* lieber die Verwaltung in unseren Kolonien führt der Jahresbericht der Handelskammer Hamburg für das Jahr 1894 Beschwerde. Er bemerkt, daß in allen unseren Kolonien darüber geklagt wird, bei den Verwaltungen sei einerseits ein zu bureaukratischer, andererseits ein zu militärischer Geist vorhanden, wodurch das Entstehen und die Entwicklung gesunder wirthschaft- licher Unternehmungen oft behindert werde. Die Bedeutung der englischen Kolonien sei zum Theil darauf zurückzuführen, daß ihre Verwaltung vom kaufmännischen Geiste getragen worden sei.
* Hamburg, 2. Jan. Der Hamb. Korresp. meldet: Als der anonyme Zettelschreiber, der die Meldung von den 100,000 Mark Zuschuß zum Re ich s- kanzler-Gehalt verbreitete, ist ein Subaltern- Beamter entdeckt worden. — Wie sollte der denn zur Kenntniß der Angelegenheit gelangt sein, die doch nur in einem ganz engen Kreise verhandelt worden ist?
* Neuwied, 2. Jan. Im verflossenen Jahre sind dem Generalanwaltfchafts-Verbande ländlicher Genossenschaften für Deutschland zu Neuwied 270 Darlehns- kassen-Vereine beigetreten, eine Zahl, wie sie seit Bestehen der Raiffeisen'schen Organisation noch nicht erreicht worden ist. Es ist dies das beste Zeichen, daß trotz der Angriffe gegen die Centrale in Neuwied, die noch andauern, das Vertrauen zu derselben bei der Landbevölkerung immer mehr wächst. — Der Land- wirthschaftl. Central-Darlehnskasse für Deutschland zu Neuwied haben sich im gleichen Zeitraum 260 Dar- lehnskassen - Vereine angeschlosien. Der Umschlag der Central-Darlehnskasie betrug im verflossenen Jahre 28 Millionen Mark, 6 Millionen Mark mehr als int Jahre 1893.
Ausland.
* Brüssel, 3. Jan. In einer großen Volksversammlung zu Lüttich, an der 10,000 Arbeiter Theil nahmen, führten die sozialistischen Abgeordneten eine aufreizende Sprache. Der Abg. Smeets forderte die Arbeiter auf, die Flinten zu ergreifen, falls die Regierung das allgemeine Stimmrecht für die Gemeindewahlen verweigert. Die Regierung beschloß die gerichtliche Verfolgung der sozialistischen Abgeordneten.
* Paris, 2. Jan. Die Berufung des Hauptmanns Dreyfus gegen das Urtheildes Pariser Kriegsgerichts, ist, wie gemeldet, von dem Revisionsgericht verworfen worden. Das Revisionsgericht unter Vorsitz des Generals Gossart tagte in demselben Saal, in welchem das Kriegsgericht seine Sitzungen abgehalten hatte. Obgleich die Oeffentlichkeit nicht ausgeschlossen war, befanden sich in dem Zuhörerraum außer einigen Journalisten nur wenig Neugierige. Draußen auf der Straße war ebenfalls kaum eine besondere Bewegung bemerkbar. Als die Sitzung um 2 Uhr eröffnet wurde, war kein Vertheidiger zur Stelle; ein Vertreter der Regierung, Kommandant Romain, erhebt sich und erklärte : der Vertheidiger läßt mich wissen, daß er keine Anträge stellen werde, und daß er sich also ganz auf die Gerechtigkeit des Gerichts verlaffe. Die Vertheidigung war von der Familie Dreyfus dem jungen Advokaten Boivin Champeaux anvertraut worden. Da der Vertheidiger nicht erschien, erledigte sich der nun rein formale Vorgang desto schneller. Der Berichterstatter erklärte, daß die Prüfung des Prozesses keine Unregelmäßigkeit, keinen Verstoß gegen die betreffenden Artikel ergeben habe, und nach kurzer Berathung erkennt demgemäß das Gericht einstimmig, daß die Berufung zu verwerfen fei. Der Vater und der Bruder des Hauptmanns Dreyfus sind nach Paris gekommen, um den Verurtheilten zu sehen. Sie sind bisher jedoch nicht vorgelasfen, sondern werden es erst nach der Degradatious-Ceremonie.
zösischen Nonnen und machte aus ihnen Trappistinnen. Unter diesen mar auch Madame Lonise-Adelaide, Prinzessin von Conds. Gezwungen, Val-Samte zu verlassen, zog der Abt von L'Estrange mit seinen Schaaren durch Rußland und England und schickte auch einen Theil nach Nordamerika, bis man nach Val-Sainte und den übrigen Klöstern, die innerhalb des jungen Kaiserreiches gelegen waren, zurückkehren konnte. Ein Hauptsitz war immer Darseld in Westfalen gewesen. Napoleon I. beschützte anfangs die Trappisten. Später, in Folge feines Konfliktes mit Pius VII., auf dessen Seite sich diese stellten, hob er alle ihre Klöster auf, die Mönche und Nonnen zerstreuten sich. Dies geschah im Jahre 1811. Nach feinem Sturze kehrten alle nach und nach zurück und fetzten sich an verschiedenen Orten Frankreichs fest, um von Neuem zu beginnen. Allmählich dehnten sie sich zuerst in Frankreich aus und verbreiteten sich darnach über den ganzen Erdkreis. Sie theilten sich in drei Kongregationen, bis in unfern Tagen der hl. Vater Leo XI;J. durch Dekret vom 8. Dezember 1892 sie.unter einem eigenen General zu einem einzigen Orden unter dem Namen der Reformirten Cister- cienfer wieder vereinigte. Der neue Orden zählt gegenwärtig 56 Männer- und 14 Frauenklöster.
IV.
Das Leben der Trappisten ist höchst einfach. Zurückgezogen von der Welt leben sie als Cönobiten zwar beisammen, aber im Stillschweigen, mit Gebet und Handarbeit beschäftigt, Gott suchend, sich selbst und
* Arco, 3. Jan. Die Beisetzung der Leiche des Königs von Neapel hat heute in feierlicher Weise in Gegenwart der Erzherzoge, der männlichen Verwandten des Verstorbenen, der Herzoginnen von Parma und von Alenin, des Prinzen von Hohenzollern, des Herzogs Siegfried in Bayern u. A. stattgefunden. Die Stadt hat reichen Trauerfchmuck angelegt.
* Petersburg, 3. Jan. Ein kaiserliches Reskript an den Grafen Schuwaloff hebt die treuen Dienste desselben bei Ausführung der Pläne des Kaisers hervor, die seit lange bestehenden Bande der Freundschaft mit dem mächtigen Nachbarn zu pflegen und zu dem Erfolge des Werkes der Aufrechterhaltung des allgemeinen Friedens beigetragen zu haben. Der Kaiser hofft, Schuwaloff werde als Gouverneur von Warschau ersprießliche Thätigkeit zum Wohle des Landestheiles entfalten. — In einem Prozeß gegen 32 gewerbsmäßige Schmuggler, Postbeamte und Kaufleute, welche eine organisirte Schmugglerbande an der preußisch- russischen Grenze bildeten, wurden 27 Angeklagte ver- urtheilt, fünf freigesprochen. Sieben Verurtheilte blieben wegen Schuldverjährung straffrei. Die Uebrigen wurden theils zur Gefängnißhaft, theils zu Deportation verurtheilt. — Der Zar beauftragte eine Spezialkommission mit Ausarbeitung eines Gesetzentwurfs, wodurch die Lage der nach Sibirien administrativ verschickten, sowie der dort Strafe verbüßenden Personen erheblich verbessert werden soll.
* In Autivari (Montenegro) wurde am 1. Januar in Anwesenheit eines Vertreters des Fürsten von Montenegro und mehrerer Deputationen der erste römisch- katholische Gottesdienst in slavischer Sprache abgehalten. Der Fürst machte dem Papste hiervon telegraphisch Mittheilung.
* Yokohama, 3. Januar. Der Korrespondent der Zeitung ,Jigishimo' in Hiroshima meldet, daß die Einschiffung der Kranken und Verwundeten der zweiten japanischen Armee nach Japan nicht mehr möglich ist, weil das Eis die Schiffe hindert, sich der Küste zu nähern. Diese Kranken und Verwundeten werden bis zum Frühjahr in den Feldlazarethen gepflegt werden. Die Kranken und Verwundeten der ersten Armee werden fortgesetzt nach Japan befördert.
* Die chinesisch-japanischen Friedensverhandlungen scheinen nicht recht vom Flecke zu kommen. Die chinesische Regierung scheint auch auf einen baldigen Abschluß der Verhandlungen nicht zu rechnen, denn sie hat neue Verhandlungen mit europäischen Firmen behufs großer Waffen- und Munitionslieferungen angekuüpst.
MdI, Provinz und Kachbargkbiet.
Fulda, 5. Januar.
* Bei der gestern Vormittag im Saale des Rath- Hauses hierselbst stattgehabten Ergänzungswahl znr Handelskammer wurden die ausscheidenden Mitglieder, die Herren Fabrikant Hermann Falke und Kaufmann Karl Reinhardt wiedergewählt. Da Herr Reinhardt die Wahl dankend ablehnte, wurde im zweiten Gange Herr Fabrikbesitzer Wilhelm Mehler gewählt. Die Wahlbetheiligung war eine geringe.
? Der hiesige Gabelsberger Stenographen-Damen- Berein hielt am 29. Dezember feine vorjährige General- Versammlung ab. Nach Eröffnung der Versammlung erstattete die Vorsitzende des Vereins Frl. Fröse den Jahresbericht, ans welchem wir mit freudiger Genug- thuung ersehen, daß die Erfolge des jungen Vereins im abgelaufenen Jahre recht günstige waren. Im Januar v. I. wurde unter Leitung des damaligen Vorsitzenden des hiesigen Gabelsberger Stenographen-Vereins Herrn Mechold der erste Kursus eröffnet. Im Laufe des Jahres wurden noch 2 weitere Kurse unter Leitung ihre Mitmenschen Ihm ohne Unterlaß anempfehlend. — Die Chorreligiosen tragen ein weißes Kleid aus ungefärbter Wolle und darüber ein schwarzes Scapulier mit Kapuze, festgehalten von einem ledernen Gürtel, eine ganz malerische Tracht. Es ist das Kleid der Cistereienser, ihrer Väter. Die Brüder sind in brauner Farbe. Die Hauptbeschäftigung der Ersteren ist der Gottesdienst, die der Letzteren die Handarbeit. Außer dem Chorgebet arbeiten auch die Religiösen, 4 ober 6 Stunden per Tag, je nach der Jahreszeit und dem Bedürfniß. Auch dieses gehörte zur Lebensweise ihrer Väter, unter denen nicht selten ein Domherr, ein Bischof, ein Ritter, ja auch einmal ein König war, die alle im Dienste Gottes ausharrten bis an ihr seliges Ende. Im Hanse trägt man ein weites, weißes Obergewand mit sehr großen Aermeln und Schuhe an den mit Socken und Strümpfen bekleideten Füßen; zur Arbeit aber bedient man sich gemäß der Sitte des französischen Landvolkes der Holzschuhe. Man arbeitet und betet, speist und schläft, lieft und betrachtet gemeinschaftlich.
Die Brüder stehen im zweiten Chore, jeder in seinem Stuhle; nur zum Segen mit dem hochwürdigsten Gute und jeden Abend vor Tagesschluß gehen sie in das Chor der Religiösen, um mit ihnen vereint das Lob Gottes und der hl. Jungfrau zu fingen. Salve Regina!
Im Refektorium wird Jeder separat bedient. Die Nahrung ist hauptsächlich aus dem Pflanzenreiche ge-
des Frl. van der Kors abgehalten. Die Theilnehmer- innen hielten fast ausnahmslos bis zum Schluß der Kurse aus, gewiß eine Ausdauer, welche man bei Herren selten findet. Es erfolgte nun der Bericht der Kassiererin, an welchen sich die Wahl des Vorstandes schloß. Der bisherige Vorstand wurde einstimmig wieder gewählt und setzt sich aus folgenden Damen zusammen: Frl. A. Fröse I., Frl. I. Orth II. Vorsitzende, Frl. PH. Schenck Schriftführerin und Frl. van der Kors Bibliothekarin. Frl. Schenck erklärt sich gern bereit die Kassengeschäfte bis auf Weiteres zu übernehmen. An Stelle des Herrn Diem, welcher den Fortbildungs- kurfus leitete, tritt der I. Schriftführer des Gabelsberger Stenographen-Vereins Herr Boneck. Nachdem die Vorsitzende dem von hier scheidenden Herrn Diem für die rastlose Thätigkeit, welche er im Interesse des Vereins entwickelt hat, den Dank der Mitglieder übermittelt hatte, wurde die Versammlung geschlossen.
* Im Jahre 1894 tarnen im Kreise Fulda 2 Selbstmorde vor und zwar 1 in der Stadt Fulda durch Erschießen und 1 in Blankenau durch Beibringung einer Schnittwunde. — In der Stadt Fulda haben im Jahre 1894 logirt 17,799 gegen 17,491 Personen im Vorjahre. Auf der Verpflegungsstation im hl. Geist-Hospital dahier wurden verpflegt 4038 gegen 4092 Handwerksburschen im Jahre 1893. Nach Breitenau wurden 20 Personen übergeführt. (F. K.) (Personal-Chronik.) Ernannt: der Landgerichtspräsident, Geheime Oder-Justizrath Kräh in Flensburg zum Präsidenten des Oberlandesgerichts in Celle, der fürstlich Asenburg'sche Oberförster Mudra in Wächtersbach zum Amtsanwalt. — Verliehen: dem Rentmeister Beckmann in Fulda der Charakter als Rechnungsrath, demProvinzial-Steuer-SekretärS t r o t h- mann in Kassel bei seinem liebertritt in den Ruhestand der Charakter als Kanzleirath, dem Kreisboten Appel in Rinteln bei seinem Uebertritt in den Ruhestand das Allgemeine Ehrenzeichen in Gold. — Entlassen : der Schutzmann Thomas bei der Königlichen Polizeiverwaltung in Kassel auf seinen Antrag, der katholische Lehrer Thiele bei der König!. Strafanstalt in Wehlheiden auf seinen Antrag.
' Aus der Hanauer Strafkammer-Sitzung vom 3. d. M. berichtet die ,H. Bei einer Tanzmusik in einer Wirthschaft zu Engelhelms machte sich ein Fabrikarbeiter von Pilgerzell wiederholt lästig, so daß er schließlich von einem Bahnarbeiter aus Engel- Helms, der vom Wirth als Beistand in eveut. Streitfällen aufgefordert war, hinausbefördert wurde. Als der Fabrikarbeiter nach kurzer Zeit sich wieder im Saale eingefunden und wegen Unfugs nochmals an die Luft gesetzt werden sollte, wurde der in Vertretung des Wirthes fungirende Bahnarbeiter von mehreren Burschen umringt, erhielt Tritte und auch eine Kratzwunde im Gesicht. Als Thäter wurde der oben genannte Fabrikarbeiter und dessen Kollege angezeigt und jeder zu 2 Wochen Gefängniß vorn Schöffengericht Fulda verurtheilt. Die Strafe schien dm Angeklagten zu hoch, sie legten Berufung ein und wurden auch heute freigesprochen, da der Verletzte, auf dessen Aussage die Angeklagten in 1. Instanz verurtheilt wurden, dieselbe heute nicht mehr aufrecht erhalten konnte. — Arn 19. April v. I. kam es bei Hilders zwischen mehreren jungen Leuten, die vom Musterungsgeschäft nach Hause gingen, zum Streit. Einer von ihnen erhielt dabei eine blutende Wunde am Kopf, die ihm angeblich ein Zimmermann von Hilders mit einem dicken Fichtenknüppel zugefügt haben sollte. Auf erfolgte Anzeige wurde der deshalb Angeklagte auch schuldig erkannt und wegen gefährlicher Körperverletzung zu 3 Monaten Gefängniß verurtheilt. Gegen dies Urtheil hatte er Berufung eingelegt und bestreitet entschieden, dem Burschen auf den Kopf, er will ihm nommen. Oel, Butter, Milch und Käse, Honig und Obst sind gestattet. Die Kranken erhalten nach Bedürfniß Eier und Fleisch, genau nach der Regel des heiligen Benedikt. Zu der Mahlzeit wird jedem Einzelnen ein halber Liter Bier oder auf Verlangen ein Viertel Liter Wein vorgesetzt.
Die Schlafsäle sind geräumig und luftig. Im Sommer stehen alle Thüren und Fenster offen. Die Lampen brennen dort die ganze Nacht. Jeder schläft allein in feiner abgeschlossenen Zelle, deren Wände den größten Mann überragen, angekleidet, auf einem festen Strohsack, mit wollenen Decken gegen die Kälte geschützt, ruhig und sanft 7 Stunden, im Winter von 7 Uhr Abends bis 2 Uhr früh, im Sommer aber von 8 bis 2, mit einer einftünbigen Mittagsruhe.
Niemand hat sonst etwas Eigenes. Ein Brevier, ein Rosenkranz, aber nicht am Gürtel, ein Buch zum Lesen, das genügt. Sonst braucht man nichts.
Man spricht nicht unter sich. Die Ruhe des Hauses, wo viele Menschen beisammen wohnen, noch weniger die Geistessammlung, die einen jeden Ordensmann beständig begleiten soll, läßt keinen Tumult zu. Man spricht abseits mit den Obern und nach Umständen mit den Vorständen.
Das Studium wird nur von denen betrieben, welche sich auf das Priesterthum vorbereiten; übrigens bleibt neben dem Officium und der Arbeit noch Zeit genug, die man zum Beten, Betrachten und Lesen verwendet.
(Fortsetzung folgt.)