtgewicht.

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