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Dienstag, den 8. Januar 1895.

22. Jahrgang

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mit Untrrhaltnngs-Keilage „Sterne und Flumen".

Erscheint täglich, Sow und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher AboanementspreiS ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig Inserate kosten die einspaltige Sarmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entfprechender Rabatt.

x Stetigkeit der Entwickelung.

Bcrliu, 5. Januar.

Der Kaiser kam gestern nach Berlin, nahm beim Reichskanzler Fürsten Hohenlohe das Frühstück ein und wohnte auch in dessen Amtswohnung einer Sitzung des Staatsministeriums bei. Öb dies Letztere nun bloßer Zufall war, weil sich der Kaiser gerade dort befand, oder ob der Kaiser gerade deshalb nach Berlin gekommen ist, um der Ministerialsitzung anzu­wohnen, wissen wir nicht. Wir verzichten deshalb auch darauf, Vermuthungen darüber anzustellen, welche Frage wohl den Verhandlungsgegenstand gebildet haben könnte. Jedenfalls darf der Besuch des Kaisers bei dem Fürsten Hohenlohe, den er auch erst bei der Neujahrs-Gratu­lationscour besonders ausgezeichnet hat, als ein neuer Beweis des Vertrauens gelten, das Fürst Hohenlohe bei dem Kaiser genießt. Das will freilich nicht viel heißen, denn es wäre doch merkwürdig, wenn es anders wäre; Fürst Hohenlohe ist ja selbst für unsere an Wechseln so reiche Zeit noch so lange nicht im Amte, daß man sich schon nach einem Nachfolger für ihn um­zusehen brauchte.

Und doch! Diese Frage nach dem Nachfolger des Fürsten Hohenlohe wird wirklich schon viel­fach erörtert, und sie kommt jedes Mal auf's Neue in Fluß, sobald der Kaiser irgend einem bekannten Würdenträger, ob Civil oder Militär, einen größeren Beweis seines Vertrauens spendet. Der vormalige preußische Ministerpräsident Graf Botho zu Eulenburg wird zur kaiserlichen Frühstückstafel gezogen oder er ist Jagdgast des Kaisers: flugs machen ihn verschiedene Blätter zum zukünftigen Reichskanzler. Ein Anderer räch auf dessen Bruder, den Wiener Botschafter Grafen Philipp Eulenburg, von dessen musikalischer und dichterischer Begabung man freilich mehr als von seiner staatsmännischen gehört hat. General Graf Waldersee hat den schwarzen Adler-Orden zu Neujahr erhalten: es kann nicht fehlen, daß er fofort wieder Vielen als der „kommende Mann" erscheint. Kurz, an „kommen­den Männern" wird bei uns niemals Mangel sein, selbst wenn es von dem „Retter des Vaterlandes", Herrn v. Bennigsen, längst ganz still geworden ist.

Man könnte über diese Erscheinung lachen, wenn fie nicht auch ihre sehr ernste Seite hätte. Diese so empfindliche politische Einbildungskraft, die ewig von gehenden und kommenden Männern träumt, kommt ja nicht von ungefähr; einen Zufall gibt es auch im politischen Leben nicht. Es mag eingewendet werden, daß schon bei der Ernennung des Fürsten Hohenlohe zum Reichskanzler und Ministerpräsidenten die Frage nach seinem Nachfolger aufgetaucht ist, weil er in so vorgerückten Jahren steht, daß an jede Möglichkeit ge­dacht werden muß. Zugegeben, daß das hohe Alter des Fürsten auch mitspricht, aber für sich allein gibt

Dir kraWrnMki Namstml j, öoanien.

(2. Fortsetzung.)

V.

Wer das Mönchsleben ergreift, hat fteilich vor allen Dingen sein eigenes Seelenheil im Auge. Aber die göttliche Vorsehung hat den cönobitischen Instituten, d. i. denen, die beisammen leben, im Gegensatz zu den Einsiedlern, von jeher eine soziale und humanistische Mission anvertraut. Sie hat gewollt, daß der Cöno- bite, wo er sich niederläßt, den glücklichsten Einfluß auf Land und Leute machen soll. Der Beweis dieser Wahrheit sind die Trappistenklöster, welche der Welt den doppelten Segen der Patriarchen bringen: „Den Thau des Himmels und die Fruchtbarkeit der Erde." De rote coeli et de pinguedine terrae.

Ich habe hier den großen Gedanken angedcutet, durch dessen Verwirklichung allein dem gegenwärtigen Elend der Welt abgeholfen werden kann, welcher alle großen Geister beherrscht, die es gut und ernstlich mit der Menschheit meinen, den auch Papst Leo XIII. ausdrücken wollte, da er in einer Audienz der ver­sammelten Oberhäupter der Reformirten Cistercienser, d. i. der Trappisten, am 14. Oktober 1892 also sagte: «Es existirt gegenwärtig ein dringendes Bedürf niß, Armee gegen Armee zu stellen. Der Armee der Sek- ürer muß entgegengestellt werden die katholische Armee, deren bestgeordneter und kriegsgeübter Theil die re li­

es doch keine ausreichende Erklärung der Fragen nach seinem Nachfolger. Wir glauben nicht allein zu stehen, wenn wir der Meinung sind, daß Fürst Hohenlohe auch nach menschlicher Voraussicht noch lange leben kann, wenn er längst nicht mehr Reichskanzler ist. Er erfreut sich des kaiserlichen Vertrauens, aber Graf Caprivi erfreute sich desselben ebenfalls — es ist noch lange kein Jahr her, seit der Kaiser mit seiner ganzen Autorität für den Grafen Caprivi eintrat. Heute lebt Graf Caprivi in beschaulicher Stille als Pen­sionär in einem schweizer Kurorte — wer weiß, wie und wo sich Fürst Hohenlohe im nächsten Winter befindet? Haben wir kein Recht, solche Fragen aufzuwerfen? Die Erfahrung der letzten Jahre gibt uns dieses Recht. Ja wenn es sich immer nur um Personenfragen handelte, wenn der häufige Wechsel nicht noch viel mehr die Sachen, als die Personen, wenn er nicht das politische System — den „Kurs" —, sondern nur die Methode, die Art und Weise beträfe, dann brauchte man sich nicht allzu sehr des­wegen zu beunruhigen. Aber wir brauchen uns nur an das plötzliche Fallenlassen der bis dahin so nach­drücklich betriebenen und verfochtenen Schulvorlagen des Grafen Zedlitz, an die rückläufige Bewegung in den sozialen Reformbestrebungen, welche das erste Viertel­jahr des 1890er „neuen Kursus" so vielversprechend machten, zu erinnern, um zu wissen, daß bei uns nicht nur die Personen, sondern auch der „Kurs" plötzlich zu wechseln pflegt. Die ,Norddeutsche', welche sich jetzt tagtäglich krampfhaft bemüht, aus einem frei­willigen wieder ein unfreiwilliges Regierungsorgan zu werden, spricht heute davon, daß das Königthum besser als irgend eine andere Regierungsform eine „ruhige, stetige Entwickelung" verbürge, und sucht auf diese Weise, also rein abstrakt, darzuthun, daß unsere innere Politik nifch t „in ungewöhnlichem Maße" den Charakter des Schwankenden an sich trage, und daß nicht davon die Rede sein kann, daß wir in eine Periode der schroffen „Reaktion" eingetreten wären. Es gehört die ganze plumpe Ungeschicklichkeit der .Norddeutschen' dazu, solcherart das Königthum direkt in die Debatte zu ziehen. Für uns steht das Königthum außer Frage, und wir können deshalb nur bedauern, daß die .Norddeutsche' die Erörterung auf das grund­sätzliche Gebiet, auf die Frage, ob das Königthum eine stetige Entwickelung besser als andere Regierungs­formen verbürgt, hinüberspielt. Es handelt sich hier gar nicht um das Königthum als solches — damit haben wir wohl genug gesagt. Mögen die verant­wortlichen Rathgeber der Krone stets sich der Pflicht bewußt sein, Schwankungen im Kurse nicht mitzu­machen, sondern mit Einsetzung ihrer Person und ihrer Stellung ihnen entgegenzutreten!

giösen Orden ftnb.“ Dann zeigte er den Vätern, auf welche Weise die Trappisten ihren Theil dieser Mission zu erfüllen hätten.

Man erlaube hier eine kurze Nebenbemerkung. Es ist zu bedauern, daß Länder, die größtentheils katho­lisch sind, die Einführung der Trappisten nicht zu- lasien wollen (wie sie denn überhaupt her Vermehrung der katholischen Orden entgegen sind), leider zu ihrem eigenen Schaden, während, das christenfeindliche China eine blühende Trappistenniederlassung in das Herz des Reiches ausgenommen hat. Die Türken haben Maria­stern in Bosnien, Akbes in Syrien und El-Athroun in Palästina gründen lassen. Die anglikanischen Eng­länder haben die Gründung von Marianhill in Süd­afrika sehr begünstigt, ebenso Kimberley in Australien, und thun fortwährend dasselbe in Nordamerika, von den Klöstern in England und Irland gar nicht zu reden. Nur die katholischen Länder verhindern die Errichtung der Klöster, denen doch der ganze Occident, besonders Deutschland, Religion, Kultur und Civili- sation verdankt. Seht zu, daß und ob nicht schon „der Leuchter von Euch hinweggerückt werde."

Die Mission der Cönobiten also, zu denen die Trappisten gehören, ist von jeher gewesen, der Genuß­sucht, welche die gegenwärtige Generation zu Grunde richtet, entgegen zu treten und die Handarbeit zu heiligen, wodurch allein dieser letztem der Rang gesichert wird, den ihr Gott unter den menschlichen Einrichtungen angewiesen hat. „Lehret die Völker Ent-

Deutsches Keich.

Berlin, 5. Januar.

* Das Ordensfest wird am 20. Januar gefeiert. Für das Kapitel des Schwarzen Adlerordens und die große Cour find der 17. und 23. Januar in Aussicht genommen

* Die Geschäftsordnnugs - Kommission des Reichs­tages tritt bald nach dem Wiederzusammentritt des Reichstags zusammen, um sich über die Verstärkung der Disziplinar-Befugnisse des Präsidenten schlüssig zu machen.

* lieber die Tabaksteuervorlage ist, so wird offiziös erklärt, im Bundesrathe jetzt überhaupt noch nicht berathen worden, deshalb seien auch alle Angaben über die Stellungnahme verschiedener Bundesregierungen „verfrüht". Unsinn! Die Stellungnahme verschiedener, d. h. süddeutscher Bundesregierungen ist ganz genau bekannt, mag die Vorlage dem Bundesrathe nun bereits zur offiziellen Berathung vorgelegen haben oder nicht. Daß die Mittheilungen über die Bedenken der süd­deutschen Regierungen dem Reichsschatzamt nicht eben angenehm sind, glauben wir gern.

* Die Reform des Militärstrafprozesfes sollte nach einem süddeutschen Blatte „aus unabsehbare Zeiten vertagt worden" sein. Offiziös wird dem, 'wie folgt, widersprochen: „An keiner der hier in Betracht kommenden Stellen weiß man etwas Anderes, als daß dieArbeiten für die Reform ihr en Fortgang nehmen." Wie lange aber dieser „Fortgang" wohl noch dauern mag!?

* Aus dem Justizministerium wird der,Nat.-Ztg.' zufolge ein Gesetzentwurf, betr. die Kosten der frei­willigen Gerichtsbarkeit, und eine Vorlage über die Notariatsgebühren zugehen. Für die Beseitigung der durch den Sturm auf Helgoland angerichteten Schäden dürfte vom Landtage ein nicht unerheblicher Kredit be­gehrt werden. Die Neubesetzung der Stelle eines Unter­staatssekretärs im Staatsministerium steht unmittelbar bevor.

* Der sozialdemokratische.Vorwärts' ist wieder ein­mal in der Lage, ein vertrauliches Regierungs-Akten­stück zu veröffentlichen. Es ist ein Erlaß des preußi­schen Ministers des Innern, durch welchen die Regie­rungen aufgefordert werden, der Propaganda durch sozialdemokratische Turnvereine entgegenzutreten.

* Gegen den sozialdemokratischen Abg. Stadthagen schwebt ein Strafverfahren; in einem dringlichen Anträge wird gefordert, daß der Reichstag die vor­läufige Einstellung desselben während der Dauer der Session verlange. Die „Norddeutsche" setzt ihr Rütteln an der Unverletzlichkeit der Abgeordneten fort, indem sie diesen Antrag bekämpft; sie weist darauf hin, daß Abg. Stadthagen, der gegenwärtig eine Haftstrafe verbüßt, ohnehin an den Reichstagsarbeiten nicht theil-

sagung und mit der rechten Meinung arbeiten, so habt ihr die Welt gerettet."

VI.

Was der Fleiß der Benediktiner und der Cister- cienser der früheren Zeiten geschaffen, ist allgemein bekannt. In unfern Tagen haben die Trappisten, ihre Nachfolger, dasselbe geleistet. Von den jetzt bestehenden Trappistenklöstern, welche alle Kinder dieses Jahr­hunderts sind, ist vielleicht nicht ein einziges, welche- sich nicht sein Dasein selbst geschaffen hätte. Als Beleg dazu könnte die Geschichte eines jeden dieser Klöster dienen. Zweck dieser Abhandlung ist aber vor­züglich, auf das Kloster Maria st ern in Bosnien hinzuweisen, welches innerhalb eines Zeitraumes von 25 Jahren (^869—1894) eine größtentheils unkul- tivirte Einöde zu einem der herrlichsten Besitzthümer Bosniens umgewandelt hat.

Am 21. Juni des Jahres 1869 kam Dom Franz Pfänner mit drei Gefährten an den Ort, der jetzt Mariastern heißt; er nahm seine erste Wohnung in einer Bosniaken-Hütte. Bon dieser aber müssen sich an bessere Umstände Gewöhnte eine rechte Vorstellung machen: Ein Raum von etwa 4 bis 5 Meter Länge und 3 Meter Breite, in zwei Abtheilungen, aus roh behauenem Holz grob zusammengefügt, den freien Feuerplatz auf dem Erdboden neben der Zwischenwand, das ganze Innere schwarz vom Rauche, der durch die Ritzen und Spalten des niedrigen Schindeldaches hin­auszieht.