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stadt von Tigreh, unternommen hat, um den aufsässigen Häuptlingen die italienische Macht zu zeigen, und heute wird bereits zugegeben, daß die Derwische vor Kassala lagern. Ein schlechter Trost ist es, wenn die offiziösen Blätter melden, die Derwische hätten bisher noch keinen Versuch gemacht, ihre Drohungen auszuführen und Kassala anzugreifen; wenn ihre Unthätigkeit noch etwa 20 Tage fortdauere, werde die Jahreszeit denselben nicht mehr gestatten, einen Rachezug vorzunehmen. Allem Anscheine nach bereiten sich wieder schlimme Tinge für die Italiener in Massauah vor.

* Petersburg, 7. Jan. Der ,Regierungsbote' ver­öffentlicht das folgende kaiserliche Reskript an den Grafen Schuwalow:

„Mein in Gott ruhender Vater hatte Sie in gerechter Würdigung Ihrer glänzenden hervorragenden militärischen Thaten und'ausgezeichneten Fähigkeiten im Jahre 1885 zum Botschafter bei dem deutschen Kaiser und König von Preußen ernannt. Ihre mehr als neunjährige Thätigkeit in der Diplomatie hat in jeder Richtung das hohe Vertrauen und die Hoffnungen, die man von Ihnen Hegte, gerechtfertigt Während dieier ganzen Zeit haben Sie als treuer eifriger Ausführer der Pläne Ihres Kaisers die Bande der Freundschaft gepflegt, welche Rußland feit langer Zeit mit seinem mächtigen Nachbarn vereinen und haben dadurch bcigetragen zu dem Erfolge des erhabenen, wohlthütigen Werkes der Aufrechterhaltung des allgemeinen Friedens, welcher dem Herzen Meines unvergeßlichen Vaters ebenso theuer war, wie er dem Meinigen ist. Indem Ich Sie jetzt zum Wohle des Reiches auf den gleich wichtigen Posten eines Generalgouverneurs von Warschau und Kommandeurs der Truppen des Militär­bezirks Warschau ernenne will Ich Ihnen Meine aufrichtige Anerkennung für Ihre dem Thron und dem Vaterlande ge­leisteten glänzenden Dienste und die sichere Hoffnung auf die Ersprießlichkeit Ihrer Bemühungen aussprechen, welche Sie in Zukunft dem Wohle und der Entwicklung des Ihrer Verwaltung anvertrauten Landestheiles widmen werden."

* In Bulgarien passiren jetzt merkwürdige Dinge. Tie alten Verschwörer und Russenfreunde kehren zurück und die noch vor Kurzem als Retter der bulgarischen Selbstständigkeit gepriesenen Staatsmänner werden nicht mir kalt gestellt, sondern auch noch verfolgt. Die Nachricht von der Verhaftung des früheren Minister- Präsidenten S t a m b u l o w ist zwar noch nicht bestätigt worden. Wie die ,N. Fr. Pr.' mittheilt, soll die bul­garische Regierung von den Vertretern einiger Groß­mächte darauf aufmerksam gemacht worden sein, daß weitere Verfolgungen Stambulow's Bulgarien nur Schaden bringen könnten. Die Beschuldigung, daß Stambulow an ber Ermordung des Finanzministers Beltschew betheiligt gewesen sei, klingt absurd. Belt­schew wurde am 27. März 1891 ermordet, als er Abends mit Stambulow von dem Cafehause in Sofia, wo die Minister zusammengewesen waren, durch den Stadtpark nach Hause ging. In der Nähe des Hauses Karawelow's ertönte plötzlich der Ruf: „Halt!" Zwei Männer stürzten aus der Dunkelheit hervor, feuerten, und als Beltschew sich zur Flucht wandte, trafen ihn Schüsse von zwei anderen Männern. Stambulow, der einige Schritte zurück war, blieb während des Vor­ganges unverletzt. Der die Minister begleitende Gendarm behauptete, einen der Mörder mit dem Säbel getroffen zu haben. Beltschew war ein junger Mann, der in der Politik nie hervorgetreten war und man nahm daher natürlich an, daß die Kugeln nicht ihm, sondern Stambulow gegolten hätten.

* Belgrad, 5. Jan. Im Giftattentatspro­zesse wurde heute der mit schweren Fußeisen ge­fesselte berüchtigte Haidukenführer Baschtowan zur Ablegung der Zeugenschaft vorgeführt. Baschtowan wiederholt den Angeklagten gegenüber, daß sie ihn zur Vergiftung des Königs gedungen und ihm Gift gegeben hätten. Als er aber den jugendlichen König sah, habe er aus Mitleid das geplante Attentat aufgegeben. Er gestehe aufrichtig, er habe viel Verbrechen begangen und manches Menschenleben auf dem Gewissen; jetzt spreche er aber die reine Wahrheit; er wolle eher einen Mord begehen, als das Gericht anliegen. Der Bandit, der viele Jahre hindurch der Schrecken des Kragujevatzer Kreises war, macht einen unheimlichen

wenn nicht durch Gottes Vorsehung ur erwartet Hilfe gekommen wäre. Um drei Uhr Nachmittags zogen 16 Mann Oesterreicher mit zwei Kanonen, geführt von einem eben so braven als klugen Lieutenant, die Straße herauf. Einem muthigen, reichen Mann aus der Stadt war es gelungen, zu Pferde einen nicht sehr entfernten Ort zu erreichen, wo auch österreichische Soldaten stationirt waren. Die kleine Schaar wurde von den Fenstern des von den Türken besetzten Franziskanerklosters aus mit Gewehrfeuer empfangen. Das erste also, was sie that, war, das Kloster in Brand schießen. Die Türken flohen. Der Donner des ersten Kanonenschusses brachte, so weit er gehört wurde, ganz verschiedene Wirkungen her­vor. Die Belagerer der Kaserne ließen augenblicklich ab. Alles drängte vor die Stadt, um zu sehen, was es gebe. Gegen diese richtete nun der unerschrockene Lieutenant sein Geschütz. Ruhig stand er da, die An­stürmenden scharf beobachtend. Sein Auge rechnete. Auf einmal kommandirte er: „Feuer." Hei, wie flogen da die Türken durcheinander, die Batterie rückte nach, die Mannschaft der Kaserne vereinigte sich mit ihnen und nach einstündigem Kampfe waren sie Herren der Stadt.

Der erste Kanonenschuß brachte bei den Trappisten zuer st große Aufregung hervor. Als aber bald die Na chricht anlangte, daß nichts mehr zu befürchten sei, da priesen sie laut den barmherzigen Gott und sagten

Eindruck. — Das Urtheil wird am 12. Januar ver­kündet.

* Tanger, 5. Jan. Abd Elkader, einer der drei Mörder des deutschen Kaufmanns Franz Neumann, ist am 31. Dezember in Casablanca in Gegenwart des deutschen Vicekonsuls und zweier Zeugen durch einen Schuß in den Rücken hingerichtet worden.

Afrika-Verein deutscher Katholiken.

Die halbjährige Versammlung des Central-Vor­standes des Afrika-Vereins fand am 12. Dezember in Köln statt. Der Vorsitzende, Herr Landgerichtsdirektor Reichensperger, berichtete über die Lage des Ver­eins. Die Anforderungen an den Afrika-Verein seien durch die fortwährende Vermehrung der Missions- Niederlassungen, durch die stets wachsende Zahl der Missionare, durch die Gründung von Kirchen, Schulen und Erziehungshäusern in außerordentlicher Weise ge­stiegen, während die Einnahmen nicht in gleicher Weise zugenommen hätten und die nothwendigen Zu­wendungen nicht deckten. Daher sei es erforderlich, daß alle Freunde des Vereins nach besten Kräften bestrebt feien, dem Vereine reichere Mittel und neue Mitglieder zuzuführen. UZHWW

Hierauf erstattete der Schatzmeister H. Horten den Kassenbericht. Vom 1. Januar bis 12. Dezember 1894 seien eingegangen 107,913 Mark. Eine größere Reihe von Zweigvereinen hätte ihre Sammlungen für das Jahr 1894 noch nicht abgeschlossen; dieselben würden dringend gebeten, längstens bis zum 1. Februar 1895 ihre Beiträge einzusenden, damit der Jahres­kassenabschluß möglich sei. Darunter befinden sich Beiträge aus der Erzdiözese Köln 27,209,56 Mark, DiözeienMünster 20,733,63 Mark, Paderborn 15,263,60 Mark, Rottenburg 14,207 Mark, Trier 6734,75 Mark, Apost. Vikariat Sachsen 3600 Mark, Diözesen Hildes­heim 3029 Mark, Freiburg 2997,31 Mark, Fulda 2323,90 Mark, Ermeland 2107,45 Mark, Osnabrück 2000 Mark, Breslau 1556,47 Mark, Limburg 1430 Mark, Mainz 1015 Mark, Bamberg 837,50 Mark u. s. w.

Zum Rechnungsrevisor wurde Herr OberlandeS- gerichtsrath Pünder gewählt.

In seinem Berichte über die Arbeiten der katho­lischen Missionen in den deutschen Schutzgebieten konnte Canonicus Prof. Hespers sich auf die ausführlichen Mittheilungen beziehen, welche von den Vertretern der einzelnen Missionsgenossenschaften selbst in der General- Versammlung des Afrika-Vereins bei Gelegenheit der Katholiken-Versammlung in Köln in ausführlicher Weise gegeben und bereits veröffentlicht wurden.

Sowohl in Deutsch-Ostafrika, wie in Kamerun und Togoland setzen die Missionare: 1) die Väter vom hl. Geist, 2) die Weißen Väter, 3) die Bene­diktiner, 4) die Pallotiner, 5) die Missionare vom göttlichen Wort ihre stille, aber segensreiche Thätig­keit fort. Erfreulich ist es, daß in allen Schutzgebieten der Gesundheitszustand sich gegen früher merklich ge- besfert hat. Die acht Missionsstationen der Väter vom hl. Geist in Deutsch-Ostafrika, besonders auch die neu am Kilima-Ndscharo-Gebirge angelegten Kilema und Kiboschko entwickeln sich in vielversprechender Weise. Auch die Niederlassungen der WeißenVäter im Gebiete der großen Seeen finden bei der Bevölker­ung erfreuliches Entgegenkommen; durch die Gründung von Kala, welches im Hintergründe einer prächtigen Bucht am Tangangika-See liegt, ist die Zahl der Stationen der Weißen Väter auf deutschem Gebiete auf acht gestiegen. Eine große Missions-Karawane, welche am 12. Juni Europa verließ, führte diesen so weit entlegenen Missionen die nöthige Verstärkung zu, darunter zum ersten Mal auch sechs Schwestern, welche mit heldenmüthiger Aufopferung die höchst mühselige Reise zu den großen äquatorialen Seeen vollendet haben. Die Hauptaufgabe dieser Schwestern wird die

Dank dem göttlichen Herzen Jesu und der allerheilig­sten Jungfrau Maria, denn gerade zu ihnen hatte die Klostergemeinde ihre Zuflucht genommen.

VIII.

Auf eine an ihn ergangene Einladung zog Pater Franz im Jahre 1880 nach Südafrika, um die Trap­pisten dorthin zu verpflanzen, nachdem er in den zwei vorhergehenden Jahren das Waisenhaus gebaut und eingerichtet hatte. Diese neue Mission machte ihm viel zu schaffen. Zurückgekehrt, gab er im Sommer 1883 seine Demission als Prior von Mariastern und zog mit einem zweiten Trupp nach Südafrika zurück. Nach seinem Abzüge wurde Dom Bonaventura, der seit 1874 in Mariastern war und als Subprior sungirte, zum Prior ernannt und zwei Jahre später zum ersten Abte dieses Klosters erwählt.

Unter diesem thätigen Manne, der für die Regel und das Haus eiferte, nahm dasselbe neuen Aufschwung. Um die Einkünfte des eigenen Hauses zu vermehren, denn die Zahl der Waisenknaben vermehrte sich damals gewaltig, und um den deutschen Kolonisten aufzuhelfen, baute er zwei Käsereien an zwei vom Kloster mehrere Stunden entfernten Orten, in welchen nur Brüder aus dem Kloster, aber keine Auswärtige beschäftigt sind. Er vergrößerte'das Waisenhaus mehr als um die Hälfte und versah das Kloster mit einer Klausurmauer.

Erziehung der Negermädchen und die Krankenpflege sein. Ueberaus bewährt haben sich die jungen Neger, welche in Europa als Aerzte ausgebildet wurden und im Innern Afrika's in ihrem Berufe und zugleich als Katecheten verwendet werden.

In Kamerun ist, wie ein Bericht vom Oktober mittheilt, die Gesundheitsstation Engelberg auf dem sogenannten Götterberg vollendet worden. Schon be­finden sich mehrere kranke Brüder aus den Stationen der Niederungen: Marienberg, Edea und Kribi in Engelberg, um sich zu erholen und neue Kräfte zu gewinnen. Der Lavaboden ist sehr fruchtbar und eignet sich für Kaffee- und Cacao-Pflanzungen. Aus dem Missionshause der Pallotiner in Limburg ging am 10. Oktober die vierte Expedition nach Kamerun, bestehend aus zwei Patres, P. Banken, Diözese Münster, und P. Halbing, Diözese Würzburg, uud aus vier Brüdern. Dieselbe hat einen kleinen Dampfer „Stella maris“ mitgenommen, der den Verkehr zwischen den Missionsstationen vermitteln soll. Der Genossenschaft ist am 15. November die Genehmigung ertheilt wor­den, in Limburg eine Niederlassung von Missions­schwestern zur Ausbildung für die Heidenmission zu gründen.

In Togoland setzen die Missionare vom gött­lichen Wort trotz mancherlei Schwierigkeiten ihre Arbeit mit Erfolg fort. In ihren Schulen befinden sich bereits über 200 Negerkinder, die nicht bloß die deutsche Sprache, Lesen, Schreiben und Rechnen lernen, sondern zugleich praktisch in das Christenthum einge­führt werden. Hoffentlich erweisen sich die dortigen christlichen Missionen als ein Damm gegen den Islam, der bereits von dem Hinterlande aus vordringt. Die Genossenschaft der Oblaten, welche schon zahlreiche Missionsstationen in Transvaal und Natal besitzt, ist im Begriffe, in ihrer neuen apostolischen Präfektur Deutsch-Südwestafrika eine Niederlassung zu gründen. Den Oblaten ist am 24. Oktober die Genehmigung ertheilt worden, in F u l d a ein deutsches Missionshaus zu errichten.

Der Central-Vorstand des Afrika-Vereins beschloß, die Summe von 30,000 Mark für die afrikanischen Missionen und für die Ausbildung deutscher Missionare an die betreffenden Genossenschaften zu vertheilen. Da in der Sitzung vom 5. Juni 1894 bereits 105,000 Mark für dieselben Zwecke bewilligt waren, so beläuft sich die Gesammtsumme, welche der Aftika-Verein für das Jahr 1894 den Missions-Gesellschaften überwiesen hat, auf 135,000 Mark.

Stadl, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 8. Januar.

* Der Entwurf eines Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes ist seitens der Reichsver­waltung fertig gestellt und den Bundesregierungen mit- getheilt worden. Nach Prüfung des Entwurfs durch die Regierungen wird über die Vorlage an den Bundes­rath Entschließung gefaßt werden. Die wichtigsten Be­stimmungen dieses Entwurfs werden wir morgen in unserem Blatte zum Abdruck bringen.

(*) Zum Abschiedsesse», welches gestern dem von hier scheidenden Herrn Oberregierungsrath Fliedner zu Ehren im Kurfürsten - Hotel stattfand, hatten sich )ie Theilnehmer sehr zahlreich eingefunden. Neben der stark vertretenen Beamtenwelt Fuldas und seiner Um­gebung waren viele Bürger, zahlreiche Landwirthe und Bürgermeister erschienen. Herr Amtsgerichtsrath Mackeldey sowie Herr Oberbürgermeister Dr. Antoni hoben die Verdienste, welche sich Herr Fliedner als Landrath um den .Kreis und die Stadt Fulda er­worben, geziemend hervor. Der nunmehrige Hr. Ober­regierungsrath nahm hierauf in warmen, die Bewohner des Kreises Fulda ehrenden Worten Abschied. Der

Es wäre wie ein Tadel gegen die göttliche Vor- ehung, zu sagen, Dom Bonaventura sei dem Hause zu rüh entrissen worden. Er starb den 12. Dezember 1893 an seinem 77. Geburtstage auf einer Reise nach Dalmatien, wo er eine neue Gründung seines Ordens gemacht hatte. Die Thatsache ist der ganzen Welt be­gannt.

Sein Nachfolger, der zweite Abt von Mariastern, ist Dom Domini cus, der vor seiner Wahl das Amt eines Priors bekleidete. Unter ihm beging das Haus am 21. Juni 1894 die Gedächtnißfeier seines 25jäh- rigen Bestehens (1869—1894). Er fügte dem Waisen­hause eine neue Einrichtung hinzu, indem er die Knaben, wenn sie die Elementarschul-Klassen durchgemacht und im Hause bleiben wollen, unter besonderer Aufsicht außerhalb des Waifenhauses in Gemeinschaft wohnen und sie in dem Fache oder Gewerbe, das sie erwählt ' üben, weiter ausbilden läßt. Der Anfang dieses neuen Institutes ist klein, die Wichtigkeit desselben aber groß. Es ist dasselbe Feld, auf welchem Dom Bosko soviel Gutes geleistet hat. Gerade in diesen kritischen Jahren, wo das Gute und das Böse ani meisten im Menschen mit einander kämpfen, bedürfen die jungen Leute be- onders der Führung und Beaufsichtigung. Aber leider ehlen momentan die Mittel zum Bau einer regelmäßigen Anstalt hierzu.

(FortjetzungMolgt.)