vielmehr auf den Rücken geschlagen haben. In der heutigen Verhandlung wurde auch thatsächlich festgestellt, daß die Wunde am Kopfe von einem Anderen beigebracht wurde. Die Strafe wurde deshalb auf 1 Woche herabgesetzt.
* Schuldienstnachricht. Die erste kath. Knabenlehrerstelle in Fritzlar ist erledigt. 1290 Mark und 150 Mark Miethsentschädigung. Meldungen umgehend an den Stadtschulvorstand z. H- des Kgl. Lokalschulinspektors, Herrn Dechant Kreisler, Fritzlar.
* Gersfeld (Rhön), 4. Jan. Der erste diesjährige Kram-, Vieh- und Schweinemarkt dahier findet nicht am 2.' sondern am 25. Februar d. I. statt.
* Eschwege, 2. Januar. Schon wieder ein neuer Kandidat für die bevorstehendeReichstagsersatz- wähl! Bis jetzt sind bereits acht Kandidaten genannt. Der ,Hann. Sour.' regt nun an, daß alle bürgerlichen Parteien sich auf die Kandidatur des Asrikareisenden Dr. Karl Peters vereinigen möchten. — Das ,Eschweger Kreisbl.' wird um die Mittheilung ersucht, daß die deutschkonservative Partei durchaus nicht daran denkt, die Kandidatur von Alvensleben fallen zu lassen. Die Kandidatur würde vielmehr unter allen Umständen aufrecht erhalten werden. Hr. v. Alvens- leben dürfte schon bald die Gelegenheit haben, sich seinen Wählern vorzustellen.
* Hofgeismar, 2. Januar. Ein bei seiner hier wohnhaften Mutter behufs Erholung seit Weihnachten sich aufhaltendes junges Mädchen wurde vorgestern plötzlich irrsinnig und mußte heute nach Marburg gebracht werden.
* Frankfurt, 2. Jan. Vom Wahnsinn plötzlich befallen, wollte ein 38 Jahre alter, in der Heisterstraße wohnhafter Postschaffner in der Sylvesternacht seine beiden Kinder aus dem vierten Stock seiner Wohnung zum Fenster hinunterwerfen und seine Frau, die ihm'die Kinder entriß, mit einem Messer niederstechen. Auf die Hülferufe kamen Einwohner herbei und übergaben den Wahnsinnigen der Polizei, welche ihn vorläufig dem Gefängniß überwies.
* Aus Oberhefsen, 3. Jan. Eine auf Beschluß des Kreisausschusses mit Genehmigung des Ministeriums für den Kreis Lauterbach soeben erlassene Polizei- Verordnung verbietet bei strenger Strafe die Veranstaltung von Leichenschmausereien (bekannt unter dem Namen Tröster, Flannerts u. s. w.) im Anschluß an Beerdigungen. An auswärtige Leidtragende darf eine Erfrischung gereicht werden.
* Höchst, 2. Jan. Großes Aufsehen erregt hier die am Samstag auf Requisition des Landgerichts Wiesbaden erfolgte Verhaftung des Gawirths Z. und des Rechtskonsulenten Schm, von hier, sowie des Kaufmanns Sch. von Soden. Wie nach dem Kreisbl.' verlautet, erfolgte die Verhaftung auf Grund der Dennn- ciation eines hiesigen Einwohners, wonach die Änge- schuldigten sich te ilweise des Meineides bezw. der Verleitung zum Meineid, der Beamtenbestechung, der Verleitung zum Vergehen im Amte, des Betruges und der Urkundenfälschung schuldig gemacht haben sollten. Die Untersuchung wird ergeben, inwieweit sich dies umfangreiche Anklage-Material wird aufrecht erhalten lassen. Im Zusammenhänge hiermit steht auch die in Wiesbaden erfolgte Verhaftung eines Unterbeamten der Staatsanwaltschaft.
* Montabaur, 2. Jan. Der am König!. Gymnasium in Hadamar bisher angestellte Herr Gymnasial- i Oberlehrer Masfeller ist vom 1. Januar 1895 an *
an das Kaiser Wilhelm-Gymnasium hier versetzt worden und tritt an die Stelle des als Direktor an das Real- Gymnasium zu Wiesbaden berufenen Herrn Professors Breuer hier.
* Mühlheim a. M., 3. Jan. Heute war der Herr Staatsanwalt von Darmstadt hier thätig, nm in einer schon längere Zeit schwebenden Untersuchungssache Zeugen zu vernehmen. Es handelt sich um große Waaren- Di eb st äh le aus dem Geschäfte des wegen Bankerotts seiner Zeit flüchtig gegangenen Kaufmanns H., weshalb der ebenfalls flüchtig gegangene Schreiner Z. und seine Frau steckbrieflich verfolgt wurden. Frau Z. war nun wieder hierher zurückgekehrt und wurde gestern Abend verhaftet. Nach Vornahme mehrerer Haussuchungen wurden auf Anordnung des Herrn Staatsanwalls heute auch die Eheleute St. festgenommen und alle drei Personen nach Offenbach in's Gefängniß trans- portirt. Bei früheren in dieser Sache vorgenommenen Haussuchungen wurden ganze Wagen voll gestohlener Maaren, insbesondere emaillirteBlechwaaren, beschlagnahmt.
* Naumburg, 2. Jan. Sicherem Vernehmen nach ist der Senatspräsident W e y e r (ein geborener Kölner) zum Landgerichtspräsident in Aachen ernannt. Herr Weyer, der 1861 das Assessorenexamen bestand, wurde 1869 Staatsprokurator (Staatsanwalt) in Köln, fun- girte von 1879 an in Duisburg, von 1887 in Köln als erster Staatsanwalt, wurde 1890 zum Oberstaatsanwalt in Frankfurt a. M. und 1893, ohne vorher jemals Richter gewesen zu sein, zum Senatspräsidcnten beim Oberlandesgericht in Naumburg ernannt.
Vermischtes,
* Köln, 2. Jan. Auf eigenthümliche Weise kam hier ein Hotelkutschcr um's Leben. Er warf Abends am Liystapel eine Katze, die er ertränken wollte, in den Rhein, glitt aus, stürzte in die Fluthen und ertrank.
* Prinz Max von Sachsen, der sich bekanntlich in Eichstätt der katholischen Theologie zugewandt hat, weilt augenblicklich an der Riviera, um sich von den stolzen einer schweren Erkältung zu erholen. Sein Begleiter ist der Präfekt am bischöflichen Seminir.
* Vatermörder. In der Gendarmeriekaserne zu Tans in Böhmen erschien ein gewisser Vincenz Czadek, grüßte militärisch unv sagte: „Herr Wachtmeister, ich melde gehorsamst, daß ich meinen Vater umgebracht habe!" Die Recherchen ergaben die Richtigkeit dieses schrecklichen Geständnisses. Czadek's Vater wurde als Leiche aufgesnnden; der entmenschte Sohn hatte ibn mit einer Axt getödet. Der Vatermörder ivurde dem Gericht eingeliefert. Das Motiv des Verbrechens ist noch uicht bekannt.
* Aus Monte Carlo wird berichtet: Ein italienisches Ehepaar, das binnen vier Tagen 260,000 Lire am Spieltisch verlor, erschoß sich am Eingangsthor des Kasinos von Monte Carlo vor den Augen einer großen Anzahl von Personen. Der Eindruck, den dieser Dvppelselbstmord hervorbrachte, war so groß, daß am Sonnabend die Spielsäle vollständig leer blieben
* „Dabei gewesen!" Bei den häufigen Klagen über die ewigen,Kollekten erinnert das Missionsblatt der Pallottiner in Limburg a. d. Lahn an eine anmuthige Geschichte von Napoleon I. und einen recht praktischen Vergleich, den Herr Dechant Dr.Hammer zuWolfstein in der bayerischen Pfalz daran zu knüpfen wußte. Als der große Feldherr einst eine Parade auf den elyfi ischen Felder» zu Paris abhielt, fiel ihm beim Vorbeimarsch ein alter Soldat auf, welchen er meinte, schon gesehen zu haben. DecSoldat aber war noch ein „Gemeiner". Um sich zu überzeugen, stellte Nap >leon den alten Kr eger zur Rede mit den kurzen und bündigen Worten: „Bei derSchlacht von Carole dabei gewesen?" Darauf der alte „Gemeine": „Dabei gewesen!" — „Bei Rivoli?" — „Dabei gewesen!" — Bei Marengo?" — „Dabei gewesen!" — „Dabei gewesen!" — „Bei Eilau?" — „Dabei gewesen!" — „Bei Austerlitz?" — „Dabei gewesen!" — Das war dem großen Korsen doch zu bunt, daß ein solcher Mann noch Gemeiner sei. Sofort ernannte er ihn zum Hauptmann und heftete das Kreuz der Ehrenlegion auf die Brust des
alten Kriegers. Also vor der Front zum Hauptmann avancirt und in den Ritterstand der Ehrenlegion eingereiht! Das war der verdiente Lohn. Mehr aber als bei Napoleon gilt es bei unserem lieben Herrgott, dabei zu sein, wo für ihn etwas zu thun ist. Darum nur kein Klagelied darüber, daß wir überall dabei sein sollen; im Gegentheil, nur überall beigetreten und opferwillig beigetrage»: Das ist das Hauptzeichen eines wahren und echten Katholiken. Wenn dann einmal die große Parade des Weltgerichtes abgehalten wird und der oberste aller Feldherren uns dabei fragt, ob wir dabei gewesen sind, dann werden wir noch größere Ehre empfangen, als der alte Soldat auf den elyseische» Feldern, wenn wir antworten können aus die Fragen: „Beim Bonifatius-Verein?" — „Dabei gewesen!" — „Beim Kindheit-Jesu-Vercin?" — „Dabei gewesen!" — „Beim Volksverein?" — „Dabei gewesen!" — „Beim Vincenz- und Elisabeihenveicin?" — „Dabei gewesen!" — „Beim Afrikaverein?"— „Dabei gewesen!" — „Beim kathol.Gesellenverein?" — „Dabei gewesen!" — „Bei der Frohnleichnams-Prozession?" — „Dabei gewesen!" — „Bei der Osterkommunion?" — „Dabei gewesen!" — „Bravo! gut! sehr gut!" wird der himmlische Heerführer sagen. „Emvfange den Lrdensstern der himmlischen Ehrenlegion, empfange He Krone der ewigen Herrlichkeit, gehe ein in die Freude Deines Herrn!"
* Eine grauenhafte Liste über Selbstmord, die ein furchtbares Licht auf die weithin verbreitete Glaubenslosigkeit wirft, veröfsentlicbt die ,New-Ä)orker Staatszeitung' ans den beiden ersten Wochen des Monats Dezember v. I. Aus Cincinnati allein werden sieben solcher Fälle gemeldet. Der 70 Jahre alte Schmiedemeister Apel ans Hessen-Kassel,eiu wohlhabender Mann, nahm Arsenik. Niemand kennt den Grund des Selbstmordes. Der 52 Jahre alte Henry Steidinger erhängte sich int Pferdestall. Die Mutter des Genannten stichle und fand vor drei Jahren den Tod in einer Cisterne. Eine Schwester des Selbstmörders warf sich vor 18 Monaten vor einen Eisenbahnzug. Geheimnißvoll ist der Selbstmordder 16jährigen Evavgeline Droge, eines reichen Mädchens, das sich in der Nähe ihrer väterlichen Farm in einem Teich ertränkte. Fran Laura Busch, Mutter von 6 Kindern, nahm Karbolsäure. In diesem Falle war es die Klatschsucht von Nachbarinnen, die die Frau in den Tod trieb. Die Nachbarinnen hatten über die Fran ehrenrührige Gerüchte ausgesprengt. In letzterm Falle hat der Leichenbeschauer sämmtliche Nachbarinnen vorgeladen, um sie an den Pranger zu stellen. Der 54 Jahre alte Lorenz Singer erschoß sich, nachdem er kurz vorher die Miethe und andere Schulden bezahlt hatte. Die Familie lebt in behäbigen Verhältnissen und man kennt keinen Grund für die That. Im Covingtoner Hospital starb Frau I. W. Martin an Gift.
* Ein Paradies für Steuerzahler ist das pommersche Städtchen Gollnow. Das dortige Stadtverordneten-Kollegium hat kürzlich beschlossen, den Bürgern von Gollnow auch für das nächste Etatsjah-, wie schon in früheren Jahren, sofern sie zu den „berechtigten" gehören, 2 Stoß Holz und 6000 Stück Torf frei zu verabfolgen. Es »erden i: Gollnow (Reg.-Bezirk Stettin) nicht nur keine Gemeinde-Abgaben erhoben, sondern den Bürgern noch obige Vergünstigung zu theil. Die kommunalen Einnahmen < us dem großen Wicseukomplex, den Waldbeständen und den Feldern machen es eben möglich.
Werteste Wost.
Budapest, 4. Jan. Die Entscheidung über die Bildung des Ku b inets wird erst für nächsten Dienstag oder Mittwoch erwartet.
Hottesdienst-Hrdrmng in Kulda.
Sonntag, 6. Jan. (Fest der hl. drei Könige.) Dow. 5'/-, 6, 68/< u. 7*/s 0. hl. Messen. Nach der 6 Uhr-Messe Kommunion der Christenlehr-Jünglinge. 9 Uhr Hochamt und Predigt, 2 U. Vesper, 4 U. Abendandacht u. Predigt, 7 U. Andacht u. Predigt in der Marienkapelle. — Stadtpfarrkirche. 5*/« Uhr yl. Messe und Predigt, 7 Uhr öl. Messe, 8 U. hl. Meffe und Predigt, S'/- U. Hochamt u. Predigt, 11 U. hl. Messe, 11 u. '/-S U. Christenlehre, 3 U. Rosenkranzandacht — MichaetSkirche.l0U. Gottesdienst. — Pfarrkirche zum hl. Geiste. 8 U. Amt u. Predigt, 4 U. Andacht mit Segen. — Mütterverein. 6'/« U. hl. Messe, U. Predigt. — Frauenberg. 5 u. 6*/« U. hl. Messen, 8 U. hl. Messe mit Volksgesang, 9 Uhr feierliches Amt für den Verein M. N., 2 Uhr Antoniusbruderschaft mit Predigt.
Der Postdampfer ,Westernland" der „Red Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 1. Januar wohlbehalten in New-Jork angekommen.
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Auskunft edfidtaft
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Aus der unter der Administration des Unterzeichneten stehenden Elbrichshöfer Gutswaldung sollen ca. 300 km Kiefern-Nutzholz (Gruben-, Bau-, Schwellen- nnb Schneidholz) im Submisstonswege verkauft werden. Gebote sind verschlossen und mit der Aufschrift: „Submission auf Kiefern-Nutzholz" versehen bis zum 15. Januar er. an den Unterzeichneten einzusenden. Die Bestimmung der Dimensionen bleibt dem Käufer überlassen und wolle derselbe diese in dem Angebot ausdrücken, dabei auch angeben, ob er das Holz entrindet und an den Bahnhof Großenlüder oder nach Fulda geliefert zu haben wünscht. Weitere Auskunft ertheilt der Unterzeichnete.
Großenlüder, am 31. Dezember 1894. [71
Der Forstmeister: Martin.
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