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Energie einsetzen, um die Frage zum Austrag zu brin­gen, ob der monarchische Charakter der deutschen Staatswesen gewahrt werden solle und ob mit den Bestimmungen der Verfassung ein Mißbrauch getrieben werden dürfe, der ihrem Fundamentalzweck Hohn spreche. Das sieht ja fast aus, als wolle die nicht konfliktslüsterne Regierung wegen der Ungezogenheit von einem halben Dutzend Sozialdemokraten mit dem ganzen Reichstage anbinden und den Hurrah-Pa­triotismus als Vorspann für neue Steuern benutzen. Warten wirs ab.

* Heber die Forderungen für die deutsche Marine verbreitet sich die .Berliner Korrespondenz' in einem längeren Artikel. Es geht daraus hervor, daß die Marine-Verwaltung zunächst zur Ausführung des Bauplanes von 1888, dessen Eifüllung die Abstriche des Reichstages bis jetzt verhindert haben, „ungefähr noch 63 Millionen" verlangt. „Ist diese Lücke in un­serer Flotte erst ausgefüllt, so wird sich die Marine­verwaltung mit einem jährlichen Fixum, etwa einem bestimmten Prozentsatz des Bauwerths der Flotte, für die dauernde Auffrischung gern begnügen. So lange dies nicht der Fall ist, würde während der näch­sten Jahre zwischen den Forderungen für Erfüllung des Programms von 1888 und denen für Ersatzbauten ein Kompromiß Platz greifen müssen, von dem die Marineverwaltung nur verlangen müßte, daß ein höhe­rer Satz als 5 pCt. dabei erreicht, und jedenfalls nicht unter die Gesammtziffer der diesmaligen Forderung heruntergegangen wird." — Also zunächst 63 Mil­lionen und dann ein hübsches jährliches Fixum, wel­ches aber bekanntlich nicht verhindert, daß jeder­zeit noch besondere Forderungen als „unumgänglich nothwendig" aufgestellt werden.

* Der Plan einer Abänderung der Civilprozeß- Ordnung ist einer offiziösen Mittheiluug zufolge schon seit geraumer Zeit im preußischen Justizministerium, sowie im Reichs-Justizamt in's Auge gefaßt worden. Zu den Besprechungen über diese Abänderungen sollen der ,Schl. Ztg.' zufolge bewährte Praktiker des Richter- und Anwaltstandes herangezogen werden, ohne Rücksicht auf deren Zugehörigkeit zu dem einen oder anderen Einzelstaate. Was die in Aussicht genommenen Abänderungen selbst betrifft, so beziehen sich die­selben, wie der ,Voss. Ztg.' geschrieben wird, u. A. auf die Frage wegen Erweiterung der amtsgericht­lichen Zuständigkeit in Civil-Prozessen, um so die mit Arbeiten überladenen Landgerichte zu ent­lasten, die Prozeßkosten für die Parteien zu verringern, dem Zuzug der Rechtsanwälte nach Städten zu steuern und die Lage der bereits in den kleineren Städten mit Amtsgericht wohnhaften Rechtsanwälte zu verbessern. Auch wird eine Abänderung der das Zustellungs­wesen betreffenden §§ 152 bis 190 der Civilprozeß- Ordnung, wonach die Zustellung durch den Gerichts­vollzieher die Regel bildet, beabsichtigt, und zwar in der Richtung, das Zustellungswesen zu vereinfachen und zugleich die gegenwärtig zu dem Werthe des Streit­gegenstandes in keinem Verhältniß stehenden Zustellungs­kosten zu ermäßigen. Endlich sind auch eine einfluß­reichere Stellung des Richters und eine Aenderung des Beweis-Verfahrens im Civil-Prozeß in Anregung gebracht worden. Erwähnt sei noch, daß auch der kürzlich im Reichstage eingebrachte Antrag der Abgeord­neten Payer und Munckel, betr. eine Revision des Ge­richtskosten-Gesetzes, auf Herabsetzung der Zustellungs- Gebühren gerichtet ist.

* Dem Reichstag ist auch die Nachweisung der Geschäfts- und Rechnungsergebnisse der Jnvaliditäts- und Altersverstcherungsanstalten für 1893 zugegangen. Für die sämmtlichen 31 Versicherungsanstalten des Reichs sind 13,336,163 Mk. für Altersrenten und 2,797,596 Mk. für Invalidenrenten gezahlt worden. Die Zahl der bewilligten Altersrenten betrug 31,176,

sehen und als feingebildete Dame erkannt habe. Er bat den Freiherrn, selbst nach dem Hotel zu gehen, um sich zu überzeugen.

Die stolze Freifrau entschied sich sogleich, ihren Gatten zu begleiten, denn: „Du könntest ihm Logis in unserem Hause anbieten, und das will ich ver­meiden," meinte sie.

Zn ihrer Ueberraschung hatte Kurt das Hotel ver­lassen, doch Valesea kam ihnen so edel und würdevoll entgegen, daß selbst der Freifrau die schöne Erscheinung imponirte.

„Es ist schade, daß Kurt ausgegangen ist," begann sie, „er mußte meiner Schwester ein Kabeltelegramm senden, denn Herr Oswald hält der Erbschaft wegen ihr Kommen für wünschenswerth."

Die Freifrau wurde verwirrt.

„Wollen Sie mir Ihren Namen sagen-," bat sie, „Kurt nannte ihn nicht!"

„Ich bin die Tochter des Grafen Erlau, Ihres Freundes! Um seinetwillen bitte ich, mich ein wenig lieb zu haben."

Die Freifrau breitete ihre Arme aus und drückte Valesca an ihr Herz.

Nur wenig ist hinzuzufügen. Nach wenigen Mo­naten kam Laura und Lesters mit ihr. Sie hatte sich von ihren Pflegeeltern nicht trennen wollen, und diese wünschten, ihren Kindern eine bessere Erziehung zu geben. Doch Saarfeld hatte auch das Geheimniß seines

die der Invalidenrenten 33,228. An Verwaltungs­kosten sind aufgewendet worden 4,681,303 Mark, was für den Kopf des Versicherten etwa 0,50 Mk. oder 5,21°/o der Gesammteinnahmen an Beiträgen ausmacht. Die Einnahme aus Beiträgen belief sich auf 89,892,206 Mk. Beitragsmarken wurden verkauft 98 Millionen in Lohnklaffe 1, 170 Mill, in Lohnklaffe 2, 100 Mill, in Lohnklaffe 3 und 61 Mill, in Lohnklaffe 4. Doppelmarken wurden rund 188,000 verkauft. Der Antheil der Versicherungsanstalten an den bis Ende 1893 vertheilten Renten ergibt bei 203,529 Fällen an Altersrenten und 46,485 an Invalidenrenten einen Jahresbetrag von 14,859,545 Mark für Altersrenten und 2,876,829 Mark für Invalidenrenten. Die Rentenbelastung repräsentirt einen Kapitalwerth von zusammen 108,087,978 Mk. Bis zum Schluß des Jahres 1893 sind 36,553 Alters­renten und 8670 Invalidenrenten mit einem Jahres- betrage von zusammen 3,134,465 M. in Wegfall ge­kommen ; es verbleiben demnach am Schluffe des Jahres noch 166,976 Altersrenten mit einem abzüglich des Reichszuschuffes sich berechnenden Jahresbettage von 12,251,328.10 Mk. und 37,815 Invalidenrenten mit einem entsprechend berechneten Jahresbettage von 2,350,480.91 Mk. Der Vermögensbestand der Ver- sichernnganstalten einschließlich des Werthes der Inven­taren belief sich bei Ablauf des Jahres 1893 auf 227,200,019.57 Mk., wovon bis dahin 19,088,752.95 Mk. dem Reservefonds überwiesen worden sind. Der Durchschnittssatz der Altersrenten, welcher für den Geburtsjahrgang 1820 unb früher 124,62 Mk. betrug, ist für den Geburtsjahrgang 1823 auf 131,48 Mk. gestiegen, und die Durchschnittshöhe der Invalidenrente, welche sich für die im Jahre 1891 beginnenden Renten auf 113,35 Mk belief, hat für die im Jahre 1893 beginnenden Renten den Betrag von 117.41 M. erreicht.

Ausland.

* Wien, 2. Jan. In Arco fand die Eröffnung des Originaltestaments des Königs von Neapel statt. Die Lesung dauerte drei Stunden. Universalerbe ist der Graf Caserta. Das Gesammtvermögen beträgt mehrere Millionen, wovon die Königin einen theil- weisen Fruchtgenuß hat. Legate zu wohlthätigen Zwecken in Neapel und Palermo betragen Fres. 880,000. Ueberdies sind bedeutende Vermächtnisse für Verwandte und Diener eingesetzt. Zur Leichenfeier kommt der Erbprinz von Hohenzollern als Vertreter des deutschen Kaisers.

* Paris, 31. Dez. Das Revisionsgericht verwarf die Berufung des Hauptmanns Dreyfns und be­stätigte das erste Urtheil. — Dem ,Jntransigeant' zu­folge ist Professor Behring seit einigen Tagen in Paris; er wurde im Institut Pasteur empfangen. Gestern besuchte er das Laboratorium für Bakteriologie des Professors Strauß. Der ,Jntransigeant' fordert den Pariser Gemeinderath auf, Behring's Verdienste durch Ueberreichung einer Medaille anzuerkennen.

* Paris, 1. Jan. Bei dem Empfange des diplo­matischen Korps Seitens des Präsidenten der Repu­blik übermittelte der päpstliche Nuntius die Glück­wünsche der auswärtigen Vertreter und hob hervor: Wie auch die Interessen der Nationen auseinander­gingen, gebe es doch ein höheres Interesse: den Frie­den und die Gerechtigkeit, welche alle Nationen in dem Gefühle der Brüderlichkeit vereinigen. Der Präsident Casimir-Perier antwortete: „Die Wünsche, welche Sie für Frankreich und den Präsidenten der Republik kundgeben, entsprechen denjenigen, die wir für die Souveräne und Oberhäupter der von Ihnen vertretenen Nationen hegen. Ein Land, das Herr seines Geschickes ist und das Bewußtsein seines Werthes und seiner Macht hat, ehrt sich selbst, wenn es seine Friedens­liebe und seinen Willen betont, sich ganz den Werken

Herzens entdeckt, und als er von Laura Abschied nehmen wollte, gestand er ihr seine Siebe. Er lebt mit seiner Gattin glücklich auf Schloß Erlau, und feine größte Freude ist das nahe verwandtschaftliche Zusammenleben mit seinem Freunde Kurt.

Michael Richter und seine Schwester blieben in Waldbrunnen, doch bald durchreiste ein englischer Kunstreiter die Gegend, verheirathete sich mit Martha, und dieser liebenswürdige Meister brannte ihr mit dem Vermögen durch.

Dr. Eckart, der allgemein beliebte Arzt, wurde auf einstimmiges Verlangen der vielen Edelleute aus feiner segensreichen Thätigkeit aus China zurückgerufen und führte bald darauf feine treue Helene zum Traualtar.

* * *

Sieben Jahre waren vergangen. Kurt pflegt in feinem Garten mit besonderer Liebe die Christblumen, aber er ist nie so glücklich, als wenn er jener schau­rigen Winternacht gebenft, wo seine Christblume für ihn erblühte. Daun zieht die alte Freifrau ihre herzigen Enkelkinder auf den Schooß und erzählt ihnen immer und immer wieder die Geschichte, wie der Vater )ie Mutter gerettet und sie vor größerem Leid be­wahrt hat, wie Gefangenschaft. Kurt lächelt still ver­gnügt, wenn er unbemerkt beobachtet, wie oft die alte Dame die junge Herrin, in die Arme schließt und mit einem Kuß ihr zuflüstert: „Meine Christblume!"

I der Freiheit, Gerechtigkeit und sozialen Brüderlichkeit I zu widmen. Das sind die Empfindungen und Hoff­nungen Frantteichs, das damit bezeugt, daß es, getreu feiner Vergangenheit und seiner Natur, der Sache der Civilisation und Menschlichkeit dienen will." Bei dem weiteren Empfang im Elysee erwiderte der Präsident auf die Ansprache des General Saussier, welcher den Patriotismus der gesummten Armee betonte: „Ich weiß, daß die Armee immer, in Friedenszeiten wie an dem Tage, da das Vaterland bedroht sein sollte, auf der Höhe ihrer Pflicht stehen wird; das Vertrauen der öffentlichen Gewalten ist dem Heere immer unverkürzt zu Theil geworden. Ich halte darauf, meine warmen Empfindungen für die Armee, meine Achtung für ihre Befehlshaber, meine Fürsorge für die Untergebenen, meine Dankbarkeit für die Offiziere und die Soldaten zum Ausdruck zu bringen."

* Die Sage in Italien ist noch immer nicht ge­klärt. Zwar suchen die Crispi dienstbaren Blätter ihren Herrn und Meister gegen die aus den Giolitti- schen Akten herbeigeleiteten Anklagen zu verteidigen und seinen Gegnern alle Gehässigkeit aufzuladen. Giolitti, dessen Reise ins Ausland eben so unzeit­gemäß für fein moralisches Interesse war, wie die Vertagung der Kammer für Crispi, hält sich still. Inzwischen regen sich aber die italienischen Radikalen und hänfen neue Anschuldigungen auf den Minister- Präsidenten, besonders Cuvulotti, welcher den Ordensschacher Crispis zu beweisen sich anheischig macht.

* Rom, 31. Dez. Der hiesigen Polizei gelang die Entdeckung eines Diebstahls von 41 Miniaturen des 11. Jahrhunderts aus der vatikanischen Bibliothek. Einige derselben wurden dem Unterrichtsministerium zum Kaufe angeboten. Als muthmaßlicher Dieb ist ein gewisser Sardi aus Palermo verhaftet worden, der unter dem Namen eines Professors Rodisar in der Bibliothek arbeitete.

* Belgrad, 2. Jan. Heute begann der Prozeß gegen Sima Giakovic und Milosch Miscovic wegen des versuchten Giftattentats gegen den König Alexander. Bei einem Festdiner am 23. August 1893 in Arangjelovatz sollte der Köniz vergiftet und die Dynastie Karageorgevics eingesetzt werden. Der Haidukenchef Baschtovan, welcher damals Kreispandur war, schlich mit einem blauen Giftfläschchen in den Weinkeller, um in das Gefäß, wovon der König trank, Gift zu schütten. Unter den Zeugen ist auch der könig­liche Kellermeister Eleic.

' London, 31. Dez. Anläßlich seines 85. Geburts­tages empfing Gladstone eine Deputation von in London und Paris ansässigen Armeniern, die einen vergoldeten Becher für die Kirche in Hawardeu über­reichten als Dank für Gladstone's Sympathien für Armenien. Gladstone, von seiner Familie umgeben, erklärte, wenn bisher nichts für die Armenier gethan fei, so dürfe dies nicht der Gleichgiltigkeit zuzuschreiben sein. Die Berichte über die Greuelthaten in Armenien müßten Jedermanns Entrüstung Hervorrufen. Er fei jedoch überzeugt, daß in einem derartigen ernsten Falle jede Nation am besten durch ihre Regierung ver­treten fei. Die Deputation müsse nicht voraussetzen, daß die Berichte auf Wahrheit beruhen, sondern die Untersuchung abwarten. Gladstone schloß mit der Ver­sicherung, daß, so lange er noch seine Stimme habe, er sie zu Gunsten der Menschlichkeit gebrauchen werde.

* Die ,New Jork World' meldet aus Montevideo (Südamerika), daß die föderirten Rebellen das Hospital in Sau Gabriel niederbrannten, wobei 121 Personen ums Leben kamen.

Stadl, Provinz nnd Nachbargebiet.

Fulda, 3. Januar.

— Gestern unternahmen einige geübte Bergsteiger und Bergsteigerinnen einen Aufstieg auf die Milseburg. Der Weg war von der Bahnstation bis zur Wende­buche leicht paffirbar. Von da ab breitete sich aber ein weites und tiefes Schneefeld aus, auf dem jede menschliche Fußspur fehlte. Die Wanderer sanken oft bis an die Hüften in den „molligen" Schnee. Aber die unermüdlichen Touristen wurden durch den herrlichen Anblick, den die großartige Hochgebirgsnatur in ihrem Winterschlafe gewährte , reichlich für alle Mühen ent­schädigt. Die majestätische Ruhe, die tiefernste Poesie, die auf der Landschaft lag, die flimmernde Luft und darüber ein fast dunkelblauer Himmel riefen, vereint mit den märchenhaften Gebilden, welche die mit Rauh- froft und Schnee bedeckten Sträucher und Bäume ge­währten, einen unvergeßlichen Anblick hervor. Die Schneedecke wurde, je näher man dem Gipfel kam, immer hoher; zuletzt versank ein langer Alpenstock fast vollständig darin. Die vielen Felsblöcke, welche am Abhange der Milseburg zerstreut liegen, waren voll­ständig im Schnee vergraben.

* Am Dienstag, den 8. ds. Mts., wird Herr Direktor G. R. Kruse im großen Saale des Bürger­vereins eine einmalige Aufführung der Opern-Novität: „Hänsel und Gretel" veranstalten. (Siehe Inserat!)

X Am Samstag, den 29. v. M., beging der hiesige Gabelsberger Stenographenverein im Saale der „Harmonie" die Abschiedsfeier für seinen scheiden­den seitherigen Kassirer und Hnterrichtsleiter, Herrn Wilhelm Diem, durch einen in allen Theilen wohl-