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Sonntag, den 6. Januar 1895.

22. Jahrgang

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mit Unterhaltungs-Beilage „Sterne und Flumen".

Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher AbounementspreiS ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig Inserate kosten die einspaltige Garmonszeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

V Jahresrundschau im Auslande, ii.

Weniger glücklich war Lord Rosebery, der seit Gladstone's Rücktritt an der Spitze der englischen Regierung steht, in seiner inneren Politik. Es fehlt ihm an der nöthigen Entschlossenheit, er macht allen seinen Anhängern Versprechungen, ohne ihnen aber etwas Ganzes, Durchschlagendes zu bieten. Dadurch ist die liberale Partei sehr buckelig geworden, und wenn sich Rosebery nicht entschließt, wenigstens in der Oberhausfrage energisch vorzugehen, damit den edlen Lords für die Zukunft unmöglich gemacht wird, alle vom Unterhause beschlossenen Reformgesetze abzulehnen, dann wird die Herrlichkeit der liberalen Partei faunt noch bis zum Frühjahr dauern.

Spanien ist aus den Ministerkriseu gar nicht herausgekommen, doch behielt immer noch der liberale Führer Sagasta das Ruder in der Hand. Im Uebrigen steht für die Spanier die marokkanische Frage obenan, die auch nicht einfacher geworden ist durch den Tod des Sultans Muley Hasfan, dem der jugendliche Abdul Aziz gefolgt ist, nicht ohne erst den Widerstand seiner älteren Brüder überwinden zu müssen.

Auf der Balkanhalbinsel sorgten Serbien und Bulgarien für Abwechselung. Alexander der Kleine von Serbien hat wieder einmal einen Staatsstreich vollführt, wozu er sich seinen Papa Milan kommen ließ. Das radikale Ministerium wurde plötzlich ab­gesetzt, an die Stelle der allzu freiheitlichen Verfasfung eine andere gesetzt, die dem König mehr Spielraum läßt, die Skupschtina ausgelöst und ein „neutrales" Ministerium berufen, das inzwischen durch mehrere andere bereits äbgelöst worden ist. — Fürst Ferdinand von Bulgarien, dem in dem Erbprinzen Louis ein Sohn und Nachfolger geboren worden ist, stürzte nicht minder plötzlich, wie Älexander die Radikalen, den bis dahin allmächtigen Ministerpräsidenten Stambulow, der ein etwas sehr gewaltthätiges Regiment geführt hatte, und ersetzte ihn durch Stoilow, der eine Art Versöhnungskabinet bildete und sich bestrebte, sowohl im Innern den Parteien gegenüber, wie nach außen, namentlich Rußland gegenüber, eine versöhnliche und rücksichtsvolle Politik zu verfolgen. Die Neuwahlen der Sobranje ergaben eine große Mehrheit für die Regierung. Doch läßt sich nicht leugnen, daß auch die Russenfreunde wieder mehr sich regen; es fragt sich aber, ob das heute noch gefährlich ist.

Die Schweiz hat in der Person des Luzerners Dr. Zemp zum ersten Male einen katholischen Bundes­präsidenten erhalten. — In Norwegen haben Neu­wahlen stattgefunden und den Radikalen abermals eine Mehrheit, freilich nur eine sehr geringe, gebracht. — Neuwahlen gab es auch in Holland, wo das Mini­sterium Tak über die Frage der Wahlreform gestolpert war und dann die Kammer auflöste. Diese ergab eine

Der Stem der hl. drei Könige.

Heller, wunderbarer Stern,

Vom ew'gen Himmelslicht entzündet, ' _ä£ Drei Weife zogest Du von fern Nach Bethlehem zum armen Kind, Dem Erd' und Himmel Diener sind; C dreimal glücklich, wer Dich findet!

Des alten Jrrthums tiefe Nacht Bor Deinem Lichte ist geschwunden; Wer arm, den hast Tu reich gemacht. Den Sündern brachtest Du das Heil, Den Traurigen ward Trost zu theil, Die kranke Welt, sie soll gesunden.

Du Stern, von wunderbarer Pracht Hast ausgehellt vor vielen Jahren Auch unsres Vaterlandes Nacht, Zur Krippe hast Du hingeführt, Zu Gott, dem einzig Ehr gebührt, Die früher Wodans Knechte waren.

Und immerforr noch steige auf In fern entleg'nen Heidenlanden. Dorthin beschleun'ge Deinen Lauf, Wo Jrrthum noch das Scepter führt, Das Laster als Despot regiert, Die Seele seufzt in harten Banden.

Du, der Du einst des Sternes Licht Entzündet hast den deutschen Gauen, Sanct Bonifaz'. verlaß uns nicht! Daß uns der Stern nicht untergeht, Ta rhm so mancher Feind entsteht, Dir wollen wir es anvertrauen.

Mehrheit für die Gegner Tak's, der zurücktrat und durch Roell ersetzt wurde. — In Dänemark ist endlich der Konflikt zwischen Parlament und Regierung beigelegt worden; das Finanzgesetz wurde zum ersten Male seit langer Zeit angenommen, wogegen der „Konfliktsminister" Estrup zurücktrat und in dem Baron v. Reedtz einen Nachfolger erhielt.

Die Vereinigten Staaten von Nordamerika hatten im vergangenen Jahre schwer unter wirth- schaftlichen Bedrängnissen zu leiden, zu denen sich dann noch ernste soziale Gefahren gesellten. Die großen, mit vielen Gewaltthätigkeiten und blutigen Kämpfen verbundenen Arbeiterausstände erschienen wie das Wetterleuchten einer zukünftigen sozialen Revolution. In den Zoll- und Münzfragen hatte Präsident Cleve­land mit zähem Widerstande im eigenen demokratischen Lager zu kämpfen; und da so die Demokraten ihre dem Volke gegebenen Versprechungen nicht hielten, zogen sie sich bei den Staatswahlen eine schwere Nieder­lage zu; sogar in mehreren Südstaaten, dem „Boll­werk der Demokratie", siegten die Republikaner über ihre Gegner.

In Mittel- mrd Südamerika gab es natürlich wieder zahlreiche größere und kleinere Revolutionen. Die be­deutendste derselben, der brasilianische Aufstand, wurde allerdings nach langen, heftigen Kämpfen be­endet. Dafür aber hat jetzt namentlich Peru feine Revolution, die sich gegen General Caceres, der sich mit Anwendung von Gewalt zum Präsidenten gemacht hatte, richtet; das benachbarte Ecuador unterstützte die Ausständischen.

Mehr aber lenkte der Krieg zwischen China und Japan im fernen Ostasien die Aufmerksamkeit der Welt auf sich. Die Halbinsel Korea bildet den Zank­apfel, ein Aufstand auf ihr den Anlaß des Krieges. Das kleine Japan hat mit feiner europäisch geschulten Armee und Marine den Chinesen zu Lande u. zu Wasser schwere Niederlagen bereitet und seine Truppen sind auf dem Anmarsch auf Peking. Das hat China doch endlich bewogen, Friedensunterhandlungen einzuleiten. Hoffentlich bringt das neue Jahr ihm den Frieden, der auch uns erhalten bleiben möge.

Deutsches Reich.

Berlin, 4. Januar.

* Beim Neujahrsempfang behandelte der Kaiser den Reichskanzler mit großer Auszeichnung. Der Reichskanzler war der Einzige, dem der Kaiser und die Kaiserin beim Defiliren die Hand reichten. Bei der Paroleausgabe sind politische Worte nicht gefallen. Die Unterredung drehte sich um die diesjährigen Kaiser­manöver zwischen dem Garde- und dem 2. Armeekorps. Der .Lokalanzeiger' will erfahren haben, daß der Kaiser den kommandirenden Generalen dringendst ans Herz legte, die Offizierkorps zu möglichster Sparsamkeit,

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(1. Fortsetzung.)

Die Zeiten waren damals sehr verkehrt. Die Großen dieser Welt waren zugleich Fürsten in der Kirche, welche sie in Fesseln hielten. So kam es, daß der junge Abb«, in Glanz und Ehren auferzogen, als ein echter Welt­mann lebte, obwohl er von Jugend auf zum geistlichen Stande bestimmt war. Der heilige Vincenz v. Paul war der erste, welcher heilsamen Einfluß auf ihn aus­übte. Er hielt im Hause St. Lazarus die geistlichen Hebungen, bevor er die höheren Weihen empfing. Der hl. Vincenz redete mit ihm von den vielen geistlichen Pfründen, aber, von den Vorurtheilen des Zeitgeistes besangen, meinte er (der Abbä), das seien Fragen, die man erst später überlegen sollte. So blieb es denn beim Alten, eine durchgreifende Aeuderung kam nicht zu Stande. Der lebenslustige Abb« konnte sich nicht dazu verstehen, mit der Welt zu brechen und sich ein- zuschräuken. Nur das ist bewiesen, daß er sich in den Augen der Menschen nichts Unehrenhaftes zu Schulden kommen ließ. Es ist zum Verwundern, daß der Ver­fasser einer Heiligenlegende (Ott), welche durch ganz Deutschland verbreitet ist, eine gewisse Fabel aus ftanzösischen Romanen entlehnt hat, um die endliche Bekehrung des Abbö de Ranc« mit recht grellen Farben auszumalen. Ebenso scheint er ganz irrige Begriffe von den geistlichen Söhnen desselben zu haben, näm-

namentlich auch in den Kasinos, anzuhalten, und daß der Monarch auch der vorzüglichen Leistungen der Japaner im Kriege gegen China gedachte; erstere hätten sich lange Jahre sorgsam auf den Krieg vorbereitet und bei verschiedenen Gelegenheiten durch ihre Tapfer­keit und Tüchtigkeit die staunende Anerkennung der Engländer gefunden.

* Die Uebersiedelung des kaiserlichen Hofes vom Neuen Palais bei Potsdam nach dem königl. Schlosse in Berlin erfolgt Ende nächster Woche.

* In einem Reskript des Kaisers Nikolaus II. von Rußland an den bisherigen russischen Botschafter in Berlin, Grafen Schuwalow, wird diesem in sehr warmen Worten reiche Anerkennung dafür ge­spendet, daß „er die Bande der Freundschaft gepflegt, welche Rußland feit langer Zeit mit feinem mächtigen Nachbarn vereinen," und dadurch beigetragen habe „zu dem Erfolge des er­habenen, wohlthätigen Werkes der Aufrechterhaltung des allgemeinen Friedens, welcher dem Herzen meines unvergeßlichen Vaters ebenso theuer war, wie er dem meinigen ist." Diese friedliche Kundgebung wird gewiß auch bei unseren westlichen Nachbarn viel Beachtung finden.

* Herrn v. Levetzow wird in einigen meist frei­sinnigen Blättern nahegelegt, das Reichstags- präsidium niederzulegen, namentlich deshalb, weil er sich durch sein.e Abstimmung für die Straf­verfolgung des Abg. Liebknecht in einen befremdlichen Gegensatz zur Mehrheit des Reichstags gesetzt hat. Die ,Nat. Ztg/ fragt deshc ö die Freisinnigen, wen sie sich denn als Nachfolger Levetzows dächten, etwa einen „Klerikalen"? Ja, das wäre ja wirklich ent­setzlich! Wenn ein Nationalliberaler Aussicht hätte, zum Präsidenten gewählt zu werden — roä» die ,Nat. Ztg/ sehr zu ihrem Bedauern bezweifeln muß —, dann hätte sie natürlich gar nichts dagegen, wenn Herr v. Levetzow seinen Sessel räumte. Das muß sie sich auch von der ,Kreuzztg/ sagen lassen. Das „konservative" Blatt benutzt im Anschluß hieran die Gelegenheit, um wieder einmal gegen den gegen­wärtigen Reichstag, dessen Auflösung es betreibt, zu Hetzen, indem es meint, Herr Singer wäre „der cheste Präsident dieses Reichstags." Nun, an Unverfrorenheit scheint es auch der .Kreuzztg.' nicht zu fehlen.

* Der Gesetzentwurf gegen den unlautere« Wett­bewerb ist, wie die ,Nat. Ztg/ hört, ausgearbeitet und wird binnen Kurzem weiteren Kreisen zur Beurtheilung unterbreitet werden.

* Der ,Reichsanzeiger' veröffentlicht einen Erlaß des Finanzministers über die Veranlagung der staat­lichen Gewerbebetriebe zur kommunalen Gewerbesteuer.

* An der Börse tauchte abermals das Gerücht auf, daß die preußische Regierung die 4prozentigen KonsolS im Betrage von 3598 Millionen Mark in niedriger verzinsliche Schuldscheine zu verwandeln beabsichtige.

lich von dem Leben der Trappisten, denn alles, was er von diesen erzählt, beweist, daß er wohl nie in einem Trappistenkloster gewesen, sondern nur nach Hörensagen von ihnen geschrieben.

Der frühe und unerwartete Tod einer vornehmen und geistreichen Weltdame, mit bereit Kindern der Herr v. Ranc« aufgewachsen war und in deren Salons er geglänzt hatte, machte auf ihn einen so gewaltigen Eindruck, daß er sich alsbald von der Welt zurückzog und anfing, Gott zu suchen. Sechs Jahre später trat er in seiner Abtei la Trappe, deren Comthur er bis dahin gewesen, in den Cistercienserorden ein, erneuerte die Satzungen der erstem Ordensväter (1664) und starb, zum Bedauern aller großen Geister Frankreichs, nach einem strengen und bußfertigen Leben im Rufe der Heiligkeit am 27. Oktober 1700, fast 75 Jahre alt, von denen er 37 im Kloster zugebracht hatte. Seine Re­form ging auch in der großen Revolution nicht zu Grunde.

Dem jungen Augustin de l'Estrange war schon die Mitra bestimmt. Er aber, dem Zuge der Gnade folgend, entfloh heimlich und trat, 26 Jahre alt, in la Trappe ein. Im Jahre 1790 war er daselbst Novizenmeister. Er zog, da Alles zu befürchten war, mit einem Theil der Genossenschaft nach dem^Kanton Freiburg in der Schweiz und ließ sich in Val-Sainte nieder. Von dort fandte er beständig kleine Ablhei- lungen seiner Brüder aus nach Spanien, Deutschland, Italien und England. Er sammelte die zerstreuten sran-