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nehmen könne. Der Antrag könne also nur den Zweck haben, die Strafjustiz zu verschleppen, nicht aber — dem Sinne der Verfassung gemäß — dem Abge­ordneten die Theilnahme an den Reichstagsverhandlungen zu ermöglichen. Der Reichstag wird sich hoffentlich auf solche Unterscheidungen nicht einlassen; gerade die Erfahrung im „Falle Liebknecht" lassen es nicht räthlich erscheinen, von der Gepflogenheit, jene dringlichen An­träge auf Einstellung von Strafverfahren debattelos zu genehmigen, abzugehen.

* Amtlicher Nachweisung über den Stand von Thierseuchen im deutschen Reiche zufolge herrschte am 31. Dezember der Rotz (Wurm) in 57 deutschen Ge­meinden re. und 60 Gehöften, die Maul- und Klauen­seuche in 406 Gemeinden re. und 1042 Gehöften, die Lungenseuche in 22 Gemeinden rc. und 36 Gehöften.

* In einem Schreiben an die ,Wests. Reform' hat der Reichstags-Abgeordnete Ahlwardt erklärt, daß er, falls die deutsch - soziale Partei sein Programm nicht annehmen sollte, gezwungen wäre, eine eigene Partei zu gründen unter dem Namen „Deutsche Frecheits-Par- tei" oder „Deutscher Freiheits-Bund".

* Trier, 5. Jan. Am 19. und 20. Februar d. Js., an welchen Tagen der Matthiasmarkt stattfindet, ver­anstaltet der Trierische Bauern-Verein seine dies­jährige Saatgut-Ausstellung verbunden mit einer Ausstellung von landwirthschaftlichen Maschi­nen. Es ist dadurch eine günstige Gelegenheit geboten zum Ankauf von Saatgut und Maschinen. Die Aus­stellungsbedingungen sind zu beziehen durch das Bureau des Trier. Bauern-Vereins.

Ausland.

* Wie«, 4. Jan. Der bekannte Nordpolfahrer Julius v. Payer beschloß, 1896 eine neue österreichisch­ungarische Nordpol-Expedition zu unternehmen, welche die künstlerische Erforschung des Nordpols be­zweckt. Mehrere hervorragende Maler werden ihn begleiter. Der Protektor des Unternehmens ist Graf Hans Wilczek, der bereits für die Expedition Payer- Weyprecht 1872 Geldmittel beschaffte. Gestern fand die erste Komitee-Sitzung statt.

* Pest, 5. Jan. Der König trifft heute Abend hier ein. Morgen dürfte, wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, Gras Khuen Hedervary formell mit der Kabinetsbildung betraut werden.

* Paris, 5. Jan. Die Degradation Dreyfus' fand heute ftüh 9 Uhr statt. Der Berurtheilte rief wiederholt: „Ich schwöre, daß ich unschuldig bin, es lebe Frankreich!" Die Zuschauermenge erhob gegen diese Rufe Einspruch.

* Petersburg, 4. Jan. Die Amtsblätter veröffent­lichen eine Verordnung, wodurch die Giltigkeit der Bestimmungen hinsichtlich der Verladung von ins Aus­land auszuführenden Kornes und Mehls in ausländische Säcke bis zum 1. Januar 1898 verlängert wird.

* Madrid, 5. Jan. In Navarra und Aragonien haben Ueberschwemmungen stattgefunden.

* Washington, 5. Jan. Die erste Amtshandlung des neuen österreich-ungarischen Gesandten war die Einreichung eines Einspruches gegen den Differential- Zoll auf Zucker, in welchem dieselben Gründe angeführt werden wie in dem deutschen Einspruch.

Stadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 7. Januar.

* Die katholische Männer - Gesellschaft M. N. be­ging gestern, wie alljährlich am Dreikönigstage, ihr Stiftungsfest durch ein von einem Franziskaner- Pater in der Intention des Vereins auf dem Frauenberge celebrirtes Hochamt, sowie durch ein ge­meinschaftliches Abendessen im größeren Saale der „Har­monie". Die Betheiligung war Seitens des hochw. Klerus, der Vereinsmitglieder und der Gäste eine recht erfreuliche. Auch unser neuer Herr Domkapitular Müller, sowie Herr Oberbürgermeister Dr. Antoni

Sie schliefen auf bloßer Erde auf einem Unter­lager von Farrenkräutern. Die Nahrung muß wohl auch nicht bester gewesen sein, denn die Gastgeber waren äußerst arm. >

Das war der erste Aufenthaltsort von Aloysio an bis Mariä Geburt. Unterdessen richteten sie sich das erste provisorische Klösterlein zu, ein 14 Meter langes, höchst bescheidenes Haus aus Lehmwänden, an dem Platze, den jetzt die Abtei einnimmt. Dieser Ort war früher ein Schlupfwinkel und Sammelplatz einer Räuber­bande gewesen, welche man wegen der seltsamen Form ihrer Kopfbedeckung Kappenräuber nannte, und der Ort selbst führt von jeher den Namen „Dorf der Kappenräuber" Delibaschinofelo. Merkwürdig, aus einer Räuberhöhle ist hier ein Bethaus geworden. Wer erinnert sich da nicht an die Worte des Herrn: „Mein Haus ist ein Bethaus, ihr aber habt aus dem­selben eine Räuberhöhle gemacht?"

Die Ehre des Namens Mariastern, den die junge Ansiedlung annahm, rührt her von dem Cistercienser- innenkloster Mariastern in Sachsen, welches freigebigst die Summe von 2000 Gulden schenkte zur Grund- 1

waren anwesend. Eine recht gemüthliche Feststimmung, welche sich bei dem vorzüglichen Mahle unter den an­regenden Klängen der von Herrn Wienecke dirigirten Stadtkapelle entwickelte und in den üblichen Trinkreden begeisterten Ausdruck fand, hielt die», Teilnehmer bis in die Mitternacht zusammen. Im Rückblick auf den schönen Verlauf Vieser Festfeier berechtigt die gegen­wärtige hohe Mitgliederzahl der Männer-Gesellschaft M. N. zu der,Erwartung, daß dieselbe noch auf unab­fehbare Zeit in ungeschwächter Kraft und Einigkeit zur Förderung des katholischen Bewußtseins und der katho­lischen Geselligkeit in unserer ehrwürdigen Bonifatius- stadt mit beitragen werde.

* Die Nachfrage nach Billets zu der morgen (Dienstag) im Bürgervereinssaale stattfindenden Oper „Hänsel und Gretel" ist eine starke, lieber die Auf­führung im Stadttheater zu Zwickau schreibt ein dortiges Blatt:

„Die Aufführung, welche hinsichtlich des musikalischen und szenischen Theiles eine gewissenhafte Vorbereitung bekundete, war eine ganz vorzügliche; und wie allgewaltig dann die musikalisch­dramatische Kunst aus die Gemüther wirkt, das konnte man deut­lich auf den Gesichtern der Zuschauer lesen, das lehrte vor allen Dingen der begeisterte, rauschende Beifall, der namentlich am Schluß lange nicht enden wollte. Hinreißend, bezüglich der Ge­staltungsgabe, waren die Damen Thorsen und v. Roggen­bucke (Gretel und Hänsel), die ihre Partieen überaus poesievoll und mit begeisterter Hingabe sangen. Von dem Wohl- und Vollklang beider Stimmen wurde das Publikunt nicht selten wahrhaft überrascht und entzückt, insbesondere beim Vortrag des herrlichen Abendsegens u. s. w. Frl. B re in reich, die im Besitz einer sehr kräftigen und ausgiebigen Stimme, gab die Knusper­hexe zwar in etwas anderer Auffassung als beispielsweise Fr. Doxat in Leipzig, wirkte aber nicht weniger ergreifend und lebenswahr. Frl. Schnelle (Gertrud) verstand es vortrefflich, die erzürnte aber auch besorgte Mutter darzustellen; auch sie sang mit stimmlichem Glanz und verständnißvollem Vortrag. Energisch war das Spiel des Herrn Beling (Peter); allent­halben angenehm klang das Stimmorgan, an gewissen Stellen auch überaus mächtig. Abgesehen aber von der umfangreichen und modulationsfähigen Stimme, war es besonders die gesunde, ruhige Tongebung und der wohldurchdachte Gesangsvortrag, welche sympathisch berührten. Sehr lobenswerthe Leistungen boten die Dainen Schäfer (Sandmännchen) und Kloster­mann (Thaumännchen) in rein musikalischer, als auch gesang­licher Hinsicht. Vor allen Dingen ist Herr Kapellmeister Kruse rühmend zu erwähnen, der nach so kurzem Studium mit dem Orchesterkörper eine orchestrale Leistung zu Stande ge­bracht hat, welcher man das uneingeschränkteste Lob zollen muß. An seiner umsichtigen Direktivnsart, die ich bereits vor Jahren so oft höchst anerkennend erwähnt habe und die jedes Orchester­mitglied zu schätzen weiß, ist klar zu ersehen, was ein wirklich begabter und routinirter Dirigent zu bedeuten hat und zu leisten vermag. Unter der meisterhaften Leitung spielte das Orchester nicht blos äußerlich schwungvoll, sondern es brachte auch das in dem Werk liegende wunderbare Stimmungskolorit zum Ausdruck.

Im Monat Dezember 1894 wurden von den Metzgern und Privaten in der Stadt Fulda ge­schlachtet: 32 Ochsen, 4 Bullen, 19 Stiere, 47 Kühe, 42 Kalbinnen, 169 Kälber, 523 Schweine, 72 Hammel und Schafe, sowie 2 Ziegen im Gesammt-Gewichte von 82,735 Kilogramm. Außerdem wurden in demselben Monat dahier 8750 Kilogramm Fleisch und Fleisch- waaren dahier eingebracht, so daß der Gesammtverbrauch in hiesiger Stadt pro Monat Dezember 1894 91,485 Kilogramm beträgt.

* Eine Ermittelung des Ernteertrages für 1894 findet, nach Beschluß des Bundesraths, wie in den letzten Jahren, in der zweiten Hälfte des Monats Februar 1895 statt, welche den Zweck verfolgt, durch direkte Umfragen möglichst zuverlässige Angaben über die im Jahre 1894 wirklich geerntete Menge an Boden­produkten zu gewinnnen.

* Die Minister des Innern und der Finanzen haben auf Grund des § 77 Absatz 3 des Kommunal­abgabengesetzes vom 14. Juli 1893 die Ertheilung der Zustimmung zur Genehmigung von Gemeinde­beschlüssen, durch welche a) besondere direkte oder indirekte Gemeindesteuern neu eingeführt oder in ihren Grundsätzen verändert, b) Abweichung von den im § 54 daselbst vorgeschriebenen Vertheilungsregeln, c) Zu­schläge über den vollen Satz der Staatseinkommensteuer hinaus (§ 55 daselbst) an geordnet werden, für Stadt­gemeinden mit nicht mehr als 10,000 Einwohnern auf die zuständigen Königlichen Oberpräsidenten und für Landgemeinden auf den zuständigen Königlichen Re­gierungspräsidenten übertragen. Weiterhin ist die Er­

steinlegung des auf Wunsch gleichbenannten Klosters in Bosnien.

Die Bestätigung der neuen Gründung geschah von Rom aus mit der Verpflichtung, daß man ein Waisen­haus gründen und unterhalten solle zum Wohle der Landesbevölkerung.

Im Mai 1870 wurde dann der eigentliche Kloster­bau begonnen, aber als die Fundamente gelegt und sich zu heben begannen, vom türkischen Pascha, der in eigener Person mit Gefolge aus Banjaluka herauskam, eingestellt. Es war dem hohen Herrn nämlich ange­zeigt worden, die Trappisten draußen bauten eine Festung, um von dort aus auf die Türken zu schießen. Er besichtigte also den Bau, wobei ihm die Keller­fenster Schießscharten zu werden dünkten. Das erregte seinen Zorn; mit lautem Toben verbot er auch nur einen Stein weiter zu legen, er werde die Sache an die hohe Pforte berichten. Aber der mnthige Pater Franz reiste selbst nach Konstantinopel. Durch ein­flußreiche Vermittlung erlangte er vom Großvesier die Erlaubniß, sein Kloster weiter bauen zu dürfen.

Obwohl nun später das Wachsthum der Kolonie

theilung der Zustimmung zur Genehmigung von Ge- meindebeschlüsien, durch welche Lustbarkeits-, Hunde-, Bier-, Wildpret- und Geflügelsteuer eingeführt oder in » ihren Grundsätzen verändert werden, auf den zuständigen König!. Oberpräsidenten auch für Stadtgemeindeu mit V mehr als 10,000 Einwohnern übertragen worden.

* Durch Kaiser!. Verordnung ,vom 31. Dezember ist Folgendes bestimmt worden: Zu denjenigen Drogen und chemischen Präparaten, welche nach § 2 der Ver­ordnung, betr. den Verkehr mit Arzneimitteln, vom 27. Januar 1890 und dem zugehörigen Verzeichnisse <— B, nur in Apotheken feilgehalten oder verkauft werden dürfen, tritt hinzu: Serum antidiphtericum. Diphterie- Serum.

* Aus der Hanauer Strafkammersitzung vom 5. d. M. ist noch folgendes zu berichten: Zu dem Neubau des Postverwalters in Salmünster hatte ein dortiger Glasermeister die Fenster zu liefern übernommen, die aber dann wegen ihrer unvorschriftsmäßigen Ausführung verworfen wurden. Der Glasermeister richtete nun sein besonderes Augenmerk dem ganzen Bau zu und glaubte auch verschiedene andere Mängel gefunden zu haben. Da ihm bekannt war, daß die Postbehörde einige Räume des Neubaues zu ihrem Zweck gemiethet hatte, so glaubte er nichts Eiligeres thun zu müssen, als die Oberpostdirektion von seinen Wahrnehmungen zu be­nachrichtigen. Seine Eingabe fiel aber etwas plump aus, denn er machte darin dem Postverwalter, dem er offenbar aus Aerger nur ein Schnippchen schlagen wollte, den Vorwurf, er habe durchweg nur minder- werthiges Material zu dem Bau verwendet, um ihn für einen hohen Betrag an die Postbehörde abzutreten. Nach stattgefundener, ergebnißloser Untersuchung der Angelegenheit wurde gegen den Glasermeister Anklage erhoben und er auch vom Schöffengericht Salmünster wegen verläumderischer Beleidigung mit 18 Mk. in v Strafe genommen. Auf eingelegte Berufung wurde die Strafe zwar nicht herabgesetzt, aber der Angeklagte wegen einfacher Beleidigung verurtheilt. — Einem Molkereibesitzer von Hünfeld war auf Veranlaffung feines Hypothekengläubigers ein Gebäude gepfändet worden, in welchem sich auch ein Waschkessel befand. Diesen Kessel verkaufte der Molkereibesitzer, bevor die Pfändung aufgehoben war, da er glaubte, derselbe ge­höre als bewegliches Gut und weil er gerade nicht in dem dazu vorgesehenen Mauerwerk eingehängt war, nicht zu dem Gebäude. Er wurde jedoch wegen Pfand­verschleppung zur Anzeige gebracht und vom dortigen Schöffengericht zu 5 Tagen Gefängniß verurtheilt, da der Kessel, wenn er auch nicht eingehängt war, un­zweifelhaft zum Gebäude gehörig zu betrachten fei. Gegen dies Urtheil hatte der Berurtheilte Berufung eingelegt, jedoch ohne Erfolg, da das Berufungsgericht sich vollständig der Ansicht des ersten Richters anschloß.

* Hersfeld, 5. Januar. Im Anschluß an die kürz­lich gebrachte Notiz aus Neukirchen über das Durch­gehen eines Güterwagens von Station Burghaun bringt die ,H. Z.' noch nachstehenden ausführlichen Bericht über den Vorfall: Auf der genannten Station wurde vor einigen Tagen in Folge heftigen Sturm­windes ein alleinstehender Güterwagen in Bewegung gesetzt und der Station in der Richtung nach Bebra entführt. Bei der durch das vorherrschende Gefälle bedingten, immer mehr zunehmenden Fahrgeschwindig­keit wurde die dringende Gefahr von dem Stations­personal in Burghaun alsbald erkannt, daß man sofort ■ die Nachbarstationen bis Hersfeld von dem gefahr­bringenden Flüchtling telegraphisch benachrichtigte, um eventuell einem größeren Unfall vorzubeugen. Als der auf der Station Hersfeld mit Rangieren beschäftigte Lokomotivführer Gleim aus Bebra von fraglichem Vorfall Kenntniß erhielt, faßte er den Entschluß, dem durchgegangenen Wagen mit seiner Maschine entgegen zu fahren und ihn aufzufangen. Gleim fuhr dem Wagen einige Kilometer entgegen und machte an einer aussichtsfreien Stelle Halt, um den Flüchtling zu er­warten. Als nach kurzer Zeit derselbe sichtbar wurde, setzte Gleim seine Maschine nach rückwärts wieder in Bewegung und ließ den ihm nun mit schnellerer Fahr­geschwindigkeit folgenden Güterwagen immer näher an

noch vielfältig beeinträchtigt wurde, so zeigte es sich doch auch hier, daß, wenn Gott etwas thun will, Er es auch wirklich durchzusetzen weiß. Mariastern wurde gebaut trotz aller Widerwärtigkeiten, die sich von Zeit zu Zeit erhoben. Noch ein Wort von den Glocken. Der Pater Franz hatte zwei Glocken in Tonnen aus Deutschland nach Mariastern gebracht. Unter der Türkenherrschast durften die christlichen Kirchen Glocken haben und mit dem Hammer anschlagen. Das Läuten im Schwünge war verboten. Die Trappisten hängten kühn eine ihrer Glocken auf einen ganz primitiven Glockenstuhl über dem Dach des Hauses und läuteten frischweg die regulären Uebungen. Hei, wie das die türkischen Nachbarn animirte! Geschwind liefen sie in die Stadt und zeigten es an. Die Glocke mußte wieder herunter. Später aber, bei Gelegenheit einer Dürre, erbot sich Pater Franz, mit seinen Brüdern von Gott Regen zu erflehen, wenn man ihnen den Gebrauch der Glocken gestatten wolle. Das wirtte. Der Vorschlag war zwar kühn, aber der Glaube der Trappisten war Gott angenehm, der Regen erfolgte, die Glocke durste wieder hinauf. (Fortsetzung folgt.)