des Jahres die fortwährend mit Ueberschüsfen abschließenden Monatsausweise über die Reichseinnahmen dargethan. Schon bis Ende November hatte das Reich über 30 Millionen mehr vereinnahmt, als im gleichen Zeiträume des Vorjahres. Daraus ergibt sich, daß die wieder angekündigte Tabaksteuervorlage trotz ihrer Beschränkung auf 35 Millionen Mark nicht nöthig ist. Der Reichstag wird sie auch jetzt wieder ganz gewiß ablehnen, denn das Centrum, das den Ausschlag gibt, hat bei der Etatberathung bereits durch den Abg. Bachem die Parole ausgegeben: Ausgleichung des Etats ohne neue Steuern. Die „Finanzreform" ist daher ebenfalls überflüfsig, denn da nicht auf die Mehrüberweisungen an die Einzelstaaten verzichtet worden ist, soll nur das Gleichgewicht zwischen Matrikularumlagen und Ueberweisungen hergestellt werden. — Dazu bedarf es aber keiner „Finanzreform", die für das Centrum überdies schon deswegen unannehmbar ist, weil sie die Frankenstein'sche Klausel thatsächlich, wenn auch nicht formell, aufhebt. Auf die hohe, verfassungsrechtliche Bedeutung dieser Klausel brauchen wir hier nicht erst hinzuweisen.
(Fortsetzung folgt.)
Deutsches Reich.
Berlin, 31. Dezember.
* Zum Neujahrsfeste trafen hier die Prinzen Arnulf von Bayern und Georg von Sachsen ein und nahmen im Schlosse Wohnung.
* Die Königliche Verordnung, durch welche die beiden Häuser des preußischen Landtags auf den 15. Januar "nach Berlin zufammenberufen werden, wird heute durch die amtlichen Verordnungsblätter veröffentlicht.
* In einer zahlreich besuchten Versammlung der Berliner Saalbrsitzcr, die heute Nachmittag im Buggen- hagen'schen Lokal stattfand, wurde die Aufhebung der Saalsperre beschlossen, nachdem die Aufhebung des Bierboykotts erfolgt ist.
* Auch eine gestern in Rixdorf bei Berlin stattgehabte sozialdemokratische Volksversammlung hat die Aufhebung des Boykotts beschlossen. Bemerkenswerth ist folgende Aeußerung, die der Abg. Singer in der Versammlung that: Unklar sei, woher die Brauereiarbeiter mit einmal das Geld zur Unterstützung bis Ostern her habe. Es liege da eine Vermuthung nahe, daß es aus den Kreisen stamme, die ein Interesse an der Weiterführung des Boykotts haben. Direktor Ahrendt (Münchener Brauhaus) habe mit der Kommission der Brauereiarbeiter eine Zusammenkunft gehabt, vielleicht wäre da die Sache gemacht.
* Das Gesetz wider den unlauteren Wettbewerb, welches auch in der Thronrede für die gegenwärtige Reichstagssession in Aussicht gestellt worden ist — wenn auch weniger bestimmt, als man erwarten durfte — ist, wie in Reichstagskreisen verlautet, im Reichsamt des Innern unter Berücksichtigung der von der Sach- verständigen-Kommission geltend gemachten Gesichtspunkte einer Umarbeitung unterzogen worden und liegt gegenwärtig den verbündeten Regierungen vor. Wie es heißt, steht die neue Vorlage auf dem Boden der namentlich in der Kölner Gürzenich-Versammlung vertretenen Anschauung, daß die civilrechtliche Entschädigungspflicht wegen Handlungen des unlauteren Wettbewerbs voranzustellen und lediglich für die schweren Fälle auch strafrechtliche Ahndung anzudrohen sei. Bestätigt sich diese Mittheilung, so kann man nur um so mehr wünschen, daß die Vorlage alsbald an den Reichstag gelange; die Erledigung in dieser Körperschaft wird dann keinerlei Schwierigkeit machen, da dem Gesetz unter der obigen Voraussetzung eine große noch dazu die Hochstein'schen Juwelen tragen? Lieber wollte ich meinen einzigen Sohn im Grabe wissen!"
„O Mutter! still, du darfst nicht so sprechen."
„Ich will sagen, was mir auf dem Herzen liegt," entgegnete die erbitterte Frau, „ich möchte diese Schmach der ganzen Welt ausposaunen."
„Vielleicht ist sie gar nicht so schlimm, wie Du sie Dir verstellst," wagte Helene zu beruhigen. „Ich kenne Kurt zu gut, er wird nur eine feingebildete Dame zur Gattin erwählen."
„Du weißt, was er von dem Aufenthalt in Sara- tonka geschrieben hat. Er hatte dort weder Nachbaren noch Bekannte und an ein geselliges Leben war gar nicht zu denken. Wer weiß — er hat vielleicht von einem einfachen Milchmädchen sich bethören lassen!"
„Das glaube ich nicht," entgegnete Helene entschieden, „doch sieh', dort kommt Papa!"
Der Freiherr war nicht minder bestürzt, wie seine Gattin, als er die inhaltsschwere Nachschrift gelesen hatte.
„Meine Christblume!" stöhnte er, „und so schreibt mein Kurt, dem ein Graf seine Tochter nicht verweigert hätte."
„Papa, sei nicht hart," schmeichelte Helene, „steh', der Brief hat sich verzögert, — Kurt kann am 22. hier sein."
g | Der alte Herr erschrack.
M „Heute ist der 21. Er wird also morgen kommen!"
Mehrheit von vorn herein gesichert ist. Es würde in den auf die endliche Gewährung eines wirksamen gewerblichen Rechtsschutzes rechnenden Kreisen unseres Erwerbslebens den übelsten Eindruck machen, wenn die Erledigung dieser Angelegenheit über die gegen- wärttge Tagung hinaus sich verzögere.
* lieber die Stellung der Einzelregierungen zur Tabakfabrikatsteuer will die,Südd. Tabakzeitung' Folgendes wiffen: Einig sind mit der preußischen Regierung nur die Regierungen von Württemberg und Els aß-Lothringen. Beide süddeutschen Staaten machen kein Hehl daraus, entschiedene Anhänger des Tabakmonopols zu sein und in Folge dessen jeder Steuer, besonders der Fabrikatsteuer, zuzustimmen, welche die Verhältnisse in der Tabak-Industrie Deutschlands unhaltbar machen würde. Die Regierungen Bayerns, Badens und Hessens nehmen diesen Standpunkt nicht ein. Baden fordert eine Zollerhöhung, um den Tabak-Anbau zu vermehren; Bayern verlangt gleichfalls eine Zollerhöhung von 10 Mk. für den Doppel- centner, um die in den billigeren Preislagen arbeitende Schneidtabak-Fabrikation auf den Inlands-Tabak zu verweisen, „wodurch der Absatz des inländischen Produkts zunehmen würde." Hessen nimmt zwar den gleichen Standpunkt ein, möchte auch gern weitere Reichs-Einnahmen sehen, weist jedoch die Befürchtung nicht von der Hand, daß die Fabrikatsteuer der hochentwickelten Industrie Gießens, Hanaus, Offenbachs, Steinheims und anderer Orte des Großherzogthums verderblich werden könnte. Auch in manchen anderen süddeutschen Ministerien werde der Kampf gegen die Fabrikatsteuer ungefähr mit den Worten rertheidigt: „Sie wehren sich und haben alle Ursache dazu."
* Dem Reichstage ist eine Novelle zum Zolltarif zugegangen, die im Wesentlichen der in der letzten Session unerledigt gebliebenen entspricht. Hinzugekommen ist folgende Festsetzung für Honig: 1. in Waben (Scheiben) 100 Klg. 20 Mk.; 2. anderer, auch künstlicher, 100 Klg. 30 Mk. Der jetzige Honigzoll beträgt 20 Mk. und zwar für beide Kategorien. Nun besteht der künstliche Honig in der Hauptsache aus flüssigem Zucker. Durch das Zuckersteuergesetz von 1891 ist aber der Zoll für flüssigen und festen Zucker aller Art auf 36 Mk. erhöht worden. Hieraus ergibt sich die Nothwendigkeil, den Zoll für künstlichen Honig auf die gleiche Höhe zu bringen. Der ausgelassene natürliche Honig muß aber ebenso behandelt werden, weil jetzt Kunsthonig hergestellt wird, der von ausgelassenem natürlichen Honig nicht zu unterscheiden ist.
* Bezüglich der in vielen preußischen Gemeinden beschlossenen oder zur Diskussion stehenden Umsatzsteuer» beim Erwerbe vo« Grundstücke» hat der Finanzminister anläßlich eines Spezialfalles sich dahin ausgesprochen, es müsse grundsätzlich daran festgehalten werden, daß den Gemeinden nicht die Einführung einer solchen Steuer mit einem höheren Satze, als demjenigen des vom Staate erhobenen Jmmobilien-Kausstempels, d. i. Eins von Hundert, gestattet wird.
* Der neuernannte General-Gouverneur von Warschau, russischer Botschafter am hiesigen Hofe Graf Schuwalow ist gestern aus Petersburg wieder in Berlin eingetroffen und wird demnächst dem Kaiser sein Ab- berufuugsschreiben überreichen. — Die ,Kreuzzeitung' schreibt: Von einer Seite, die es wissen muß, wird uns mit voller Bestimmtheit versichert, daß die Nachricht der .Neuen Freien Presse', der Kaiser habe an den Zaren einen eigenhändigen Brief gerichtet, um die Belassung des Grafen Schuwalow in Berlin zu erwirken, unrichtig ist.
* Der angekündigte Besuch des russische« Kaiserpaares am Hofe zu Darmstadt wird voraussichtlich im Mai erfolgen.
* Der Kommandeur der 33. Division, welche in
Die stolze Freifrau erhob sich und stellte sich mit blitzenden Augen ihrem Gatten gegenüber.
„Hierher wird er nicht kommen," entschied sie. „So lange ich Herrin des Haufes bin, soll Dein Sohn eine „Wilde" oder eine „Negerin" nicht über diese Schwelle führen!"
„Aber meine Liebe," rief verzweifelt der Gatte, „ich bin ebenso entrüstet wie Du, was läßt sich aber an geschehenen Thatsachen ändern? Und Kurt ist unser einziger Sohn! Wenn ich sterbe — und ich bin ein alter Mann — so fällt ihm das Besitzthum zu, darum füge Dich und verdamme nicht eher, als bis Du gesehen hast und urtheilen kannst! Ich möchte gern den Rest meines Lebens in Frieden leben und mich nicht mit meinem einzigen Sohn entzweien; ich kann ihm mein Haus nicht verschließen, als ob er und seine Gattin Betrüger wären."
„Darf ich sie am Hafen empfangen?" bat Helene.
„Durchaus nicht," versetzte der Vater. „Am besten wird's schon sein, ich rede mit Herrn Oswald, meinem Anwalt, der versteht sich drauf, die unangenehmsten Sachen glatt abzuwickeln."
„Das ist ein guter Einfall," meinte die Gattin und glättete die Falten ihrer Stirn, „Herr Oswald kann uns alsdann genauen Bericht über die äußere Erscheinung dieser Person geben."
„Kurt's Gattin," verbesserte der Freiherr lächelnd und verließ das Gemach.
Ehe er aber den Anwalt aufsuchte, miethete er im
Metz steht, Generallieutenant v. Kayser, ist am Sonn- tag früh infolge von Blinddarmentzündung gestorben.
* Die Kapkolonie tritt mit dem 1. Januar dem Weltpostvertrage bei.
* Der Kaiser gedenkt dem Herzog von Sachsen- Koburg-Gotha im Februar einen Jagdbesuch abzustatten.
* Wesel, 31. Dez. Der Regierungspräsident ordnet die Reichstags - Ersatzwahl für den $rei8 Rees- Mörs auf den 8. Februar an.
Ausland.
* Rom, 31. Dez. Bonghi erklärte in einer Rede, welche er gestern in der konstitutionellen Vereinigung von Neapel hielt, daß er angesichts der verworrenen Koalition zwischen Rudini, Zanardelli, Brin und Cavalotti treu zu Crispi und dem Ministerium stehe, welches den Muth gehabt habe, die weitere Verantwortung der Erbschaft Giolitti's auf sich zu nehmen und welches durch energische Bekämpfung der Umsturzbewegung die treuesten Dienste geleistet habe.
* Die Kardinalskonferenzen zur Berathung der Angelegenheiton der katholischen orientalischen Kirchen sind, einer römischen Meldung der ,Pol. Korr.' zufolge, bis zum 2. Januar vertagt worden. Wie es heißt, werden die nächsten Konferenzen vornehmlich der Erörterung der Mittel gewidmet sein, durch welche eine Annäherung zwischen dem Papstthum und der russischen Orthodoxie herbeigeführt werden könnte.
* London,^31. Dez. Die Barke „Ossia", von Belfast kommend,P erlitt heute früh bei Holyhead Schiffbruch.^ Obgleich die Verbindung mittelst Rettungs- Apparates sofort hergestellt werden tonnte* gelang es doch nicht, die Besatzung zu retten. Die igefammte Mannschaft — 24 Personen — wurde von den Wogen fortgerissen und ertrank.
Stadl, Provtn; und Rachbargeoiet.
Fulda, 2. Januar.
(*) Seit Jahren pflegen wir in unserem Blatte beim Jahreswechsel einige statistische Notizen über den hochw. Diözesan - Klerus zu geben. Wenn wir dies auch Heuer wieder ihuu, dann stehen wir zunächst vor Thatsachen, wie wir sie noch nicht zu verzeichnen hatten. Am 11. Januar 1894 entriß der Tod der Diözese ihren Oberhirten, Bischof Weyland, nach kurzer Krankheit im Alter von 66 Jahren. Hochdemselben folgte im Tode am 14. Februar der höchste geistliche Würdenträger der Diözese nächst dem Bischöfe, der Dekan des hohen Domkapitels, der hochw Herr Generalvikar Karl Kalb im vollendeten 80. Lebensjahre nach langwierigen Leiden. Außerdem starben noch die hochw. Herren: Pfarrer G. Wehner (Hofaschenbach), 51 Jahre alt, Pfarrer Etzel (Hafelstein), 55 Jahre alt, Dechant und Pfarrer Hohmann (Batten), 74 Jahre alt. Ferner wurden zwei Seelsorgs - Priester wegen Krankheit pensionirt, einer trat in einen Orden, einer kehrte in seine Hei- maths-Diözese zurück. Es wurden 3 neue Stellen errichtet, was in gewissem Sinne auch einen Abgang von 3 Priestern bedeutet. Alles dieses gerechnet, sind der Abgänge im Ganzen 12. Dem gegenüber steht die Zahl von ebenfalls 12 im letzten Jahre neugeweih- ten Priestern. Daher kann man noch nicht von Ausfüllung der vorhandenen Lücken reden. Bemerkenswerih erscheint auch die Thatsache, daß die 1871 fuldaisch gewordenen, ehedem würzburgischen Distrikte im letzten Jahre den ersten Priester geliefert haben. Die Diözese Fulda zählt bei ungefähr 155,000 Seelen 170 Priester. Davon sind 6 pensionirt refpektive außer Thätigkeit. Dazu kann man noch einen oder den andern Herrn rechnen, die zwar noch in Stellung sind, aber einen Kooperator haben. Der Senior des Klerus ist der „Hotel zur goldenen Krone" für seinen Sohn eine Reihe prächtiger Zimmer; denn er kannte seine Gattin und wollte aufregende ©eenen vermeiden.
Herr Oswald übernahm den schwierigen Auftrag und versprach seinem Klienten, die gewünschte Auskunft bald zu überbringen.
„Fangen Sie die Sache aber mit größter Vorsicht an," mahnte besorgt der bekümmerte Vater, „damit die junge Fran nicht unvorbereitet erfährt, daß meine Gattin sich weigert, sie zu empfangen. Natürlich muß aber Kurt die volle Wahrheit wissen."
Herr Oswald begab sich seinem Versprechen gemäß am folgenden Tage an Bord der „Seekönigin", die im Hafen Anker geworfen hatte. Sein erster Blick fiel auf den jungen Freiherrn, der mit strahlenden Augen das Menschengewühl musterte, das sich auf der Schiffsbrücke zufammendrängte. Er stand allein am Schiffsrand, seiner Gattin harrend, die noch unten in der Kajüte das Einpacken ihrer Sachen beaufsichtigte. Der Anwalt legte die Hand auf die Schulter des jungen Mannes, der freudig überrascht aus seinen lieblichen Träumen erwachte. Doch bald verfinsterte sich sein Antlitz, als sich der väterliche Freund des Auftrages entledigte.
„Das darf meine Gattin nicht erfahren," rief er bestürzt, „es würde ihr das Herz brechen. Seien Sie aber für heute mein Gast im Hotel, damit Sie sie kennen lernen und genau meinen Eltern Bericht erstatten können." (Schluß folgt.)