Reußen geworden ist, scheint sich einer versöhnlicheren Politik, einer Friedenspolitik auch im Innern seines Reiches zuzuneigen. Dafür spricht wenigstens die Amtsenthebung des General-Gouverneurs von Polen, Gurko, und dessen Ersetzung durch den als versöhnlich bekannten bisherigen Botschafter in Berlin, Grafen Paul Schuwalow, sowie die Begnadigung der in Folge der Greuel in Krosche (die nicht von ihnen, sondern von den Kosaken verübt waren) verurtheilten Katholiken. Inder äußeren Politik ist von einer Aenderung weniger zu merken, doch deutet auch hierin Manches darauf hin, daß sich der junge Zar insbesondere Bulgarien gegenüber versöhnlicher erweisen wird, als sein Vater. Mit den Kaisern von Deutschland und Oesterreich unterhält Nikolaus II. freundschaftliche Beziehungen; auch ist zu England ein freundlicheres Verhältnis Rußlands nicht zu verkennen, wenn auch die ausschweifenden Hoffnungen der Engländer auf eine englisch-russische Verbrüderung weit über das Ziel schießen dürften._______
Deutsches Reich,
Berlin, 4. Januar.
* Das „Katholisch-soziale Programm" katholischer Sozialpolitiker Deutschlands, welches in der kathol. Presse im Sommer v. I. veröffentlicht wurde, ist vor Kurzem dem hl. Vater mit der Bitte um Billigung dieses Vorgehens und um den Apostolischen Segen unterbreitet worden. Der hl. Vater hat dieser Bitte bereitwilligst entsprochen, und ist dies durch ein Schreiben des Kardinals Rampolla mitgetheilt worden, von dem der Presse ohne Zweifel in nächster Zeit Abdrücke zugehen werden.
* Im Abgeordnetenhaufe werden die Parteien in folgender Stärke vertreten sein: Cent rum 95, Konservative 138, Nationalliberale 88, Freikonservative 62, Polen 16, Freisinnige Volkspartei 14, Freisinnige Vereinigung 5, bei keiner Fraktion 11; erledigt sind 4 Mandate.
* Maßregeln gegen den Boykott wollen nach der ,Mil.-Pol. Korr.' die Mittelparteiler bei Be- rathung der Umsturzvorlage in Anregung bringen.
* Fürst Hohenlohe wird sich wie es heißt, nächster Tage nach Friedrichsruh zum Fürsten Bismarck begeben.
* General Graf Waldersee soll den schwarzen Adlerorden erhalten.
* Eine Vorlage betreffs der Branntwcinbesteuerung sowie eine Zuckersteuervorlage soll den,B.P.N.' zufolge dem Reichstage noch in der laufenden Tagung zugehen. Vermuthlich handelt es sich um ein Entgegenkommen gegen Wünsche der Konservativen.
* Wie steht es mit den Handwerkerkammern? Will die Regierung Handwerkerkammern errichten oder nicht? Der ,Hannov. Cour/ will darüber Folgendes gehört haben: „So groß die Bereitwilligkeit innerhalb der maßgebenden Kreise ist, in der Handwerkerfrage billigen Wünschen nach Möglichkeit entgegenzukommen, so weit gehen die Meinungen noch über das Wie auseinander. Bei einem Theile der Regierung scheint auch jetzt noch eine starke Abneigung gegen eine zwangsweise Organi- sirung des Handwerks zu bestehen. Auf dieser Seite legt man das Schwergewicht auf die Erfüllung der gegebenen „Zusage", sogen. Handwerkerkammern zu errichten. Von der andern Seite macht man hingegen geltend, daß das Nächste und Wichtigste die Bildung von Fachgenossenschaften zum Zweck der Hebung des Lehrlingswesens sei, denn die Handwerkerkammern würden sich um diese Frage gar nicht so recht bekümmern können. Ueberdies wolle ein Theil der Handwerker gar nicht in Handwerkerkammern vertreten sein. Er befürchtet, durch die Handwerkerkammern könnten die Jnnungsausschüffe lahmgelegt und in vielen Fällen unterdrückt werden. Auch vor dem Kostenpunkt haben Manche Angst. Als der Hauptvertreter der Handwerkerkammern im Staatsministerium
mehr im Lande dulden. Trotz der Drangsalen erhielten sich dennoch die Franziskaner und es wurde ihnen das ausschließliche Recht der Seelsorge überlassen. Heute noch zählt Bosnien zu den Miffionsländern.
III.
Wer sind denn die Trappisten? fragt Mancher. Jesuiten, Benediktiner, Franziskaner sind Namen, die auch den Nichtkatholiken bekannt sind. Aber Trappisten, wer das ist, wissen auch viele Katholiken nicht einmal. In einem bekannteren Lichte erscheinen dieselben, wenn man sagt, es sind reformirte Cistercienser, ein Zweig des Ordens des hl. Benedikt, welche dessen Regel so strikt befolgen, als es unter den Umständen unserer Zeiten nur noch möglich ist. Die Zeiten der Altväter in den egyptischen und syrischen Wüsten, die mit ihren großartigen Entsagungen und deren Lebensweise den Grund der benediktinischen Regel bilden, sind^ längst vorüber. Unsere Generation ist nicht mehr im Stande, sie neu aufleben zu lassen, wie die ersten Cistercienser es thaten; aber was vor 200 Jahren der Reformator des Cistercienferordens, der abbe de Rance, mit welchem der Name Trappisten auskam (von dem ersten Kloster der Reform la Trappe), noch zu retten vermochte, das ist bis auf uns gekommen.
Johannes Armandus le Bonthillier de Rance, das Orakel feiner Zeit, ein zweiter hl. Bernardus, wurde
leisten.
(Fortsetzung folgt.)
gilt Staatsminister v.Boetticher. Ihm ist es, gutem Vernehmen nach, in der letzten Staatsministerialsitzung gelungen, mit seinem Wunsche durchzudringen, daß dem Bundesrath sobald als möglich ein Entwurf betr. die Errichtung von Handwerkerkammern vorgelegt werde. — Wir werden sehen!
* Wesel, 31. Dezember. Der Regierungspräsident ordnete die Reichstags-Ersatzwahl für den Kreis Rees- Mörs auf den 8. Februar an. Da die Centrumspartei bereits fehr rührig ist, so steht zu hoffen, daß der Wahlkreis wieder erobert wird.
* Mainz, 29. Dez. Gestern waren die Mitglieder des Landesausschusses und des Landeskomitee's der Centrumspartei in Hessen zur Besprechung einiger wichtiger Angelegenheiten versammelt. Landtagsabgeordneter Wasserburg erstattete Bericht über die allgemeine politische Lage und würdigte nach dem Mainzer Journal' in erster Reihe die Umsturzvorlage einer scharfen Kritik. Die ganze reaktionäre Vorlage, sowie die versuchte Außerkraftsetzung der Abgeordneten- Jmmunität laufe darauf hinaus, der Regierung weitere Machtbefugnisse in die Hand zu geben zum Schaden nicht blos der bürgerlichen, sondern auch der religiösen Freiheit. Landtagsabgeordneter Dr. Schmitt erstattete Bericht über die Thätigkeit der Centrnmsfraktion im hessischen Landtag. Durch den Zusammenschluß aller nichtnationalliberalen Abgeordneten sei es möglich gewesen, der Mehrheit eine Opposition von 19 Manu entgegenzustellen. Es werde alles aufgeboten, diese Zahl zu erhöhen. Die Einführung des direkten Wahlrechts und eine gerechtere Wahlkreiseintheilung seien wichtige Forderungen des Centrums. Erfreulicher Weise habe die Regierung sich zwar nicht zur Aufhebung, aber doch zur Revision der drückenden Ordensgesetzgeb u n g bereit erklärt, wenn von der Kammer dahingehende Wünsche an sie gelangen. Die Kammer tritt am 10. Januar wieder zusammen. Möchten die Katholiken sich nur zu Gunsten der Orden recht rühren! Der nächste (3,) hessische Katholikentag findet in Bingen statt.
Ausland.
* Paris, 2. Jan. Die .Petite Republique' veröffentlicht Enthüllungen, wonach viele republikanische Abgeordnete sich an den Schwindeleien der französischen Südbahngesellschaften betheiligten. Damit erscheint ein neuer Skandal ausgebrochen, den die Sozialisten bei der Wiedereröffnung der Kammer zu verwertben gedenken.
* Sofia, 3. Jan. Der Untersuchungsrichter des Kriegsgerichts verfügte die Verhaftung Stambulow's wegen Verdachts der Betheiligung an der Ermordung Beltschew's. Einige Vertreter der Großmächte riechen der Regierung von der weiteren Verfolgung Stambulow's ab, da dieselbe schwere Folgen für Bulgarien haben könne.
* Aus San Franzisko wird gemeldet, daß die dortige Polizei eine geheime Gesellschaft entdeckt habe, welche in San Franzisko selbst mehr als 3000 Anhänger zählt, und deren Zweck in der Entthronung der jetzigen Dynastie in China besteht. Die Gesellschaft, die über bedeutende Geldmittel und viele Waffen verfügt, habe bereits durch ihre Abgesandten in China die Revolution vorbereitet.
* Rio de Janeiro, 3. Jan. Für ganz Brasilien wurde eine politische Amnestie erlassen.________________
StiM, proviln und Rachbargediet.
Fulda, 3. Januar.
* Dem kürzlich neuernannten Domkapitular Herrn Heinrich Fidelis Müller wurde vom hoch». Herrn Bischof das Amt eines Diözesanpräses der katholischen Gesellenvereine vom 1. Januar ab übertragen. Der hochw. Herr hat ein großes Interesse für die Gesellenvereine und hat schon vor vielen Jahren ein eigenes aus einem altadeligen Geschlechte zu Paris, 9. Januar 1626 geboren. Er hatte zum Vater Dionysius le Bouthillier, Herr von Rance und zur Mutter Anna Charlotte Joly, aus einer ebenso alten Familie. Sein Pathe war der Kardinal - Minister Richelieu. Denis de Rance war damals Staatsrath und Geheimschreiber der Königin Maria vonMedicis, Wittwe Heinrichs IV. und Mutter Ludwigs Xill. Der junge Armand war ihr Liebling.
Ausgestattet mit den herrlichsten Anlagen erstieg dieser alle Grade der Wissenschaft wie im Fluge. Sein Oheim, der Erzbischof von Tours, weihte ihn zum Priester im Jahre 1651. Das folgende Jahr erwarb er sich den letzten Grad vor der Doktorwürde, das Licentiat. Er hatte dabei vier Genossen, der erste Rang wurde ihm zu Theil, der dritte dem nachmals so berühmten Bossuet, der ein intimer Freund des Herrn von Rance war und auch blieb. Endlich 1654 beehrte ihn die Sorbonne mit dem Doktorhut.
Von seinem elften Jahre an hatte er ein Kanonikat an der Kirche Notre Dame im Besitz, dann drei Abteien, wovon die eine la Trappe war, und ein Priorat; er bezog ein jährliches Einkommen von 15,000 Livres, ohne der Kirche auch nur den geringsten Dienst zu
Liederheft für die betr. Vereine sowie ein Oratorium „Die Feier des Stiftungsfestes kath. Gesellenvereine" herausgegeben.
* Für die an die Centralstelle Fulda angeschlosfe- nen Bauernvereine sindet der vierte Bauerntag am Donnerstag den 31. Januar d. I. Nachmittags von 1 Uhr ab in der „Harmonie" hierfelbst statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Vortrag des Herrn Professor Schick-Fulda über die Landwirthschaftskammern; 2. Vortrag des Herrn Huber-Kassel über Obstbau; 3. Vortrag des Generalsekretärs Jaspers-Münster über die Lage der deutschen Landwirthschaft; 4. Vereinsangelegenheiten. Die Mitglieder der betr. Bauernvereine werden angelegentlich zu dieser Versammlung eingeladen.
* Wir wollen nicht unterlassen, die Hausbesitzer wiederholt und zwar in ihrem eigenen Interesse zu ermahnen, in der jetzigen Zeit das Streuen nicht zu vergessen.
* An das Reichspostamt sind folgende^Gesuche mit Begründungen eingereicht worden: 1. Das Reichspostamt wolle außer den gebräuchlichen gelben Postpaketadressen noch andere ausgeben, die sich durch ihren Aufdruck als nur für Nachnahme-Sendungen bestimmt deutlich erweisen und deren Benutzung für Nachnahmesendungen vorschriftsmäßig machen. 2. Das Reichs- postamt wolle die Ausgabe von Einpfennigmarken einführen. 3. Tas Reichspostamt wolle die Landbewohner von der Entrichtung der Bestellgebühr für Pakete und Einschreibebriefe rc. entbinden.
* Den im Auslande belegenen Postanstalten gehen wiederholt mangelhaft verpackte Sendungen aus Deutfch- land zu, wodurch erhebliche Unzuträglichkeiten entstehen. Um letzteren ein Ziel zu setzen, sind die Bezirks-Postanstalten unter Hinweis auf bereits früher erlasiene bezügliche Verfügungen erneut aufgefordert worden, mit Nachdruck darauf zu achten, daß Packete nach dem Auslande nur dann zur Beförderung angenommen werden, wenn die Verpackung der Beforderungsstrecke angemessen und genügend sicher ist. Eine Umhüllung von Packpapier 'kann für die Versendung nach dem Auslande allgemein nicht als ausreichend angesehen werden, ganz besonders nicht, wenn die zu versendenden Gegenstände aus eisernen Werkzeugen und dergl. bestehen. In diesem Falle müssen bei der Verpackung starke Pack lein wand oder feste Holzkisten benutzt werden.
* Im Interesse aller Derjenigen, welche Mitglieder von Bcrufsgenossenschaften sind, sei daran erinnert, daß die in Gemäßheit von § 71 des Unfallversicherungsgesetzes vom 6. Juli 1884 an die Berufsgenosfeu- schaften für das abgelaufene Rechnungsjahr 1894 einzusendenden Lohnnachweisungen fällig sind. Der äußerste gesetzlich zulässige Termin für die Einreichung besagter Lohnnachweisungen fällt bekanntlich auf den 11. Febr. 1895. Wer Lohnnachweisungen erst nach diesem Zeitpunkt oder überhaupt nicht bei seiner Berufsgenossenschaft einreicht, kann mit einer Ordnungsstrafe dis zu 300 Mark belegt werden (§ 104 obengenannten Gesetzes). Bemerkt sei noch, daß sich die möglichst frühzeitige Absendung der Lohnnachweisungen empfiehlt, weil hierdurch der Verwaltung jeder Berufsgenossenschaft viel Mühe und Zeit, den betheiligten Genossen- schaftsmitgliedern selbst aber viel Geld erspart wird. »
* Von üervorragendrn hessischen Persönlichkeiten schieden im Jahre 1894 aus dem Leben: Der Bischof von Fulda Dr. Joseph Weyland starb im 68. Lebensjahre zu Fulda. Am 19. Januar Hofgärtner a. D. Wilhelm Eubell, der letzte Kasseler Veteran der Freiheitskriege, im 94. Lebensjahre zu Kassel. Am 12. Februar der König!. Eisenbahndirektions-Präsident a. D. Sigmund v. Schmerfeld im 79. Lebensjahre zu Montreux. Am 14. Februar der Domdechant und Generalvikar Karl Kalb im 81. Lebensjahre zu Fulda. Am 12. März der Königl. Bergrath a. D. Philipp Werner Hausmann im 78. Lebensjahre zu Wilhelmshöhe. Am 6. April der Bibliothekar Ferdinand Zwenger, Herausgeber des Heffenland', im 69. Lebensjahre zu Fulda. Am 14. April der Generalmajor z. D. Eduard Funck, Ehren - Vorsitzender des Krieger - Verbandes für Hessen und Waldeck, im 75. Lebensjahre zu Kassel. Am 10. Mai der Kommerzien- rath Zimmermann, Mitglied des Abgeordnetenhauses, im 62. Lebensjahre zu Hanau. Am 4. Juni der Generalmajor a. D. Jobst Wilhelm v. Böcking im 77. Lebensjahre zu Kassel. Am 8. Juni der Bijouterie- Fabrikant Heinrich Weishaupt, Vorsitzender des Gemeinde-Ausschusses in Hanau, Mitglied des Provinzial- und Kommunal-Landtages, im 62. Lebensjahre zu Hanau. Am 1. Juli der frühere kurhessische Staatsmmffter Freiherr Alexander v. Baumbach-Ropperhausen im 80. Lebensjahre zu Ropperhausen. Am 22. Juli der frühere kommandirende General des 11. Armeekorps, General der Infanterie, Graf v. Bose, im 85. Lebensjahre zu Hasserode. Am 25. Juli der General-Supenntendent a.D.Dr. Julius Martin, im 82. Lebensjahre zu Kassel. Am 25. Juli der Geh. Oberregierungsrath Joseph Busch, Direktor des Betriebs-Amtes Schwerte-Kassel, im 56. Lebensjahre zu Kassel. Am 3. August der Präsident des Königl. Konsistoriums Friedrich v. Trott zu Solz, im 60. Lebensjahre zu Kassel. Am 4. August Freiherr- Ernst Schenck zu Schweinsberg, Erbschenck von Hessen, im 91. Lebensjahre zu Schweinsberg. Am 9. Sept.